Wieviel Wahrheit steckt in der Imagination?
Tante PollyWer phantasievolle Geschichten mit einem Augenzwinkern mag, ist hier richtig. Paul Maar erzählt mit seinem, wie ich finde, typischen trockenen Humor eine lustige Geschichte, in der man beim Lesen zunächst ...
Wer phantasievolle Geschichten mit einem Augenzwinkern mag, ist hier richtig. Paul Maar erzählt mit seinem, wie ich finde, typischen trockenen Humor eine lustige Geschichte, in der man beim Lesen zunächst überlegen muss, was ist geflunkert und was davon enthält doch wenigstens ein Körnchen Wahrheit. Oder ist alles irgendwie wahr?
Mirko erhält zu seinem 10. Geburtstag von seiner Großtante Polly ein Tagebuch, in welches man auch nachts etwas eintragen und welches sowohl von hinten als auch von vorne befüllt werden kann. Es gibt sozusagen zwei „Vorne“. Tante Polly, die Tante von Mirkos Vater, ist eine besondere Frau mit besonderen An- und Einsichten, die gerne Geschichten erzählt. Mirko Mutter sieht Tante Polly eher skeptisch und zweifelt, ob sie der richtige Umgang für Mirko ist. Mit dem Tagebuch wird Mirko animiert, auch selbst Geschichten zu erfinden. Als Höhepunkt verbringt Mirko zwei Wochen in den Sommerferien bei Tante Polly, lernt dort seine Tante besser kennen und gewinnt dazu eine neue Freundin.
Das Buch ist mit den kurzen Kapiteln altersgerecht aufgebaut und erzählt bildhaft, unterstützt wird dies durch die gelungenen schwarz-weißen Illustrationen von Nikolai Renger, die ich mir jedoch farbig gewünscht hätte.
Paul Maar ist ein richtig nettes Abenteuer gelungen, mit einer liebenswerten Tante, deren Geschichten schlussendlich einen wahren Kern haben. Aber das kann man nur erkennen, wenn man die Tante auch besser kennt und sie auch nicht vorverurteilt. Das könnte doch eine gute Botschaft sein. Und am Ende wartet auch noch eine Überraschung, auch Mirkos Mutter lernt Tante Polly mit ihrem Talent wertzuschätzen.