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Veröffentlicht am 22.05.2025

Was für ein Ritt.

Blood of Hercules
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»Lass dich von niemandem schlechter behandeln, als du es verdienst, Sagenhafte.«

„Blood of Hercules“ ist durch und durch unterhaltsam, originell und frisch.

2050
Alexis Hert wuchs in ärmlichen, missbräuchlichen ...

»Lass dich von niemandem schlechter behandeln, als du es verdienst, Sagenhafte.«

„Blood of Hercules“ ist durch und durch unterhaltsam, originell und frisch.

2050
Alexis Hert wuchs in ärmlichen, missbräuchlichen Verhältnissen am unteren Rand der Gesellschaft in einer trostlosen, von mythischen Mächten inspirierten, durch auserwählte spartanische „SuperheldInnen“ und die Angst vor Titanenangriffen geprägten Welt auf. Hunger, Armut, Gewalt und Mobbing begleiten sie schon ihr gesamtes Leben – und hinterließen tiefe Narben. Zum Licht in ihrer Einsamkeit wurden Nyx, eine unsichtbare Schlange, und der stumme Charlie, den sie mit allen Mitteln versucht, vor der Grausamkeit ihrer Pflegeeltern zu schützen.
Ihre Abschlussprüfung ist ein Meilenstein, der ihr Dasein für immer verändern soll, denn plötzlich ist Alexis kein einfacher Mensch mehr, der sich durch den harten Alltag eines mittellosen, gebrochenen Teenagers quält, sondern ein „verwaistes spartanisches Mischblut“. Heißt: Alexis und zahlreiche andere müssen in einem Massaker – dem SGC – gegeneinander antreten, bis nur noch zehn auf dem Schlachtfeld stehen. Nur, um sich danach monatelang in einer ‚Feuerprobe' von Gladiatoren, „Gottheiten“, chthonischen Erben/grausamen Lehrern quälen zu lassen – denn die Unsterblichkeit, etwas, worum Alexis nie bat, auf das sie gar keine Lust hat, muss man sich verdienen …

Jasmine Mas führt uns in einem wunderbar komischen, lockeren und lebendigen Stil durch ihre skurrile Handlung, die neben Mythologie und Überlebenskämpfen, verschiedenen Wesen und mächtigen, tödlichen Fähigkeiten Merkmale von Dystopie, Fantasy und Romance aufweist.
Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht der beinahe 20-Jährigen – wir werden Teil ihrer Vergangenheit, ihres Traumas, sind dabei, als alles immer wieder ins Chaos stürzt, und verfolgen ihre Entwicklung und ihre ironischen Monologe hautnah. Zwischen Flashbacks, die wehtun, Hoffnungslosigkeit und dem Wunsch, aufzugeben; tiefer Verzweiflung, bleierner Müdigkeit und dem herrlich frischen, trockenen Sarkasmus blitzen so viel Mut und Wut auf, eine Stärke, die sich nach und nach Bahn bricht.
Durch Alexis’ unbekannte Herkunft, kleine Erinnerungsblitze und plötzliche Twists wirft die Autorin rege Fragen in den Raum, deren Antwort ebenso überraschend ist wie so manch Ereignis, Offenbarung und Intention. Denn sowohl die Alexis zugeteilten Mentoren Achilles und Patro als auch die Professoren aus der Unterwelt, Augustus und Kharon, mischen die kleine Gruppe von Auserwählten auf, treiben sie an ihre Grenzen, nehmen Opfer in Kauf. Doch alle vier scheinen ein besonderes Interesse an der spartanischen Frau – eine kostbare Seltenheit – zu hegen.

„Blood of Hercules“ wird zwar mit einigen typischen „(Dark) Romance“-Tropes beworben, kommt dabei aber hervorragend ohne eine im Vordergrund stehende Romanze und hauptsächlich auch ohne explizite Szenen aus. Dabei sind die männlichen Charaktere definitiv dark, morally grey, regelrecht böse, dominated, besitzergreifend, blutrünstig (…) und schwer zu durchschauen. Es war sowas von cool, sich von den spritzigen Dialogen (wenn Alexis auch häufig nur zu gedanklichen Kontern fähig ist) unterhalten zu lassen und die sich entwickelnden, teilweise toxischen, durch und durch gefährlichen Dynamiken zu verfolgen. Zartes, wenn auch undeutbares Aufflattern von echten Emotionen und Mitgefühl, kryptische Aussagen und widersprüchliches Verhalten sorgen dafür, diese „Verehrer“ immer wieder zu hinterfragen und neu zu bewerten. Mas animiert gekonnt dazu, nicht nur über Alexis’ Besonderheiten, sondern auch über die Gründe und Ziele der Vier zu rätseln.

Typisch für Bücher mit mythologischen Aspekten/Gottheiten sind Intrigen, perfide Pläne und Machtspiele – so auch hier. Die letzten Kapitel werfen auf Vorangegangenes, beleuchtet durch andere Perspektiven, ein neues Licht, welches zur logischen Verknüpfung beiträgt. Dabei empfand ich die Geschichte insgesamt als sehr detailreich und greifbar ausgearbeitet. Der authentische, direkte Ton und Alexis' Gedanken machen es leicht, sie – ihre Reaktionen, Zweifel und Unsicherheiten – zu verstehen. Der Aufbau war durchdacht und abwechslungsreich, weder kamen Spannung noch Action zu kurz, und auch an rührenden Momenten, Überraschungen und Blut wurde nicht gespart. Ein weiterer großer Pluspunkt: Im Verlauf finden sich immer wieder Informationen über das Worldbuilding, die Gegebenheiten und Hierarchien, über die Götter, deren Abkömmlinge und die diversen Fähigkeiten sowie deren dekadente Lebensstile und andere Wesen.

Die Zeit der Feuerprobe nimmt den Großteil des Verlaufs ein – die Initianten müssen Schlaflosigkeit, Hunger, Gehorsam-Bestrafung sowie folterähnlichen Prüfungen und Aufgaben trotzen, zahlreiche Hürden, Konfrontationen überstehen und Peinlichkeiten ertragen. Denn ja, Alexis ist auf eine verschrobene Art taff, intelligent und unbewusst witzig, aber Zwischenmenschliches, soziale Kommunikation, romantische/sexuelle Erfahrungen und Selbstwert sind kein Teil ihres Stärkenrepertoires. Und meine Güte, es kommt zu etlichen Szenen, in denen sich Unbeholfenheit, Gleichgültigkeit und Erschöpfung vereinen und dafür sorgen, dass zumindest wir lachen müssen. Ich musste es jedenfalls. Oft.
Auch Nyx, stets treu, zum Töten bereit, ist eine originelle Figur, die Spaß macht. Jedes einsame Mädchen sollte eine verruchte Schlange bekommen – oder die Chance, zu einem heldenhaften Monster zu werden, das für sich selbst eintritt.
Am Ende können wir Alexis’ Ursprung, ihren Kern, fassen, ihre Möglichkeiten, und doch sind es altbackene Strukturen und Regeln, die sie in einem Schicksal festhalten, welches nicht in ihrer Hand liegt. Oder?

„Bonds of Hercules“ erscheint im Herbst und ich hege die große Vermutung, dass die Fortsetzung zwar mit mehr Spice aufwartet, doch weder an Amüsement noch an Action, Intrigen und Twists gespart wird.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Guter Dritter Band, der einige Wendepunkte bereithält.

Amari und der Preis der Magie
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Mehr als zwei Jahre ist es her, seit wir 𝗔𝗺𝗮𝗿𝗶 𝗣𝗲𝘁𝗲𝗿𝘀 zuletzt begleitet haben – dementsprechend hätte dem dritten Band eine Zusammenfassung gutgetan, fällt es doch schwer – und ich bin sicher, dass es ...

Mehr als zwei Jahre ist es her, seit wir 𝗔𝗺𝗮𝗿𝗶 𝗣𝗲𝘁𝗲𝗿𝘀 zuletzt begleitet haben – dementsprechend hätte dem dritten Band eine Zusammenfassung gutgetan, fällt es doch schwer – und ich bin sicher, dass es der eigentlichen Zielgruppe noch schwerer fällt – alle neuen und alten Informationen in Einklang zu bringen, um ein stimmiges Bild zu erhalten.


Geschrieben wurde wie gewohnt in einem altersgerechten, gut lesbaren Ton, der die Handlung lebendig und bunt erscheinen lässt.
Nachdem die begabte Magierin ihre Kräfte verloren hat, ist sie auf der Flucht und steht weiterhin zwischen der Oberbehörde für Übernatürliches, die ihre Abscheu gegenüber der Magierschaft weiterhin vehement vertritt, und der Magierallianz, die mittlerweile von Dylan van Helsing befehligt wird. Die „andere“ Welt ist geprägt von Machtgier, Wahn und Hass, Konflikte pulsieren, Angst breitet sich aus.
Um eine Chance für sich und ihre FreundInnen zu ergattern und den perfiden Plänen von Dylan den gar auszumachen, begeben sich Amari und ihre treuen GefährtInnen auf die Suche nach Artefakten – doch die Zeit läuft …


𝗕. 𝗕. 𝗔𝗹𝘀𝘁𝗼𝗻 schuf einen spannenden dritten Band, der uns tiefer in das System der Magischen und in Gefahren reißt.
Amari, die sich weiterhin alle Verantwortung auflastet, stößt mehrfach an ihre Grenzen. Obgleich wir eine Geschichte von Wagemut und HeldInnen lesen, sind die Jugendlichen nicht allwissend und grenzenlos talentiert, sondern handeln nur im Rahmen ihrer Fähigkeiten. Dies schafft eine authentische Identifikationsbasis und verleiht den Charakteren sowie der Storyline selbst etwas glaubhaftes. Dass sich die Protagonistin, aus deren Perspektive wir das turbulente Geschehen verfolgen, merklich entwickelt und sich auch die Beziehung zu ihrer Clique verfestigt hat, ist deutlich. Quinton, Elsie und Co gehen aufeinander ein, behandeln sich respektvoll und riskieren viel, um einander zu schützen.
Auch das Worldbuilding war wieder durchdacht, die Kombination aus Fantasyelementen, Agenten-Knowhow und technischen Hilfsmitteln, kreativen und bekannten Elementen gelang hervorragend.
Der Verlauf steht zu keiner Zeit still, spannende und berührende Momente, neue Erkenntnisse und Pläne reihen sich gekonnt aneinander, ohne zu überladen.
Trotz der ernsten, aktuellen Themen – Ausgrenzung, Diskriminierung, Hetze und Ideologien – kommen Spaß, Freundschaften und (Geschwister)Liebe nicht zu kurz.
B. B. Alston lässt die Frage mitklingen, was du bereit bist zu Opfern – für Gleichheit, Freiheit und jene, die dir am Herzen liegen...

Wird auch vieles in „𝐀𝐦𝐚𝐫𝐢 𝐮𝐧𝐝 𝐝𝐞𝐫 𝐏𝐫𝐞𝐢𝐬 𝐝𝐞𝐫 𝐌𝐚𝐠𝐢𝐞“ beendet, sind doch nicht alle Fäden verknüpft – die Hoffnung auf eine Fortsetzung bleibt.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Queerer Zeitreise-Young-Adult mit wichtigen Themen.

Pride und Prejudice und Pittsburgh
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Zugegeben, historische Romane gehören eher selten in meine Read-List, aber eine Zeitreise-Story, in der Selbstfindung, der Kampf um die eigene Freiheit, eine seichte Sapphic-Romanze und Opposites-Attract ...

Zugegeben, historische Romane gehören eher selten in meine Read-List, aber eine Zeitreise-Story, in der Selbstfindung, der Kampf um die eigene Freiheit, eine seichte Sapphic-Romanze und Opposites-Attract eine gewichtige Rolle spielen? Nun, her damit!



2023
Seit Audrey Cameron von ihrer ersten Liebe verlassen wurde, ihr Traum, an einer renommierten Kunstakademie zu studieren, in der Schwebe hängt und auch ihre Inspiration – vielleicht sogar ihre Leidenschaft – abhanden kam, läuft das Leben der Schülerin auf Autopilot. Neben dem Unterricht, Hund Cooper und der Arbeit in dem kleinen Laden ihrer Eltern bleibt für Audrey nichts. Außer Leere. Monotonie. Resignation. Dabei war ihr Pittsburgh immer zu klein, zu eng; dabei wollte sie immer mehr.

1812
Nur noch ein paar Monate bleiben Lucy Sinclair, bis sie in die Ehe gedrängt, bis ihr Wohlergehen von einem weiteren Mann abhängig sein wird. Jede Minute, die der Graf dem Anwesen Radcliffe fern ist, kommt der 18-Jährigen wie ein Hauch Freiheit, ein Stück Himmel vor. Raum, um mit Martha zu scherzen, um mit Grace zu tratschen.
Denn für ihren Vater war sie nie mehr als eine Investition, die es zu formen und gewinnbringend zu verkaufen galt.

Mr. Montgomery ist es, der das Unmögliche möglich macht und diese unterschiedlichen Lebensstränge verknüpft. Der Audrey aus ihrer Sicherheit, ihrer Blase reißt und Lucy zeigt, dass alles möglich sein könnte … Denn Glück, Erfahrungen, Inspiration und Träume finden wir nicht drinnen, nicht im Immergleich, sondern draußen, anderswo, genau wie die Liebe …

„Pride und Prejudice und Pittsburgh" ist ein Young-Adult-Roman, der passend zur Zielgruppe einfach und verständlich geschrieben wurde. Dennoch verleiht Lippincott den jeweiligen Perspektiven eine eigene Note und damit Authentizität.
Sind Audreys Kapitel eher umgangssprachlich und salopp gehalten, übertünchen Selbstbewusstsein und Sarkasmus doch nicht die Angst, für immer festzustecken, die Wut darüber, planlos im frühen 19. Jahrhundert herumstolpern, sich in Korsetts pressen, knicksen zu müssen.
Lucy – ernster, formeller – hat gelernt, Gefühlsregungen und Sehnsüchte unter Verschluss zu halten, stoisch zu nicken, sich zu fügen. Dass eine wilde Fremde binnen weniger Wochen ihre sorgsam errichtete Mauer niederreißt, sie hoffen lässt, kann die vorbildliche Lady, kurz vor ihrer Hochzeit, kurz bevor sie von einem ins andere Gefängnis geschoben wird, gar nicht gebrauchen – und hat doch nie mehr gebraucht.
Während Lucy Audrey darauf vorbereitet, sich in die gehobene Gesellschaft einzufügen, sich zu verlieben – denn was sonst sollte ihre Aufgabe hier sein, hier 200 Jahre in der Vergangenheit? –, lockt Audrey Lucy aus der Reserve, weckt in ihr befristete Verwegenheit. Und Funken. Jene Funken, nach denen beide so unbedingt lechzen, Funken, die ein Feuer werden könnten – wären da nur nicht die strengen Konventionen der Regency-Zeit, der nahende Skandal und der Umstand, dass Miss Cameron nicht hierhergehört.

∞„Vielleicht ging es ja gar nicht darum, die wahre Liebe zu finden, sondern bloß darum, mir klarzumachen, (...) Dass ich nach einem gebrochenen Herzen wieder lieben kann.“

Die Autorin macht es den LeserInnen leicht, sich in die Figuren, ihre Situationen und Gedanken hineinzuversetzen, ihre Unsicherheiten und Ängste, das Ausbrechen zarter Schmetterlinge, heimliche Sehnsüchte und unbekannte Empfindungen zu sehen.
Nahbar, nicht frei von Missverständnissen, von kurz mutig sein und Zögern verlief die sachte romantische Entwicklung. Gerade Lucys Inneres, hin und her gerissen zwischen Ausweglosigkeit und manierlichem Verhalten, dem Wunsch, auszubrechen, zu rebellieren, frei zu sein, endlich zu fühlen – in Audreys Welt, einer, die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung predigt, zu existieren –, war berührend.
Sowohl der abwechslungsreiche Verlauf als auch das Setting, die Bälle und die Versuche, die Zeitreisende für das andere Geschlecht interessant zu machen – was definitiv funktionierte! – kamen lebendig, manchesmal mit Witz untermalt, zur Geltung. Ein weiterer Pluspunkt sind die Nebenfiguren: James, Mr. Shepherd und Alexander – Junggesellen, die mir gerne den Hof machen dürften – über Mr. Sinclair und Mr. Caldwell, Männer, deren Einstellung die Jahrhunderte leider überdauerte und nicht mehr als Abscheu erzeugt.

Obgleich es viele melancholische, wehmütige Szenen gab – vor allem mit Blick auf die strengen Regeln des frühen 19. Jahrhunderts, die Stimmlosigkeit der Frau –, seicht knisternde Wohlfühl-Momente, hält dieses Buch Romantik, Charme, Humor und Tiefe, Stoff zum Nachdenken, bereit. Themen, die für die Zielgruppe ebenso relevant sind wie für ältere Lesende. Eine Erinnerung daran, dass sich die Zeiten verändert haben. Wir heute zwar ohne Ballkleider, pompöse Festivitäten und schicke Anwesen leben, dafür mit Rechten, Privilegien, Unabhängigkeit – und Technik. Rachel Lippincott schreibt von TeenagerInnen-Strugglen, dem ersten Herzschmerz, Zukunftsorgen und Perspektivlosigkeit, von der Angst, außerhalb der Komfortzone (wieder) verletzt zu werden, zu scheitern. Von den Risiken, die Veränderungen und Wagnisse, Laut werden mit sich bringen – und von den vielen Möglichkeiten. Die draußen warten.
Selbstfindung und ‑bestimmung, Coming-out, Neuanfänge, sich endlich trauen werden mitsamt zahlreichen Erkenntnissen, charakterlichen Entwicklungen und überraschenden Wendungen großgeschrieben. Und das alles ummantelt von Bridgerton-Flair.

»Manchmal kümmert sich Liebe – echte Liebe – einfach nicht darum, was anständig ist oder was die Leute denken. Sie findet einen, wenn man sie am wenigsten erwartet (...)«


Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und kann es von Herzen all jenen empfehlen, die eine kurze Auszeit vom Alltag brauchen, sich in der Regency-Epoche verlieren wollen, nach Hoffnung und einem Funken Magie suchen.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Da hat der Verlag wohl vergessen zu erwähnen, dass es sich um einen Serienauftakt handelt

Der Flug der Drachenreiter
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Einst war Jai der Sohn eines machthungrigen Herrschers, heute ist er ein Sklave des sabinischen Reiches, rechte Hand und in die Knie gezwungener Diener von Leonid. Nun soll am kaiserlichen Hofe Hochzeit ...

Einst war Jai der Sohn eines machthungrigen Herrschers, heute ist er ein Sklave des sabinischen Reiches, rechte Hand und in die Knie gezwungener Diener von Leonid. Nun soll am kaiserlichen Hofe Hochzeit gefeiert werden – um die Position der Sabiner zu sichern. Doch bevor es so weit ist, deckt der Junge eine Verschwörung auf, verliert in wenigen Augenblicken das einzige Zuhause, das er kennt. Um sein Leben zu schützen, ergreift er die Flucht gen ungewisse Freiheit und gerät an ein begehrtes Drachenei. Jetzt steht Jai vor schweren Herausforderungen, muss Entscheidungen treffen, darf nie stillstehen. Und zum Glück ist es Frida, auf die er trifft …


😤 Zuerst muss ich sagen, dass ich es als Unart empfinde, wenn Verlage bewusst nicht und nirgendwo darauf hinweisen, dass es sich bei einem (übersetzten) Buch um einen Serienteil handelt. Wieso? Um LeserInnen zum direkten Kauf zu bewegen, statt zum Warten? Weil eine Fortsetzung noch nicht geplant ist, aber Band 1 trotzdem Interesse wecken soll? Allein dieser – zufällig entdeckte – Umstand sorgte dafür, dass meine Lust auf „𝐃𝐞𝐫 𝐅𝐥𝐮𝐠 𝐝𝐞𝐫 𝐃𝐫𝐚𝐜𝐡𝐞𝐧𝐫𝐞𝐢𝐭𝐞𝐫“ vor der ersten Seite einen Dämpfer erhielt.



Taran Matharu führt uns gemächlich, in einem passenden, klaren Stil in das Leben des 18-Jährigen, der am Hofe des Kaisers kein leichtes Dasein führt. Sowohl die Gründe seiner „Gefangenschaft“ als auch jene der politischen Heirat wurden verständlich ausgearbeitet. Je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr überschlagen sich die Ereignisse, die die LeserInnen unweigerlich mitreißen. Dass Titus sich an dem (Beinahe-)Gelingen seines perfiden Planes erfreut, Jai entkommt und ein Ei entdeckt, ist aus dem Klappentext ersichtlich. Plötzlich hat der Sklave ein neues Ziel, eine neue Aufgabe. Ein Erbe. An seiner Seite Winter – ahw! – und Frida.



Es war spannend, den Weg der Flüchtigen zu verfolgen, was vor allem daran lag, dass das Tempo – begünstigt durch kurze Kapitel und etliche Wendungen – großteils hoch war und es nur selten zu langatmigen Abschnitten kam. Der Autor schuf eine komplexe, einfallsreiche Welt – die magischen Gegebenheiten, inkl. der Wesen und der Seelenbindung, waren logisch und informativ in den Verlauf, der mit starken Entwicklungen gespickt ist, gebettet. Die unterschiedlichen Völker und Kriege, denen eine gewisse Brutalität zugrunde liegt, sowie die diversen, sich neu bildenden Dynamiken – Wie jene zwischen Jai, der einige Verluste verkraften, Wahrheiten verdauen muss, und Winter. Oder mit der ehemaligen Zofe, die sich mit ihrem Wissen, ihrer Findigkeit gekonnt in dieses gefährliche Abenteuer einbrachte. – wurden nach und nach griffig konturiert. Zu der kleinen Gruppe gesellen sich weitere, unterschiedliche Menschen, und es scheint, dass, sobald eine Hürde überwunden, eine Strecke geglückt ist, schon das nächste Übel wartet, was der Storyline durchaus einen gewissen Unterhaltungsfaktor gibt. Da wir insgesamt auf etliche Charaktere – viele undurchsichtig, weder einzuschätzen noch vertrauenswürdig – treffen, hätte ich vor allem für die wichtigsten ein Personenverzeichnis sinnvoll gefunden, auch eine Landkarte fehlt, um einen genaueren Überblick zu erlangen. Waren die Drachen imposante, faszinierende Gestalten, Magie- und Weltsystem gut, gelangen auch die Protagonisten mit Fehlern und Eigenheiten, Ängsten und Unsicherheiten nahbar. Matharu öffnet viele Stränge, wirft Fragen auf, macht neugierig – und so heißt es nun: warten. Denn wer am Ende angelangt ist, wird unbedingt wissen wollen, ob der einstige Sklave seinen rechtmäßigen Platz einnimmt.



„Der Flug der Drachenreiter“ ist eine klassische Fantasy, die mit detailreichen Worten, actionreichen und blutigen, manches Mal rührenden und vielen interessanten Szenen eine wendungsreiche Geschichte erzählt, die eine ebenso starke Entwicklung wie ein ausgefeiltes Worldbuilding bereithält. Dass wir einen Roman lesen, der Griffons und Drachen beinhaltet und sich weder auf eine Romanze noch auf Zwischenmenschliches fokussiert, macht die fehlende „Serien“-Information fast schon wett.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Spannende, emotional mitreißende, queere High-Fantasy

Faebound
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„Faebound: Divided by Blood“ ist der Auftakt der Fantasy-Trilogie „Battle of the Drumfire“, in der uns eine Welt erwartet, die durch Krieg und Uneinigkeit, Lügen und Mythen gesplittet wurde.

Einst schufen ...

„Faebound: Divided by Blood“ ist der Auftakt der Fantasy-Trilogie „Battle of the Drumfire“, in der uns eine Welt erwartet, die durch Krieg und Uneinigkeit, Lügen und Mythen gesplittet wurde.

Einst schufen drei Götter die Elfen, Menschen und Faes.
Während die Menschen keine Rolle mehr spielen und die Fae, als blutrünstiges Volk besungen, als ausgestorben gelten, leben die Elfen in einem kriegerischen, machthungrigen Reich, in dem die Gesellschaftsschichten klar, Armut, Ungerechtigkeiten und Kindersoldaten allgegenwärtig sind.

Yeeran, stolz auf ihren neuen Rang, doch unzufrieden mit den herrschenden Bedingungen, trifft gleich an ihrem ersten Tag als Colonel eine verhängnisvolle Entscheidung, die nicht nur zahlreiche Leben kostet, sondern auch all das, was sie sich eigenhändig aufbaute. Statt Exekution wird sie alleine ins Exil geschickt und als Ausgestoßene gezeichnet …
Lettle, eine Seherin und das komplette Gegenteil der Soldatin, ist nicht bereit, dieses Urteil zu akzeptieren, und macht sich erst unfreiwillig, letztlich gemeinsam mit dem ehemaligen Oberst Rayan, auf die kräftezehrende Suche nach Yeeran. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lang, bevor die drei in die Fänge der Fae geraten und alles, woran sie glaubten, wofür sie kämpften, plötzlich nichtig, falsch erscheint …

„Faebound“ wird aus wechselnder Perspektive von Lettle und Yeeran erzählt, sodass wir einen guten Eindruck der ungleichen Schwestern, ihrer gegensätzlichen Empfindungen und Überzeugungen bekommen. Zudem lässt uns die Autorin manche Situationen aus beiden, somit verschiedenen, Blickwinkeln erleben, was dem Geschehen und den Figuren eine unerwartete Tiefe verleiht. Mit dem Auftauchen der Fae erhält die Storyline eine Spannungskomponente, die die Neugier anheizt, den Horizont der Elfen auf ungeahnte Weise erweitert und zahlreiche Überraschungen parat hält. Dass Yeeran erneut nur knapp dem Tod entkommt, ist Pila zu verdanken. Doch vor einer Strafe kann der charmante Obeah die Kriegerin nicht bewahren.

Saara El-Arifi führt uns in malerischen, klaren Zügen, häufig von einer bedrückenden, bedrohlichen Atmosphäre begleitet, durch ihre oft aufwühlende Geschichte, in der wir vordergründig das Reich der Fae, Mosima, ihre Lebensumstände und die Politik kennenlernen, ihren Zorn und die harten Bedingungen sehen. Der direkte Ton unterstreicht die jeweiligen Emotionen und Sequenzen, während die Stimmung den Umständen entsprechend wankt – wir spüren nagende Panik und Trauer, Hoffnung und das Schwinden dieser. Schwere Tristesse und leichtes Glück. All die Geheimnisse, die ungeahnten Wahrheiten und auch die Gefahren, mit denen Yeeran, Lettle und Rayan konfrontiert werden, waren vorstellbar und interessant in die im Kern abwechslungsreiche Handlung eingebettet. Auch in Sachen Worldbuilding punktet die Autorin, war dieses komplex, jedoch griffig ausgearbeitet. Die Szenen über die „Entstehungsgeschichte“ der Spezies, Informationen über die Mythologie sowie die Naturverbundenheit der Fae samt der magischen Komponenten gaben der Handlung eine mystische Note.
Es war leicht, einmal angekommen, zur Gänze in das Geschehen einzutauchen, sich mitreißen zu lassen, die einzelnen Figuren, ihre Intentionen und ihre Wahrheiten hinterfragen und ergründen zu wollen.
Neben den drei Elfen gibt es weitere wichtige, detailreich ausgearbeitete Charaktere – bspw. die unnahbare Furi, den aufgeschlossenen Prinzen Nerad, Stylist Golan und Komi, der dem Rausch nie abgeneigt ist – die den Verlauf mit Individualität bereichern, ernste und humorvolle, informative, spannende wie romantische Momente schaffen. Feindseligkeit versprühen und für anhaltendes Misstrauen sorgen. Denn so eng die Dynamik der Faes auch wirkt, Geheimnisse, Uneinigkeit und Intrigen schwelen im Inneren des Volkes …

Trotz der Ausweglosigkeit, in der sich die „Neuankömmlinge“ befinden, der ihnen zuteil werdenden Ablehnung, trotz der Prüfung, die vor Yeeran liegt, und ihrem Plan, dem Gedanken an Flucht, trotz unheilvoller Prophezeiungen, Schuld und Angst: knistert es – und zwar doppelt. Die Autorin kreierte u. A. eine der seltenen, echten Enemies-to-lovers-Romanzen, voller Hass und Vorsicht, voller Wanken zwischen Gefühlen und Stolz. Und doch nehmen die beiden Slow-Burn-Lovestorys zu keiner Zeit überhand, weben sich perfekt in die Storyline – und in LeserInnen-Herzen.

Band eins der „Battle of the Drumfire“-Trilogie beinhaltet rührende Augenblicke, wütende Ungerechtigkeit, Tragik, Tod und Twists. Abgesehen von Krieg und den verhärteten Fronten, dem Streben nach Macht und den aus Angst und Unterdrückung erschaffenen Vorurteilen hat die Autorin ihre High-Fantasy-Serie auch mit ihrem genderneutralen Stil in die aktuelle Zeit geholt. Zudem dürfen wir POCs, Queerness und Handicaps als Normalität statt Besonderheit erleben. „Faebound“ fesselt nicht mit Action und Kampf, sondern mit zarten Tönen, vielschichtigen Charakteren und Mysterien. Fasziniert auf ganz eigene Art. Am Ende holt uns ein Abschied, ein Cliffhanger, zurück in die Realität, der gebannt auf die Fortsetzung warten lässt.

Auch sei gesagt, dass die Hardcover-Ausgabe wunderschön aufgemacht ist und mit Details wie etwa einer farbigen Karte, einem Glossar und einem Namensregister bestückt wurde.

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