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Veröffentlicht am 28.07.2024

Unterhaltsame Geschichte mit Tiefgang

Pi mal Daumen
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Das Cover des Buches gefällt mir richtig gut, weil die abgebildete Person meiner Vorstellung von Moni schon sehr nahe kommt und der Titel passt aus verschiedenen Gründen ebenso gut.

Die Story klingt erstmal ...

Das Cover des Buches gefällt mir richtig gut, weil die abgebildete Person meiner Vorstellung von Moni schon sehr nahe kommt und der Titel passt aus verschiedenen Gründen ebenso gut.

Die Story klingt erstmal sehr interessant: Der 16-jährige Oscar Graf von Ebersdorff ist ein Genie und will, seit er klein ist, nur eine Sache: Mathematik studieren und seine Abschlussarbeit bei Deutschlands bekanntesten Mathematiker Daniel Johannsen schreiben. Danach hat er sich auch seine jetzige Uni ausgesucht, denn schließlich lehrt sein Idol genau dort. Während alle um ihn herum schon in den ersten Wochen am Stoff verzweifeln, gefällt es Oscar, endlich wichtige mathematische Inhalte zu verstehen, wenn da seine nicht seine nervigen Mitstudenten wären. Vor allem Moni Koschinsky, die sich eines Tages einfach neben ihn setzt und die er zunächst für eine Putzfrau hält. Doch Moni versucht mit über 50, zwei Kindern und drei Enkeln noch einmal Mathe zu studieren und während Oscar jedes Mal wieder irritiert ist, welche Grundlagen ihr alle fehlen, dass sie dauernd versucht, anderen Studenten zu helfen oder ihren Enkel Kenau mit in die Vorlesung bringt, beginnt er Moni als sein persönliches Projekt zu sehen und beginnt sie zu unterstützen. Doch als Oscar an der Welt um ihn herum zu zerbrechen droht, ist es Moni, die sich um den Jungen kümmert und er beginnt zu verstehen, dass es wichtig ist, auch auf seine Mitmenschen zu achten und dass nicht alles durch Mathematik zu erklären ist.

Ich liebe die Bücher von Alina Bronsky, seit ich einmal durch Zufall auf eines ihrer Bücher gestoßen bin und mich ihr Schreibstil direkt begeistern konnte. Da bildet auch dieses Buch keine Ausnahme, vielmehr hat mich die Art des Schreibens direkt in den Bann gezogen und ich habe die Geschichte innerhalb kürzester Zeit durchgelesen.

Das liegt aber auch daran, dass ich die Charaktere nahezu ausnahmslos in mein Herz geschlossen habe, mit all ihren Eigenheiten und Schrullen. Das ist vor allem bei Oscar manchmal schwierig, weil er eben menschliche Emotionen nicht besonders gut verstehen kann und es ihn oft schlicht auch nicht besonders interessiert. In dieser Hinsicht erinnert er mich oft an den Charakter Sheldon Cooper aus der Serie Big Bang Theory, auch wenn dieser theoretischer Physiker ist und kein Mathematiker. Dadurch wirkt Oscar manchmal ein wenig zu stereotypisch, selbst wenn nie über irgendeine Diagnose oder ähnliches gesprochen wird. Außerdem war ich manchmal bei seinen Handlungen hin und hergerissen, ein paar Mal musste ich laut lachen, in anderen Situationen hätte ich ihn gerne geschüttelt, weil er kein Gespür für die Situation hatte. Durch seine spezielle Wahrnehmungsweise bleiben zudem einige Dinge offen, bei denen es mindestens Raum für Interpretation gibt. Einerseits hat mich das manchmal wahnsinnig gemacht, weil ich bestimmte Handlungsstränge gerne abgeschlossen gehabt hätte, andererseits ergibt es auch komplett Sinn, dass es Oscar überhaupt nicht interessiert, was genau vorgefallen ist, es betrifft ja weder ihn noch seine Mathematik. Obwohl ich Oscar manchmal anstrengend finde, habe ich ihn dennoch in mein Herz geschlossen, weil er dennoch immer wieder versucht zu helfen (nicht immer ist er wirklich hilfreich), wenn ihm Menschen leid tun oder sie ihm wichtig sind, was er so allerdings niemals zugeben würde. Aber auch Moni mochte ich ausgesprochen gerne, selbst wenn sie mich ebenfalls manchmal frustriert hat, vor allem wenn sie sich selbst nie so wichtig nimmt wie die Bedürfnisse anderer. In der Hinsicht ist es gut, dass sie ausgerechnet auf Oscar trifft, schließlich kümmert er sich vor allem um seine Interessen. Auch deswegen gefielen mir vor allem die Interaktionen zwischen den beiden und wenn Oscar auf Monis Familie getroffen ist. Ich musste jedes Mal laut lachen, wie er versucht, die Beziehungen untereinander und deren Handlungsweisen wie bei einem wissenschaftlichen Experiment zu verstehen und in vielen seiner Beobachtungen grandios falsch liegt. Diese Szenen alleine waren unglaublich unterhaltsam, gleichzeitig aber auch eine tolle Gesellschaftskritik, wenn deutlich wurde, wie unterschiedlich die Lebenswelten von Oscar und Moni sind, was er so gar nicht als problematisch ansieht.

Alles in allem habe ich dieses Buch ebenso wie vorherige Bücher von Alina Bronsky sehr geliebt. Der Schreibstil ist unglaublich mitreißend, sodass man die Geschichte nahezu in einem Zug durchlesen konnte. Zudem unterhält die Story nicht nur grandios, sondern regt auch zum Nachdenken an, über die Ungerechtigkeiten zwischen verschiedenen sozialen Schichten, mangelnde Förderung von Frauen und/oder älteren Personen in der Wissenschaft und Machtmissbrauch innerhalb der universitären Welt. Diese Kombination macht das Buch unbedingt lesenswert, auch wenn mir persönlich das Ende vielleicht ein bisschen zu offen (vielleicht auch zu absurd) gestaltet war.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Der Bademeister ohne Himmel
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Das Cover des Buches passt unglaublich gut zum Inhalt. Der Blick von unten auf einen schwimmenden Mann erzeugt einen guten Eindruck von Hubert und was ihn auch noch während seiner Demenz-Krankheit ausmacht. ...

Das Cover des Buches passt unglaublich gut zum Inhalt. Der Blick von unten auf einen schwimmenden Mann erzeugt einen guten Eindruck von Hubert und was ihn auch noch während seiner Demenz-Krankheit ausmacht. Zudem vermittelt es ein gewisses Sommerfeeling, was ebenfalls durchaus zu der Geschichte passt.

Linda ist 15 Jahre alt und möchte am liebsten sterben. Die einzigen Personen, die sie davon abhalten, sich vor ein Auto zu werfen, sind ihr bester Freund Kevin und ihr Nachbar Hubert. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, während Kevin sehr viel intelligenter ist als man ihm das auf den ersten Blick zutraut, verliert Hubert durch seine Demenz zunehmend sein Gedächtnis. Linda verbringt Stunden bei dem ehemaligen Badmeister, um ihm seine Leidenschaft für Schwimmkurse immer wieder in Erinnerung zu bringen, selbst wenn er sie nicht mehr erkennt. Gemeinsam mit seiner polnischen Pflegerin Ewa tut sie alles, um dem alten Mann ein angenehmes restliches Leben zu ermöglichen. Mit ihrem Gespür für den alten Mann versucht sie, ihn davon abzuhalten, die komplette Küche umzuräumen, seine seit vielen Jahren verstorbene Frau zu suchen oder zum 100. Mal seine Zähne zu verlegen. Doch noch während Linda versucht, ihren Platz in der Welt zu finden, passiert etwas, dass sie nachdenklich werden lässt, ob sterben der richtige Weg ist.

Der Schreibstil von Petra Pellini ist wirklich besonders. Sie schreibt eher nüchtern und ruhig, gleichzeitig aber auch eindringlich und einfühlsam. Die Geschichte hat mich von Anfang an extrem gefesselt und mich erst zum Ende wieder losgelassen.

Das liegt aber auch, vielleicht sogar vor allem an den Charakteren des Buches. Linda ist in mancher Hinsicht wie ein typischer Teenager, in vielerlei Hinsicht aber gleichzeitig auch nicht. Ihre Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter und das Schule schwänzen fand ich gar nicht so ungewöhnlich, sie fühlt sich oft einfach nicht so richtig wohl mit ihrem Leben im Allgemeinen. Ich verstehe sie in vielerlei Hinsicht recht gut, auch wenn ihre Fokussierung auf das Sterben mir manchmal etwas unverständlich vorkam. Allerdings denken Teenager oft ganz anders und Depressionen sind eben niemals zu unterschätzen. Bei Linda war ich mir auch nie so richtig sicher, wie ernst sie es meint, ob sie wirklich plant, zu sterben oder sich nur sehr intensiv vorstellt, was nach ihrem Tod mit ihrem Umfeld passieren würde und wer sie wie vermissen würde. Ihre Mutter spielt dabei eine große Rolle, obwohl sie gar nicht so eine präsente Rolle in der Geschichte einnimmt, aber sie unterstützt ihre Tochter wirklich wenig dabei, dass sie sich um Hubert kümmert, obwohl Linda das freiwillig macht. Sie fiebert zum Teil richtig auf die Tage hin, die sie mit dem alten Mann in seiner Wohnung verbringen kann, selbst wenn er sie nicht erkennt oder sie ihm immer wieder das gleiche erzählen muss. Zu Beginn wusste ich nicht immer, ob sie Hubert wirklich mag oder ob sie sein Vergessen eher faszinierend findet. Mit der Zeit allerdings wird deutlich, wie wichtig er und auch seine Pflegerin Ewa ihr sind. Es wirkte fast so, als würde je mehr Hubert vergisst, desto weniger versteckt Linda ihre wahren Gefühle und Emotionen. Außerdem wird sie dadurch immer wieder dazu gezwungen, sich mit dem Ende des Lebens und dem Sterben auseinanderzusetzen. Ich mochte auch deswegen gerne, wie viele verschiedene Personen sie in ihrem Leben hat, die sie alle auf die ein oder andere Art beeinflussen und dafür sorgen, dass Linda ihr Leben nochmal in einem anderen Licht sieht. Vor allem Ewa habe ich mit der Zeit immer mehr ins Herz geschlossen. Zu Beginn dachte ich, dass sie Linda nur dazu benutzt, dass sie selbst einen Tag frei nehmen kann, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Vielmehr setzt sie sich immer sehr für Hubert, aber auch für das Mädchen ein und tut deutlich mehr, als sie als Pflegerin tun müsste. Ihre herzliche, aufrichtige Art steht außerdem im Gegensatz zu Lindas Mutter und sorgt dafür, dass sie nochmal eine andere Unterstützung außerhalb ihrer Familie erhält.

Mein größtes Problem an der Geschichte war vermutlich, dass der Verlauf für mich (bis auf wenige Ausnahmen) sehr vorhersehbar und dadurch manchmal ein wenig monoton war. Obwohl ich es genossen habe, die Zeit zusammen mit Linda und Hubert zu verbringen, fehlte mir manchmal ein bisschen der Sog der Geschichte. Natürlich ist es sehr passend, dass lange gar nichts passiert und die Tage immer auf eine ähnliche Art ablaufen, aber zwischendurch hätte ich gerne mehr von Lindas restlichen Alltag erlebt, selbst wenn sie nicht immer zur Schule geht, ist man erst zum Ende hin bei einer Stunde dabei und erlebt sie dort, was mir etwas zu spät war. So lernt man sie einfach immer nur teilweise kennen.

Alles in allem habe ich das Buch sehr gerne gelesen, auch weil der Schreibstil wirklich gelungen war und ich die Charaktere sehr ins Herz geschlossen habe. Allerdings hat sich die Story hin und wieder ein bisschen gezogen, weil sich vieles wiederholt hat, andersrum passte das aber auch grundsätzlich zur Story.

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Veröffentlicht am 12.07.2024

Emotionale Geschichte über die Toxizität der ersten Liebe

Warum willst du jetzt schon gehen?
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Das Cover finde ich wirklich unglaublich gelungen. Es zeigt in wenigen Darstellungen die Geschichte von Helena und Arthur. Dabei passt sowohl die farbliche Gestaltung, die an das Meer erinnert, als auch ...

Das Cover finde ich wirklich unglaublich gelungen. Es zeigt in wenigen Darstellungen die Geschichte von Helena und Arthur. Dabei passt sowohl die farbliche Gestaltung, die an das Meer erinnert, als auch die Figuren, die sehr gut zu meiner Vorstellung der beiden passen.

Die Geschichte klang ebenfalls sehr vielversprechend: Helena Winkler liebt Liebesgeschichten und wünscht sich nichts mehr, als selbst welche zu schreiben, deswegen freut sie sich riesig, dass sie auf das renommierte Künstler-Internat Sankt Zander gehen kann. Dort kann sie endlich ihrer Leidenschaft nachgehen und erlebt vielleicht auch ihre persönliche Liebesgeschichte. Denn schon in der ersten Woche trifft sie auf Arthur, den Sänger einer Indie-Rock-Band, der sie mit seiner rauen Stimme um den Verstand bringt. Als sie dann auch in Kursen aufeinander treffen und sich über ihre Lieblingsbücher tauschen, ist es um Leni komplett geschehen. Sie kann an nichts Anderes mehr denken als an Art und ihm scheint es genauso zu gehen, schließlich schreiben sie einander unentwegt Nachrichten. Doch dann passiert etwas, das Leni an Arts Gefühlen zweifeln lässt, obwohl Liebesgeschichten doch immer in einem Happy End enden, oder?

Ich habe bereits ein Buch von Gabriella Santos de Lima gelesen und obwohl ich ihren Schreibstil wirklich faszinierend fand, hat mich die Story damals nicht wirklich überzeugt. Bei diesem Buch allerdings klang die Storyline sehr vielversprechend, sodass ich es unbedingt nochmal versuchen wollte und ich wurde zum Glück nicht enttäuscht. Ich bin ohne Anlaufschwierigkeiten direkt in die Geschichte eingetaucht und habe erst am Ende wieder herausgefunden . Der Schreibstil ist wirklich gut, direkter und weniger poetisch als in ihren New Adult Romanen, aber nicht weniger fesselnd und eindringlich.

Die Story gefiel mir ebenso gut. Zunächst wirkt die Story wie eine typische Liebesgeschichte, in der ein schüchternes Mädchen an ein Internat kommt, um endlich ihren Traum zu leben, dort auf einen heißen, unglaublichen coolen und beliebten Jungen trifft, in den sie sich verliebt und der sie nach langem Hin und Her auch liebt. Aber ganz so ist es dann doch nicht, weil Helena schon zu Beginn ihrer Geschichte deutlich macht, dass dies keine von den guten Liebesgeschichten ist, sondern manche auch schlecht enden können. Dabei liest man immer abwechselnd, was in Helenas Leben passiert, ihre fiktive Liebesgeschichte über Adam und Hailey, die sie parallel zu ihrer echten Beziehung mit Art schreibt und eine Auflistung der Gründe, warum sie nicht zusammen sein konnten, nachdem alles geendet hat. Ich mochte diese verschiedenen Ebenen extrem gerne, weil man dadurch viel besser darauf achten konnte, was passiert, statt sich in die Vorstellung einer perfekten Beziehung zwischen den beiden hineinsteigern. Dabei war Art nicht grundsätzlich unsympathisch, er hört Helena zu, er erkennt, was ihr wichtig ist und versucht sich dadurch ebenfalls damit auseinanderzusetzen, aber genau das macht die Geschichte so glaubwürdig. Helena ist nicht besonders erfahren im Umgang mit Männern, sie hatte erst einen festen Freund, mit dem sie nicht geschlafen hat, dadurch ist sie sehr zurückhaltend, auch wenn sie die Vorstellung der Liebe, wie sie in Liebesromanen erzählt wird, liebt. Ich hätte sie gerne manchmal geschüttelt in Bezug auf Art, aber dadurch dass man schon einen Teil des Endes kennt, weiß man zu einem mehr als sie zu dem Zeitpunkt und zum anderen kann ich ihren Wunsch danach, dass dieser einfühlsame Typ mit der tollen Stimme sie aufrichtig liebt, komplett nachvollziehen. Das macht diese Geschichte und ihre Thematik auch so wichtig. Toxische Beziehungen können immer entstehen und alle möglichen Formen aufweisen, dafür muss eine Person nicht unbedingt ein schlechter oder böser Mensch sein, sondern es ist viel schwerer, wenn nicht alles so schwarz-weiß ist.

Alles in allem habe ich die Geschichte ab den ersten Zeilen förmlich verschlungen und habe Helena direkt in mein Herz geschlossen. Ich fand es sehr gelungen, eine Liebesgeschichte zu lesen, die nicht gut endet, eine toxische Beziehung mitzuerleben, die nicht romantisiert wird, selbst wenn sie romantische Aspekte aufweist und eine Protagonistin zu begleiten, die daran nicht zerbricht, obwohl sie trauert und ihn noch immer liebt.

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Veröffentlicht am 12.07.2024

Gelungener Abschluss der Reihe

Four Secrets to Share (Breaking Waves 4)
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Die Gestaltung des Buches gefällt mir, ebenso wie die der vorherigen Bände unglaublich gut. Ich liebe, wie sehr sich die Bücher ähneln, aber gleichzeitig jedes für sich selbst besonders ist. Zudem ist ...

Die Gestaltung des Buches gefällt mir, ebenso wie die der vorherigen Bände unglaublich gut. Ich liebe, wie sehr sich die Bücher ähneln, aber gleichzeitig jedes für sich selbst besonders ist. Zudem ist es einfach genial, dass es möglich ist, die Bücher auf verschiedene Arten nebeneinander zu stellen und dass sie immer ein zusammenpassendes Bild ergeben.

Die Story knüpft nahezu nahtlos an den vorherigen Teil der Reihe an: Lee Baker hat auf Hawaii nahezu alles erreicht und alles verloren. Nach einem schweren Unfall musste sie nicht nur ihren Beruf als Profi-Surferin aufgeben, sie hat auch ihre Freundin Dakota verloren und ihren Arm. Nun versucht sie sich als Touristenführerin über Wasser zu halten, bis sie ein Brief ihrer Freundinnen von Harbour Bridge erreicht, in dem diese ihr von ihren Erkenntnissen über Josie berichten. Doch Lee weiß mehr über ihr Verschwinden als sie zugeben will und aus einem Impuls heraus, fliegt sie zurück in ihre Heimat. Dort richtet sie sich in dem Haus ihrer Jugendliebe Parker ein und geht sowohl ihm als auch ihren Freundinnen aus dem Weg. So frisch ist noch ihre Trauer um ihren Arm und ihre Leidenschaft fürs Surfen, dass sie niemandem unter die Augen treten will. Doch die Insel ist klein und nicht nur auf Parker trifft sie unweigerlich, sondern auch ihre Ex-Freundin Dakota hat es auf die Insel verschlagen. Doch während sie noch mit ihren Gefühlen kämpft, hängt über allem immer noch die Frage, was damals mit Josie geschah.

Ich liebe die Art, wie Kristina Moninger ihre Geschichten erzählt. Bei jedem einzelnen der Bände wurde ich bereits auf den ersten Seiten so von der Geschichte gefesselt, dass sie mich nicht mehr losgelassen hat und ich sie innerhalb kürzester Zeit durchgelesen habe. Sie schafft es, Harbour Bridge mit jedem Teil deutlicher vor meinen Augen entstehen zu lassen und ich habe mittlerweile selbst das Gefühl, dort einen Teil meines Urlaubs verbracht zu haben.

Einen weiteren Aspekt, den ich jedes Mal wieder während des Lesens dieser Reihe genieße, ist, dass man manche Szenen schon aus der Sicht der Protagonistinnen der vorherigen Bände kennt, dass die neue Sichtweise, diese Szenen dann aber in einem anderen Licht erstrahlen lässt und für einen Blickpunkt sorgt. Durch Lees Geschichte wird schnell klar, dass ihr Verhältnis zu den anderen Mädchen während des Sommers anders ist, als zwischen den anderen. Sie waren ihr immer außerordentlich wichtig, aber es gab immer noch wichtigere Dinge, wie das Surfen oder Parker. Die Sommer stellten für sie einfach sehr viel weniger einen Fixpunkt dar als für die anderen. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie im Gegensatz zu den anderen immer um ihr Überleben kämpfen muss. Natürlich haben auch die anderen allerlei familiäre Probleme, aber sie sind so anders als die von Lee. Außerdem ist sie ganz anders als ihre Freundinnen, vielleicht weil sie nie so richtig eine Zugehörigkeit zu einem Ort oder zu anderen Menschen gefühlt hat. Natürlich liebt sie ihre Mutter, aber diese ist auch die einzige, zu der sie von klein auf eine Verbindung hat. Auch nach ihrer Rückkehr stehen ihre Freundinnen immer hinter Parker zurück. Das mag auch daran liegen, dass sie anders als die anderen Josies Verschwinden nicht aufklären will oder muss, sondern zumindest bis zu einem bestimmten Punkt meint zu wissen, was passiert ist. Dadurch hat sie anders als die anderen Mädchen nie das Gefühl, Hinweisen folgen zu müssen oder zu versuchen, herauszufinden, ob ihr Verhalten etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hatte. Zudem versucht sie trotz allem noch immer dem Schmerz zu entkommen, nur noch einen Arm zu besitzen und deswegen zu denken, dass Surfen für sie unmöglich ist. Ich mochte Lee ziemlich gerne, auch wenn ich es zu Beginn schwierig fand, zu sehen, wie sehr sie in diesem schwarzen Loch gefangen ist und wie wenig sie unternimmt, um wieder herauszukommen. Deswegen war ich froh, als sie Hawaii verlassen hat und endlich wieder begonnen hat, mit Parker zu kommunizieren. Man merkt sofort, wie wichtig sie einander noch immer sind und wie gut er sie auch nach all dieser Zeit kennt. Bei ihm kann sie nicht vorgeben, in Ordnung zu sein, weil er sie immer durchschaut. Deswegen tat es fast mehr weh, wenn sie Dinge sagt oder tut, die ihn verletzen, selbst wenn sie es nicht so meint. Es gab immer wieder Momente, in denen ich die Augen verdreht habe, weil Lee nicht an sich und ihrem Schmerz gearbeitet hat, konnte gleichzeitig aber auch verstehen, dass sie schon so viele Verletzungen erlitten hat, dass es schwierig ist, sich mit all dem zu beschäftigen. Wahrscheinlich habe ich sie dadurch eher mehr ins Herz geschlossen, weil so deutlich war, wie verletzt sie war und sie immer wieder ausgetestet hat, ob die Menschen, die ihr wichtig sind, sie trotzdem noch lieben. Aber auch Parker mochte ich unglaublich gerne. Man sieht ihn ebenso wie Lee aufwachsen und ich habe fast immer sehr gut verstanden, warum er auf bestimmte Art handelt, selbst wenn er damit nicht glücklich ist.

Ich fand Josies Geschichte hier fast wieder präsenter als in den anderen Teilen, vielleicht weil Lee schon immer eine andere Verbindung zu ihr hatte, vielleicht weil in diesem Teil alle losen Enden verknüpft werden und man endlich alles erfährt, was damals passiert ist. Ich war froh, endlich eine richtige Antwort zu bekommen und obwohl ich mir einiges zusammengereimt habe, gab es trotzdem noch ein paar Überraschungen, die ich so nicht erwartet hätte.

Alles in allem habe ich die komplette Reihe unglaublich gerne gelesen, die Mädchen und ihre jeweiligen Partner und Familien fest ins Herz geschlossen und obwohl ich den Abschluss gelungen fand, fällt mir der Abschied von ihnen und Harbour Bridge nicht leicht. Ich bin gespannt auf die nächsten Bücher von Kristina Moninger, die ich sehr sicher ebenfalls lesen werde.

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Veröffentlicht am 29.06.2024

Tolle Liebesgeschichte, über die ich gerne mehr erfahren hätte

Everything Under the Sun
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Das Cover des Buches mag ich richtig gerne. Die Farben passen perfekt zum Titel und die etwas abstrakte Darstellung einer Person spiegelt grundsätzlich meine Vorstellung von Kat wider. Außerdem passt es ...

Das Cover des Buches mag ich richtig gerne. Die Farben passen perfekt zum Titel und die etwas abstrakte Darstellung einer Person spiegelt grundsätzlich meine Vorstellung von Kat wider. Außerdem passt es hervorragend zum ersten Teil der Reihe, auch wenn mir das zunächst nicht bewusst war.

Die Story klang ebenfalls interessant: Kat steuert ein wenig ziellos durch ihr Leben. Seit dem Tod ihrer Mutter hat sie das Gefühl, nirgendwo mehr richtig dazuzugehören oder anzukommen. Deswegen arbeitet sie nachts in einer Kneipe als Barkeeperin und schleppt reihenweise Männer ab. Sie liebt die Nacht, die so hervorragend zu ihrer eigenen Dunkelheit zu passen scheint. Doch da ist auch Jonas, dessen Helligkeit sie immer wieder daraus hervor zieht und dafür sorgt, dass sie sich zufriedener fühlt. Aber kann sie überhaupt die richtige Person für jemanden wie ihn sein? Die Frage stellt sie sich umso mehr, als Rafael wieder auftaucht. Er ist der beste Freund ihres Zwillingsbruders und war bis vor einem Jahr einer der wichtigsten Menschen in ihrem Leben, bis er plötzlich verschwunden ist. Raff versteht ihre Dunkelheit und trägt selbst genau davon mit sich herum. Was ist also besser für sie, Jonas Licht oder Raffs Dunkelheit und muss sie sich überhaupt entscheiden?

Ich fand die Idee der Story richtig gut, weil Polyamorie noch nicht in so vielen Geschichten eine Rolle spielt, leider konnte sie mich letztlich nicht vollständig überzeugen. Das lag allerdings nicht am Schreibstil. Lydia Schmölzl hat eine sehr eigene Art, eine Geschichte zu erzählen, was das Buch für mich zu etwas Besonderem macht und dafür gesorgt hat, dass ich nur so durch die Geschichte geflogen bin.

Ich habe sogar den ersten Teil der Reihe über Kats Mitbewohnerin Lola gelesen, aber es war nicht klar, dass die beiden Bände zusammenhängen. Ich mochte das aber, weil mich Kat schon im ersten Teil fasziniert hat und ich gespannt war, wie ihr Leben so abläuft. Tatsächlich hatte ich oft das Gefühl, dass sie komplett verloren ist und kaum weiß, wie sie weitermachen soll, wenn sie die dunklen Gedanken nicht verdrängt. Es war hart, immer wieder zu lesen, wie wenig sie von sich selbst hielt und wie sehr sie dachte, dass vor allem Jonas zu gut für sie ist. Dabei merkt sie gar nicht, dass sie neben ihrer wilden, unbedachten Art auch eine gute Freundin ist, die ihre Fehler immer sehr schnell erkennen kann und sich, wenn nötig, auch direkt entschuldigt. Genau das mochte ich an Kat wirklich gerne. Aber auch Jonas und Raff habe ich wirklich schnell in mein Herz geschlossen. Beide sind sehr unterschiedlich, aber sowohl ihr Umgang mit Kat als auch miteinander hat sie sehr schnell für mich eingenommen. Ich mochte, dass sie andere immer respektieren und vor allem Rafael seine Gefühle auch sehr klar formuliert, was wesentlich dazu beiträgt, dass sie alle sehr offen miteinander umgehen.
Mein größtes Problem an der Geschichte waren also auf keinen Fall die Protagonisten, sondern vielmehr die Entwicklung ihrer Beziehung. Es wird quasi schon direkt damit geworden, dass es sich um eine polyamore Beziehung handelt, den Charakteren wird die Möglichkeit einer solchen Beziehung aber erst sehr zum Ende bewusst und so wartet man als Leser förmlich darauf dass sie ihre Zeit brauchen, um alle mit der Situation umgehen zu können, fand ich glaubwürdig und nachvollziehbar, es hätte mich wahrscheinlich sogar gestört, wenn es anders gewesen wäre, aber ich hätte die Beziehung gerne mehr miterlebt. Ich wäre gerne dabei gewesen, wenn sie anderen davon erzählen und hätte auch die Probleme gerne miterlebt, weil es nicht immer einfach sein kann, anderen Menschen ihre Beziehung zu erklären. Ich hatte einfach zum Ende hin das Gefühl, dass mir ein wesentlicher Teil ihrer Liebe nicht zugänglich war, was ich etwas schade fand.

Alles in allem mochte ich das Buch richtig gerne, weil der Schreibstil mich ab der ersten Seite komplett fesseln und in die Geschichte ziehen konnte. Zudem waren die Charaktere wirklich unglaublich sympathisch und ich habe sie alle sehr schnell ins Herz geschlossen. Allerdings war mir das Ende zu abrupt und ich hätte mir noch mehr Einblicke in die gemeinsame Beziehung gewünscht.

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