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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2023

Warum feiern alle dieses Buch?

Mr Wrong Number
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Olivia scheint der größte Pechvogel aller Zeiten zu sein. Sie ist nicht nur extrem tollpatschig, sondern hat es nun sogar geschafft, beim Verbrennen der Liebesbriefe ihres Ex ihr gesamtes Haus abzufackeln. ...

Olivia scheint der größte Pechvogel aller Zeiten zu sein. Sie ist nicht nur extrem tollpatschig, sondern hat es nun sogar geschafft, beim Verbrennen der Liebesbriefe ihres Ex ihr gesamtes Haus abzufackeln. Nun muss sie übergangsweise bei ihrem Bruder einziehen - und seinem unausstehlichen Mitbewohner Colin. Zum Glück versüßt ihr eine anonyme Nummer, mit der sie immer wieder romantische Nachrichten austauscht, den Tag.

Ich habe mich wirklich unheimlich auf dieses Buch gefreut. Ich habe mich da nicht nur vom Hype auf Instagram & Co. anstecken lassen, auch die Prämisse fand ich super spannend. Sie war es dann aber auch, die mich davon abgehalten hat, dieses Buch irgendwann abzubrechen, denn ansonsten konnte ich der Geschichte nicht viel abgewinnen.

Hauptproblem war für mich die absolut unausstehliche Protagonistin Olivia. Ihre Tollpatschigkeit wird als witzig und "anders" verkauft, kam bei mir aber oft nur als nervig und ignorant an. Liv geht mit dem Eigentum anderer Menschen total fahrlässig um, wenn man sie auf ihre Fehler anspricht, reagiert sie genervt und unhöflich (und wir als Leser sollen dabei auf ihrer Seite stehen) und sie lügt, dass sich die Balken biegen, regt sich aber enorm auf, wenn andere Menschen es tun. Ich wollte einfach jeden Charakter, der Olivia auch nur sympathisch fand, schütteln und schreien, dass man Reisaus nehmen sollte.

Hinzu kommen seltsame Erklärungen und Plot Devices, die für mich kaum Sinn ergeben haben. Bestes Beispiel: Das ganze Buch über wird das Feuer vor Beginn des Buches von Liv als "Upps, wie peinlich" abgetan, während ich mir sicher bin, dass man in der Realität sicher total verstört von diesen Ereignissen wäre. Letztendlich ist das Ganze nur ein Storyelement, damit Liv aus ihrer Wohnung kommt, aber das hätte man doch auch durch andere, weniger dramatische Ereignisse auslösen können bzw. man hätte ihr etwas Gewissensbisse geben können. Die Spitze des Eisberges waren dann noch Sexszenen, die ich persönlich alles andere als sexy fand.

Tut mir leid, aber hier verstehe ich mal wieder überhaupt nicht, warum um dieses Buch so ein Hype herrscht. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 20.05.2023

Urlaub mit Geheimnissen

Happy Place
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Harriet und Wyn waren einst das Traumpaar in ihrem Freundeskreis. Nun sind die beiden bereits seit einigen Monaten getrennt - nur weiß kaum jemand davon. Als der jährliche Urlaub mit der alten College-Clique ...

Harriet und Wyn waren einst das Traumpaar in ihrem Freundeskreis. Nun sind die beiden bereits seit einigen Monaten getrennt - nur weiß kaum jemand davon. Als der jährliche Urlaub mit der alten College-Clique in Maine ansteht, wollen sie es endlich allen sagen, doch es kommt anders. Die geliebte Villa steht zum Verkauf und somit wird es das letzte Mal sein. Da zusätzlich auch Harriets Freundin Sabrina am Ende des Urlaubs heiraten will und sie ihr die Zeit nicht verderben wollen, beschließen Harriet und Wyn, wenigstens bis dahin noch so zu tun, als wären sie zusammen. Was folgt, ist eine Woche voller Sommerspaß, aber auch voller Herzschmerz und Beziehungsverarbeitung.

Emily Henry ist definitiv die Königin der Sommerromanzen. Man bekommt richtig Lust, auch mal an einem Hummerfestival in Maine teilzunehmen und lernt die Freunde von Harreit Wyn ins Herz zu schließen. Auch wie über psychische Gesundheit in diesem Buch geredet wurde, hat mir gut gefallen. Eine nette Strandlektüre ist es auf jeden Fall.

Leider kann auch dieses Buch für mich nicht über "nett" hinausgehen. Interessanterweise liegen dafür dieselben Gründe für mich wie bei "Beach Read": die super langweiligen Protagonisten und ihre noch langweiligere Liebesgeschichte. Die Beziehung von Harriet und Wyn und die Gründe, warum sie die Trennung bisher geheim gehalten hatten, wirkten auf mich sehr konstruiert, außerdem habe ich nie wirklich Chemie zwischen den beiden gespürt.

Wie auch bei "Beach Read" hätte ich viel lieber die anderen Freunde der beiden näher kennengelernt. Emily Henry scheint wirklich ein Talent dafür zu haben, interessante Nebencharaktere und Schauplätze zu schaffen, ich verstehe nur nicht ganz, warum sie es nicht schafft, das auch auf die Protagonisten zu übertragen.

"Happy Place" ist definitiv ein nettes Buch für den Sommer - nicht mehr und nicht weniger.

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Veröffentlicht am 14.05.2023

Wirklich filmreif

If we were a movie
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Nate ist gerade für sein aufregendes Musikstudium nach New York City gezogen, doch das Chaos verfolgt ihn. Seine Brüder zerstören aus Versehen seinen Laptop mit einem wichtigen Kursprojekt, was Nate dazu ...

Nate ist gerade für sein aufregendes Musikstudium nach New York City gezogen, doch das Chaos verfolgt ihn. Seine Brüder zerstören aus Versehen seinen Laptop mit einem wichtigen Kursprojekt, was Nate dazu veranlasst, nach einer Wohnung zu suchen - wodurch er von Filmstudentin Jordan erfährt, die er zunächst irrtümlicherweise für einen Jungen hält. Da Jordan eine beinahe perfekte Wohnung hat, die Nate einfach nicht ablehnen kann, wird er trotz allem zu Jordans Mitbewohner - sehr zum Unmut seiner Freundin.

Mit "If We Were a Movie" hat Kelly Oram eine tolle Geschichte über die erste Zeit an der Universität geschrieben, was man meiner Meinung nach sonst eher weniger im YA-Bereich findet. Viele behandelte Themen haben mich auch an meine Studienzeit erinnern lassen. So ist Nate hin- und hergerissen zwischen seiner Familie und seinem Freundeskreis in der Heimat und dem Drang, in der großen Stadt etwas Großes zu erreichen. Auch der innere Kampf zwischen einem inneren Wunsch, der vielleicht nicht in Erfüllung gehen wird, und dem Drang etwas "Ordentliches" zu lernen, ist sicherlich vielen bekannt und wurde hier wirklich richtig gut besprochen. Ich bin mir sicher, dass sich Jugendliche, die sich genau in dieser Lebensphase befinden, hier wiederfinden.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass durch Filmnerd Jordan immer wieder Parallelen zu Filmen aufgebaut werden, was oft witzig und clever ist, manchmal aber auch ein bisschen unbeholfen. Jedes Kapitel ist nach einem Film benannt, der dann auch aufgegriffen wird, was ich an manchen Stellen leider einfach ein bisschen aufgezwungen und im Dialog unnatürlich fand. Dieser Aspekt und der doch etwas klischeehafte und vielleicht sogar misogyne Umgang mit einer Figur sorgen bei mir für einen Stern Abzug.

Trotz allem haben wir es hier mit einem sehr schönen Jugendbuch zu tun, das mal ein bisschen aus den üblichen Strukturen ausbricht.

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Veröffentlicht am 14.05.2023

Zwischen Gestern und Heute

Die Sekunde zwischen dir und mir
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Nach längerer Trennung sind Jenn und Robbie endlich wieder ein Paar. Doch die kurze Phase der Glückseligkeit wird jäh unterbrochen, als die beiden in einen Autounfall geraten - da geschieht etwas höchst ...

Nach längerer Trennung sind Jenn und Robbie endlich wieder ein Paar. Doch die kurze Phase der Glückseligkeit wird jäh unterbrochen, als die beiden in einen Autounfall geraten - da geschieht etwas höchst Seltsames. Im Moment, bevor das Auto der beiden mit einem Lastwagen kollidiert, gerät Robbie in eine Art Nahtoderfahrung, in der er durch Jenns Erinnerungen reist. Dort sieht er nicht nur ihre Kindheit und erfährt, warum sie so ist, wie sie ist, sondern erlebt auch ihre Beziehung aus ihrer Perspektive und erkennt so auch seine Fehler. Nun muss er einen Weg finden, aus den Erinnerungen auszubrechen und vielleicht doch noch Jenns Leben zu retten.

Die Grundidee dieses Buches mit der Reise in die Erinnerungen eines anderen Menschen fand ich fantastisch. Sicherlich hatten wir alle schon Mal das Bedürfnis, in die Vergangenheit einer geliebten Person zu schauen, um zu erfahren, was sie geprägt hat. Gerade zu Anfang fand ich diese Idee jedoch gleichzeitig auch etwas gewöhnungsbedürftig im Schreibstil, da wir nicht chronologisch durch Jenns Erinnerungen reisen und manche Details sicher erst im Nachhinein an Bedeutung gewinnen. Außerdem gibt es mehrere Baustellen in ihrem Leben und ich verstand oft nicht sofort, wie die einzelnen Episoden miteinander in Zusammenhang stehen. Diese Kritik nahm jedoch im Laufe des Buches ab.

Was mich viel mehr gestört hat, waren die Figuren. Jenn und Robbie sind komplette Gegensätze und außerdem komplette Klischees. Ich habe ich sowieso nie verstanden a) warum sie überhaupt zusammenkommen ist und b) warum es mir wichtig sein sollte, dass sie wieder zusammenkommen. Tatsächlich hatte ich oft während des Lesens den Gedanken, dass sich die beiden vielleicht eher unabhängig voneinander professionelle Hilfe suchen sollten als "um ihre Liebe zu kämpfen".

Den Rest gab mir das Ende, bei dem die Auflösung einer zentralen Frage des Buches bei mir eher Verwirrung und Wut als die gewünschte Berührung und Trauer ausgelöst hat.

Schade, die Idee war wirklich mal etwas Neues, aber die Umsetzung ließ leider zu wünschen übrig.

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Veröffentlicht am 06.05.2023

Dieses Buch hat tatsächlich mal den Begriff Epos verdient

Hotel Shanghai
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Vicki Baum nimmt uns mit in das Shanghai der 30er-Jahre und zeigt uns durch die Augen von acht durchaus diverser Charaktere, wie das Leben, aber auch die Grausamkeit des Krieges in dieser Stadt zu dieser ...

Vicki Baum nimmt uns mit in das Shanghai der 30er-Jahre und zeigt uns durch die Augen von acht durchaus diverser Charaktere, wie das Leben, aber auch die Grausamkeit des Krieges in dieser Stadt zu dieser Zeit waren. In der ersten Hälfte des Buches lernen wir zunächst die acht Hauptcharaktere durch sehr detaillierte Biografien genauer kennen, bis sie sich alle in Shanghai treffen und sich die Handlung um die Eskalation des Chinesisch-Japanischen Konflikts entspannt.

Ich weiß, ich schmeiße in meinen Rezensionen oft mit dem Wort "Epos" um mich, oft an Stellen, wo ich es im Nachhinein nicht mehr wirklich angebracht finde - aber "Hotel Shanghai" hat diesen Titel wahrhaftig verdient. Auf knapp 750 Seiten lernen wir unterschiedlichste Figuren und vor allem die Stadt Shanghai der damaligen Zeit kennen. Vicki Baum malt ein unheimlich lebendiges Bild und man merkt, dass sie definitiv ihre Recherchen betrieben hat - was zu ihrer Zeit sicher nicht so einfach war, wie man es sich heute vorstellen würde. Hätte sie dieses Buch heute geschrieben, könnte man sicher darüber diskutieren, wie angebracht es ist, dass eine europäische Frau derartig über asiatische Geschichte und (teilweise) auch Figuren schreibt, andererseits hat das Buch so eine Diversität, die für Werke dieser Zeit sicherlich untypisch ist.

Leider fand ich mit meinen modernen Lesegewohnheiten, dass sich gerade die erste Hälfte des Buches unheimlich zog. Zwar finde ich die Idee der acht Biografien grundsätzlich genial, in der Umsetzung war es mir dann doch oft zu detailliert und es entstand das Problem, dass ich am Ende dieses Abschnitts gar nicht mehr wusste, wer die vorgestellten Charaktere zu Beginn des Buches waren. Zwar konnte mich die zweite Hälfte deutlich mehr überzeugen und auch Spannung aufbauen - vor allem das Ende hat mir extrem gut gefallen - jedoch stellte ich mir immer wieder die Frage, ob man das Buch nicht etwas kompakter und besser verdaulich hätte machen können, indem man die Biografien in die Handlung einbindet oder zumindest etwas komprimiert.

"Hotel Shanghai" ist definitiv nicht die einfachste Lektüre, aber literaturhistorisch sicherlich ein spannender und ziemlich einzigartiger Beitrag.

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