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Veröffentlicht am 28.10.2023

Allumfassend melancholisch, tief bewegend.

How to Make Friends with the Dark
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„How to make friends wird the Dark“ ist der zweite Roman aus der Feder von Kathleen Glasgow, den ich unbedingt lesen musste. Wie bereits in »Girl in Pieces«, beschäftigt sich die Autorin mit Themen, die ...

„How to make friends wird the Dark“ ist der zweite Roman aus der Feder von Kathleen Glasgow, den ich unbedingt lesen musste. Wie bereits in »Girl in Pieces«, beschäftigt sich die Autorin mit Themen, die häufig – zu häufig – unter den Teppich gekehrt werden, erzählt in einem eindringlichen, echten Ton, einem, der zu Herzen geht und Gänsehaut verursacht, von tiefer, bahnbrechender Trauer, von der Unwirklichkeit, die Verlust auszulösen vermag, von Einsamkeit und dem Weitermachen. Trotz Dunkelheit.

Der plötzliche Tod ihrer Mutter reißt Tiger den Boden unter den Füßen weg, wirft sie in einen Abgrund, schafft von einer Sekunde auf die andere eine neue Realität, ohne die Chance auf Abschied. Zurückgelassen mit Schuld, Fragen, die ihr niemand mehr beantworten kann, all den Schritten, die nun zu tun sind – vorwärts. Herzzerreißend hilflos, überfordert, verzweifelt und unglaublich erschöpft — es gab immer nur Tiger und ihre Mum. Jetzt ist es ein löchriges System, welches zum einzigen Auffangnetz für einen mutterlosen Teenager wird.

Kathleen Glasgow schreibt von den Phasen der Trauer, dem emotionalen Chaos, das oft dumpfer Resignation gleicht, den zarten Anläufen Richtung Bewältigung, die noch häufiger nach hinten führen, auf der Stelle halten. Die Autorin erzählt von Tigers zurechtfinden in diesem neuen, leeren Leben, von der traurigen Gewissheit, dass alle weitergehen, nur sie nicht – inmitten Düsternis und Melancholie ergießt sich der Schmerz eines Mädchens, welches weder an- noch zur Ruhe kommen kann, es finden sich Sequenzen über psychische und physische Misshandlung, toxisches Verhalten, unbequeme Realitäten, die ergreifend dargelegt wurden. … Tiger, die von einer Pflegefamilie zur Nächsten gereicht wird, wie ein Gegenstand, während überforderte SozialarbeiterInnen nach unbekannten Verwandten suchen, Versprechen brechen. Zwischen dem Festhalten an Erinnerungen, dem Ertragen eines schier unstemmbaren Alltags, wird Tiger nicht nur erschüttert, sondern auch überrascht — denn manchmal überwindet Trauer selbst Verachtung und Hass, verbindet die unterschiedlichsten Menschen, während FreundInnen gehen.
Das Verhalten der Protagonistin, ihre (Schutz- und Bewältigungs-)Mechanismen, ihre Gedanken, die (Schuld-)Gefühle und die Lethargie wie auch ihre Wesensänderung empfand ich durchweg authentisch, in der grau untermalten Handlung finden sich etliche Empfindungen, ungeahnte Entwicklungen, ebenso wie – realistische, ungeschönte und triste – Einblicke in das amerikanische staatliche System und dessen Vorgehen, welche noch mehr Nuancen, die Schmerz bereiten, im Verlauf verteilen.

Einzelne Kapitel wurden mit Zeitangaben und besonderen Überschriften versehen, die einen Überblick verschaffen, und ich empfehle das sehr persönliche und offene Nachwort nicht außen vor zulassen.

„How to make friends wird the Dark“ nimmt uns mit in eine Finsternis, in eine geraubte Kindheit, die weh tut.

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Veröffentlicht am 23.10.2023

Nett, gute Idee.

Lost in Afterglow
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„Lost in Afterglow“: meet the Rockstar

Kennt ihr das, wenn ein Buch in einem mitreißenden Flow geschrieben ist, euch der Inhalt aber nicht vollständig packen kann? Ehrlich gesagt musste ich mich mehrfach ...

„Lost in Afterglow“: meet the Rockstar

Kennt ihr das, wenn ein Buch in einem mitreißenden Flow geschrieben ist, euch der Inhalt aber nicht vollständig packen kann? Ehrlich gesagt musste ich mich mehrfach zwingen, Jo Jonsons neuesten Roman weiterzulesen – dabei fand ich Idee und Stil gut, die Themenvielfalt überraschend und unglaublich wichtig.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, sodass die LeserInnen nicht nur Samira kennenlernen und ihren Weg aus der Gedächtnislosigkeit begleiten, sondern auch an den Sichtweisen der Bandmitglieder und Laura, die nach ihrer vermissten Freundin sucht, teilhaben können. Getoppt von einem Erzähler, der die Bedrohung anheizt … und näher ist, als geahnt.

Jonson bedient sich ungemütlichen Szenarien, schafft es, Wut, Hilflosigkeit und Verzweiflung einzufangen, ebenso wie die wechselnden Handlungsorte und die oft angespannte Stimmung zwischen den Charakteren. Abgesehen von Samira Sinner und Sem Kramеr, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft und in der jungen Frau schnell mehr sieht, als nur ein Experiment, kamen auch die anderen Musiker ausreichend zur Geltung. Die Konflikte und Diskrepanzen unter den Rockern fand ich interessant, brachten diese doch Abwechslung, Leichtigkeit und Witz mit sich. Klar und einfühlsam erzählt die Autorin davon, wie Samira beginnt, sich neu kennenzulernen, sich den verborgenen Wahrheiten ihres Inneren zu stellen und sich aus der Opferrolle zu befreien, bis sie jenen Platz einnehmen kann, von dem sie so lange träumte … Das, was wir aus ihrer Vergangenheit erfahren – von Trauma, (schädlichen) Verhaltensweisen bis hin zu ihrer unnahbaren Art – war berührend, so echt. Und auch später sind es nicht die zahlreichen Erkenntnisse, sondern Stärke und Mut, die Samira aus den Fesseln befreien …

Alles in allem klingt das positiv, oder?
Aber … obgleich Samira Stück für Stück ihre Erinnerungen zurückbekommt, stand die Handlung öfter aufgrund wiederkehrender, kreisender Gedanken, dem Schweigen statt Reden und der Selbstgeißelung still. Im Fokus stehen zwei erwachsenen Menschen, die sich um ungesagte Worte und Missverständnisse drehen. Hinzu kommt eine für mich nicht realistische (emotionale) „Entwicklung“ inkl. Reaktionen, die unverhältnismäßig scheinen, und Empfindungen, die in meinen Augen übertrieben sind. Stellt euch vor, ihr wacht ohne Erinnerungen, dafür mit Blut besudelt im Nirgendwo auf. Wie vertrauensvoll wärt ihr? Genau …
Auch wurde das »fangirln" anhand von Samiras Obsession der Band, allen voran dem Frontman gegenüber, auf eine ungesunde Stufe erhoben, jedoch ohne kritischen, besorgniserregenden Unterton.

Längen, zu viel hin und her sowie ein überstürztes Zueinanderfinden, welches die Basis für große Gefühle darstellen soll, haben mir mehrfach das Interesse geraubt. Dennoch gelang das Zusammenspiel von Neuanfang, Spannung und dem Verständnis, welches Betroffene zwischen den Seiten finden. Wer sich nach einer romantischen, hoffnungsvollen Geschichte sehnt, in der alltägliche, grauenhafte Schicksale sowie jene guten, seltenen Fügungen einen Platz haben, in der neben Schrecken sanfte Töne und der Wunsch mitschwingen, niemals wieder ein Opfer zu sein ‐ dem kann ich „Lost in Afterglow“ ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 23.10.2023

Berührende und andere Art von Rockstarromance.

As It Was
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„𝑰𝒄𝒉 𝒃𝒊𝒏 𝒎𝒖𝒆𝒅𝒆. 𝑽𝒐𝒏 𝒅𝒊𝒆𝒔𝒆𝒎 𝑻𝒂𝒈 𝒖𝒏𝒅 𝒗𝒐𝒏 𝒅𝒊𝒆𝒔𝒆𝒎 𝑳𝒆𝒃𝒆𝒏.“
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𝐀𝐬 𝐢𝐭 𝐖𝐚𝐬 ist ein Rockstar-Romance, der sich nicht nur von der Stimmung, sondern auch von den anvisierten Themen und der Charakterzeichnung ...

„𝑰𝒄𝒉 𝒃𝒊𝒏 𝒎𝒖𝒆𝒅𝒆. 𝑽𝒐𝒏 𝒅𝒊𝒆𝒔𝒆𝒎 𝑻𝒂𝒈 𝒖𝒏𝒅 𝒗𝒐𝒏 𝒅𝒊𝒆𝒔𝒆𝒎 𝑳𝒆𝒃𝒆𝒏.“
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𝐀𝐬 𝐢𝐭 𝐖𝐚𝐬 ist ein Rockstar-Romance, der sich nicht nur von der Stimmung, sondern auch von den anvisierten Themen und der Charakterzeichnung deutlich von den typischen Geschichten dieses Genres abhebt.

Nash Cohen – berühmter Musiker und Songwriter, im Inneren noch der unsichere Junge, der vom Kinderheim auf die Bühne trat, nie Raum bekam, einfach und wertfrei Teenager zu sein, nie Halt und echte Liebe erfuhr. Überfordert von der Karriere, dem Ruhm, begraben unter Druck und Selbstzweifeln ist dieser Mann, Mitte 20, plötzlich Vater. Alleinerziehend.
Hazel Lewis – Reinigungskraft, Mutter eines vierzehnjährigen Teenagers, gefangen in einer Familie, die weder Respekt noch Dankbarkeit übrig hat. Armut, Geldnot, Erwartungen und ununterbrochen die Sorge um ihren Sohn drücken die aufmerksame, selbstlose Frau seit Jahren zu Boden.
Und doch ist sie es, die den Star, der Herzen auf der ganzen Welt höher schlagen lässt, in seinen schwersten Stunden auffängt, die ihn in Trauer, Panik, übermüdet und von Babyspucke benetzt gesehen, nur ihn, den Mann, den Menschen gesehen hat.

Mimi Kylling schuf eine überraschende Story, die bereits zu Beginn mit einem Plotttwists bewegt. Nashs kräftezehrende Situation innerhalb des Musikbusiness, die Paparazzi stets auf den Fersen, seinen erfolgsorientierten Manager im Nacken waren authentisch dargelegt. Auch seine Ängste und Panikattacken, das Gefühl, nie gut genug, kein „echter Mann“ und doch zu viel zu sein waren greifbar und schnürten mir öfter die Luft ab. Innerhalb der Handlung finden sich etliche Andeutungen über den Ursprung seiner mentalen Probleme, die all das, was wir über ihn erfahren, was wir miterleben, noch echter werden lassen.
Und so verhält es sich auch bei Hazel — was diese Frau ertragen hat, jeder Tag ein Kampf, was sie aufgab und gibt, zeichnete sie als starke Persönlichkeit aus, die hinter der Fassade ausgelaugt, am Ende ist.
Beide eint die Gefangenschaft in toxischen Verhältnissen und die fälschliche Gewissheit, anderen etwas schuldig zu sein. Erst miteinander sehen sie die Wahrheit …

Stilistisch lesen sich Mimis Zeilen einfühlsam, detailreich und malerisch, immer wieder treffen wir auf poetische Momente und schwere Melancholie. Lola und Moe sind ein wichtiger Bestandteil des Geschehens, sorgen, wie auch die eine oder andere Nebenfigur, für Konflikte und Abwechslung. Obgleich interessante Entwicklungen, wichtige Erkenntnisse und unerwartete Ereignisse „As it Was“ dominieren, empfand ich die Gedankenkreise und zweifelnden Monologe von Nash als zu viel. Das Zusammenspiel mit Hazel war herzerwärmend, der Verlauf voller Höhen und Tiefen, voll von purer Hilflosigkeit und Verzweiflung. Und doch sind da immer wieder leuchtende Momente, Humor und Glück – solche, die nur wahre Freundschaft, echte Liebe schaffen können.

„As it Was“ erzählt von Trauer, die gefühlt werden muss, ermutigt dazu, loszulassen, was zu Boden drückt.

»Du kannst das hier unmöglich wollen«, haucht sie.
»Ich will alles, Hazel. Ich will endlich wieder spüren, dass ich noch am Leben bin.«

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Veröffentlicht am 15.10.2023

Spaß, Spannung und Mysterien.

Magic Agents - In Prag drehen die Geister durch!
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Spaß, Spannung und Mysterien.

„Magic Agents – In Prag drehen die Geister durch!“

Nachdem ihr erster Auftrag als Magentin Elia Evander nach Dublin führte, geht es nun für sie nach Prag – denn Libuše, ...

Spaß, Spannung und Mysterien.

„Magic Agents – In Prag drehen die Geister durch!“

Nachdem ihr erster Auftrag als Magentin Elia Evander nach Dublin führte, geht es nun für sie nach Prag – denn Libuše, die verehrte Schutzpatronin der Goldenen Stadt, ist entführt worden. Als wären Angst und Hilflosigkeit der dort ansässigen Fabelwesen und Geister nicht schon besorgniserregend genug, stellen Angriffe, wahrscheinlich von der ideologischen Gruppierung »Elite«, die deutsche Hauptzentrale der »Spezialeinheit junger Agenten für Magisches« auf den Kopf und bedrohen die Unversehrtheit der Behördenmitglieder.
Für Elia hat Mission Nummer zwei jedoch erstmal oberste Priorität, immerhin wartet ohne Libuše eine schauderhafte Zukunft auf sämtliche Bewohner Prags. Und so sitzt die taffe Jungagentin mit ihrem Muffel und der Witch in der Watch schon bald im Zug …

Was habe ich auf dieses Buch hingefiebert?
Obwohl ich deutlich älter als die Zielgruppe bin, hat mich Anja Wagner durch Einfallsreichtum, Spaß und Kreativität erneut sofort mitgerissen. Auf Elia warten in der fabelhaften Stadt allerhand (Polter-)Geister und Hürden, die sie überwinden, Ungereimtheiten, die sie schnell aufklären muss. Während ihrer Suche nach Hinweisen auf Libušes Verbleib, bekommt die Agentin Hilfe von dem einen oder anderen, bekannten wie neu erschaffenen Geschöpf, wird in die Irre geführt und muss zu einigen magischen Tools greifen. Auch hier hat die Autorin ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und diese samt ihrer Anwendung genauso nachvollziehbar ausgearbeitet, wie die Regeln und Abläufe der S.A.P.

Das Geschehen ist altersgerecht, klar und verständlich formuliert, mit interessanten Fakten, ersichtlicher Recherche und Fragen, die es zu beantworten gilt, gespickt. Für Pausen oder Langeweile bleibt Elia keine Zeit, denn irgendjemand versucht alles, um die Magentin und ihre Begleiter zu sabotieren.
Wir haben es mit einer tollen Protagonistin, die Fehler macht, engagiert und mutig bei der Sache ist, zu tun, die selbst unter Druck hilfsbereit agiert und für ihre Arbeit pure Leidenschaft empfindet. Die Handlung war ereignisreich und, wie auch die verschiedenen Figuren, mit Leben, Farben und Facetten gefüllt. Eine passende Atmosphäre, ein Hauch Mystik begleiten den schlüssigen Verlauf, der Abwechslung und viel Humor bereithält – gerade Glenda und Selmor, die mir in diesem zweiten Teil noch ein Stückchen mehr ans Herz gewachsen sind, brachten mich mit ihren Eigenheiten und flapsigen Dialogen öfter zum Lachen.
Wie bereits im Auftakt der Kinderbuchserie geben auch hier wieder Rundmails, Definitionen oder Auszüge aus Lehrbüchern und Verordnungen einen noch genaueren Einblick – Liebe fürs Detail, innen wie außen.

Ich hoffe auf einen weiteren Teil, in der wir dieses ulkige Dreiergespann auf einer Mission für die geheimnisvolle Spezialeinheit begleiten dürfen. Immerhin droht weiterhin Gefahr von der Elite …

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Veröffentlicht am 12.10.2023

Mental-Health, (Selbst-)Liebe und so viel mehr ...

Coming of Rage | Poetisch-tragischer New Adult mit queerem Slowburn und authentischer Mental-Health-Repräsentation!
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„Sabotier dich nicht selbst, indem du glaubst, du bist all das nicht wert.“

Wie das Genre vermuten lässt, geht es in diesem Debüt nicht um Action und Ereignis, sondern um das Innere des erzählenden Charakters.
Jeremy ...

„Sabotier dich nicht selbst, indem du glaubst, du bist all das nicht wert.“

Wie das Genre vermuten lässt, geht es in diesem Debüt nicht um Action und Ereignis, sondern um das Innere des erzählenden Charakters.
Jeremy – am Ende seiner mentalen Kräfte, am Ende seiner Karriere – hat sich lange bevor er sich beruflich der Schauspielerei widmete, in dieser verloren. Floh jahrelang vor seinen ungelösten Problemen und Dämonen, verlor sich in Wut, Angst und Rausch …
Am Tiefpunkt ankommen heißt hier, zurück in die Heimat, in die Anonymität.

Im Verlauf lernen wir den Protagonisten, seine Schatten und die Stimmen, die ihn jagen, kennen, sind dabei, wenn Selbstmitleid- und hass überhand gewinnen, wenn Alkohol und Drogen die einzige Lösung scheinen. Lauschen Ausflüchten und Schuldzuweisungen, dem Schmerz und der Sehnsucht. Bis er in Aberdeen, regennass, dieses Restaurant betritt und ein Fremder zum Vertrauten, zum besten Freund, zu so viel mehr wird …

Inmitten all der tiefsinnigen, von Melancholie durchtränkten Zeilen, der verschachtelten Sätze ist es nicht verwunderlich, dass sich hier und da Fehler eingeschlichen haben, die sich in zu vielen oder vergessenen Worten sowie Endungen zeigen. Die Fülle an bildlichen, ausufernden Darstellungen und oftmals in Selbstmitleid gipfelnden Monologen las sich teilweise anstrengend und stockend, forderte Konzentration und doch übt das Geschehen einen Sog aus, entfacht von Wahrheiten und Poesie.
Die Schauplätze kamen atmosphärisch, die Nebencharaktere samt ihren unterschiedlichen Intentionen ausreichend zur Geltung.
Nach und nach öffnet sich der gefallene Star für das Leben, erkennt, was lange verborgen lag, sucht sich selbst. Veränderungen brauchen Zeit und diese bekommt der Schauspieler, so wie er auch durch Zufall Alex bekommt — einen jungen Mann, gezeichnet aus Selbstlosigkeit und Verständnis, mit eigenen Narben, die eine Geschichte erzählen.

Sophie Edina greift zu Bewältigungsstrategien, greift zu Szenarien und Gedanken, in denen ich mich wiederfand, die ich fühlen konnte, spickt ihren Roman mit sensiblen Themen und Aktualität, sanft und treffsicher. Regt zum Nachdenken an, mit einem Spektrum an Empfindungen und Farben. Outing – vor allem die Repräsentation der Bisexualität –, Verhaltensmuster, die einen selbst zerstören, bis hin zu lebensmüden Gedanken.
„Coming of Rage“ zeigt die Liebe, gefährlich intensiv, aus falschen Gründen, die Sucht, in all ihren Zügen, die rasende, unkontrollierbare Wut und Panik, die den Atem raubt. Aber der Weg von Jeremy Johnson offenbart noch viel mehr: Vergebung, sich selbst und den anderen, Demut und der Mut, der alles abverlangende Mut, etwas zu ändern, der fragile Wille, Hilfe zu suchen und sie zu nehmen, fest und hart. Wir finden die Bereitschaft, weiterzugehen, trotz der Gewissheit, dass Zeiten kommen, die taumeln lassen, finden Stolz, auf jeden stillen Kampf mit uns, werden zum einzigen Helden, zur alleinigen Heldin unseres Lebens. LeserInnen sollten sich auf einen Roman, der tiefer geht und nachklingt, auf ein Wiedererkennen, das berührt, einstellen. Die Höhepunkte finden sich hier in aufschlussreichen Dialogen, die zu Einsicht verleiten, in schmerzlichen Wahrheiten, inneren Veränderung sowie der unterhaltsamen, dichten Dynamik zwischen Jeremy und Alex – zwei Fremde, die Vertraute werden …

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