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Veröffentlicht am 24.05.2025

Mystisch. Mitreißend. Woods.

Die Geschichtensammlerin
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Nachdem mich „Der verschwundene Buchladen“ nachhaltig begeisterte, konnte ich „Die Geschichtensammlerin“ kaum erwarten. Evie Woods führt uns in das abgelegene Dorf Thornwood, Westirland – um das sich seit ...

Nachdem mich „Der verschwundene Buchladen“ nachhaltig begeisterte, konnte ich „Die Geschichtensammlerin“ kaum erwarten. Evie Woods führt uns in das abgelegene Dorf Thornwood, Westirland – um das sich seit Jahrhunderten Mythen ranken, die auch heute noch festverwurzelt sind …

1910/1911
Anna Butler kann ihre Begeisterung, dem Amerikaner Harold Griffin-Kraus bei seiner Arbeit unter die Arme greifen zu dürfen, nur schwer verbergen. Der Fremde sammelt verschiedene Folklore und Mythen, möchte die hiesigen Geschichten erfahren und mit Ortsansässigen sprechen. Anna, die den abschätzigen DorfbewohnerInnen bekannt und des Gälischen mächtig ist, begleitet ihn und erfährt auf diese Weise selbst so einiges mehr. Gerade die Legende um das Thornwood House, welches 1882 erbaut wurde und in dem sich schreckliche Ereignisse zugetragen haben sollen, zieht das Interesse von Harold an. Um dem Gemäuer Platz zu machen, musste damals ein uralter Weißdornbaum weichen, etwas, das mit großem Unglück und dem Zorn des „Guten Volkes“ verbunden ist. Anna, die ihre Zeit mit dem charmanten, gebildeten Fremden in einem Tagebuch festhält, wird diese Wochen niemals vergessen...

2010/2011
Nach der Trennung von ihrem Mann will Sarah Harper in ein Flugzeug nach Boston steigen, doch landet die von Schmerz gezeichnete Frau – benebelt von zu viel Whiskey und einer skurrilen Schlagzeile – an einem regnerischen Morgen in Irland. Überrascht von ihrem plötzlichen Aufenthaltsort und nicht in der besten mentalen Verfassung, mietet Sarah das Butler's House – ein süßes Cottage in einem urigen Dorf. Als sie des Nachts dem gewohnheitsmäßigen Drang, eine Runde laufen zu gehen, nicht widerstehen kann, stößt sie nicht nur auf einen Esel, sondern auch auf ein altes Tagebuch … Worte, die sie aus Trauer und Lethargie reißen, ihr einen Weg weisen.

Mit „Die Geschichtensammlerin“ hat Evie Woods erneut bewiesen, dass sie eine dichte, mystische und nachhallende Handlung konzipieren kann, von der es sich nur schwer lösen lässt.
Sarah, die seit „der Sache“ regelmäßig mit Verzweiflung, Scham und Schuld ringt, sich im Alkohol verliert, wird von den Einheimischen Thornwoods herzlich aufgenommen und findet durch diese und die Chance, sich mit sich selbst und ihrem Verlust auseinanderzusetzen, langsam zurück ins Leben und den Mut, Unaussprechliches endlich in Worte zu fassen. Getrieben von den Erlebnissen der jugendlichen Bäuerin, die ebenfalls einst das Butler's House ihr Heim nannte, sucht die Künstlerin nach mehr als dem, was auf Zeilen gebannt wurde. Woods durchbricht die Gegenwart rege mit den Erzählungen von Anna – greift die damaligen Gegebenheiten und Konventionen, die Neugierde und Euphorie des Mädchens authentisch auf, spickt die Vergangenheit jedoch auch mit etwas Dunklem. Einem Hauch von Magie, einer Bedrohung, die auch ein Jahrhundert später unübersehbar in der Luft schwebt.

Sowohl Anna und Harald als auch Sarah und Oran, der ebenfalls eine tiefere Verbindung zu dem alten Cottage und den Legenden des Dorfes hat, wurden greifbar und echt, mit ihrem eigenen Schmerz und der Art, diesem zu ent- oder über ihn hinwegzukommen, gezeichnet. Auch finden sich einige Nebencharaktere, die die Story bereichern. Es war aufregend, die Figuren und ihre Leben kennenzulernen, im Damals und Heute durch das Örtchen zu streifen und sich stets zu fragen, was real ist – und sein könnte. Viele Momente und Wahrheiten gehen nah, öfter überrascht Woods, treibt das Tempo kontinuierlich hoch, um uns atemlos zurückzulassen – dabei ist „Die Geschichtensammlerin“ kein actionreicher Roman, jedoch reich an Ereignissen, die mitfiebern lassen, Emotionen, die wehtun, und Geheimnissen, deren Ergründung das Interesse nicht abflauen lassen. Umspielte das Geschehen eine einnehmende, oft schwere Atmosphäre, Wehmut gepaart mit melancholischen Zügen, lichtet sich im Verlauf die Tristesse, schafft Platz für Neues – und die mahnende Erinnerung, Fehler nicht zu wiederholen …

Im Herbst wartet bereits der nächste Roman der Autorin und ich freu’ mich auf eine Reise nach Paris!

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Kurzweilig und nett, aber ohne Feuer und Überraschung.

Goals & Chances: Spicy Hockey Romance
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Payton ist dabei, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Sie schnappte sich einen der raren, begehrten Praktikumsplätze bei der Modedesignerin Carry Carter, für den sie nun in Boston, wenn auch in ...

Payton ist dabei, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Sie schnappte sich einen der raren, begehrten Praktikumsplätze bei der Modedesignerin Carry Carter, für den sie nun in Boston, wenn auch in einer unsicheren Gegend, lebt.
Als plötzlich Leroy – ein Eishockeyspieler, mit dem sie bereits in Philadelphia Bekanntschaft machen musste – in das Atelier stolpert, ihr deutliche, hartnäckige Avancen macht und ihr sogar einen Auftrag gibt, weiß die angehende Designerin nur eines: Sie darf ihn nicht zu nah an sich heranlassen.
Denn schon einmal hat ihr ein Mann, dem sie ihr Vertrauen schenkte und der in der Öffentlichkeit steht, das Herz gebrochen. Eine Wiederholung dieser Demütigung? Braucht sie nicht! Doch wie lange kann die modeaffine Schönheit dem heißen Sportler widerstehen?

Leroy Collins will Payton. Ohne Wenn und Aber, koste es, was es wolle. Und wenn er sie einen Anzug designen lassen, sie täglich abholen und gemütliche Dates arrangieren muss. Nie war sich der wohlhabende Spieler der Boston Badgers sicherer. Nur scheint es eine größere Herausforderung zu werden als gedacht, Paytons Mauern zu durchbrechen …

„Goals & Chances“ ist der dritte Teil über die bostoner Eishockeymannschaft, und dieses Mal führt uns Allie Kinsley in einem lockeren Stil durch die softe, eher gemütliche und insgesamt unaufgeregte Handlung. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was eine gute Basis schafft, um die Protagonisten und ihre gegenwärtigen Situationen kennenzulernen.
Dass neben Leroys Karriere, die hartes Training und Verzicht sowie Medienpräsenz mit sich bringt, auch auf Paytons Leidenschaft und ihre Bedenken eingegangen wird, hat mir gefallen. Ihr Drang, selbstständig zu sein, vorsichtig zu bleiben und Social Media keinen Raum zu geben, ist, betrachtet man ihre Erfahrungen, nachvollziehbar.
Um das Herz seiner Crush zu gewinnen, geht Leroy forsch vor, wirkt regelrecht besessen – und wenn die entstehende Dynamik auch unterhaltsam war, verlief die Lovestory vorhersehbar und ohne Überraschungen. Eigentlich ganz nett, jedoch fehlte es mMn an Tiefe und einer greifbaren romantischen „Entwicklung“, denn woher die plötzliche „Liebe“ kam? Ich könnte es nicht sagen.
Dennoch gab es süße Momente, Verlust und Veränderungen. Die Nebenfiguren nehmen keine sonderlich große Rolle ein und auch der Spice hält sich, wie in den vorigen Bänden, in Grenzen.

„Goals & Chances“: eine kurzweilige Sports-Romance.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Zu hohe Erwartungen meinerseits.

Dragon Games - Liebe aus Flammen
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„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse ...

„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse zusammenzufassen und relevante Charaktere vorzustellen.

Während Victoria Black auf dem Verlorenen Kontinent noch immer um ihr (Über)Leben bangt, sich auf die körperlich und mental anstrengende Prüfung zur Dragonoath vorbereiten muss und im Zwiespalt – hin- und hergerissen zwischen all dem, was sie zu wissen glaubte, und den Wahrheiten, die sie mit eigenen Augen sieht, zwischen den in ihr streitenden Gefühlen – zergeht, setzt James de Burgh alles – Ressourcen, Vermögen und Männer – daran, seine Lady zurückzuholen. Nicht mal vor dem Eisernen Rat, Druck und Drohung macht der einstige Drachenritter halt. Dabei ist fraglich, ob er und Onyx das Kulethische Meer – wenngleich Professoren und Techniker an einer Lösung arbeiten – überwinden können, seine Liebe noch lebt und Feridum ausreichend für einen Krieg aus unbekannter Richtung gerüstet ist … denn dieser wird kommen.

Ursa Jaumann führt uns langsam in die gegenwärtigen Situationen der Protagonisten, schenkt uns weitere Einblicke in das naturverbundene Dasein der Látaiea und nimmt auch Bezug auf die hier herrschenden Uneinigkeiten. Die Welt außerhalb des auf technischen Fortschritt und Profit fixierten Imperiums kam malerisch zur Geltung – wenn gleich dieses Land nicht ohne Gefahren ist, Vic noch immer Feindseligkeit zuteilwird und vor ihr Aufgaben liegen, die ihr alles abverlangen, sie alles kosten könnten.
Killian, der alles daran setzt, dass sich Victoria in seinem Clan integriert, sich zu Hause fühlt, sorgt mehrfach mit seiner verletzlichen Seite, seiner Offenheit und der Art, wie er die Drachenritterin herauszufordern vermag, daran erinnert, wer sie wirklich ist, für überraschende und intensive Momente. Dabei hofft er inständig, dass Victoria wahrlich für die gleichen Überzeugungen wie das Vergessene Volk, an seiner Seite, kämpfen wird … selbst wenn sie wieder in James’ Arme sinken sollte.
Die Anziehung zwischen Victoria und ihrem „Entführer“ war unterhaltsam, immer häufiger troffen Gefühle und Wahrheiten hinter Witz und seichtem Geplänkel hervor. Bereits im Vorgänger schwang die Ahnung schwerer, emotionaler Entscheidungen mit – nun gibt die Autorin ihrer Fantasystory mit dem direkten Why-Choose-Trope etwas Frisches und zeigt, dass unkonventionelle Beziehungsmodelle auch außerhalb einer spicy, darken Romance funktionieren.

Das klingt alles ganz nett, ich weiß, aber leider konnte mich der Abschluss der „Dragon Games“-Trilogie nicht gänzlich überzeugen. Fand ich den Auftakt originell und durchweg spannend, den zweiten Band zumindest großteils interessant und unterhaltsam, wollte der Funke hier nicht überspringen. Zum einen, weil sich die ~660 eBook Seiten zogen – durch unnötig ausgeschmückte Szenen, ein „Auf der Stelle treten“ sowie Vics immer gleiche Gedankengänge und ihr ausgiebiges, sich im Kreis drehendes Gefühlschaos. Geduldsprobe pur! Auch der Stil selbst wirkte auf mich dieses Mal nicht so durchdacht und wohlüberlegt wie gewöhnlich, sondern recht einfach und lasch. Worte fehlten, Informationen und Formulierungen – bspw. leidenschaftliche Geständnisse, die langfristig an Wirkung einbüßten, und die Monologe – wiederholten sich – und wo ist eigentlich die taffe, starke Protagonistin aus 𝐇𝐞𝐫𝐳 𝐚𝐮𝐬 𝐅𝐞𝐮𝐞𝐫 hin?
Diese Serie entwickelte sich mMn zu einer 0815-Romantasy, die Gegebenheiten, Ziele und die aussagekräftigen Themen – Missstände, Unterdrückung, Ausbeutung, Klimawandel, Umweltverschmutzung (…) – oftmals aus den Augen verlor und Zweifel/Überlegungen romantischen Ursprungs in den Vordergrund rückte.
Erst nach etwa 60 % nahmen Tempo, Ereignisdichte und Spannung merklich zu, inkl. Dramatik und Twists, die die Kraft haben, Herzen zu brechen.

Actionreiche Szenen sowie jene mit Drachen sind lebendig, die Traditionen und Rituale mystisch inszeniert, wenn auch fantastische Elemente und Steampunk-Vibes nur als Hintergrundrauschen vernehmbar waren. Aufbrausende Reden und Offenbarungen, die nicht nur Beziehungen ins Wanken, sondern eine Gesellschaft auslöschen könnten, kamen ebenso wenig zu kurz wie Verluste und die (persönlichen) Opfer, die es braucht, um Veränderungen, dauerhafte, zu generieren. Der Plan der Látaiea, der vor allem in den letzten Kapiteln Beachtung und Aktivismus fand, sowie die Gründe und Vorgehensweisen waren durchdacht und einfallsreich. Letztlich war es aufregend, Victoria, gezeichnet von Blut, Trauer und Schmerz, dabei zu begleiten, wie sie zu ihrem alten Selbst, ihrer Stärke zurückfand.
Zwischen all den Trümmern warten auch ein zauberhaftes Wunder, die Hoffnung auf Gleichheit und der Beginn von etwas Neuem.

Für welches Leben, welche Liebe sich Victoria entscheidet? Ob das Stahlimperium fällt und die Drachen Freiheit erfahren – oder ob der Verlorene Kontinent mitsamt der Geheimnisse und der Magie untergeht? Findet es heraus.

Fazit: Trotz aller Kritik ist „Liebe aus Flammen“ kein schlechtes Buch, nur eben nicht das, was ich nach dem starken, originellen Auftakt erwartet habe. Mir fehlte es schlicht an Abwechslung im Geschriebenen und größtenteils an einem Vorankommen im Verlauf.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Eine Ode an Lyrik und Sehnsucht.

Wie Worte auf beschlagenen Scheiben
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„Wie Worte auf beschlagenen Scheiben“ ist der poetische, nachtschwarze Weg hin zu einer tröstenden Umarmung. Ist die Zeit, die es braucht, um Wunden zu sehen, anzunehmen, zu versorgen. Das Finden zu sich ...

„Wie Worte auf beschlagenen Scheiben“ ist der poetische, nachtschwarze Weg hin zu einer tröstenden Umarmung. Ist die Zeit, die es braucht, um Wunden zu sehen, anzunehmen, zu versorgen. Das Finden zu sich selbst.

Ella Bergmanns einstiger Traum ist zum Greifen nah: Für ihren Debütroman hat sie mit ihren Gänsehaut-Texten nicht nur eine berüchtigte Marketingfirma gewonnen, sondern auch den perfekten Verlag gefunden! Nur dass Ella über die Monate immer mehr zu Lalott wurde, aufhörte, dieses Projekt, das ihr aus den Händen gerissen wird, als IHRE Herzensangelegenheit zu fühlen. Genau wie der Social-Media-Account, auf dem zwar Tausende ihre bewegenden, lyrischen Zeilen lesen, kommentieren, teilen, jedoch nie die echte, reine Autorin sehen, ist das geplante Buch nur noch ein Anker. Der einzige Halt, der Ella blieb, seit sie vor einem halben Jahr so vieles, einen Teil ihrer selbst, verloren hat. …
Dass Poesie stets Raum zur Interpretation schafft, ist unvermeidlich, aber stillschweigend ignoriert Lalott Probleme, verletzt an Stellen, die doch endlich heilen sollten.

Jonah Reed ist der angesehenste Lektor des edaVerlags und genauso begeistert wie das gesamte Team, als dieser einen zukunftsträchtigen Auftrag an Land zieht. Doch als Jonah das Exposé der gefeierten Lyrikerin in Händen hält, ihr zum ersten Mal gegenübersteht, überkommen ihn Zweifel. Denn statt strahlender Leidenschaft findet er nur ein blasses Abbild, eine junge Frau, die von Resignation und einer unsichtbaren Schwere niedergedrückt zu werden scheint. Gefangen in einem Pseudonym, gezeichnet von unsagbarer Trauer.
Dass LitA Bromberg ihrer Klientin rege über den Mund fährt, selbst Luft abfängt, bestärkt seinen niederschmetternden Eindruck. Dabei sind Lalotts deepe Lyrics für viele Menschen Trost und Halt. Fragmente, die Welten füllen. Herzen brechen.
Jonah will Ella, ihre Wahrheit, kennenlernen, will das Bestmögliche für ihr Debüt, und riskiert bei diesem Versuch so viel mehr als nur seinen Ruf und das Sprungbrett, welches diese Veröffentlichung für den edaVerlag sein könnte.

Jennifer Ebbinghaus und Marie Döling haben mit „Wie Worte auf beschlagenen Scheiben“ ein ganz besonderes, eindringliches Werk erschaffen, das mit Wortgewalt, poetischer Sprache und einer Fülle von Emotionen tief trifft, laut nachklingt. Ausdrucksstark, echt, angefüllt mit verschiedenen Nuancen aus Schmerz und Trauer, beängstigenden Abgründen und zarter, leiser Hoffnung.
Die LeserInnen bekommen ausreichend Raum und Gelegenheit, in die Protagonisten einzudringen, sie kennenzulernen und ihre Reaktionen, die Zweifel und Gefühlsstürme zu verstehen. Sowohl Ellas unbewusst selbst erschaffenes Gefängnis, das durch Erwartungen, Druck und Bevormundung stetig enger wird, ihr die Stimme raubt, sie verblendet und als Zuschauerin zurücklässt. Wie auch Jonah, dem es von Treffen zu Treffen schwerer fällt, Professionalität und Grenzen zu wahren, der sich nicht von Lalotts Farce blenden, sich aber von Ellas Zerbrechlichkeit gefangen nehmen, von ihrer Poesie faszinieren lässt.
Diese wortverliebten Menschen wurden mit zahlreichen Facetten und Eigenheiten bestückt, mit Hintergründen und Wünschen, mit Leben.
JedeR für sich und beide gemeinsam schleichen sich ins Herz. Unauskratzbar.

Die Liebesgeschichte ist zärtlich, intensiv, slow burn – nichts anderes würde passen –, hält Konflikte, Uneinigkeiten und Kribbeln, Reflexion und Erkenntnisse, Loslassen und Abschied bereit. Zusätzlich treffen wir in diesem dichten, Mitgefühl auslösenden New Adult Roman auf unterschiedliche Nebenfiguren, die ausreichend Raum bekamen, sich entfalten und wirken konnten. Neben Jonahs speziellem, dynamischen Freundeskreis sorgen das Verlagsteam – in dessen Arbeit und die (Tücken der) Buchbranche wir hier und da Einblick bekommen – für Abwechslung und Found-Family-Vibes.
Als Thüringerin war es außerdem ein Fest für mich, dass die Story im kulturellen Weimar spielt – die Literaturstadt wurde mit so viel Liebe zum Detail und Gemütlichkeit gezeichnet, dass ich es kaum erwarten kann, bewusst auf den Spuren von Ella & Jonah zu wandeln.
Worte nehmen eine gewichtige Rolle ein – nicht nur die sorgfältig gewählten, mit denen uns die Autorinnen diese gewichtige, bedeutsame Geschichte erleben lassen, nicht nur jene, mit denen Ella ihr Innerstes nach außen kehrt, oder mit denen sich Jonas einen Safe Place schafft, sondern auch die des Dichters Goethe. Das ganze Buch war eine Ode an die Lyrik. An Verlust und Sehnsucht.

Obgleich der Verlauf hauptsächlich von Melancholie und Wehmut durchtränkt ist, von Tragik, gab es auch Liebe. Freundschaft. Veränderung. Den Glauben an Neuanfänge und Licht, selbst wenn es regnet. Gab es auch Spaß – die Leipziger Buchmesse, die Leidenschaft um Cosplaying, um Welten erschaffen, fügte sich perfekt in diesen Plot. Dass wir auf den letzten Seiten mit Spannung und Intrigen, mit endlich Aufstehen, für sich Einstehen, konfrontiert werden; mit sich selbst finden, ungeahnten (Weiter)Entwicklungen und mit gezielt getroffenen Entscheidungen lässt mich meine Einleitung, dass es sich hierbei um ein außergewöhnliches Buch handelt, nur wiederholen.

Jennifer Ebbinghaus und Marie Döling beendeten ihren poetisch-modernen Roman so, wie es nicht besser hätte sein können – nasse Wangen, Herzschmerz-Augenblicke, Luft anhalten. Einfach fühlen.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Saskia Louis: wie nach Hause kommen.

Love and Hockey: Lilly & Austin
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Es sollte nur ein One-Night-Stand werden. Doch sie konnten einander nie vergessen.
Zehn Jahre später treffen Künstlerin Lilly und der Captain der 𝐋.𝐀. 𝐇𝐚𝐰𝐤𝐬 erneut aufeinander – um ihrer Nacht auf ganz ...

Es sollte nur ein One-Night-Stand werden. Doch sie konnten einander nie vergessen.
Zehn Jahre später treffen Künstlerin Lilly und der Captain der 𝐋.𝐀. 𝐇𝐚𝐰𝐤𝐬 erneut aufeinander – um ihrer Nacht auf ganz besondere Weise zu huldigen …

Endlich wieder zurück zu den strammen Burschen der L.A. Hawks – dieses Mal geht es um Austin Fox, der es sich heute, endlich geschieden und überzeugter Single, zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur ein vernünftiger und skandalfreier Spieler, sondern auch rund um die Uhr für seine Kameraden da zu sein und stets einen Platz in seinem riesigen Haus für diese zu haben. Ein adäquater Ersatz für die kinderreiche Familie, die Fox nicht vergönnt war.
Als plötzlich ein Mädchen vor der Halle auftaucht, das eine vage Ähnlichkeit mit einem Menschen aufweist, den der Eishockeyspieler im ersten Moment nicht greifen kann, ändert sich alles – neben Unglauben und einer leisen Begeisterung schwillt in Fox unbändige Wut. Tiefer Zorn.

Ein Jahrzehnt hat Lilly Adams es vermieden, zurück in ihre Heimat zu gehen, hat sich in Venedig auf ihre Kunst konzentriert, sich weiterentwickelt und als alleinerziehende Mutter eine wunderbare Tochter großgezogen.
Nun, wieder in L. A., beharrt Delfina, die einzige Person, die um die Identität ihres Vaters weiß, darauf, diesen endlich kennenzulernen. Nie hätte Lilly zu hoffen gewagt, dass der verlogene Typ, der damals wortlos aus ihrem Bett verschwunden ist, so aufrichtig enttäuscht, verletzt und sauer sein würde.
Neben Romantik und einer Menge Humor warten in diesem sechsten Teil verhärtete Fronten, Missverständnisse und natürlich auch unwiderstehliche Eishockey-Jungs. In diesem Sinne möchte ich erwähnen, dass viele Spieler der L.A. Hawks präsent integriert sind, Raum einnehmen und aufgrund Eigenheiten und Marotten herrlich witzige Situationen erschaffen. Zeitgleich untermauert Louis den Found-Family-Trope mit diesem warmherzigen Team ungemein. Bad Boys? Fehlanzeige!
Ebenfalls typisch für Bücher der Autorin: Die Protagonistin ist eigenständig, schlagfertig und unbeeindruckt von Ruhm und Geld. Lilly hat die letzten Jahre gekämpft, für sich, ihre Leidenschaft und ihr Kind. Auch jetzt ist sie nicht bereit, einzuknicken, egal, wie oft Fox sie mit Blicken, in denen unausgesprochene Vorwürfe und Wehmut liegen, erdolcht. Dass dieser Mann nicht nur das Herz von Del in rasender Geschwindigkeit gewinnt, sondern auch Lilly an so viele verdrängte Empfindungen erinnert, bringt die Glasbläserin gehörig durcheinander.
Austin geht in seiner neuen Rolle augenblicklich auf, es war zuckersüß, ihn und Del dabei zuzusehen, wie sie sich kennenlernen, wie er Verantwortung übernimmt und ein echter Daddy wird. Um Lilly kommt er hierbei nicht herum, auch nicht um die einstige, nie erloschene Anziehung. Wären da nicht seine stänkernde Exfrau, Fox' Misstrauen und Lillys Sorge, ihre Sonne zu verlieren.

Saskia Louis führt uns in ihrem locker-flockigen, direkten und gefühlvollen Ton durch die Geschichte, die nicht nur mit Lillys bester Freundin Daisy ein Easter Egg für Fans der Autorin bereithält.
Wir lernen die Protagonisten, ihre Hintergründe, Zweifel und Ängste genau kennen, und es ist so leicht, sich in die beiden hineinzuversetzen, ihren Ärger zu verstehen und Teil der Familienzusammenführung zu werden. Auch Delfina kam mit ihrem kindlichem Charme wunderbar zur Geltung und sorgte für einige Schmunzler.
Obgleich größtenteils auf überzogenes Drama verzichtet wird, gab es spannende Entwicklungen, innige Augenblicke, Spice und Witz.
Für mich eine rundum gelungene Romance und, wie jedes Buch von Louis, eine Art Coming-home-and-feel-good.

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