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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein feministisches Märchen über Selbstermächtigung

Weit über der smaragdgrünen See
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Brandon Sandersons Weit über der smaragdgrünen See beginnt wie ein klassisches Abenteuer: Ein Mädchen macht sich auf, ihren Freund zu retten. Doch Tress ist keine typische Heldin – und genau das macht ...

Brandon Sandersons Weit über der smaragdgrünen See beginnt wie ein klassisches Abenteuer: Ein Mädchen macht sich auf, ihren Freund zu retten. Doch Tress ist keine typische Heldin – und genau das macht sie so besonders.

Statt übernatürlicher Kräfte bringt sie Neugier, Mitgefühl und Mut mit. Sie verlässt ihre Insel nicht aus romantischer Naivität, sondern weil sie erkennt: Wenn niemand handelt, muss sie es tun – und sie kann es.

Sanderson spielt mit Märchenkonventionen und bricht sie bewusst auf. Die Erzählstimme kommentiert augenzwinkernd traditionelle Rollenbilder – und lässt Tress einen eigenen, selbstbestimmten Weg gehen. Ihre Reise ist keine klassische Rettungsmission, sondern eine leise, kraftvolle Emanzipation.

Ein kluges, warmherziges Buch über die Kraft des Erzählens und eine stille Heldin, die zeigt, wie subversiv Freundlichkeit und Entschlossenheit sein können.

Veröffentlicht am 23.06.2025

Für alle, die Fantasy lieben – aber auch für die, die sich für Fragen nach Macht, Kontrolle und Identität interessieren.

The will of the many
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AUDI. VIDE. TACE.
Ein Motto wie ein Machtbefehl – höre, sieh, schweige. Und genau das tut Vis Telimus. Zumindest vordergründig.

James Islington erschafft in The Will of the Many eine politische Dystopie ...

AUDI. VIDE. TACE.
Ein Motto wie ein Machtbefehl – höre, sieh, schweige. Und genau das tut Vis Telimus. Zumindest vordergründig.

James Islington erschafft in The Will of the Many eine politische Dystopie mit klassizistischer Prägung: eine Welt, in der Macht nicht nur strukturell, sondern über ein literalisiertes System der Unterwerfung organisiert ist – durch den „Willen“. Was hier wie Magie anmutet, funktioniert vielmehr als ideologisches Instrument: Wer seinen Willen abtritt, gibt sich selbst auf – körperlich, geistig, politisch. Ein brillantes Konzept, das an Foucaults Theorie der Selbstdisziplinierung erinnert und gleichzeitig an antike Herrschaftsmodelle angelehnt ist.

Das Narrativ spielt virtuos mit dem Topos der Verkleidung: Vis gibt sich als jemand aus, der er nicht ist – eine narrative Maskerade, die an Motive der klassischen Tragödie erinnert, aber mit der Rasanz moderner Fantasy-Romane erzählt wird. Das Worldbuilding ist monumental, aber nicht überladen; die Spannung speist sich nicht nur aus äußeren Konflikten, sondern auch aus der doppelten Identität des Protagonisten.

Ein Buch, das man nicht einfach „wegliest“. Ich habe mir Zeit gelassen – und genau das hat sich ausgezahlt. Die Sprache ist klar, aber durchdacht, der Plot dicht und strategisch – wie ein Schachspiel in einer Arena aus Worten, Macht und Intrigen.

Für alle, die Fantasy lieben – aber auch für die, die sich für Fragen nach Macht, Kontrolle und Identität interessieren.

Veröffentlicht am 23.06.2025

4 von 5 Sternen – kein einfacher, aber ein lohnender Weg.

Der Geruch des Paradieses
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Dieses Buch hat mich tief bewegt – nicht, weil es laut ist, sondern weil es so viel in mir angestoßen hat. Der Geruch des Paradieses erzählt die Geschichte von Peri, die zwischen zwei Welten aufwächst: ...

Dieses Buch hat mich tief bewegt – nicht, weil es laut ist, sondern weil es so viel in mir angestoßen hat. Der Geruch des Paradieses erzählt die Geschichte von Peri, die zwischen zwei Welten aufwächst: eine streng gläubige Mutter auf der einen Seite, ein liberaler, atheistischer Vater auf der anderen. Schon als Kind ist sie zerrissen – zwischen Erwartungen, Sehnsüchten und der Suche nach dem, was sie selbst glaubt.

Während ihres Studiums in Oxford begegnet sie Mona und Shirin – zwei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, und doch wird ihre Freundschaft zu etwas Besonderem. Ein Seminar über Gott, geführt von einem faszinierenden Professor, bringt alles ins Wanken – die Freundschaft, das Vertrauen, Peris Selbstbild.

Dieses Buch hat mich nicht einfach „unterhalten“. Es hat mich zum Nachdenken gebracht, mich verunsichert, mich begleitet. Es geht um Glauben, Zweifel, Schuld, Identität – aber vor allem darum, wie schwer es manchmal ist, einen Platz in der Welt zu finden, wenn man ständig zwischen allem steht.

Ich musste oft Pausen machen beim Lesen. Nicht, weil es langweilig war – im Gegenteil. Weil es so vielschichtig ist, so viel in mir ausgelöst hat. Und obwohl ich das Ende ein bisschen zu schnell fand, ist es ein Roman, der nachhallt.

Elif Shafak schreibt mit Tiefe, ohne zu belehren. Und sie trifft mit ihren Figuren mitten ins Herz. Wer Lust hat auf eine Geschichte, die Kopf und Herz gleichermaßen fordert, sollte dieses Buch lesen.

4 von 5 Sternen – kein einfacher, aber ein lohnender Weg.

Veröffentlicht am 23.06.2025

Highlight!

Stromlinien
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Ich kann nicht genau sagen, warum dieses Buch so tief bei mir eingeschlagen ist – aber es hat etwas in mir bewegt, das ich noch nie zuvor gespürt habe. Stromlinien ist kein lautes Buch. Es schreit nicht ...

Ich kann nicht genau sagen, warum dieses Buch so tief bei mir eingeschlagen ist – aber es hat etwas in mir bewegt, das ich noch nie zuvor gespürt habe. Stromlinien ist kein lautes Buch. Es schreit nicht um Aufmerksamkeit, es bleibt ruhig, fast schüchtern in seiner Erzählweise. Aber genau das hat mich gepackt, ohne dass ich es wollte. Es hat mich in den Bann gezogen und einfach nicht wieder losgelassen.

Schon im zweiten Kapitel war ich völlig drin. Ich wusste, das Buch würde mich nicht mehr loslassen. Vielleicht liegt es am Setting – dieser ständige Wechsel von Ebbe und Flut, von Nähe und Entfernung, von Erwartung und Enttäuschung, das kenne ich, das spüre ich. Ich bin mit der Elbe groß geworden, und in Stromlinien habe ich den Wind, das Wasser, die Weite gespürt. Es war, als würde ich mich selbst in Enna und ihrer Geschichte wiederfinden.

Aber es sind nicht nur die Orte, die mich gepackt haben. Es sind die kleinen, so ehrlichen Momente. Die Art, wie Frank die leisen, fast unsichtbaren Spannungen zwischen den Figuren einfängt, die nicht laut sind, aber so sehr nachhallen. Ich habe das Gefühl, dass dieses Buch nicht einfach nur eine Geschichte erzählt – es ist wie ein stiller Dialog, der immer weitergeht, selbst nachdem man das Buch zuklappt.

Und dann diese Verweise auf Dinge, die mich in meiner eigenen Welt treffen: BookTok, diese kleinen Anspielungen auf Dinge, die so sehr Teil von uns sind. Es war, als würde jemand in einem Buch verstehen, was ich fühle, was ich erlebe.

Ich kann nicht sagen, warum dieses Buch so besonders ist. Es ist nicht dramatisch, nicht aufgeregt – aber es bleibt in dir. Vielleicht ist das genau der Punkt: Es geht nicht darum, laut zu sein. Es geht darum, leise zu sein und trotzdem zu spüren, wie schwer ein Geheimnis wiegt, wie tief es einen verändern kann.

Ich habe Stromlinien mit jedem Wort geliebt. Es ist eines dieser Bücher, die nicht nur unter die Haut gehen, sondern auch etwas in dir zurücklassen, das du nicht ganz greifen kannst. Und vielleicht ist das das wahre Geheimnis von Stromlinien – dass es einfach bleibt. Auch wenn man es schon längst zugeschlagen hat.

Veröffentlicht am 23.06.2025

Wenn „Wohlfühlen“ ein Buch wäre

Der Buchspazierer
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Der Buchspazierer hat mich richtig abgeholt. Carl Christian Kollhoff ist nicht einfach ein Buchhändler – er ist so was wie der heimliche Held der Stadt, der mit seinen Büchern Menschen berührt und verbindet. ...

Der Buchspazierer hat mich richtig abgeholt. Carl Christian Kollhoff ist nicht einfach ein Buchhändler – er ist so was wie der heimliche Held der Stadt, der mit seinen Büchern Menschen berührt und verbindet. Wenn er nach Feierabend durch die Gassen läuft und Bücher liefert, spürt man: Hier geht’s um mehr als nur Seiten und Worte.

Als er seinen Job verliert, wird’s ernst – und trotzdem merkt man, wie Bücher und kleine Gesten plötzlich zu Ankern im Chaos werden. Vor allem die Freundschaft zu dem neunjährigen Mädchen bringt diese Geschichte zum Leuchten.

Das Buch fühlt sich an wie eine Umarmung, wenn’s draußen kalt wird – warm, ehrlich und voller Hoffnung. Für alle, die wissen, dass Bücher mehr sind als nur Geschichten.