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Veröffentlicht am 25.06.2023

Low Crime, der ohne signifikante Spannung, dafür mit vielen Wirrungen daherkommt.

Diener des Wahnsinns
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„Diener des Wahnsinns“ ist ein Mystery-Krimi über Fanatismus, Religion und die Macht der Manipulation.

»Manchmal ist die Wahrheit grausam, aber sie ist alles, was es zu finden gibt. Menschen töten Menschen. ...

„Diener des Wahnsinns“ ist ein Mystery-Krimi über Fanatismus, Religion und die Macht der Manipulation.

»Manchmal ist die Wahrheit grausam, aber sie ist alles, was es zu finden gibt. Menschen töten Menschen. Aus Hass, aus Liebe oder Wahnsinn.«

Zwei Tote vor einer Kirche – was für ihre KollegInnen eindeutig aussieht, will sich der Kriminalkommissarin Marie Martius nicht erschließen. Statt den Fall schnell ad acta zu legen, und sich ihren Posten, der auf wackeligen Beinen steht, zu sichern, beginnt die disziplinierte junge Frau zu hinterfragen, genauer hinzuschauen und in einen Strudel gigantischen Ausmaßes hineinzurutschen.
Diverse religiöse Vorstellungen und Glaubensrichtungen legen neben Engeln auch perfide Machenschaften frei …

Auf die Handlung und Geschehnisse einzugehen, möchte ich aufgrund Spoiler vermeiden.
Ann Boncelli bestückt ihren Krimi mit allerhand nebensächlichen, dafür deutlich recherchierten Ausführungen und Informationen, die zwar für das Thema, mit dem sich Martius beschäftigen muss, relevant sind, jedoch aufgrund der Fülle vom eigentlichen Fokus ablenken und zusätzlich zu all den bildlichen Metaphern, abschweifenden Monologen und privaten Problemen verwirren. Die Kriminalkommissarin selbst hat mit einer traumatischen Vergangenheit und Flashbacks zu kämpfen, ihre aufbrausenden Reaktionen gegenüber KollegInnen und das teilweise impulsive Vorgehen empfand ich öfter als unangemessen und widersprach ihrem strukturiertem Charakter.

Dennoch liefert uns Boncelli allerhand Verdächtige, lässt uns zweifeln und miträtseln. München und Marie kamen vorstellbar zur Geltung, abgesehen von den detailreichen Umschreibungen und Längen war der Stil gut lesbar. Die Themen – religiöser Fanatismus, Manipulation, Hypnose … – sind zwar interessant, die Handlung selbst aber barg mehr Fragen und Hintergrund über erwähnte Glaubensrichtungen, als schlüssige Hinweise und Vorankommen. Am Ende nimmt das Tempo zu, die Aufklärung ist okay, allen in allen wirkt die Storyline zwar konstruiert, wer aber Low Crime und dubiose Verstrickungen sucht, sollte einen Blick ins Buch werfen.

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Veröffentlicht am 22.06.2023

Interessante Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugt hat.

Der Preis der Magie
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„Der Preis der Magie“ ist der neue Urban-Fantasy Roman von Mila Ilbach und führt uns nach London — aber auch in eine Welt, die zerstört und gefährlich ist …

Was würdest Du tun, wenn Magie existiert? Wenn ...

„Der Preis der Magie“ ist der neue Urban-Fantasy Roman von Mila Ilbach und führt uns nach London — aber auch in eine Welt, die zerstört und gefährlich ist …

Was würdest Du tun, wenn Magie existiert? Wenn unerklärliche Fähigkeiten und große Macht in Dir schlummern? Was wärst Du bereit, dafür zu zahlen?

Der Roman beginnt melancholisch, entwickelt sich langsam, überrascht mit Intrigen und dunklen Wesen. Die Frage, was richtig und falsch, was gut und böse ist, stellt sich mehrfach, ebenso wie jene nach der Wahrheit. Mila schreibt locker und vorstellbar, verliert sich jedoch in ausschweifenden, detailreichen Beschreibungen, was einige Längen zur Folge hat. Zudem wirkt die Storyline, als wurde zu viel gewollt – eine gespiegelte Welt, verschiedene magische Fähigkeiten und Regeln, Grimoires, Schattenwesen und Monster, die Büchse der Pandora, Familien-Dramen, Welten-Rettung (…) – und dementsprechend nur oberflächlich ausgearbeitet. Dennoch war die Grundidee interessant und die Protagonistin, die zwar typischerweise genau das mitbringt, was gebraucht wird, im Vergleich zu anderen plötzlichen HeldInnen recht erwachsen. Helena hinterfragt, macht Fehler, ist nicht auf den Mund gefallen und bereit, vieles zu opfern.

Dass sich die Autorin ausgiebig mit London beschäftigt hat, ist der Geschichte anzumerken. Nebencharaktere wie Sarah, eine Freundin, die man sich nur wünschen kann, Elisabeth samt ihren Intentionen sowie Alastair, der neue Nachbar, mit dem Helena mehr gemeinsam hat, als Einsamkeit, waren greifbar. Im Gegensatz zu Gefühlen und dem Magiesystem: hier fehlte es mir an Hintergründen und der Anwendung. Das Finale hingegen war tempo- und ereignisreich, denn Helena muss für die Suche nach Antworten einen hohen Preis bezahlen, und dann läuft die Zeit unaufhörlich ab …

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Veröffentlicht am 15.06.2023

Überraschende Entwicklung...

Die Nacht des Mondbogens
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„Die Nacht des Mondbogens“ ist ein kleiner und kurzer Roman über die Trauer, den Verlust, aber auch über die Magie der Hoffnung.

Als Irène in einer der besonderen Mondnächte einem Raben, Jacques Schroeder, ...

„Die Nacht des Mondbogens“ ist ein kleiner und kurzer Roman über die Trauer, den Verlust, aber auch über die Magie der Hoffnung.

Als Irène in einer der besonderen Mondnächte einem Raben, Jacques Schroeder, begegnet, ändert sich für sie alles — denn dieser trägt ein Schmuckstück bei sich, in dem die tierliebe Dame erst Artefakte aus einer fernen, und dann Hinweise zu ihrer eigenen Vergangenheit findet. Um den Mysterien des zutraulichen Vogels auf den Grund zu gehen, nimmt die pensionierte Geschichtslehrerin nicht nur das verärgerte Maunzen ihrer Katze Bavette in Kauf, sondern so einige ungemütliche Stunden des nervenaufreibenden Wartens im Freien.
Eine euphorische, geheimnisvolle Reise vom Frankreich der '60er Jahre zurück an die Front des Ersten Weltkrieges beginnt, und diese drängt Erinnerungen und Sehnsüchte an die Oberfläche, fordert, nicht zu vergessen — niemanden. Auch nicht die zurück gelassenen, nie erwähnten Soldaten schrecklicher Zeiten …

Joachim Sohn führt uns in einem einfachen, melancholischen und ruhigen Stil durch die Handlung, Irènes gegenwärtige Situation ist bewegend und ihre Veränderung, die Aufregung und Hoffnung, hervorgelockt durch diesen wundersamen Raben, spürbar. Ein überraschender Perspektiv- und Zeitwechsel nimmt uns mit zu Frederic — das Szenario, was wir vorfinden, wirkt, untermalt durch eine bedrückende, düstere Atmosphäre, erschreckend authentisch.
Der Verlauf ist weder von Dialogen noch Action durchtränkt, bringt jedoch zum Nachdenken, spricht von dem Glauben an Liebe und Magie, ruft uns die Vergangenheit ins Gedächtnis und ermahnt uns, sich an diese genauso zu erinnern, wie an all jene, die ungesehen, unerwähnt gingen.

Begleitet wird Irènes und Frederics Geschichte von Holger Muchs Illustrationen, die sehr passend gewählt sind und die Stimmung des Romans widerspiegeln.

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Veröffentlicht am 15.06.2023

Eine unglaublich starke Reihe.

The Curse of Truth and Sound
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„The Curse of Truth and Sound“ — die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung von Anne Herzels queerer Piraten-Fantasy Trilogie – hat mich genauso begeistert, wie der Auftakt dieser besonderen Reihe.

„(…) kaum ...

„The Curse of Truth and Sound“ — die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung von Anne Herzels queerer Piraten-Fantasy Trilogie – hat mich genauso begeistert, wie der Auftakt dieser besonderen Reihe.

„(…) kaum einen Herzschlag später spuckte sie Blut. Die Taschenuhr entglitt ihren eiskalten Fingern und rollte ins Boot.“

Atemlos verfolgte ich das Geschehen auf und um die Oasis, denn die Ereignisse überschlagen sich, kein Kapitel vergeht ohne Kampf, Problem oder Hürde. Und trotz der durchgängigen Action ist die Handlung mit Tiefe ausgebaut. Hintergründe über die Charaktere, die mystischen Landkarten und die Artefakte sowie über die Bürde, die mit diesen einhergeht, über die Göttergeschichte, die der hier erschaffenen Welt inne liegt, und auch über die Götter selbst sind aufschlussreich, verständlich und interessant eingebracht – und zeigen die Arbeit, die in dem einfallsreichen Worldbuilding steckt.

Anne schafft es, mit dem ersten Satz zu fesseln und rege zu überraschen, bringt zugleich Frische wie Aktualität in das Fantasygenre – denn die diversen Figuren, die Queerness und das Anderssein werden in der Rivay-Crew ebenso großgeschrieben, wie gegenseitige Akzeptanz und Respekt – auch ohne explizite geschlechtliche Einordnung, ohne die Fähigkeit, laut zu sprechen. Doch nicht mal die Meere sind frei von Abneigung und Unverständnis, von Vorurteilen und Hass.

»Ob Mann, ob Frau, ob keins davon, wen kümmert das Detail? Wir lassen Regeln Regeln sein — und leben völlig frei!«

Die Gewässer und Länder um den Superkontinent sind unberechenbar — Piratenjäger, konkurrierende Flotten, Götterbiester und weitaus mehr versteckt sich in den Tiefen, immer öfter angezogen durch die wachsende Macht, die sich am Bord der Oasis befindet. Zudem gerät die Welt merklich aus dem Gleichgewicht … In Band zwei gibt es so viel zu entdecken, neue Informationen überrumpeln Vanella und Rivay, die Vergangenheiten einzelner Mitglieder werden erörtert, die bunte Mannschaft bekommt Besuch, Zuwachs und dezimiert sich auf schreckliche Weise. Eine Gefahr reiht sich an die Nächste, Verluste und Tod, Opfer und Konflikte begleiten den Verlauf. Doch auch Gefühle brechen an die Oberfläche, durch sorgfältig gezogene Fassaden. Anne verzichtet jedoch darauf, das Steuer gen Romantik und Liebelei zu setzten — das Prickeln zwischen der geborenen Oceanshare und ihrem Kapitän ist – den Streitigkeiten und Diskrepanzen zum Trotz – wie ein leichter, vorfreudiger Schauer. Die Autorin bedient sich einem Stil, der dem wilden Setting, der Gnadenlosigkeit entsprechend ist, der Ton wankt munter zwischen harscher Rauheit und lockerem Geplänkel, und doch findet sich hier auch Poesie.

Herausforderungen und Missverständnisse, zu hohe Wellen und Schiffbruch, Mystik, Magie, Freundschaft und Verrat … und ein schmerzlicher Cliffhanger, der selbst den tapfersten Piraten von Bord zieht.

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Veröffentlicht am 09.06.2023

Blutig und detailreich - like it.

Der Follower (Tom-Bachmann-Serie 3)
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Im neusten Fall von Tom Bachmann sind es verschwundene Influencerinnen, die den Fallanalytiker und sein Team wach halten.

Erzählt wird die gegenwärtige Situation nicht nur aus der Sicht der Ermittler ...

Im neusten Fall von Tom Bachmann sind es verschwundene Influencerinnen, die den Fallanalytiker und sein Team wach halten.

Erzählt wird die gegenwärtige Situation nicht nur aus der Sicht der Ermittler und der Opfer, sondern auch aus jener des Täters – und hier hält sich der Autor nicht mit lebendigen Schilderungen zurück. Im Verlauf tauchen einige Verdächtige auf, doch kaum Spuren, so war es selbst für Tom fast unmöglich, vorauszuahnen, was und wer hinter den blutigen, perfiden Morden und der grausamen Inszenierung der Frauen steckt. Umso mehr Zeit vergeht, umso stärker steigt der Druck auf das BKA, umso mehr treibt Meyer das Tempo der Handlung an, denn der unbekannte Täter agiert immer emotionaler und ist sich zu sicher …

Neben der Haupthandlung nimmt Toms Vergangenheit viel Raum ein, doch nicht nur durch schockierende Rückblenden: diese tritt nun auch leibhaftig auf – seine ehemaligen Leidensgenossen, die wohl begnadetsten Killer der Gegenwart, vereint in einer Stadt … Hinzu gesellen sich ausführlich recherchierte, realistische Täterprofile sowie Fall relevante Erklärungen über Psychopathie und Nekrophilie. Diese theoretischen Abschnitte wirkten auf mich häufig zu gewollt. Chris Meyers Stil ist sehr einfach, direkt und verständlich, die Charaktere waren gut gezeichnet und die schonungslose, detaillierte Ausführung von blutigen, grausamen Szenen fand ich faszinierend. Der Fall war in seiner Gesamtheit fesselnd, lediglich die Aufklärung, eingeleitet durch Zufall und Eingebung, wirkte abrupt und konstruiert.
Nichtsdestotrotz hält „Der Follower“ interessante Hintergründe, schockierende Neigungen und Blut bereit. Auch dem Strang, in denen Bachmanns frühere Kameraden eine wichtige Rolle spielen, folgte ich aufmerksam – lösen diese doch die Frage aus, ob in diesem „Berufsfeld“ eine "richtige" moralische Einstellung existiert und wie man selbst diese Taten einordnen würde …

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