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Veröffentlicht am 06.05.2025

Unglaublich intensiv und eindringlich.

Kein Ort dieser Welt
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„Kein Ort dieser Welt“ erzählt die Geschichte von Fiona – erzählt eine Geschichte, die dir und mir passieren kann, die tausenden Menschen – so oder so ähnlich – passiert ist. Vor allem aber lässt uns Marie ...

„Kein Ort dieser Welt“ erzählt die Geschichte von Fiona – erzählt eine Geschichte, die dir und mir passieren kann, die tausenden Menschen – so oder so ähnlich – passiert ist. Vor allem aber lässt uns Marie Döling fühlen – hautnah und echt. Denn dieser Coming-of-Age-Roman behandelt in einfühlsamen, eindringlichen Tönen Themen, die real sind. Themen, über die gesprochen werden sollte, immer wieder, die Aufmerksamkeit brauchen, denen Gehör geschenkt werden muss.
Mobbing, physischer und psychischer Misbrauch, sxuelle Belästigung und Übergriffe, (versuchte) Vergwaltiung (…)

Fiona gehörte noch nie zu den coolen Kids, doch seit ihr Vater die Familie wortlos verlassen hat, ist sie allein: Die Mutter teilnahmslos, das Verhältnis zu ihrem Bruder nicht mehr existent und auch ihr bester Freund hat sie, ohne einen Grund, im Stich gelassen. Und nicht nur das: Jeder einzelne Tag, der sie in die Mauern der Schule führt, gleicht einer Tortur, einem Spießrutenlauf und Versteckspiel. Neben klassenübergreifender Ignoranz und verletzenden Sprüchen sind es drei Schülerinnen, die Fiona triezen, treten, schlagen, bespucken (…)
JedeR schaut weg, jedeR ist TäterIn. Jeder Mensch ist schuld, dass Fi die heißen Sommertage in dicken Hoodies verbringt, dass ihr Mut und Selbstwert fehlen, in ihr Angst und Resignation regieren. …
Es ist ein Abend, eine Party ihres Bruders, der Fionas Leben ändern soll – auf so viele Arten.

Dölings Stil ist eindrucksvoll, poetisch und sanft, führt uns direkt in Fionas Inneres, lässt uns Teil ihrer Gedanken, ihres Alltags werden, ein Teil von ihr sein. Ihrer Pein. Ich fühlte, litt mit der jungen Frau, erkannte mich wieder, hasste. Und gleichzeitig kam ich nicht umhin, die Schülerin zu bewundern, für jene Momente, in denen sie Hilfe gab, obwohl sie selbst keine bekam, in denen sie hinsah – schauten bei ihr doch alle weg. Für ihre Stärke. Ihre Vergebung und den Wunsch, besser und mehr zu sein als ihre PeinigerInnen. Reflektiert, deutlich und sich zu keiner Zeit der Versuchung hingebend, „zu vergeben und zu vergessen“, ist Fiona bereit, Hände zu reichen, Neues zu schaffen.
Wir begleiten zwei komplett verschiedene Mädchen dabei, wie sie ein zartes Band der Freundschaft knüpfen, erbaut auf einer hassenden Vergangenheit, begonnen durch Schrecken; wie sie in sich selbst und ineinander etwas finden, das so viel wertvoller ist als Ansehen und Beliebtheit. Während die Ereignisse tragisch echt vorangehen, lernen wir verschiedene Figuren kennen – begehrte Sportler, eine eingeschworene Clique – und sehen Fis auftauen und ankommen. Atmen Wohlfühlaugenblicke, nächtliche Ruhe und erste Schmetterlinge. Doch die Wahrheit lastet schwer. Und Schweigen hat eine Bedrohung noch nie aufgehalten …

„Kein Ort dieser Welt“ macht wütend, bewegt und schockiert. Denn trotz schöner Momente und dem Anschein von Leichtigkeit klingen Melancholie und Vorsicht, nagende, jahrelang geschürte Zweifel nicht ab. Die Handlung wird nicht nur von sich verändernden Dynamiken und inneren Entwicklungen begleitet, sondern auch konstant von Schwermut und unguten Vorahnungen, Magengrummeln. Von Gedichten, die sich festsetzen und etwas zum Klingen bringen. Die fühlen lassen. Gab es im Text selbst einige Fehler, war das Ende im Vergleich zu den vorangegangenen Geschehnissen regelrecht abrupt, ist der Plot selbst hervorragend konzipiert, quillt über vor Tiefsinn und Wahrheit. Bittersüß, schmerzlich. Das Nachwort ist eines von denen, die gelesen werden müssen, die dazugehören. Das einen Abschluss bildet, der Fionas Geschichte von den Buchseiten in die Realität zerrt.

Marie Döling hat darauf verzichtet, die sensiblen Inhalte zu romantisieren oder durch ein Verzeihen abzuwerten. Fiona ist nicht der Typ Mädchen, dem eine Entschuldigung reicht, um zu vergessen. Und wir, wir sollten auch nie vergessen.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Drachenstarker Auftakt mit allerhand Mysterien.

Dragons in Secret - Jadeblut
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„Jadeblut“ ist der Auftakt der Urban-Fantasy-Serie „Dragons in Secret“. Andreas Suchanek legt mit diesem ersten Band auf jeden Fall einen gelungenen Start hin!

Ashley Evans Leben ändert sich komplett ...

„Jadeblut“ ist der Auftakt der Urban-Fantasy-Serie „Dragons in Secret“. Andreas Suchanek legt mit diesem ersten Band auf jeden Fall einen gelungenen Start hin!

Ashley Evans Leben ändert sich komplett als sie an ihrem 21 Geburtstag ein ominöses Kästchen erhält, das statt Antworten zu ihrer Herkunft etwas viel Größeres enthält. Ein Geheimnis, so schwer, dass es Ashley alsbald erdrücken könnte …
Caleb Lancaster, der charismatische Fremde, scheint jemand zu sein, der ihr helfen, sie leiten kann, der eingeweiht ist in das, was so unglaublich ist.

Suchanek redet nicht lange um den heißen Brei, schont weder seine Protagonistin noch uns. Nach der fragwürdigen Offenbarung überschlagen sich die Ereignisse, die Storyline nimmt an Tempo zu und hält neben Action auch Informationen bereit, die hilfreich sind um die Rivalität zwischen Drachen und JägerInnen, um die Gegebenheiten der Dynastien und Ashleys Kräfte, die sich zu spät zeigten, zu verstehen.
Rätsel, Mysterien, Verfolgung und Jagd bilden gemeinsam mit chaotischen Gefühlen einen spannenden Verlauf. Der Stil des Autors ist dem Alter der Figuren sowie der Situation angemessen, sodass sich dieser Auftakt, der logisch aufgebaut und durchdacht konzipiert wirkt, leicht und klar lesen lässt, ohne an Ernst einzubüßen. Zudem schuf Suchanek mit seinen Worten Bilder, die es leicht machen, sich in das urbane London, die Bedrohungen und Fragen fallenzulassen.

Ashley, die nicht gewillt ist, einfach auf- oder nachzugeben, und Caleb, der sich trotz seiner anfänglich verschlossenen Art als aufmerksam und fürsorglich entpuppt, sind greifbar ausgearbeitet. Es machte Spaß, die sich entwickelnde Dynamik zu verfolgen, die beiden einzeln kennenzulernen und herauszufinden, welche Geheimnisse sich noch auftun. Durch weitere Nebenfiguren und Wesen wird die Geschichte bereichert und aufgelockert. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Zwischen dunkler Begierde, Selbstfindung und Blutdurst.

A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht.
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Diesen Roman kann man nur schwerlich in Worte fassen, ist es doch eine Geschichte durch die Jahrhunderte, eine, in der Found-Family keine Gemütlichkeit ausstrahlt, sondern danach schreit, durchbrochen ...

Diesen Roman kann man nur schwerlich in Worte fassen, ist es doch eine Geschichte durch die Jahrhunderte, eine, in der Found-Family keine Gemütlichkeit ausstrahlt, sondern danach schreit, durchbrochen zu werden, in der Melancholie und Schwermut fließt; in der Hoffnung und Liebe in Kontrollsucht, Bedürftigkeit und Jähzorn verglühen. Leidenschaft, die in Obsession erstickt wird, Lebenslust, verschluckt von Toxic, Monotonie und Blutdurst.

𝐀 𝐃𝐨𝐰𝐫𝐲 𝐨𝐟 𝐁𝐥𝐨𝐨𝐝: 𝐁𝐞𝐠𝐞𝐡𝐫𝐞𝐧. 𝐎𝐛𝐬𝐞𝐬𝐬𝐢𝐨𝐧. 𝐌𝐚𝐜𝐡𝐭. ist ein Geständnis, ein Abschluss und eine Zusammenfassung von der – teilweise lückenhaften, verschwommenen – Zeit, die Constanta an der Seite ihres vermeintlichen Retters und Erlösers, ihres Wärters und Häschers verbrachte. Durch triste Töne, in eindringlichen Worten – gänzlich elegant – werden wir in ein glanzvolles Dasein gezogen, dessen Pracht schleichend einem Alptraum weicht, solcher, dem zu entkommen unmöglich scheint. Geprägt aus lockenden Versprechungen, verführerischen Lügen, grenzenlosem Wahn und einer nicht endenden Gier – nach Kontrolle, Wissen, Macht.
Dass es gerade Stolz und Gottkomplexe sind, die das Böse niederstrecken, die die fest verschlossenen Türen und zu engen Fesseln sprengen … Nun, damit hat der Herr in all seiner Überheblichkeit sicher nicht gerechnet.

Die Geschehnisse fokussieren sich zunächst auf den Grafen und Constanta, die klein, bedürftig gehalten, wird, isoliert. Abwechslung – den Beginn von Rebellion – bringen Magdalena und später Alexi mit. JedeR der drei „Untertanen“ weist verschiedene Eigenschaften und Wünsche auf, sodass Spannungen und Konflikte (mit ihrem Herren) unausweichlich waren.

S.T. Gibson versteht es, Tristesse auf Papier zu bannen, zwischen Zuckerbrot und Peitsche zu wanken, zu verunsichern. Durch eine Art bittersüßen Abschiedsbrief, eine von Wehmut und Stärke geprägte Rückblende, erfahren wir, wie Constanta in die Gesellschaft des Vampirs kam, wie die Zeit verging, Veränderung brachte, Wahrheiten zeigte. So viele Geheimnisse.
Zwar wirken die Zeilen aufgrund des gewählten, oft förmlichen, poetischen Stils distanziert, aber dies untermalt die allgegenwärtige Dunkelheit, die Gefahr, die bedrückende, oft hoffnungslose Stimmung. Und doch finden sich hinter unterschwelligem Hass und Vorwurf zärtliche, fast bedauernde Aussagen, reine Emotionen.

Letztlich ist 𝐀 𝐃𝐨𝐰𝐫𝐲 𝐨𝐟 𝐁𝐥𝐨𝐨𝐝 wie ein düsterer Sog, in dem eine toxische Beziehung, vermeintliche Liebe, langsam aufgedröselt, kritisch beleuchtet und ausgemerzt wird. Gothic-Vibes und dunkle Romantik machen dieses Buch zu einer rundum gelungenen, untypischen Vampir-Geschichte.

~ 𝗗𝘂 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲𝘀𝘁 𝗮𝘂𝘀 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗺 𝘄𝗶𝗹𝗹𝗲𝗻𝘀𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸𝗲𝗻 𝗠𝗮𝗲𝗱𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗽𝘂𝗹𝘀𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻𝗱𝗲 𝗪𝘂𝗻𝗱𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗕𝗲𝗱𝘂𝗲𝗿𝗳𝘁𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁 𝗴𝗲𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁. ~

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Einblicke in die Psyche eines traumatisierten Killers.

Ich bin Du
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„Ich bin Du“ hat einiges zu bieten, was Gänsehaut, Wut, Hass und echte Trauer verursacht. Keine Seite war hell und leicht, das komplette Geschehen wird von Schwere und erdrückenden Ereignissen, von Melancholie ...

„Ich bin Du“ hat einiges zu bieten, was Gänsehaut, Wut, Hass und echte Trauer verursacht. Keine Seite war hell und leicht, das komplette Geschehen wird von Schwere und erdrückenden Ereignissen, von Melancholie und einer Dunkelheit, die nur in jenen unsichtbaren Abgründen lauert, die menschlichen Ursprungs sind, begleitet.

„Menschliches Leid ist Ambrosia für die Sinne.
Wo ich war, sollte Zerstörung weilen und Leid die Luft verpesten (...)“

Da wir die Storyline größtenteils nicht im Jetzt, nicht in der Gegenwart und hautnah miterleben, sondern aus – oft wirren – Gedanken und – teilweise verschwommenen – Erinnerungen, in einer Art langen, detaillierten Brief/Geständnisses, sind wir nie wirklich aktiv eingebunden. Durch den gewählten Aufbau und Stil hält Celina Weithaas Distanz aufrecht, erschwert es, trotz Nathaniels Hintergründen und brüchigen Schilderungen, seinen grausamen Taten und dem Schmerz, der in ihm, über allem, herrscht, gänzlich in die Geschichte einzutauchen – ich bin mir aber sicher, dass vielen LeserInnen dieser Umstand positiv auffallen wird, denn die Morde, die Opfer, die ausgelösten Emotionen und sich sacht erschließenden Erkenntnisse gehen nah.

„Ich bin Du“ basiert ohne Frage auf einer Idee, die im Thrillbereich anzusiedeln ist, fokussiert sich auf die Psyche eines Killers – traumatisiert, gezeichnet von Gewalt und Verlust, von dem Bestreben, sich an jenen Mächtigen zu rächen, die wegsahen. Wir treffen einen Mann, der zu früh zum Mörder wurde, nie lernte, zu differenzieren und zu vertrauen; sich über Jahre in Wut und falscher Schuld verlor.
Celina kreierte eine erdrückende Atmosphäre, von Melancholie und Hoffnungslosigkeit durchzogen, in der Bedrohung, Gefahr und Wahn allumfassend sind. Nathaniels Geist, seine Handlungen, sind unberechenbar, wankelmütig, zornig – und doch ist er nicht gewillt, zu keiner Zeit, (s)ein Versprechen, seinen Schwur zu brechen. Denn der Rattenfänger weiß um seine Vergehen. Wie er tötet, mit Hoffnung auf Rettung und ungeahnter Zartheit, gab ihm eine Verletzlichkeit, die ihn zu einer Persönlichkeit macht, die in Erinnerung bleibt.

War die erste Hälfte meinem Erachten nach eher anstrengend, durch verschachtelte, schnörkelig-wirre Sätze nur dürftig zu durchschauen, folgen später Abschnitte, die Klarheit und sinnigere Aufarbeitung bringen. Jedoch driftet der Roman, dem es an Lebendigkeit fehlt, gen Ende wieder in ein Netz ab, dass Realität und Illusion vereint. Nichtsdestotrotz finden sich viele Aussagen und Wahrheiten, die zum Nachdenken animieren, zum Miträtseln verleiten. Erschaudern lassen.

Celina Weithaas zeigt in ihrer Geschichte jenes Mehr, das sich zwischen Schwarz und Weiß befindet. Zeigt, dass jedeR – ganz gleich ob hoher Politiker, armer Rentner, selbst ernannter Rächer – aus diversen Facetten erbaut, von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt ist, nach individuellen, nicht in Stein gemeißelten Moral- und Wertvorstellungen handelt – im besten Wissen und Gewissen.

Theoretisch könnte man „Ich bin Du“ so stehenlassen. Doch handelt es sich um den Auftakt einer Trilogie, in dem Nathaniels „Werdegang“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden soll. Ein Einblick in Band zwei, in der der Schuldige vertreten wird, findet sich für alle Interessierten am Ende.


„Adeline war meine Liebste. Sie wagte, was wir uns nicht trauten und sammelte Mut in absoluter Finsternis. Ihre Träume waren mächtiger als alles andere und zerplatzen gemeinsam mit ihrem Kopf. (...) Adeline griff selbst dann noch nach den Sternen, als sie verglühte, und ich liebte sie nie mehr als in diesem Moment.“

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Kaum charakterliche Entwicklung, wenig Worldbuilding, wenig Stärke - dafür Spice.

Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood
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(Nordische) Mythologie, raue Welten und starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich aus patriarchalischen Systemen, ihren vorbestimmten Rollen und den Erwartungen befreien – lieben ...

(Nordische) Mythologie, raue Welten und starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich aus patriarchalischen Systemen, ihren vorbestimmten Rollen und den Erwartungen befreien – lieben wir!
Dementsprechend war „A Fate Inked In Blood“ ein Muss für mich. Was mit viel Potenzial und Amüsement begann, entpuppte sich leider als eine 0815-Romantasy, in der die Protagonistin weder von ihrer Naivität noch von der vermeintlich Sympathiepunkte bringenden Selbstlosigkeit, geschweige denn ihrem pubertären Gehabe abzubringen ist.

Von klein auf wurde Freya dazu angehalten, ihre Kraft zu verbergen, um weder sich noch ihre Familie in Gefahr zu bringen. Heute ist sie eine (zwangs)verheiratete, junge Frau, nicht mehr als Arbeitskraft und Zuchtstute, degradiert zum Eigentum eines Mannes. Als sie eines Tages auf einen Fremden trifft, ändert sich alles – und doch nichts. Denn selbst mit Offenlegung ihres streng gehüteten Geheimnisses bleibt Freya eine Spielfigur, ein Mittel zum Zweck, Besitz. Und sollte sie sich nicht an die Regeln halten, leiden jene, die sie liebt. Jene, die sie verkauft, belogen und verraten haben …
Nur Bjorn – ebenso mit göttlichem Blut gesegnet – sieht in Freya einen ebenbürtigen Menschen und mehr als die Schildmaid, die laut einer Prophezeiung das Reich einen – oder eine Schneise aus Tod und Blut hinterlassen – soll.
So sehr es zwischen den beiden bitzelt und knistert … ist er doch der Sohn ihres Gemahls.

Danielle L. Jensen führt uns rasch in ihre Geschichte, sodass wir Freya und ihre Situation, die sich im Verlauf mehrfach wandelt, meist schlimmer und auswegloser wird, genau kennenlernen und verfolgen.
Bereits zu Beginn zeigt sich, dass wir in einem direkten, leichten und oftmals unpassend saloppen Ton durch die Handlung geführt werden. Einerseits sorgt dies für etliche humorvolle Momente, andererseits ist es schwer, sich des Ernstes, der dem kompletten Geschehen theoretisch zugrunde liegen sollte, gewahr zu werden. Zwar waren die spritzigen, oft anzüglichen Schlagabtausche zwischen Freya und Bjorn von Anfang an unterhaltsam, die direkten, impulsiven Worte und Überlegungen der Schildmaid schienen stark, doch zahlreiche explizite, lüsterne Szenen/Vorstellungen torpedierten die Storyline, untergruben Spannung und Gefahr. Wenig zuträglich für das historische, mystisch-kühle Setting war auch die Art, wie diese formuliert wurden.

Da einzig aus der Sicht der Schildmail erzählt wird, sind wir ausgiebig Teil ihres – öfter anstrengenden – Wankens, ihrer Meinungen und Sichtweisen. Nur in wenigen Momenten ist Freyas Stärke zu spüren, ein Hauch Gnadenlosigkeit und der Wille, etwas (für sich) zu verändern. Größtenteils bleibt sie festgefahren in ihrer Naivität, ihren unverrückbaren Ansichten und, auch im Angesicht von Verrat und einer Wahl, ihrer selbstlosen Gutherzigkeit.
Für Interesse sorgen jedoch die unberechenbaren Gegebenheiten – von Angriffen, Kämpfen und perfiden Plänen bis zu mysteriösen Prophezeiungen und göttlichen Prüfungen – und eine Fülle undurchsichtiger Figuren, wie bspw. Ylva und der fanatische Snorri. Auch Bjorn war trotz steter Präsenz und diverser Facetten schwer zu greifen und macht insgesamt aufgrund seines Verhaltens neugierig.

Worldbuilding, (Halb)Götter und Mythologie blieben abgesehen von eingeworfenen Erwähnungen ziemlich auf der Strecke. Actionreiche Szenen wurden, im Gegensatz zum romantischen Aspekt und zögernden, zweifelnden Monologen seitens der Auserwählten, rasch abgehakt. Schade, immerhin bietet die Situation, in der sich Skaland und alle BewohnerInnen des Reiches befinden, reichlich Potenzial für eine fesselnde, temporeiche Geschichte. Ohne Frage bleibt die Stimmung durchweg angespannt. Es gab blutige Überraschungen, unerwartete Offenbarungen und heikle Entscheidungen, Rachsucht und Boshaftigkeit.

Wenn auch nicht alle Entwicklungen unvorhersehbar waren, es Welt und Mythologie an Ausarbeitung, den Charakteren an tiefen, greifbaren Emotionen sowie durchweg an Ernst und charakterlicher Stärke fehlte; der Plot selbst löchrig scheint, ist das Ende eines, welches trotz aller Kritik Lust auf das Finale macht.

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