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Veröffentlicht am 13.09.2020

Klassischer englischer Krimi

Mord in Highgate
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In einem Londoner Nobelviertel wird ein Scheidungsanwalt mit einer Weinflasche brutal ermordet. Privatdetektiv Hawthorne soll zusätzlich zu den örtlichen Behörden ermitteln, an seiner Seite der Autor selbst, ...

In einem Londoner Nobelviertel wird ein Scheidungsanwalt mit einer Weinflasche brutal ermordet. Privatdetektiv Hawthorne soll zusätzlich zu den örtlichen Behörden ermitteln, an seiner Seite der Autor selbst, der aus dem Fall später einen Krimi für die Bestsellerlisten stricken soll.
„Mord in Highgate“ ist bereits der zweite Krimi mit Hawthorne und seinem Chronisten Horowitz; den ersten Band kenne ich nicht, was aber beim Lesen kein Nachteil war. Auf den ersten Blick sind die beiden ein seltsames Team, Hawthorne ist der Kopf, dem Horowitz fleißig mitschreibend hinterher hinkt. Der Detektiv wirkt sehr unnahbar, man weiß kaum etwas über sein Privatleben, auch sein Charakter und seine Motive sind schwer zu durchschauen. Horowitz ist sehr viel nahbarer, die beiden wirken an das berühmte Duo Holmes/Watson angelehnt. Ich fand sie zusammen ganz witzig gemacht, auch wenn mir die Tatsache, dass Figur Horowitz und Autor Horowitz identisch sind, etwas verquer vorkam. Der Fall entwickelt sich wie ein ordentlicher englischer Krimi, viel Köpfchenarbeit, Kombinationsgabe und ehrliche Ermittlungen. Fans von Agatha Christie u.ä. werden definitiv auf ihre Kosten kommen, zu viel Blutrünstigkeit sollte man nicht erwarten. Ich bin mit dem Roman ein paar vergnügliche Stunden nach London entwischt und habe mich dabei immer mal wieder zum Schmunzeln bringen lassen. Ein schöner Krimi, wenn auch ohne ganz große Highlights.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.09.2020

Zwei Brüder gegen den Rest der Welt

Ihr Königreich
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Roy hat sich um seinen jüngeren Bruder Carl gekümmert seit die Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Vor Jahren ging Carl ins Ausland, ließ Roy alleine auf dem abseits gelegenen Hof in ...

Roy hat sich um seinen jüngeren Bruder Carl gekümmert seit die Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Vor Jahren ging Carl ins Ausland, ließ Roy alleine auf dem abseits gelegenen Hof in Norwegen zurück. Doch jetzt ist er wieder da, und will das unscheinbare Dorf zu großem Reichtum bringen. Doch die Brüder sind nicht bei allen beliebt, gerade weil sie so eng zusammen halten.
Nesbos Krimi entfaltet sich langsam, dafür aber mit gehöriger Kraft. Roy ist eine starke Persönlichkeit, auch wenn er auf den ersten Blick bzw. aus Sicht der anderen Bewohner eher schlicht und eigenbrötlerisch wirkt. Sein Bruder ist das genaue Gegenteil, sucht den Dialog, will sein Projekt und sich verkaufen. Das Zusammenspiel der beiden, ergänzt durch Carls Ehefrau Shannon, macht einen großen Reiz des Buches aus. Sehr lange weiß man nicht, wie die Figuren wirklich zueinander stehen und es lässt sich wundervoll rätselraten. Auch ihre Vergangenheit hält die ein oder andere Überraschung bereit, schnell wird man vom Autor auch mal in die Irre geführt. Ich mag Nesbos Erzählstil schon immer sehr, hier erzählt er die Geschichte aus Roys Perspektive, was ebenfalls sehr gelungen ist. Dieser Krimi ist sicherlich etwas speziell, romanhafte Passagen werden von blutrünstigen Szenen durchbrochen. Ich fand die Kombi sehr unterhaltsam, und habe mich vom Autor gerne in die norwegische Einöde entführen lassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2020

Spannender Reihenauftakt

Die Zahlen der Toten
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Kate Burkholder hat vor Jahren mit ihrer Familie gebrochen, denn sie wollte deren Leben als Amish nicht weiterführen. Jetzt hat es sie wieder in ihre Heimat verschlagen, und sie arbeitet als Polizeichefin ...

Kate Burkholder hat vor Jahren mit ihrer Familie gebrochen, denn sie wollte deren Leben als Amish nicht weiterführen. Jetzt hat es sie wieder in ihre Heimat verschlagen, und sie arbeitet als Polizeichefin in Painter’s Mill. Ein grausamer Mord konfrontiert sie unerwartet mit ihrer Vergangenheit, ähnelt der Modus Operandi doch einer Mordserie von vor vielen Jahren. Doch das kann nicht sein, denn der Mörder von damals ist tot. Oder doch nicht?
Linda Castillos Thrillerreihe ist seit Jahren ein Erfolg, und nach der Lektüre kann ich auch verstehen warum, denn auch mich hat die Geschichte in ihren Bann gezogen. Kate ist eine tolle Hauptfigur, ihre Verbindung zu den Amish macht sie noch einmal interessanter. Doch das ist nicht ihr einziges Geheimnis und so gibt es für den Leser so einige Überraschungen. Auch die anderen Figuren haben Hand und Fuß, sei es Kates Kollege Glock oder die Sekretärin Mona; sie werden gut eingeführt und sind nicht nur Pappkameraden um die Seiten zu füllen. Die Geschichte wird größtenteils aus Kates Perspektive erzählt, Castillo gibt ihr eine glaubhafte Stimme, die einen schnell an die Seiten fesselt. Die Autorin spart nicht an grausigen Details, doch es wirkt nie übertrieben grausam. Die Ermittlungen entwickeln sich sehr spannend und Castillo führt alles zu einem stimmigen Ende. Mir hat dieser erste Band sehr gut gefallen, Kates besonderer Hintergrund und der lockere Erzählstil haben mich schnell für sich eingenommen. Weitere Bücher aus der Reihe werde ich definitiv lesen.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2020

Big KOS is watching you

Paradise City
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In nicht allzu ferner Zukunft lebt es sich in der Megacity Frankfurt sehr gut. Die Wochenarbeitszeit liegt bei 20 Stunden, die Gesundheit wird automatisiert über die KOS überwacht, Pandemien sind überwunden... ...

In nicht allzu ferner Zukunft lebt es sich in der Megacity Frankfurt sehr gut. Die Wochenarbeitszeit liegt bei 20 Stunden, die Gesundheit wird automatisiert über die KOS überwacht, Pandemien sind überwunden... wenn man sich an der permanenten Überwachung und anderen Einschränkungen nicht stört, dann lebt man im Paradies. Liina arbeitet für eine der wenigen letzten wirklich freien Medien des Landes; ein gefährlicher Job, wie sie durch den mysteriösen Unfall ihres Chefs wieder einmal vor Augen geführt bekommt. Woran hat er gearbeitet? Liina forscht nach.
Becks Zukunftsvision ist düster angehaucht und in vielem sicherlich gar nicht so unrealistisch. Die Folgen den Klimawandels sind deutlich zu spüren, auch die beschriebenen weltweiten Pandemien sind in Zeiten von Corona schon Wirklichkeit geworden. Vieles davon sind Elemente in gängigen Dystopien, was Paradise City nicht zu einem schlechten Buch macht; aber mir fehlte ein bisschen das Neue, Innovative. Liina finde ich als Hauptfigur ganz ok, so richtig mitgefiebert habe ich aber nicht, weil man ihr nicht so recht nahe kommt. Auch die anderen Protagonisten wirken eher wie Theaterschauspieler, denn wie „echte“ Figuren aus Fleisch und Blut (naja Tintenschwärze und Papier). Der zugrundeliegende Plot hat sich nicht so spannend entwickelt wie erhofft, vieles wird nur gestreift und kann seine Wirkung gar nicht entfalten. Becks Stil gefiel mir sehr gut, kann aber über manche inhaltliche Schwäche nicht hinwegtrösten. Insgesamt konnte mich Paradise City nicht ganz überzeugen, es bleibt der Eindruck, dass der Story einige Seiten und eine tiefergehende Ausarbeitung gut getan hätten.

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Veröffentlicht am 16.08.2020

Georgia trifft Grant County

Die verstummte Frau
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Eine brutale Attacke auf eine junge Frau wirft Fragen auf, denn sie gleicht haargenau einem Fall, der schon Jahre zurückliegt. Zudem sitzt der Täter in Haft, selbst wenn er immer seine Unschuld beteuert ...

Eine brutale Attacke auf eine junge Frau wirft Fragen auf, denn sie gleicht haargenau einem Fall, der schon Jahre zurückliegt. Zudem sitzt der Täter in Haft, selbst wenn er immer seine Unschuld beteuert hat. Will Trent soll dem Ganzen auf die Spur kommen, und wärmt damit ausgerechnet den Fall auf, den der verstorbene Mann seiner jetzigen Freundin zum Abschluss gebracht hat. Als würde nicht schon genug Druck auf ihm lasten, werden weitere Frauen überfallen.
Mit der verstummten Frau mischt Karen Slaughter ihre Georgia-Serie mit der Grant-County-Serie. Klingt als würde man mächtig Vorwissen benötigen, ich denke aber, dass das nicht unbedingt vonnöten ist; man kann den Fall auch so gut nachvollziehen und bekommt die wichtigsten persönlichen Entwicklungen schnell erklärt. Mich hat in diesem Band Saras Verhältnis zu ihren Männern (seien sie tot oder lebendig) gestört. Wer die eigenen Bedürfnisse immer hintenan stellt, geschweige denn, weiß was man wirklich will und es dann gar nicht schafft den Mund aufzumachen… nicht unbedingt ein Frauenbild, das so zentral in den Fokus gestellt werden müsste. Zudem fand ich das Zusammenspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart oft eher konstruiert, über weite Strecken wirkt Jeffreys Part künstlich aufgebauscht um ihn noch einmal „ins Leben“ zurückzuholen. Ein eigenständiger Band mit ihm hätte ehrlicher gewirkt und besser funktioniert. Den Fall selbst fand ich wirklich spannend und gut ausgedacht, auch wenn eben vieles durch die Reibereien der Beteiligten kaputt gemacht wird. Slaughter weiß natürlich wie man mitreißend erzählt und den Leser an die Seiten fesselt, das hat sie mit diesem Thriller wieder bewiesen. Trotzdem haben mir andere Thriller von ihr deutlich besser gefallen.

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  • Handlung
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