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Veröffentlicht am 11.03.2026

Nicolaus und sein Schrein

Der Schrein der Könige
7

Goldschmied Nicolaus vergeht nach dem Tod seiner Frau und eines seiner Kinder fast vor Kummer. Weit über Verduns Grenzen hinaus hat er sich mit seinen Fertigkeiten einen Namen gemacht, doch jetzt lässt ...

Goldschmied Nicolaus vergeht nach dem Tod seiner Frau und eines seiner Kinder fast vor Kummer. Weit über Verduns Grenzen hinaus hat er sich mit seinen Fertigkeiten einen Namen gemacht, doch jetzt lässt er alle Zügel schleifen. Bis sein Bruder ihm von einem Schrein erzählt, der in Köln entstehen soll. Ein Schrein für nicht nur einen Heiligen, sondern gleich dreien davon: den Heiligen Drei Königen.

Sabine Weiß widmet der Entstehungsgeschichte eines der wohl bekanntesten Reliquiare Deutschlands ihren neuesten historischen Roman. Ich habe ihn ganz gerne gelesen, denn die Autorin schafft sehr farbenfrohe Bilder, lebendige Figuren und entführt den Leser so spielend ins mittelalterliche Köln.
Die Beschreibung der Goldschmiedearbeit fand ich sehr interessant. Die Techniken werden verständlich erklärt, und man kann sich ein gutes Bild von der Arbeit am Schrein machen. Ein hohes Maß an Können, Genauigkeit und Hingabe zur Perfektion waren nötig, um auch noch die kleinsten Details am Schrein möglichst prächtig zu gestalten. Tatsächlich hätte ich gerne noch mehr über die Arbeit daran gelesen, gerade am Schluss geht der Schrein trotz seiner Größe etwas unter. Der historische Kontext der Geschichte kam für meinen Geschmack zu kurz. Warum das so ist, lässt die Autorin im Nachwort anklingen, trotzdem war mir die Mischung aus Fakt und Fiktion dann doch etwas unausgewogen vorgekommen. Die Geschichte um Nicolaus‘ Familie ist nämlich gänzlich fiktiv, nur wenige Quellen geben über ihn und sein Schaffen Aufschluss. Ich fand die ihm angedichtete Familie durchaus glaubhaft dargestellt, auch wenn das ein oder andere Familienmitglied einen zur sprichwörtlichen Weißglut bringen kann. Manchmal war mir die Entwicklung des Familienlebens dann doch eine Spur zu dramatisch, doch das ist sicherlich Geschmackssache. Zum Ende hin waren mir die Geschehnisse zu schnell abgearbeitet, auch die Zeitsprünge zu lang, sodass ich in den ersten zwei Dritteln der Handlung doch deutlich glücklicher mit der Lektüre war als zum Schluss.
Der Schrein der Könige ist ein lebendig erzählter, farbenfroher Roman, der mich gut unterhalten hat, auch wenn mein historisches Beuteschema nicht gänzlich getroffen wurde. Die nächste Reise nach Köln kommt bestimmt, und dann werde ich Nicolaus‘ Schrein mit ganz neuem Blick besuchen können. (3,5 Sterne)

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Die treibende Künstlerin

Lola im Spiegel
0

Liv Bytheriver ist bald 18 Jahre mit ihrer Mutter auf der Flucht, wohnungslos unterwegs in Australien. Liv heißt nicht wirklich Liv, ihren echten Namen hat ihr die Mutter nie verraten, aus Angst, dass ...

Liv Bytheriver ist bald 18 Jahre mit ihrer Mutter auf der Flucht, wohnungslos unterwegs in Australien. Liv heißt nicht wirklich Liv, ihren echten Namen hat ihr die Mutter nie verraten, aus Angst, dass man ihnen so auf die Spur kommen könnte. Und so wechselt Liv ihren Namen fast schon häufiger als sie zum Zeichenstift greift, denn diesen Traum verfolgt sie eisern: international beachtete Künstlerin zu werden. Doch wie schafft man es aus einem durchgerosteten Auto vom Brisbaneriver bis in die New Yorker MoMa?
Dalton nimmt den Leser mit in die Welt der Treibenden, der wohnungs- aber nie obdachlosen. Die Künstlerin und ihre Mom haben auf ihrem kleinen geschützten Schrottplatz eine eingeschworene Nachbarschaft gefunden; man hilft sich, man bildet fast schon eine kleine zusammengewürfelte Familie, auch wenn jeder mit den eigenen Dämonen kämpfen muss, und manchmal auch jemand einfach weitertreibt. Der Autor nähert sich dem Thema umsichtig, respektvoll, aber auch ungeschönt und realistisch. Seine Gesellschaftskritik wirkt nie belehrend, er räumt mit einigen Vorurteilen auf und wirft auch einen Blick ins Jahr 2032: Brisbane wird Austragungsort der Olympischen Spiele, was die Situation für viele Treibenden noch deutlich verschärfen wird.
Seine Protagonisten habe ich schnell ins Herz geschlossen. Facettenreich gezeichnet, lebendig und immer wieder überraschend, bin ich ihnen nur zu gerne durch den oft harten Alltag gefolgt. Die Künstlerin vereint jugendlichen Optimismus, manchmal kindliche Naivität mit einer Abgebrühtheit, die die Jahre auf der Straße hervorgebracht haben. Ihre Tuschezeichnungen schleichen sich immer wieder auf die Seiten, ordnungsgemäß versehen mit einer kuratierten Einordnung in ihre Schaffensphasen. Diesen Kniff fand ich einfach großartig, weckt er doch auch auf sehr subtile Art und Weise die leise Hoffnung, dass die Künstlerin es am Ende doch „schaffen“ wird. Überhaupt wirkt der Roman trotz allem Ärger, aller Trauer bejahend und vorsichtig optimistisch. Ich habe ihn mit großer Freude gelesen.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Josephine B

Sophie L.
0

Olivia Finn ist Gedächtnisexpertin, und doch kann sie nur hilflos aus der Ferne zusehen wie ihre Großmutter immer mehr in die Demenz abrutscht. Während eines erneuten Schubs behauptet die alte Dame, zum ...

Olivia Finn ist Gedächtnisexpertin, und doch kann sie nur hilflos aus der Ferne zusehen wie ihre Großmutter immer mehr in die Demenz abrutscht. Während eines erneuten Schubs behauptet die alte Dame, zum Ende der Pariser Besatzung einen Mord begangen und danach ihren Namen geändert zu haben. Olivia muss nun nach Paris reisen und versuchen mit dem ältesten Freund und Therapeut ihrer Großmutter Licht ins Dunkel zu bringen.
Sophie L ist kein schlechtes Buch, aber leider nur ein mittelmäßiges. Die grundsätzliche Thematik der falschen/wahren Erinnerungen, gerade auch in Zusammenhang mit der Nachkriegszeit klang wahnsinnig ansprechend. Ein vielversprechender Plot wird aber peu à peu ins Unlogische geführt, v.a. wenn die Figuren doch recht merkwürdig-konstruiert agieren. Eine Fachfrau reagiert auf ihrem ureigenen Fachgebiet so, als hätte sie noch nicht mal den Wikipediaeintrag zum Thema gelesen; zieht bei mir als Leser nicht so recht. Die Figuren bleiben insgesamt ohne Tiefe, was der Handlung nicht wirklich gut tut und es umso schwerer macht etwaige Motive nachzuvollziehen.
Die Zeitsprünge nach 1945 haben mir gut gefallen, der Autor beleuchtet mit dem Hotel Lutetia einen kleinen speziellen Moment in der Geschichte. Man kann sich kaum vorstellen, wie Überlebende aus den KZs diese ersten Tage „zurück“ empfunden haben müssen. Auch hier lässt der Autor jedoch die Gelegenheit liegen, dem Buch etwas mehr Tiefe zu geben und hält sich mit oberflächlichen Beschreibungen auf (die werden dafür sehr gerne wiederholt wie etwa der Gestank oder die allgegenwärtige Lagerkluft).
Blake erzählt locker, in relativ einfacher Sprache und in z.T. sehr kurzen Kapiteln. Schon allein dadurch ergibt sich ein gewisser Sog, die Handlung hat zudem durchaus ihre spannenden Momente. Trotzdem fehlte mir doch einiges zum angepriesenen Thrillerhighlight; eine Anhäufung von Andeutungen zu schlimmschlimmen Dingen in der Vergangenheit von xyz reicht da einfach nicht aus. Ich wollte schon prinzipiell Bescheid wissen, aber überzeugt hat mich die Handlung auch nach Auflösung der Zusammenhänge nicht. Schade.

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Hier wird niemand ge-Wham-bombed

Ring the Bells
5

Eigentlich waren die Redaktionsmitglieder auf einem guten Weg: die Räumlichkeiten festlich geschmückt, Snacks und Getränke organisiert, ja sogar die aktuelle Ausgabe konnte fast pünktlich in den Druck ...

Eigentlich waren die Redaktionsmitglieder auf einem guten Weg: die Räumlichkeiten festlich geschmückt, Snacks und Getränke organisiert, ja sogar die aktuelle Ausgabe konnte fast pünktlich in den Druck gehen… naja fast, denn die geplante Weihnachtsfeier der Stranger Times fällt ins Wasser. Schuld ist Gott Zalas; auch wenn den bisher kaum jemand in der modernen Welt kennt, so werden ihn doch bald alle fürchten lernen.

McDonnell hat ein wunderbares Gegenmittel gegen zu viel Last Christmas, blinkenden Vorweihnachtskitsch und überteuerten Glühwein geschrieben. Ring the bells ist Teil 5 der Reihe und auf jeden Fall sollte man die vorherigen Bände kennen, denn sonst entgeht einem nicht nur jede Menge Bauchmuskelkater vom Lachen, sondern es fehlt auch wichtiges Vorwissen. Das Redaktionsteam ist altbekannt, trotzdem gibt es wieder Neues zu entdecken. Im Fokus steht dieses Mal Manny, sowohl mit als auch ohne Hose; mehr wird hier natürlich nicht verraten. Ich mag dieses Team einfach, diese Mischung aus vermeintlichen Losern, Nerds, Fast-Heiligen, Cholerikern… und unbekannten Wesen. Bei all dem Klamauk und dem ein oder anderen Seitenhieb auf die moderne Popkultur lässt der Autor diesmal auch leise, ernste Töne einfließen; ein wunderbarer Gegenpol, der mich ebenfalls begeistert und etwas nachdenklich zurücklässt. Obwohl nicht dünn, ist das Buch doch wieder viel zu schnell ausgelesen.
Fazit: McDonnell würzt weihnachtliches Flair mit viel schwarzem Humor, einem gehörigen Hang zum Absurden, schlagfertigen Dialogen und einem Tempo, das fast an das von Margo herankommt. Naja, fast. Ganz, ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Basics - ansprechend aufbereitet

Ausgesorgt
0

Dieser Ratgeber richtet sich gezielt an Frauen, da deren Lebensläufe doch oft noch anders aussehen als bei Männern. Aber jeder Neuling in der Thematik wird hier nützliche Infos für sich herausziehen können. ...

Dieser Ratgeber richtet sich gezielt an Frauen, da deren Lebensläufe doch oft noch anders aussehen als bei Männern. Aber jeder Neuling in der Thematik wird hier nützliche Infos für sich herausziehen können. Die Autorin führt einen langsam ans Eingemachte heran. Zunächst wird der Status quo erhoben, die eigene Situation heute analysiert, die Ziele für die Zukunft festgesteckt. Das eigene Risikoverhalten will eingeschätzt werden, denn, das wird schnell klar, es gibt nicht DIE EINE Lösung für alle.
Immer wieder erleichtern klar aufgebaute Tabellen den Überblick und es gibt einige Checklisten abzuarbeiten. Mir hat der Ton der Autorin meist gut gefallen, bei allen Informationen und Fakten wird es doch nicht zu technisch, sodass man sich das Wissen relativ leicht aneignen kann. Ab und an waren mir der sicherlich gut gemeinte Ansporn doch zu drüber und ich fühlte mich unangenehm an irgendwelche Lifecoachsprüche erinnert, auch Geldanlage und Neujahrsdiätvorsatz zu vergleichen hatte dann doch ein merkwürdiges Frauenzeitschriftsgeschmäckle. Aber das ist sicher Ansichtssache.
Für weitere und tiefergehende Lektüre verweist die Autorin auf verschiedene Quellen, oft auf die Homepage der Stiftung Warentest. Das finde ich durchaus in Ordnung, wäre der Rahmen sonst doch reichlich gesprengt worden müssten all diese Infos noch im Buch Platz finden. Dieses Angebot ist z.T. kostenpflichtig, die meisten Infos wird man jedoch auch entsprechend über die einschlägigen Suchmaschinen finden können.
Ich fand diesen Ratgeber wirklich informativ und niederschwellig aufgebaut, sodass man sich als Einsteiger durchaus gerüstet sieht das Thema Vorsorge anzugehen. Wer sich schon etwas mit der Thematik auskennt, für den wird es vermutlich nicht allzu viel Neues geben.

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