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Veröffentlicht am 22.02.2021

Durchaus spannende Geschichte, die ein bisschen an den unsympathischen Charakteren krankt

Darling Rose Gold
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Bei dem Cover bin ich sehr zwiegespalten. Einerseits gefällt mir das fast schon schmutzige Rosa eher weniger, andererseits passt es in seiner Gesamtheit nahezu perfekt zum Inhalt des Buches. Es erweckt ...

Bei dem Cover bin ich sehr zwiegespalten. Einerseits gefällt mir das fast schon schmutzige Rosa eher weniger, andererseits passt es in seiner Gesamtheit nahezu perfekt zum Inhalt des Buches. Es erweckt den Anschein einer alten Tapete, die jedoch nur unzureichend verschiedene Makel und Fehler überdecken kann. Auch der aufgespießte Schmetterling verweist schon dezent darauf, dass in der Geschichte eben nicht alles okay ist, vielleicht sogar eher im Gegenteil.

Diese ist zumindest mal ungewöhnlich: Rose Gold Watt hat keine normale Kindheit, vielmehr war sie seit frühester Jugend schwerkrank und musste zeitweise sogar zwangsernährt werden. Ihre Mutter Patty kümmert sich rührend um das Mädchen und wird in dem kleinen Ort sehr geschätzt bis herauskommt, dass Rose gar nicht an einem Chromosomen-Defekt leidet, sondern jahrzehntelang von ihrer Mutter vergiftet wurde. Patty wird verurteilt und kommt für fünf Jahre ins Gefängnis. Nach ihrer Haftentlassung kommt sie bei ihrer Tochter unter, die zusammen mit ihrem kleinen Sohn Adam in dem Haus lebt, in dem Patty in ihrer Kindheit die Hölle durchmachen musste. Während sie versucht, nach und nach wieder die Kontrolle über ihre Tochter zu erlangen, hat Rose bereits einen Plan geschmiedet, um sich an ihrer Mutter zu rächen…

Ich war wirklich gespannt auf die Geschichte, weil es mal etwas anderes war als die typischen Romane, auch wenn ich durch den Klappentext und andere Beschreibungen gedacht habe, dass es eher in Richtung Thriller gehen würde, sodass ich vielleicht doch etwas mehr Spannung erwartet hätte. Der Schreibstil ist allerdings wirklich gut. Man kommt ohne Probleme in die Geschichte, die nicht etwa mit Rose Golds Kindheit startet, sondern mit Pattys Haftentlassung, auch wenn es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit gibt. Vielleicht hätte ich es besser gefunden, wenn man diese Erinnerungen nicht nur aus Pattys, sondern auch aus Rose Golds Sicht erlebt hätte, weil so die Sicht etwas einseitig gerät. Das Problem ist dabei vor allem, wie narzisstisch Patty ist. Sie ist fest davon überzeugt, in ihrem Leben alles richtig gemacht zu haben und dass ihre Tochter ohne sie niemals klargekommen wäre. Deswegen kann sie auch jetzt nicht verstehen, warum Rose noch immer auf Distanz zu ihr geht. Klar hatte auch Patty eine schwierige Kindheit, aber das mir fällt es dennoch extrem schwer, ihre Handlungsweisen nachvollziehen zu können. Dadurch, dass ich aber auch gewisse Schwierigkeiten mit Rose hatte, fand ich das Buch im Gesamten nicht ganz so überzeugend. Sie ist vor allem zu Beginn eher das ruhige, zurückgezogene Mädchen, das durch ihre Kindheit nicht so ganz in der richtigen Welt klarkommt, aber mit Verlauf des Buches zeigen sich noch andere Eigenschaften, die ich zwar theoretisch verstehen konnte, die mir es aber schwermachten, sie zu mögen. Dadurch fehlte mich ein bisschen die Bezugsperson, weil ich normalerweise zumindest irgendwen mag, das hier aber vollkommen wegfällt.

Durch den sehr lockeren, fließenden Schreibstil habe ich das Buch wirklich schnell durchgelesen, auch weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht, aber so ganz rund fand ich die Story letztlich dann nicht. Durch den Spannungsaufbau habe ich die ganze Zeit mit einer spektakulären Wendung gerechnet und richtig daraufhin gefiebert, aber ich war im Endeffekt ein bisschen enttäuscht, weil ich so einen ähnlichen Verlauf relativ früh erwartet habe.

Alles in allem mochte ich das Buch vor allem wegen des Schreibstils extrem gerne und würde definitiv noch ein Buch der Autorin lesen wollen, obwohl ich hier nicht so richtig mit den unsympathischen Charakteren klarkam und man vielleicht auch etwas mehr aus der Story hätte herausholen können.

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Veröffentlicht am 12.02.2021

Für die große Liebe reichen fünf Minuten

Between Your Words
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Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Es ist zwar schlicht, sticht aber dennoch aus der Masse heraus. Die Grautöne und die blaue Schrift harmonieren hervorragend miteinander und ich freue mich schon ...

Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Es ist zwar schlicht, sticht aber dennoch aus der Masse heraus. Die Grautöne und die blaue Schrift harmonieren hervorragend miteinander und ich freue mich schon darauf, es neben den anderen Büchern von Emma Scott in meinem Regal stehen zu sehen.

Auch die Story klingt wirklich gut: Jim Whelan beginnt neu als Hilfspfleger im Blue Ridge Sanatorium, das auf die Betreuung von Bewohnern mit Gehirnverletzungen spezialisiert ist. Dort trifft er auf Menschen, die mit Posttraumatischen Belastungsstörungen oder Schwindelanfällen zu kämpfen haben und auf Thea. Er ist auf den ersten Blick von der fröhlichen, jungen Frau fasziniert und kann sich gar nicht vorstellen, dass sie eine der Bewohnerinnen sein soll, doch Thea hat die zweitschlimmste jemals diagnostizierte Amnesie der Welt. Nach einem Autounfall verliert sie alle fünf Minuten ihr Kurzzeitgedächtnis und vergisst alles, was sie in dieser Zeit erlebt und besprochen hat. Während alle um sie herum, selbst ihre Schwester Delia, nicht daran glauben, dass sich daran jemals etwas ändern wird, will Jim sich nicht damit abfinden, dass es so gar keine Möglichkeit geben soll, ihre Situation zu verbessern. Er ist der einzige, der erkennt, dass in den Kunstwerken der jungen Frau versteckte Hilferufe zu finden sind und versucht alles, um mit ihr in Kontakt zu kommen. Zwischen den beiden entwickelt sich trotz der Amnesie eine tiefe Verbindung und als sich eine neue Behandlungsmethode auftut, besteht endlich die Chance die echte Thea kennenzulernen, doch die neuen Medikamente sind nicht ohne Nebenwirkungen…

Der Schreibstil von Emma Scott ist auch in diesem Buch wieder gewohnt poetisch, emotional und mitreißend. Schon ab dem ersten Satz wird man dadurch in die Geschichte gezogen und kann sich nur schwer wieder daraus befreien. Man fliegt einfach nur so durch die Kapitel und fiebert, leidet und freut sich mit den Charakteren. Diese Intensität, die der Schreibstil vermittelt, findet man nur bei wenigen Autor*innen, deswegen sind die Bücher von Emma Scott auch immer etwas Besonderes.

Die Story an sich hatte von Anfang an das Potenzial, mein Herz zu brechen und das hat sie tatsächlich auch gemacht, obwohl sie mich im Ganzen nicht so überzeugen konnte wie die All in-Dilogie. Im Prolog lernt man Thea in den Stunden vor dem Unfall kennen. Sie ist unglaublich quirlig, fröhlich und liebenswert, auch wenn sie ihre Schwester mit genau dieser Art in den Wahnsinn treibt. Dennoch mochte ich sie ab der ersten Seite und deswegen fand ich es umso schlimmer, diese Thea zu verlieren. Zwar hat sie immer noch Charakterzüge der Frau vor dem Unfall, aber dadurch, dass sie immer nach fünf Minuten wieder fast alles vergisst, selbst Dinge vor dem Unfall, macht es schwer, ihre gesamte Persönlichkeit zu erfassen. Dadurch hatte ich manchmal das Gefühl, dass Jim aber auch ich sie ein wenig idealisiert haben und es mir deswegen schwerfiel, gewisse Handlungen zu akzeptieren und zu verstehen.

Bei Jim hingegen habe ich diese gemischten Gefühle nicht. Er ist ab der ersten Seite ein unglaublich starker, manchmal vielleicht zu netter Protagonist. Trotz seiner furchtbaren Kindheit und Jugend ist er nicht verbittert und gemein, sondern eher unsicher und zurückhaltend. Vor allem zu Beginn hängt er noch sehr in seiner Vergangenheit und wird immer wieder mit Erinnerungen konfrontiert, sodass es ihm schwerfällt, sich durchzusetzen. Durch Thea und den Umgang mit ihr hingegen muss er über seinen Schatten springen und ich habe es geliebt, wie er es langsam aus seinem Schneckenhaus schafft, um sich endlich ein richtiges Leben aufzubauen.

Während der Anfang des Buches noch recht gemächlich aufgebaut ist, entwickelt sich die Story zum Ende hin für mich ein wenig zu schnell und teilweise sogar zu unglaubwürdig. Ich verstehe die Gründe dafür sogar, es fiel mir dennoch schwer, einiges einfach so akzeptieren, dazu gehörten auch einige Charakterentwicklungen, die möglicherweise sogar sehr realistisch wären, die Protagonisten für mich aber ein wenig unsympathisch erscheinen lassen. Nichtdestotrotz hat mich das Buch immer wieder mit der vor allem im ersten Teil vorherrschenden leise, angenehmen Art Jims, seine Geschichte zu erzählen, berührt und ich habe nicht nur die Protangonisten, sondern auch die Nebencharaktere in mein Herz geschlossen. Ich mochte die eher ungewöhnliche Story, auch wenn sie mir an manchen Stellen vielleicht eine Spur zu unglaubwürdig, zu schnell erzählt wird und bin mir nicht sicher, ob mir nicht vielleicht sogar ein anderes Ende besser gefallen hätte.

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Veröffentlicht am 10.02.2021

Starkes feministisches Buch, das einen wütend zurücklässt

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Ich finde das Cover unglaublich gelungen. Zunächst gefiel mir die Gestaltung einzig wegen der leuchtenden Farben und der fast schon plastischen Aufmachung. Nachdem ich das Buch gelesen habe, fand ich aber ...

Ich finde das Cover unglaublich gelungen. Zunächst gefiel mir die Gestaltung einzig wegen der leuchtenden Farben und der fast schon plastischen Aufmachung. Nachdem ich das Buch gelesen habe, fand ich aber auch die Botschaft hinter dem Cover sehr passend gewählt. Dadurch, dass der Name und das Geburtsjahr über dem Gesicht der dargestellten Figur positioniert ist, wirkt die Protagonistin austauschbar und als Stellvertreterin für alle Frauen Koreas, vielleicht sogar für alle weltweit stehen kann.

Die Story des Buches an sich klang erstmal nicht besonders spektakulär: Kim Jiyoung führt ein ganz normales Leben in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Sie hat gerade erst ihren Job in einer Marketingfirma aufgegeben, um sich um ihre kleine Tochter zu kümmern, während ihr Mann weiterhin von morgens bis in die Nacht hinein für eine IT-Firma arbeitet. In der letzten Zeit nimmt ihr Mann allerdings eine Veränderung an ihr wahr, immer häufiger scheint sie in die Rollen anderer Menschen zu schlüpfen und stellt ihn dadurch auch vor seiner Familie bloß. Daraufhin sucht der verzweifelte Ehemann einen Psychiater auf, der nun auch die Geschichte Kim Jiyoungs erzählt. Er beginnt mit ihrer Kindheit, in der sie und ihre ältere Schwester immer wieder hinter ihrem jüngeren Bruder zurückstecken müssen, erstreckt sich über die Schulzeit, in der Lehrer die Mädchen immer wieder darauf hinweisen, wie ‚vernünftige‘ Schulkleidung auszusehen hat bis hin zu ihrer Arbeit, in der Männern immer wieder die besseren Projekte zugeteilt werden. Nach der Geburt ihrer Tochter wird zudem erwartet, dass sie ihren Job aufgibt und sich ganz dem Haushalt widmet, sodass sie nun trotz guter Ausbildung ihre Zeit vor allem mit ihrer kleinen Tochter verbringt.

Der Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut, obwohl er so ganz anders ist als das, was ich sonst mag. Ich bin normalerweise ein großer Fan von einem poetischen, leichten Schreibstil, der einen zwar durch die Seiten fliegen lässt, aber gleichzeitig auch einen großen Eindruck hinterlässt. Hier ist es eher so, dass der Schreibstil hinter die Geschichte zurücktritt, was für die Message des Buches perfekt ist. Da die Geschichte nicht aus der Sicht von Kim Jiyoung erzählt wird, sondern von ihrem Psychiater, ist der eher nüchterne, fast schon klinische Blick auf ihr Leben perfekt. Es sorgt dennoch nicht dafür, dass man durch das Buch stolpert, sondern vielmehr fliegt man durch die einzelnen Szenen, fast schon ein bisschen atemlos.

Ich weiß nicht, was ich von de Buch erwartet habe und vielleicht hat es mich gerade deswegen so überzeugt, weil ich mir vorher keine genaueren Vorstellungen gemacht habe. Zwar kommt man den dargestellten Figuren durch die distanzierte Erzählweise emotional nicht besonders nahe, das ändert aber nichts daran, dass man Kim Jiyoungs Leben dennoch zumeist mit Interesse, aber auch mit sehr viel Wut und fast schon Hilflosigkeit verfolgt. Schließlich liegt der Fokus dieses Buches auf der Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen in Südkorea. Dieses zeigt sich schon in der frühesten Kindheit der Protagonistin, in der sie und ihre ältere Schwester sich häufig Reste teilen müssen, während der Bruder immer zuerst etwas vom Essen oder neuen Sachen erhält. Die Mädchen sehen an diesem Umstand allerdings nichts Verwerfliches, sondern nehmen es vor allem in der Kindheit ohne es zu hinterfragen hin und akzeptieren es. Wenn Jiyoungs ältere Schwester dann doch einmal rebelliert, akzeptiert deren Mutter das dann sogar und versucht eine Lösung zu finde ohne dass sich aber letztlich etwas ändert. Diese ist eigentlich Hausfrau, durch ihren intelligenten Umgang mit dem Geld der Familie und durch harte Arbeit ist sie es allerdings die dafür sorgt, dass es allen drei Kindern möglich ist, zu studieren. Auch der Vater der Familie ist kein aufbrausender Tyrann oder Patriarch, sondern ein durchaus sympathischer Mann, der allerdings ebenso wie alle anderen Mitglieder der Familie immer wieder in die Muster der Gesellschaft zurückfällt.

Auch später ändert sich nichts für Kim Jiyoung und die anderen Frauen in ihrem Umfeld, egal wie hart sie arbeiten und wie gut ihre Noten in der Uni waren, immer werden ihnen Männer vorgezogen, gerne mit dem Grund, dass die Frauen ja eh bald nicht mehr zur Verfügung stehen würden, wenn sie denn erst eine Familie gegründet hätte. Viele der beschriebenen Szenen kennt man als Frau auch aus seinem eigenen Alltag und sind keinesfalls exemplarisch für die koreanische Gesellschaft, auch wenn dort die Ungleichheiten noch viel größer sind als in europäischen Ländern. Auch die Tatsache, dass selbst ‚gute Männer‘, die es eigentlich besser wissen müsste und so gut wie alle Frauen des Buches immer wieder in die alten Muster der patriarchalischen Gesellschaft zurückfallen, hat besonders zum Ende hin wirklich wütend gemacht, sorgt gleichzeitig allerdings auch dafür, dass mir das Buch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 30.01.2021

Selbst für Anfänger unglaublich motivierend

Homefarming
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Das Cover finde ich persönlich perfekt gewählt, weil es so super idyllisch wirkt, wie der perfekte Traum vom eigenen Bauernhof und im Prinzip ist genau das auch der Inhalt dieses Buches. Ich mag die warmen ...

Das Cover finde ich persönlich perfekt gewählt, weil es so super idyllisch wirkt, wie der perfekte Traum vom eigenen Bauernhof und im Prinzip ist genau das auch der Inhalt dieses Buches. Ich mag die warmen Farben und durch den gefühlten Gemüsekorb hat man direkt mehr Lust, das Buch zu lesen.

Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, was ich von dem Buch erwarten sollte, aber da ich das Thema super interessant finde und Judith Rakers schon immer sehr sympathisch fand, wollte ich zumindest mal reingeschaut haben. Ich wurde auch wirklich nicht enttäuscht. Ich mag die Art, wie sie erzählt. Sie beginnt erstmal damit, wie wenig Ahnung sie vom Gärtnern aber auch vom Kochen und auch von der Hühnerhaltung hatte und dass niemand damit gerechnet hätte, dass sie jemals ein Buch über Homefarming schreiben würde. Schon in dieser kurzen Einleitung wird immer wieder ihr leichter Humor deutlich, der sich durch das ganze Buch zieht und mich immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Das hat auch dafür gesorgt, dass ich jedes Kapitel wirklich gerne gelesen habe, egal welches Thema es jetzt behandelt hat. Zudem wirkt es zu keiner Zeit belehrend oder von oben herab, sondern man hat immer das Gefühl, dass die Autorin hier vor allem ihre Begeisterung für das Thema vermitteln wird, was auch bei mir das Interesse auslöst, mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzten.

Ich mag, dass die Kapitel immer recht kleinschrittig aufgebaut sind ohne sich dabei allerdings dauerhaft zu wiederholen. Man bekommt so zunächst einmal einen Überblick über die grundlegenden Voraussetzungen, die man erfüllen muss, um anfangen zu können. Dabei wird deutlich, wie wenig tatsächlich von Nöten ist und dass fast jeder mit einem kleinen Balkon oder einer kleinen Terrasse ein paar Gemüsesorten anbauen kann. Doch auch die richtige Erde und Arbeitsmaterialien werden thematisiert, sodass einem genau die Fragen beatwortet werden, die man sich zwar eigentlich (vor allem als absoluter Anfänger) stellt, aber häufig nicht in vollem Umfang beantwortet werden. Auch dass nicht einfach davon ausgegangen wird, dass man einen Garten besitzt, sondern immer mehrere Möglichkeiten aufgezeigt werden wie man ein Beet anlegen kann, gefiel mir ausgesprochen gut. Es wird zwar deutlich, dass ein großer Garten und ein solides Grundbudget es einfacher machen, zum Selbstversorger zu werden, aber dennoch gibt es auch gute Tipps, die sich für jeden umsetzten lassen, der dies in Betracht zieht. Super ist zudem, dass es am Ende eines jeden Kapitels immer wieder eine kurze Zusammenfassung gibt, in der noch einmal die wichtigsten Punkte aufgeführt werden, sodass man auch nach dem Lesen des gesamten Buches es auch mal wieder einfach nur durchblättern muss, um die wichtigsten Punkte zu finden. Das ist natürlich keine neue Idee, aber dennoch auch hier sehr hilfreich und es macht das Buch noch einmal übersichtlicher. Ebenso wie die sehr passend gewählten Bilder, die zwar manchmal eine Spur zu gestellt wirken, aber dem gesamten Buch eine Art Leichtigkeit verleihen und so die Texte ein bisschen auflockern.

Alles in allem weckt das Buch selbst bei mir als absoluter Gartenarbeitsmuffel den Wunsch, mir mal ein kleines Beet mit Möhren oder Kartoffeln anzulegen, einfach weil Judith Rakers das wirklich zu lieben scheint. Diese Begeisterung, die in jeder Silbe und jedem Bild des Buches mitschwingt ist ebenso besonders wie die detaillierten Erklärungen, die es auch einem Anfänger erlauben, sich mal intensiver mit der Materie zu beschäftigen.

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Veröffentlicht am 27.01.2021

Gute Grundidee, der es leider an Tiefe fehlt

Matching Night, Band 1: Küsst du den Feind? (Gewinner des Lovelybooks-Leserpreises 2021)
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Das Cover, das man vermutlich nur wirklich gut zusammen mit dem zweiten Teil beurteilen kann, war einer der Hauptgründe dafür, dass ich das Buch unbedingt lesen und wohl auch gut finden wollte. Mir gefällt, ...

Das Cover, das man vermutlich nur wirklich gut zusammen mit dem zweiten Teil beurteilen kann, war einer der Hauptgründe dafür, dass ich das Buch unbedingt lesen und wohl auch gut finden wollte. Mir gefällt, wie die Schwinge des Raben gerade so viel der Figure enthüllt, dass man sich deren Kleid und die Umgebung vorstellen kann, aber man immer noch eigenen Interpretationsspielraum für das Aussehen von Cara hat. Zudem passen die Rabenflügel sowohl auf dem Cover als auch auf dem Rücken der beiden Bücher perfekt zueinander, sodass sie, wenn sie nebeneinanderstehen, ein Bild ergeben. Ich bin ein großer Fan von solchen Kleinigkeiten und habe mich deswegen wirklich auf die Geschichte gefreut.

Leider hat mich diese abschließend nicht wirklich überzeugt, obwohl sie zunächst einmal gut klang: Cara hat es auf das berühmte Elite-College St. Josephs geschafft, doch leider ohne das so bitter erforderliche Stipendium, sodass sie in den ersten Wochen an ihrer neuen Universität mehr schlecht als recht übersteht. Doch dann eröffnet sich ihr die Möglichkeit, die finanziellen Probleme während es ihres Studiums ein vor allemal hinter sich zu lassen: Sie könnte der berühmten Studentenverbindung der Ravens beitreten, in deren wunderschönen Verbindungshaus leben und auch noch ein mehr als üppiges Stipendium erhalten. Damit könnte Cara sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren, doch es gibt einen Harken, denn sie muss zunächst eine Aufnahmezeremonie bestehen. Dort muss sie zusammen mit einem völlig unbekannten Mann ein Paar bilden, der gleichzeitig ein Anwärter der Schwesterverbindung der Lions ist. Sie muss mit ihm nicht nur verschiedene Aufgaben erfüllen, sondern auch alle überzeugen, dass sie wirklich zusammen sind. Das ist gar nicht so leicht, denn ihre beste Freundin Hannah warnt sie immer wieder vor der gefährlichen Verbindung und es gibt nicht nur einen Mann, der Caras Herz höher schlagen lässt…

Der Schreibstil des Buches gefiel mir zu Beginn des Buches wirklich gut, weil er leicht und flüssig zu lesen war. Man kam dadurch extrem gut in die Geschichte und ich habe vor allem die ersten Kapitel nur so verschlungen, doch leider hatte ich das Gefühl, dass der Schreibstil zusammen mit der Tiefe der Story im Laufe des Buches nachließ.

Am Anfang fand ich die Idee einer Collegegeschichte, in der Verbindungen im Fokus stehen, extrem spannend, weil sie sonst in Young Adult Romanen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Deswegen war ich sehr gespannt, wie das Aufnahmeritual ablaufen wird und wie das Leben in einer Verbindung im Allgemeinen aussehen würde, allerdings hat das nicht so richtig die Aufmerksamkeit erhalten, die ich mir gewünscht hätte. Dafür hätte man dem Ganzen einfach mehr Aufmerksamkeit widmen müssen, aber ich finde die Story an sich entwickelt sich einfach viel zu schnell. Cara zieht ein, trifft ein paar Leute, mag ein, zwei, muss sich mit Josh zusammentun und die Aufgaben erfüllen und gefühlt ist das Buch dann schon wieder vorbei. Mein Problem dabei ist vor allem, dass man im Prinzip nichts von ihrem Alltag mitbekommt, sie muss nie in ihre Kurse, sondern plötzlich steht nur noch die Verbindung im Vordergrund. Ich verstehe das sogar, schließlich gibt es für Cara auch kein Studium ohne die Unterstützung durch die Verbindung, aber es kommt nie zur Sprache, dass es sich wirklich auf ihren Alltag auswirkt, was man ja eigentlich vermuten sollte. Stattdessen scheint sie ihr Studium ohne Probleme zu meistern, obwohl sie am Wochenende dauernd auf Bällen für die Verbindung ist und während der Woche ist sie auch nicht regelmäßig in ihren Kursen, weil sie ja so viel Zeit mit Josh verbringen muss. Damit hätte ich allerdings noch leben können, wenn wenigstens die Aufgaben genauer beschrieben worden wären, aber auch die kamen mir zu kurz, wurden nur am Rande beschrieben und waren teilweise wirklich viel zu leicht ohne Hürden oder große Schwierigkeiten zu meistern. Ich sage nicht, dass die ganze Geschichte unglaublich langweilig ist, aber sie hat dann doch sehr lange gebraucht, um einen Spannungsbogen zu entwickeln und hatte dann noch immer einige Logikfehler, die mir die Geschichte ein bisschen verdorben haben.

Zudem haben mich die Charaktere ebenso wenig überzeugen können. Während ich Cara vor allem zu Beginn der Story noch durchaus mochte, wurde ich mit den männlichen Protagonisten so gar nicht warm. Ich mag, wie sehr sie am Anfang dafür arbeitet, auf das College zu können und wie gerne sie ihrer Familie danken möchte, indem sie möglichst hart arbeitet. Allerdings hätte ich die Fehlschläge zu Beginn gerne miterlebt, weil man sie so schwer greifen kann. Man lernt weder ihre Familie kennen, die durch ihren Einsatz Cara auch unbewusst unter Druck setzten noch erlebt man, wie sie immer wieder Rückschläge einstecken muss, wie das Zimmer, das sie nicht beziehen kann, um sie als Person besser verstehen zu können. Es fehlt dadurch am Anfang einfach was, wie auch das Kennenlernen mit Tyler. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt einen wirklichen Zugang zu ihm, weil ich es zwar ganz nett fand, dass er ihr immer Essen mitgebracht hat, aber ich fand ihn weder süß noch heiß noch besonders anziehend, deswegen habe ich auch null verstanden, ab wann sich das für Cara geändert hat. Ich habe schlicht den Punkt verpasst. So ging es mir mit Josh allerdings auch, wobei ich den fast noch ein bisschen lieber mochte als Tyler. Aber für die plötzliche Abneigung von Cara nach den Speed Dates gab es so keinerlei Grund, dass ich leicht irritiert war. Wenn er schon da furchtbar arrogant gewesen wäre, legitim, aber da fand ich ihn recht okay und habe ihr Problem schlicht nicht verstanden.

Alles in allem wollte ich das Buch wirklich, wirklich mögen, nicht nur wegen des wunderschönen Covers, sondern auch weil ich die Grundidee der Story wirklich mochte, aber leider fehlt dieser deutlich an Tiefe und Emotionen. Die Charaktere bleiben teilweise bloß klischeehafte Abziehbilder und es fehlt deutlich an dem besonderen Etwas. Das konnten leider auch der recht gute Schreibstil und der zugegeben gut gesetzte Cliffhanger nicht retten.

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