Kein Highlight in Sachen „Spannung“
Die blaue StundeIn ihrem aktuellen Roman „Die blaue Stunde“ führt uns Paula Hawkins auf die Spuren einer introvertierten Künstlerin – und auf eine abgelegene Insel.
Vor fünf Jahren starb Vanessa Chapman. Ihr Vermächtnis, ...
In ihrem aktuellen Roman „Die blaue Stunde“ führt uns Paula Hawkins auf die Spuren einer introvertierten Künstlerin – und auf eine abgelegene Insel.
Vor fünf Jahren starb Vanessa Chapman. Ihr Vermächtnis, hauptsächlich Malereien und Arbeiten aus Keramik, ließ sie, trotz diverser Zerwürfnisse, der Fairburn-Stiftung zugute kommen. Jedoch befand sich auch eine Skulptur unter den Stücken, das „Division II“ – diese sorgt nun für Aufsehen, ist einer der Bestandteile eine menschliche Rippe.
Diese Entdeckung führt James Becker, Kurator des Museums und Fan der Künstlerin, an den Ort, an dem die die Verstorbene ihr Leben aushauchte. Dort trifft er nicht nur auf Grace – Freundin, Testamentsvollstreckerin und Erbin von Vanessa – sondern auch auf allerhand Ungereimtheiten und Geheimnisse...
Erzählt wird einerseits aus den Perspektiven von Grace, deren Persönlichkeit basierend auf ihren Erfahrungen schwer einzuschätzen ist, und James, andererseits erhalten wir durch Tagebucheinträge der Künstlerin eine Ahnung von ihren Gedanken und Einblicke in das Leben, das sie führte.
Sowohl die charakterlichen als auch die Ortsbeschreibungen sind – im Gegensatz zu dem Knochenfund – sehr detailreich, was die Atmosphäre der schottischen Insel wunderbar untermalt, für einen Hauch Bedrohung und Mystik sorgt. Jedoch verliert sich die Autorin rege in endlosen philosophischen Ansätzen, irrelevanten Erwähnungen und Ausschweifungen, sodass kaum Spannung erreicht wurde und mein Interesse an der Handlung selbst mehrfach abflaute.
Nichtsdestotrotz ist der Stil ausdrucksstark, eindringlich und leise. Kunstvolle, poetische Passagen zeigen, dass Hawkins mit Worten umzugehen weiß.
Beworben als „literarisches Spannungs-Highlight“ kann ich dem Roman „Die blaue Stunde“ letztlich nur 3 Sterne geben, handelt es sich doch widererwartend nicht um eine Geschichte, die Aufregung oder Plottwist bereithält, sondern um eine, die von einer einsamen Frau erzählt, die bis zum Schluss unfähig war, emotionale Bindungen zu knüpfen.