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Veröffentlicht am 19.04.2023

Ein guter und hilfreicher Reiseführer mit bewährtem Konzept

Südengland Reiseführer Michael Müller Verlag
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Die Reiseinteressierten erwartet erneut ein lesenswerter und hilfreicher Reiseführer von Ralf Nestmeyer. Ich kenne bereits einige Reiseführer über französische Regionen von ihm, dies ist mein erster, der ...

Die Reiseinteressierten erwartet erneut ein lesenswerter und hilfreicher Reiseführer von Ralf Nestmeyer. Ich kenne bereits einige Reiseführer über französische Regionen von ihm, dies ist mein erster, der sich mit Großbritannien befasst.
Südengland wird sehr umfangreich beschrieben und der Reiseführer ist dabei von der Größe her so, dass man ihn ständig dabeihaben kann. Eine klare und durchdachte Gliederung hilft bei der Orientierung. Viele kleinere, in den Reiseführer integrierte Karten und die zusätzliche, herausnehmbare Faltkarte sorgen dafür, dass man sich gut zurechtfindet. Ergänzt wird der Reiseführer mit einer kleinen Einführung zu Beginn und mit praktischen Infos und einem Glossar am Buchende. Die in den Reiseführer eingestreuten gelben Infoblöcken, die auch historische Einblicke geben und über Bekanntes und nicht so Bekanntes informieren (z.B. Sir Walter Raleigh und sein Ende auf dem Schafott) finde ich immer besonders lesenswert. Dies trägt auch dazu bei, dass sich der Reiseführer nicht trocken liest. Die Schilderungen der einzelnen Orte enthalten zudem viele Restauranttipps, Übernachtungsvorschläge und Informationen zu Markttagen und Museen der Region.
Da ich noch nie in Großbritannien war, inspiriert mich der Reiseführer zu meinem ersten Urlaub dort. Südengland hat so viel zu bieten und mit diesem Reiseführer wird die Reisevorbereitung sehr gut unterstützt. Es bleibt nur die Qual der Wahl, welche interessanten Orte und Stätten man sich dann letztendlich aussucht. Informationen dazu erhält man umfänglich. Den aktuellen Reiseführer empfehle ich uneingeschränkt, auch wenn für die Neuauflage übersehen wurde, dass seit dem Brexit ein Reisepass erforderlich ist. Das kann passieren und schmälert nicht den Nutzen. Die Reiseführer aus diesem Verlag zählen zu meinen Top-Favoriten.

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Veröffentlicht am 15.04.2023

Eine intensive Geschichte

Morgen und für immer
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Zusammen mit seinem Großvater lebt Kajan in einem kleinen albanischen Bergdorf. Es ist das Jahr 1943, seine Eltern haben sich den Partisanen angeschlossen und kämpfen gegen die Deutschen. Als der deutsche ...

Zusammen mit seinem Großvater lebt Kajan in einem kleinen albanischen Bergdorf. Es ist das Jahr 1943, seine Eltern haben sich den Partisanen angeschlossen und kämpfen gegen die Deutschen. Als der deutsche Deserteur Cornelius auftaucht, aufgenommen wird und Kajan das Klavierspielen beibringt, bedeutet dies eine entscheidende Wende in seinem Leben.
Ich hatte mich zuvor noch nie richtig mit Albaniens Historie befasst und durch das Buch viel dazu gelernt. Kajans Geschichte berührt emotional. Der Schreibstil ist eher ruhig, poetisch und zuweilen schwermütig. Das Geschehen wird in raschem Tempo erzählt und auch vor der Schilderung der damaligen Gräueltaten macht Ermal Meta nicht halt. Da viele Ereignisse geschildert werden, bleibt nicht der Raum, an jeder Stelle richtig in die Tiefe zu gehen. Manches bleibt leider an der Oberfläche. Beim Lesen durchlebt man ein Auf und Ab in der Gefühlswelt, Gewalt und Verrat wechseln sich ab mit schönen und liebevollen Momenten. Für mich kommt im Roman die Musik etwas zu kurz, obwohl Kajans Leben doch von seinem Klavierspiel geprägt wird. Auch hätte ich erwartet, dass die Charaktere noch feiner gezeichnet wären, dies ist vielleicht auch der Vielzahl an Protagonisten geschuldet. Nicht mit allen konnte ich mitfühlen.
Insgesamt ist dies ein lesenswertes Buch mit einem ergreifenden Schluss.

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Veröffentlicht am 13.04.2023

Einmal um die ganze Welt, ohne Geld.

Die Radfahrerin
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Annie, mit 24 bereits Mutter von drei Kindern, wagt sich auf eine ungewöhnliche Reise. Sie bewirbt sich auf eine Wette, bei der zwei Bostoner Geschäftsleute wetten, dass eine Frau es nie schaffen wird, ...

Annie, mit 24 bereits Mutter von drei Kindern, wagt sich auf eine ungewöhnliche Reise. Sie bewirbt sich auf eine Wette, bei der zwei Bostoner Geschäftsleute wetten, dass eine Frau es nie schaffen wird, auf dem Fahrrad die Welt zu umrunden. Und das im Jahr 1884 und unter erschwerten Wettbedingungen. Ein schwieriges Unterfangen.

Annie Londonderry, eigentlich Annie Kopchovsky, war mir vorher nicht bekannt. Umso interessanter war es, die Romanbiographie über sie zu lesen und sie auf ihrer Fahrt zu begleiten.
Der Roman ist gut geschrieben, man kommt schnell in das Geschehen hinein und erfährt viel aus der Zeit und den Vorstellungen, die damals ein Großteil der Männer in Bezug auf Intelligenz und Befähigung von Frauen vertrat. Der Autorin Susanna Leonard ist es dabei gelungen, die recherchierbaren Fakten mit fiktionalen Geschichten rund um die Ereignisse miteinander so zu verknüpfen, so dass ein interessant zu lesender Roman entstanden ist. Hilfreich fand ich auch die Übersicht der handelnden Personen zu Beginn mit den Hinweisen auf tatsächlich damals lebende Personen und die Zeittafel und das Glossar zum Ende. Auch das Nachwort der Autorin ist lesenswert.
An der ein oder anderen Stelle hätte ich gerne noch mehr erfahren wollen, auch wie es mit Annie nach der Rückkehr weitergeht. Einiges erfährt man aus den wenigen im Jahr 1940 einzuordnenden Kapiteln, in dem Annie ihre älteste Tochter trifft. Das war mir nicht genug. Aber dann wäre das Buch wohl doppelt so dick geworden!
Empfehlenswerter Roman für Leserinnen und Leser, die sich für im historischen Kontext interessante Persönlichkeiten interessieren.

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Veröffentlicht am 13.04.2023

Magische Suche nach dem wahren Schatz.

Die Bucht des blauen Oktopus
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Kiki, ein 11jähriges Mädchen mit griechischen Wurzeln, fährt in den Ferien mit ihrer Familie auf eine griechische Insel. Dabei ist auch Großtante Dora, die die Insel aus ihrer Jugend kennt. Kiki trifft ...

Kiki, ein 11jähriges Mädchen mit griechischen Wurzeln, fährt in den Ferien mit ihrer Familie auf eine griechische Insel. Dabei ist auch Großtante Dora, die die Insel aus ihrer Jugend kennt. Kiki trifft dort den gleichaltrigen Jorgos, der keine Eltern mehr hat, die Schule verweigert und mit seinem kleinen Bruder lieber in einer Höhle als bei seinem Großvater lebt. Jorgos empfindet Kiki zunächst als Eindringling in seiner Welt, bis beide merken, dass sie mehr verbindet, als sie sich haben vorstellen können. Wie in einem Märchen taucht ein großer blauer Oktopus auf und steht den beiden bei ihrem Abenteuer zur Seite, immer dann, wenn sie es am wenigsten erwarten.

Die Geschichte wird wechselweise aus der Sicht von Kiki und von Jorgos erzählt, zu erkennen an der jeweiligen Kapitelüberschrift. Daran musste ich mich am Anfang erst gewöhnen, aber der Lesefluss stellt sich schnell ein. Der Roman gliedert sich in 2 große Abschnitte, im ersten Teil erfährt man viel von den Familien, vom Ankommen auf der Insel, vom Kennenlernen. Und man merkt noch eher unterschwellig, dass Magie darauf wartet entdeckt zu werden. Im zweiten Teil beginnt das eigentliche magische Abenteuer, die Suche nach einem Schatz und letztendlich auch die Suche nach sich selbst steht im Mittelpunkt.

In dem Buch steckt sehr viel Phantasie und die muss man selbst auch mitbringen, um sich mit der Geschichte wohl zu fühlen. Auch kommt in der Erzählung einiges an Streitereien und Aggressionen zwischen den Protagonisten hoch, mit denen sich die junge Leserschaft auseinandersetzen muss. So magisch, wie viele Szenen sind, sind einige Passagen für Kinder vielleicht nicht einfach zu verarbeiten. Überdies werden das Schwimmen und Tauchen im freien Meer etwas leichtsinnig dargestellt, nicht immer ist jemand (oder ein Wesen) da, um zur Rettung zu eilen. Manchmal erscheint die Handlung etwas ungeordnet, ohne richtigen roten Faden.
Ich finde, dass sich das Durchhalten dennoch lohnt, denn zum Schluss findet die Geschichte ein versöhnliches und schönes Ende, man darf halt kein realistisches Buch erwarten und sollte es wie eine Legende betrachten. Wer magische Geschichten, griechische Inseln und das Meer mit seinen Bewohnern mag, wird den Roman mögen.

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Veröffentlicht am 12.04.2023

Die Erfindung des JOPA-Steckerl-Eises

Träume aus Eis
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Josef Pankofer eröffnet 1929 mit seiner Frau Erna und den Töchtern Frieda und Lotti eine kleine Eisdiele in München, nachdem er zuvor jahrelang mit einem Eiswagen durch die Straßen gezogen war. Er hat ...

Josef Pankofer eröffnet 1929 mit seiner Frau Erna und den Töchtern Frieda und Lotti eine kleine Eisdiele in München, nachdem er zuvor jahrelang mit einem Eiswagen durch die Straßen gezogen war. Er hat die Idee, ein Eis am Stiel zu entwickeln, um neue Geschäftsfelder zu erschließen.
JOPA-Eis gab es wirklich, die Familiengeschichte ist fiktiv. Franziska Winkler lässt die Familie viele Höhen und Tiefen durchleben, sei es Streit in der Familie, Liebeskummer und -glück, ein Unfall mit Folgen, die Wirtschaftskrise und auch das Erstarken der Faschisten.
Das Buch liest sich durchaus gut und die Geschichte ist auch interessant. Bedauerlicherweise bleibt viel an der Oberfläche, für mein Empfinden wurden zu viele Themen angerissen, dadurch leidet dann der Tiefgang. Während die Frauen, vor allem Frieda, als Charakter ganz gut herausgearbeitet wurden, bleibt Josef für mich kaum greifbar, obwohl er der kreative Treiber für die Geschichte sein sollte. Für eine nächste Auflage sollte besser darauf geachtet werden, dass Namen der Protagonisten nicht vertauscht werden (z.B. S. 25, 124, 313) und dass Ernas Familiengeschichte stimmig bleibt, hier gibt es Widersprüche.
Ein nettes Buch für zwischendurch von dem man nicht zu viel erwarten sollte.

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