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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Toller Serienauftakt

Der Trümmermörder
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Winter, 1947: Hamburg liegt in Schutt und Asche. Die Menschen kämpfen ums Überleben in diesem harten Winter, es mangelt an allem. Auch an Menschlichkeit, denn eines Tages wird eine nackte Frauenleiche ...

Winter, 1947: Hamburg liegt in Schutt und Asche. Die Menschen kämpfen ums Überleben in diesem harten Winter, es mangelt an allem. Auch an Menschlichkeit, denn eines Tages wird eine nackte Frauenleiche aufgefunden. Kurioserweise mit gepflegtem Äußeren und gutem Ernährungszustand. Oberinspektor Stave nimmt die Ermittlungen auf…
Cay Rademacher hat sich von einem wahren Fall inspirieren lassen, denn im Winter 1947 trieb in Hamburg wirklich ein Trümmermörder sein Unwesen. Er fängt den Alltag der damaligen Zeit sehr gut ein: die Kälte, das Elend, den Hunger. Auch die ständige Präsenz der britischen „Befreier“ kommt gut zur Geltung. Eine Zeit, in der die „Schuldigen“ des Naziregimes hinter Gittern sitzen. Theoretisch zumindest, viel zu viele sind davongekommen und versuchen in der Masse unterzutauchen. Man weiß also immer noch nicht wem man trauen kann. Rademachers Hauptfigur Stave hat mir sehr gut gefallen. Auch an ihm sind die Kriegsjahre nicht spurlos vorübergegangen, die Frau im Bombenhagel umgekommen, der Sohn irgendwo hinter den Frontlinien vermisst. Stave kämpft für Gerechtigkeit und gegen die widrigen Umstände. Man fiebert mit ihm mit und hat immer ein bisschen Angst, dass er dem Druck nicht standhalten kann. Der Autor erzählt flüssig und ansprechend, beschönigt nichts. Historische Zahlen und Fakten werden gut eingebunden, immer wieder wird die kritische Situation an lebensechten Beispielen verdeutlicht. Die Polizei leidet ebenso unter Rationierungen wie die Bevölkerung.
Mir hat diese Mischung aus realen Fakten und Fiktion sehr gut gefallen, der Erzählstil war sehr flüssig und die Handlung spannend. Der nächste Fall von Stave darf gerne kommen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schlechter Thriller mit noch schlechterem Ende

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken
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Ein gemütlicher Familienabend wächst sich zu einem Alptraum aus, als zwei entflohene Schwerstverbrecher in Sandras Traumhaus eindringen. Ihr Ehemann wird niedergeschlagen, die Tochter und sie als Geiseln ...

Ein gemütlicher Familienabend wächst sich zu einem Alptraum aus, als zwei entflohene Schwerstverbrecher in Sandras Traumhaus eindringen. Ihr Ehemann wird niedergeschlagen, die Tochter und sie als Geiseln genommen. Doch es scheint einen Ausweg zu geben, die Verbrecher wollen mit der heimischen Treckingausrüstung türmen. Bis ein dicker Schneesturm aufzieht…

Ich hatte von Jenny Milchman bereits „Eisesgrab“ gelesen und das als soliden und gut geschriebenen Thriller in Erinnerung. Umso größer meine Überraschung, dass sich von der gewohnten Qualität nichts in dieses Buch gerettet zu haben scheint. Die Handlung ist absolut an den Haaren herbeigezogen, alles gipfelt in einem absolut (sorry) bescheuertem Ende. Die angespannte Geiselsituation müsste eigentlich zum Nägelkauen dargestellt werden, eine sehr intensive, bedrohliche Atmosphäre hatte ich erwartet. Bekommen habe ich nichts davon. Milchman schafft es überhaupt nicht die Gefahr zu transportieren, die Gefühle der (Papp)-Protagonisten sind dermaßen aufgesetzt, dass es sehr oft ins Lächerliche abgeglitten ist. Auch der Schreibstil wirkt oft etwas seltsam, mehr als einmal haperte es an der Übersetzung, die Sätze waren sehr konstruiert.
Zwei Sterne gibt es für den interessanten Ansatz, denn hinter der „einfachen“ Geiselnahme steckt noch ein bisschen mehr. Was genau, will ich hier gar nicht verraten, um das letzte bisschen Spannung nicht kaputtzumachen. Hier beweist Milchman, dass sie gute Ideen hat, wirklich viel hat sie leider nicht draus machen können.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Celia, Rupert und Jack

Vor dem Abgrund
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Nach dem Tod der Mutter macht sich die 16-Jährige Celia Brooks auf die Suche nach ihrem Vater. Der Seemann hat die Familie vor einigen Jahren verlassen, eine Spur führt jedoch nach London. Dort versucht ...

Nach dem Tod der Mutter macht sich die 16-Jährige Celia Brooks auf die Suche nach ihrem Vater. Der Seemann hat die Familie vor einigen Jahren verlassen, eine Spur führt jedoch nach London. Dort versucht sich Rupert Ingram gerade von seinem reichen Vater zu lösen und landet dabei im East End. Wo gerade ein gewisser Jack the Ripper sein Unwesen treibt…

„Vor dem Abgrund“ ist bereits das dritte Buch, welches sich mit dem Schicksal der Familien Ingram und Brooks befasst, trotzdem lässt es sich absolut problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Zwar befinden wir uns in London zu Zeiten des Rippers, dennoch nimmt dieser keinen ganz großen Raum ein. Finnek zeigt uns, dass das „ganz normale“ Londoner Leben eben nicht vor Schock erstarrt ist, sondern die Menschen ihren Alltag weitergelebt haben. Man taucht schnell ein in die Londoner Atmosphäre, sehr bildhafte Beschreibungen schaffen eine lebendige Vorstellung von der Stadt im Jahre 1888. Celia und Rupert als Hauptfiguren fand ich sehr gelungen, man kann sich sehr gut in beide einfinden, was nicht zuletzt an den verschiedenen Perspektiven liegt. Die Handlung ist spannend und lehrreich, man fiebert mit und folgt den Protagonisten gerne durch die Seiten. Der Schreibstil ist sehr ansprechend und flüssig zu lesen. Im Anhang findet man eine Karte und ein Glossar, welches weitere Hintergrundinformationen zur Handlung liefern.
Fazit: Mir hat auch dieses Buch aus Finneks Feder wieder sehr gut gefallen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Cravenmoore

Der dunkle Wächter
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Ein kleines Dörfchen in der Normandie wird nach dem plötzlichen Tod des Vaters der Zufluchtsort für die Familie Sauvelle. Hier findet die Mutter eine Anstellung bei Lazarus Jann, der eine imposante Spielzeugfabrik ...

Ein kleines Dörfchen in der Normandie wird nach dem plötzlichen Tod des Vaters der Zufluchtsort für die Familie Sauvelle. Hier findet die Mutter eine Anstellung bei Lazarus Jann, der eine imposante Spielzeugfabrik sein Eigen nennt. Die Tochter Irene findet in Ismael ihre erste Liebe. Und der Sohn? Der entdeckt, dass es in dem Anwesen Cravenmoore nicht mit rechten Dingen zugeht…

Die Geschichte startet zunächst sehr verhalten, der Autor gibt dem Leser viel Zeit sich mit Handlungsorten und Charakteren auseinanderzusetzen. Die Familie Sauvelle, aber auch Fabrikant Lazarus werden plastisch beschrieben, man begleitet sie gerne durch die Handlung. Die dichte Atmosphäre hat mir unglaublich gut gefallen. Zafon fängt die heißen Sommertage sehr gut ein, führt einem das Leben in dem französischen Dörfchen lebhaft vor Augen, zeichnet ein äußerst lebendiges, farbenfrohes Bild. Auch die düsteren Komponenten kommen sehr stark raus, mehr als einen leichten Gruseleffekt sollte man aber nicht erwarten. Der dunkle Wächter ist also auch für Leser mit einer nicht ganz so harten Schale gut geeignet. Kleine Ungereimtheiten in der Handlung fallen erfreulicherweise kaum ins Gewicht, man kann sich ganz in der malerisch-gruseligen Geschichte verlieren. Mir hat der dunkle Wächter wieder einmal gezeigt, dass es sich immer lohnt einen Zafon aus dem Regal zu holen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Und damit fing es an

Und damit fing es an
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In den Nachkriegsjahren lernen sich die Jungen Anton und Gustav kennen. Anton stammt aus einer wohlhabenden jüdischen Familie und hat sein Herz an die klassische Musik verloren. Gustav ist Sohn eines Matzlinger ...

In den Nachkriegsjahren lernen sich die Jungen Anton und Gustav kennen. Anton stammt aus einer wohlhabenden jüdischen Familie und hat sein Herz an die klassische Musik verloren. Gustav ist Sohn eines Matzlinger Polizeikommissars, der nach einem fatalen Fehler entlassen wurde, wodurch die Familie ganz kleine Brötchen backen muss. Die beiden verbindet schnell eine enge Freundschaft, die über Jahrzehnte hinweg Bestand haben soll.

Die Story ist geprägt von der europäischen Geschichte, die neutrale Position der Schweiz und die daraus folgenden Konsequenzen werden immer wieder thematisiert. Tremain wagt eine Analyse der Gesellschaft, zeigt mit ihren Figuren verschiedene Positionen auf, was mir sehr gut gefallen hat.
Rose Tremain beleuchtet drei Abschnitte im Leben der beiden Jungs, geht auch auf die Geschichte von Gustavs Eltern ein. Durch diese Dreiteilung wirkte die Handlung für mich etwas entzerrt und gebremst, an mancher Stelle wäre ich gerne länger verweilt. Die Autorin erzählt auf leise Art und Weise, erlaubt dem Leser nicht wirklich den Figuren nahe zu kommen. Nur mit Gustav wurde ich warm, richtig ergriffen hat mich sein Lebensweg nicht. Anton fand ich zunehmend unsympathisch, so recht nachvollziehen konnte ich die enge Freundschaft der beiden nicht. Auch das Ende, welches eigentlich der Höhepunkt der Geschichte hätte sein müssen, hat bei mir nur einen lauen Nachgeschmack hinterlassen.
Insgesamt war „Und damit fing es an“ vielleicht nicht hundertprozentig für mich gemacht, unter der angepriesenen bewegenden Freundschaft hatte ich mir mehr erhofft.