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Veröffentlicht am 24.01.2018

Genialer Krimi mit echtem Hollywoodflair

Der Mann, der nicht mitspielt
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Hardy Engel ist Schauspieler im Hollywood der Goldenen Zwanziger. Naja, meist eher Statist; eigentlich auch eher unerfolgreich. Vor dem Weltkrieg war er Polizist in Mannheim, und so ist die Idee schnell ...

Hardy Engel ist Schauspieler im Hollywood der Goldenen Zwanziger. Naja, meist eher Statist; eigentlich auch eher unerfolgreich. Vor dem Weltkrieg war er Polizist in Mannheim, und so ist die Idee schnell geboren, sich vorerst als Privatdetektiv zu versuchen bis die Karriere als Kinostar so richtig ins Rollen kommt. Schnell findet sich Hardy jedoch in einem Fall wieder, der die Welt der Filmstudios gehörig ins Wanken bringen könnte: Jungschauspielerin Virginia stirbt nach einer rauschenden Partynacht mit dem großen Komiker Fatty. Mithilfe der jungen Pepper steckt Hardy bald viel tiefer im Sumpf der Filmstudios als er sich jemals vorstellen konnte…

Christof Weigold hat hier einen genialen Krimi abgeliefert und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung. Das Setting im „alten“ Hollywood hat mir sehr gut gefallen, Weigold lässt sehr lebendige Bilder aus den Anfangstagen des großen Kinos entstehen. Immer wieder trifft man auf bekannte Namen und Filme, sodass ich schnell das eine oder andere im Internet nachlesen wollte. Der Blick hinter die Kulissen, auch in die deutsche Kolonie vor Ort war sehr aufschlussreich und interessant. Eine sehr gelungene Atmosphäre begleitet also diesen spannenden Krimi, bei dessen Lektüre ich mich nicht ein Sekündchen gelangweilt habe. Engel ist ein sympathischer Kerl und hat eine tolle Art sich in den Fall und in die Tiefen der Filmindustrie einzuarbeiten. Sein Sidekick Pepper gibt (ihrem Namen entsprechend) noch mehr Würze zu den Ermittlungen, die sich mit allerlei Wendungen und Überraschungen sehr fesselnd lesen lassen. Ein Krimi ganz nach meinem Geschmack also, der mich wirklich überzeugt hat. Band zwei darf gerne kommen!

Veröffentlicht am 22.01.2018

Intensiv und ehrlich

Was nie geschehen ist
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„Uns würde nichts zustoßen – diese Gewissheit unserer Mutter begleitete uns auf Schritt und Tritt“ (S. 11)
Nadja Spiegelman ist die Tochter eines Pulitzerpreisträgers und der Art-Director des New Yorkers. ...

„Uns würde nichts zustoßen – diese Gewissheit unserer Mutter begleitete uns auf Schritt und Tritt“ (S. 11)
Nadja Spiegelman ist die Tochter eines Pulitzerpreisträgers und der Art-Director des New Yorkers. In ihrem unglaublich ehrlichen biografischen Roman fährt sie die Lebenslinien ihrer erfolgreichen Mutter und ihrer Großmutter nach. Die drei Frauen haben keine einfache Mutter-Tochter-Beziehung, Spiegelmans Erzählung ging mir oft unter die Haut. Ich konnte mich bis zum Schluss nicht darauf festlegen, ob ich die Beziehungen in dieser Familie eiskalt oder sehr liebevoll finden soll. Wahrscheinlich, weil die Wahrheit zwischen dem einen und anderen Extrem schwankt. Allen Frauen ist eine sehr bissige Seite zu eigen, grausame Wahrheiten werden laut ausgesprochen, manchmal wird erst recht auf einer persönlichen Schwäche herumgehackt. Es lastet großer Druck auf der Erzählerin, den sie ungefiltert an den Leser weitergibt. Aber auch die eigene Mutter hat keine einfache Kindheit gehabt und so ziehen sich die Schwierigkeiten wie ein roter Faden durch die Generationen. Andererseits steht jede Frau für ihre Kinder und Kindeskinder ein, kämpft für sie, beschützt sie; zeigt ihnen die Schönheiten dieser Welt.
In vielen sehr persönlichen und sehr offenen Gesprächen erfährt man nach und nach die Lebensgeschichte dreier sehr faszinierender Frauen, die einerseits sehr stark sind und andererseits doch ein Opfer ihrer Umgebung. Viele Situationen werden von den unterschiedlichen Personen verschieden beurteilt, sodass man auch darüber grübeln kann, welche Version der Wirklichkeit wohl am ehesten entspricht. Erinnerungen sind eben formbar. Die Autorin erzählt unglaublich intensiv, voller Emotion und dabei unglaublich fesselnd. Eine mitreißende, aber auch nachdenkliche Erzählung, quer durch die Generationen und über zwei Kontinente hinweg. Ich bin begeistert.

Veröffentlicht am 21.01.2018

Die Tochter des Papstes

Die letzte Borgia
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Im Jahre 1502 sind die Borgias auf dem Zenit ihrer Macht. Das Familienoberhaupt sitzt als Papst Alexander VI im Vatikan, Cesare erobert Stück für Stück Italien und Lucrezia ist eine begehrte Schönheit, ...

Im Jahre 1502 sind die Borgias auf dem Zenit ihrer Macht. Das Familienoberhaupt sitzt als Papst Alexander VI im Vatikan, Cesare erobert Stück für Stück Italien und Lucrezia ist eine begehrte Schönheit, deren dritte Ehe gerade erfolgreich eingefädelt wird. Intrigen, Gerüchte, Hass und Neid bestimmen das Leben der Borgias, doch trotzdem kann die junge Frau auch die schönen Seiten des Lebens genießen und bemüht sich um den kulturellen Aufstieg ihrer neuen Wirkstätte.

Die Borgias sind wohl den meisten ein Begriff, ihre Macht und die Methoden, die sie dazu verwendeten um diese Macht zu behalten, sind legendär. Sarah Dunant hat sich bereits in einem vorherigen Buch mit dieser skandalumwitterten Familie befasst, ich kenne es (bisher) nicht, kam aber in diese Geschichte dennoch gut rein; ein bisschen Allgemeinbildung reichte da völlig aus. Dunants Erzählstil hat mich direkt gefesselt, sie lässt sehr lebendige Bilder entstehen und vermittelt dabei dennoch gekonnt historisches Hintergrundwissen. Der Klappentext lässt etwas mehr Handlung um Lucrezia vermuten als man letztendlich bekommt, was ihr jedoch nicht zum Nachteil gereicht. Lucrezias Schicksal war eben immer auch vom Handeln ihres Vaters und Bruders abhängig, sodass die Handlung sich ganz natürlich auch um die beiden drehen musste. Der Fokus wechselt zwischen den dreien, sodass man immer ganz nah am Geschehen ist. Die Figuren selber fand ich gut gezeichnet, trotzdem erschienen sie mir doch immer etwas distanziert. Der Fortlauf der Story ist natürlich vom historischen Geschehen bestimmt, gerade gegen Ende ging es mir jedoch sehr überstürzt zu. Da hätte sich die Autorin sicherlich etwas künstlerische Freiheit zugestehen dürfen, um dem Leser das Geschehen entsprechend nahe zu bringen.
Mir hat Dunants Ausflug in die Renaissance unterm Strich aber gut gefallen, sodass ich mir Band eins auf jeden Fall mal noch vornehmen werde.

Veröffentlicht am 20.01.2018

Das Gen

Das Gen
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Mukherjee arbeitet als Arzt, ist aber auch als Autor medizinischer Sachbücher erfolgreich. Er arbeitet im Bereich der Stammzellenforschung, hat neben dem beruflichen Interesse aber auch ganz persönliche ...

Mukherjee arbeitet als Arzt, ist aber auch als Autor medizinischer Sachbücher erfolgreich. Er arbeitet im Bereich der Stammzellenforschung, hat neben dem beruflichen Interesse aber auch ganz persönliche Gründe für sein Interesse am menschlichen Genom: in seiner Familie treten gehäuft psychische Erkrankungen auf, Erkrankungen, die auch von genetischen Komponenten abhängig sind. Mukherjee nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte des Gens, der menschlichen DNA und durch die verschiedenen Labore und Forschungsstätten.
Genetik fand ich schon immer sehr faszinierend und so war ich an „Das Gen“ natürlich mit hohen Erwartungen herangegangen. Enttäuscht wurde ich nicht. Der Autor schafft den Spagat zwischen komplexer Thematik und erzählenden Passagen. Sachverhalte werden klar erläutert (an manchen Stellen schadet etwas Vorbildung sicherlich nicht), und auch schwierigere Zusammenhänge werden sehr gut erklärt. Mukherjee startet mit der Geschichte und den Anfängen der Genforschung, ab einem gewissen Zeitpunkt gab es jedoch parallel sehr viele bahnbrechende Entdeckungen, sodass die Kapitel thematisch und nicht mehr chronologisch gestaltet sind. Zunächst etwas verwirrend, aber dank kurzer Rückblicke findet man sich als Leser dann doch schnell zurecht. Das Buch gibt einen sehr guten Abriss über Vergangenheit und Gegenwart, wirft aber auch einen Blick in die Zukunft auf die Möglichkeiten, aber auch die Verantwortung, die sich aus den neuesten Technologien ergeben. Ich habe an vielen Stellen Wissen aufgefrischt, aber auch sehr viel Neues und Spannendes dazugelernt. Ein wirklich informatives, dennoch recht locker geschriebenes Sachbuch, das ich jedem mit Interesse am Kern des menschlichen Seins ans Herz legen möchte.

Veröffentlicht am 12.01.2018

The sound of music

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie
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Frank ist mit Musik aufgewachsen, hat seine Liebe dazu zum Beruf gemacht und verkauft nun im eigenen Plattenladen alles was das Herz begehrt (außer CDs natürlich; bloß keine CDs.). Dabei weiß er mit seinem ...

Frank ist mit Musik aufgewachsen, hat seine Liebe dazu zum Beruf gemacht und verkauft nun im eigenen Plattenladen alles was das Herz begehrt (außer CDs natürlich; bloß keine CDs.). Dabei weiß er mit seinem unglaublichen Gespür immer noch am besten, was die Käufer wirklich brauchen und welche Platte ihnen in der entsprechenden Stimmung am besten gefällt. Eines Tages steht jedoch eine Dame im grünen Mantel im Raum, bei der ihn sein Gespür völlig im Stich lässt. Doch nicht nur das wirft ihn aus der Bahn, denn eine große Baufirma will die Straße mit dem Plattenladen aufkaufen und setzt die örtlichen Ladenbesitzer unter Druck.

Von Rachel Joyce kenne ich bisher exakt zwei Bücher: Harold (fand ich doof) und das Zwei-Sekunden-Jahr (fand ich super), insofern war ich sehr gespannt wo sich Mister Frank einsortieren würde. Die Antwort: irgendwo dazwischen ; ) Die zugrundeliegende Geschichte (Mann trifft Frau) hat mir nicht soooo gut gefallen, ich bin nun mal kein Liebesromanleser. Sehr gut gefallen hat mir wiederum das musikalische Thema, das sich darübergelegt hat. Gerade die Rückblenden in Franks Kindheit sind sehr musikalisch geprägt, man erfährt viel Neues und bekommt große Lust sich mit den entsprechenden Stücken neu auseinander zu setzen. Selbst die Kapitelüberschriften sind berühmte Songs oder –zeilen (warum man manche sinnloserweise ins Deutsche übersetzt hat, muss der Leser vielleicht ja nicht verstehen), die ich dann sofort wieder im Ohr hatte. Auch Frank selbst mochte ich sehr gerne, obwohl er manchmal ein bisschen mehr Tiefe hätte vertragen können. Die anderen Ladenbesitzer hätten ebenfalls etwas mehr Fleisch auf den literarischen Rippen haben dürfen, sind insgesamt aber recht gut gelungen. Die geheimnisvolle Dame in grün konnte ich nicht wirklich einschätzen, finde sie auch jetzt immer noch nicht ganz passend für die Geschichte. Die Handlung plätschert ein bisschen vor sich hin, ohne das musikalische Thema wäre ich vielleicht nicht so lange bei der Stange geblieben. Am Ende jedoch hat mir die Autorin einen absoluten Gänsehautmoment beschert, der dann doch vieles wettgemacht hat. Ebenso ihr Erzählstil, der leicht und angenehm ist.
Insgesamt konnte mich Frank und sein Talent nicht ganz überzeugen, die Handlung hatte aber auch ihre starken Momente und somit ist das Buch sicherlich einen Leseversuch wert.