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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2021

Das Schweigen

Letzte Ehre
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Fariza Nasri ermittelt im Fall einer 17Jährigen, die nach einer Party im Haus des mütterlichen Lebensgefährten spurlos verschwand. Spuren gibt es keine, doch Nasri ist nicht umsonst die Königin des Zuhörens, ...

Fariza Nasri ermittelt im Fall einer 17Jährigen, die nach einer Party im Haus des mütterlichen Lebensgefährten spurlos verschwand. Spuren gibt es keine, doch Nasri ist nicht umsonst die Königin des Zuhörens, in ihren Verhören gibt jeder mehr Preis als geplant. So durchleuchtet sie Stück für Stück Finjas Leben und stößt dabei auf Ungereimtheiten, die immer größere Schrecken hervorbringen.
Fariza hätte man bereits aus beispielsweise „All die unbewohnten Zimmer“ kennen können, doch auch ohne Vorkenntnisse lässt sich dieser literarische Krimi gut lesen. Er wird aus Farizas Sicht erzählt, was es auch dem Neuleser leicht macht sich mit der Figur zu identifizieren. Ich mochte diese Figur ganz gerne, ihre Schwächen und Fehler machen sie sehr menschlich, und gerade ihre Reaktionen auf die persönlichen Verstrickungen fand ich sehr authentisch, sie haben Fariza lebendig gemacht. Die „Bösewichte“ dieses Romans haben es in sich, auch wenn die Häufung der unterschiedlichsten menschlichen Abgründe fast schon etwas redundant daher kommt. Trotz aller Scheußlichkeiten sollte man von „Letzte Ehre“ keinen reinen Krimi erwarten, da der Fokus immer auf den Charakteren und weniger auf dem Verbrechen liegt. Ich wurde mit Anis Stil leider nicht so richtig warm, sodass mich zwar die beklemmende Handlung fesseln konnte, aber die Ausführung nicht gar so sehr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2021

Ungewöhnlich, aber gut

Die vierte Schwester
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Privatermittler Jackson Brodie soll den Vermisstenfall der kleinen Olivia aufklären, sie ist aus dem heimischen Garten spurlos verschwunden; vor knapp 30 Jahren. Jetzt haben ihre Schwestern neue Spuren ...

Privatermittler Jackson Brodie soll den Vermisstenfall der kleinen Olivia aufklären, sie ist aus dem heimischen Garten spurlos verschwunden; vor knapp 30 Jahren. Jetzt haben ihre Schwestern neue Spuren aufgetan und hoffen auf das Geschick des Detektivs. Das wird noch von anderen in Anspruch genommen wie von dem Exanwalt Theo, der auch nach 10 Jahren noch den Mörder seiner Tochter sucht oder Shirley, die verzweifelt nach ihrer Nichte fahndet. Brodie muss alle Bälle in der Luft halten und gerät dabei selbst ins Visier.
Vorliegender Roman ist schon vor einigen Jahren herausgekommen und wird gerade neu aufgelegt. Umso besser, denn sonst wäre mir die Reihe um Jackson wahrscheinlich entgangen, die mich mit diesem ersten Teil wirklich überzeugen konnte. Der Aufbau der Handlung ist ungewöhnlich und verschachtelt, in kurzer Zeit werden sehr viele Personen eingeführt, und so ist es auch mir nicht immer leicht gefallen, den Überblick zu behalten. Aber Dranbleiben lohnt sich, denn Jacksons Fälle haben es in sich. Es handelt sich mitnichten um einen einfachen Krimi, sondern auch um einen Blick hinter so einige vermeintlich heile Familienfassaden. Vieles kam unerwartet, manches klärt sich erst ganz zum Schluss, und so bauen die verschiedenen Erzählstränge einen unwahrscheinlichen Lesesog auf, dem ich mir nur schwer entziehen konnte. Atkinsons Schreibstil hat mir schon an ihren anderen Romanen gefallen, und so war ich auch hier wieder davon begeistert. Ein britischer Humor mischt sich ebenso unter wie auch immer wieder unverhofft fast schon absurde Figuren auftauchen, langweilig wird hier gar nichts und jede Seite hält neue Überraschungen bereit. Atkinson spielt mit ihren Figuren und dem Leser, wirft einen neckischen bis bitterbösen Blick auf die britische Gesellschaft und unterhält dabei scheinbar mühelos. Mir hat Brodies ungewöhnlicher erster Auftritt sehr gut gefallen und so bin ich auf seine weiteren Fälle mehr als gespannt.

  • Cover
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Veröffentlicht am 18.04.2021

Tage im Juni

Die Toten vom Gare d’Austerlitz
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Der 14. Juni 1940 markiert für Inspektor Giral wie für alle anderen Franzosen einen Wendepunkt, denn Paris wird von den Nazis eingenommen. Dabei hätte Eddie genug zu tun, denn er muss den Mord an gleich ...

Der 14. Juni 1940 markiert für Inspektor Giral wie für alle anderen Franzosen einen Wendepunkt, denn Paris wird von den Nazis eingenommen. Dabei hätte Eddie genug zu tun, denn er muss den Mord an gleich vier Personen aufklären. Die Ermittlungen werden zusehends haarig, denn seine Autorität wird von den Besatzern beschnitten, Nachforschungen erschwert, sein Leben bedroht. Keine leichte Aufgabe, die da vor ihm liegt.
Lloyds Krimi spielt sich innerhalb weniger entscheidender Tage ab, er ist neben der fiktiven Kriminalhandlung auch ein gut recherchierter historischer Roman. Die Hintergründe dieser ersten Tage unter der Hakenkreuzfahne werden wie nebenbei von allen Seiten beleuchtet, die Auswirkungen sind sehr vielschichtig; der eine hängt sein Fähnchen in den Wind, der andere sieht trotz recht friedlicher Stimmung gar keinen Ausweg mehr. Die kleinen Einzelschicksale machen betroffen und nachdenklich. Der Autor erzählt sehr greifbar, die Dialoge sind sehr lebendig, und so wurde ich mit dem Geschehen schnell warm. Eddie ist eine tolle Hauptfigur, ich freue mich sehr, dass noch einige Bände mit ihm folgen sollen. Er ist einerseits eine starke Person, die für ihre Auffassung von Recht und Ordnung kämpft, dabei das eigene Wohlbefinden hintenan stellt; nicht jeder in seiner Position traut sich auch mal gegen den Willen der Besatzer zu arbeiten. Andererseits hat er in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs gekämpft, leidet noch immer unter Flashbacks und ist entsprechend verletzlich. Seine Mitstreiter bzw. Gegenspieler sind vielseitig und auch –schichtig, auch wenn ich die Entwicklungen rund um Auban etwas platt fand. Der Deutsche Hochstetten dagegen ist sehr undurchsichtig angelegt, was die Handlung natürlich doppelt spannend macht. Lloyds Krimi ist nicht immer hochspannend, zwischenzeitlich verzetteln sich die Ermittlungen zu sehr; trotzdem hat mir die Handlung sehr gut gefallen, weil für mich die Mischung aus Historie, Krimi und tollem Cast fast perfekt zusammenpasste.

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Veröffentlicht am 14.04.2021

Der Abstinent

Der Abstinent
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Im Jahr 1867 hat Ire O’Connor die prekäre Aufgabe in Manchester für die Polizei seine eigenen Landsleute zu bespitzeln. Der Unabhängigkeitskampf ist in vollem Gange, die Fronten verhärtet, die Methoden ...

Im Jahr 1867 hat Ire O’Connor die prekäre Aufgabe in Manchester für die Polizei seine eigenen Landsleute zu bespitzeln. Der Unabhängigkeitskampf ist in vollem Gange, die Fronten verhärtet, die Methoden beider Seiten brutal. So gerät O’Connor zusehends ins Visier der Freiheitskämpfer, während die eigenen Kollegen bei der Polizei ihn nicht ernst nehmen. Er steht buchstäblich im Kreuzfeuer.
Eine der großen Stärken des Autors liegt darin, eine zwingende, düstere, fast greifbare Stimmung zu erzeugen. Schon nach wenigen Sätzen ist man mittendrin in den Unruhen, streift mit James durch die aufgewühlte Stadt. Die Handlung baut auf historischen Gegebenheiten auf, für den Leser ist Fakt und Fiktion aber nicht mehr voneinander zu unterscheiden, weil alles sehr authentisch wirkt. Eigenes Hintergrundwissen zum irischen Freiheitskampf schadet nicht, ich hätte Einzelheiten ohne sicherlich nicht immer richtig einschätzen können, da McGuire nicht viel Hintergrundinfos liefert.
O’Connor und sein Widersacher Doyle waren für mich nicht so richtig greifbar, sie wirken als Figuren nicht ganz ausgereift. Sie verkörpern jeder für sich eine Seite der Medaille, aber wirken immer eher auf ihre Funktion für die Geschichte beschränkt und eben nicht richtig lebendig. McGuire kann Spannung aufbauen, lässt die Handlung aber auch schon mal etwas vor sich hindümpeln, was dann irgendwann auch die tolle Atmosphäre nicht mehr wettmachen konnte. Das Ende passt zur Stimmung, der Umbruch kurz zuvor war mir aber etwas zu abrupt, so richtig rund wirkt die Handlung für mich hier nicht mehr. Insgesamt mochte ich den Roman trotzdem, wobei für mich die erste Hälfte definitiv der stärkere Teil war und die Begeisterung so zum Ende einen kleinen Dämpfer bekam.

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Veröffentlicht am 11.04.2021

Erschreckend und abstoßend

Rattenkönig
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Vanessa Frank muss in Stockholm den Mord an der jungen Emilie aufklären; schon wenige Spuren scheinen den Täter dingfest zu machen. Doch so einfach gestalten sich Mordermittlungen sonst nicht, und so stößt ...

Vanessa Frank muss in Stockholm den Mord an der jungen Emilie aufklären; schon wenige Spuren scheinen den Täter dingfest zu machen. Doch so einfach gestalten sich Mordermittlungen sonst nicht, und so stößt Vanessa auch nach kurzer Zeit auf Ungereimtheiten. Sollte hinter dem Mord noch etwas ganz anderes stecken?

Ich habe den Vorgänger „Feuerland“ nicht gelesen, und war vielleicht auch deswegen zu Beginn vom Cast etwas überfordert. Die wesentlichen Dinge bekommt man auch als Neuleser nachgereicht, trotzdem ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn man zunächst den Vorgänger gelesen hat. Vanessa ist keine schlechte Hauptfigur, trotzdem wurde ich mit ihr bis zum Schluss nicht ganz warm. Dafür umso mehr mit ihrem Kollegen Ove, oder auch Nebenfiguren wie der jungen Celine. Engman arbeitet mit mehreren Handlungssträngen, bei denen man nicht sofort versteht wie sie überhaupt zusammenlaufen können. Doch das Gesamtpaket überzeugt und alles wird schlüssig geklärt. Der Erzählstil wirkt etwas nordisch-nüchtern, trotzdem wirkt das Geschehen keinesfalls distanziert. Engman baut große Spannung auf, sein dargestelltes Szenario wirkt glaubhaft und dadurch noch erschreckender, oft sogar brutal. Jedem neuen Abschnitt sind Zitate vorangestellt, die zunehmend verstörend sind. Ich hatte mir vom Nachwort erhofft die Quelle zu erfahren, bin mir aber nach der Lektüre sehr sicher, dass es sich um echte Zitate aus den entsprechenden Gruppierungen handelt. Der Autor rückt hier eine Community in den Fokus, über die man bestenfalls den Kopf schütteln kann, der dort propagierte Hass ist ekelerregend und beängstigend, da leider real. Sicherlich keine schlechte Idee diese dem breiteren Publikum bekannt zu machen, sodass die Wachsamkeit für dieses Thema erhöht ist.
Insgesamt ist „Rattenkönig“ ein gut gemachter, brutaler Thriller, der eine Gefahr in den Fokus rückt, von der viele nicht einmal gehört haben.

  • Cover
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