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Veröffentlicht am 19.01.2023

Zwei investigative Journalisten, die Hamburger Cum-ex-Affäre und die Gedächtnislücken des SPD-Spitzenpolitikers Olaf Scholz - Ein Politthriller der Extraklasse!

Die Akte Scholz
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Das Autorenduo Oliver Schröm und Oliver Hollenstein beweist in ihrem aktuellen Buch "Die Akte Scholz - Der Kanzler, das Geld und die Macht" was investigativer Journalismus leisten kann und dafür zolle ...

Das Autorenduo Oliver Schröm und Oliver Hollenstein beweist in ihrem aktuellen Buch "Die Akte Scholz - Der Kanzler, das Geld und die Macht" was investigativer Journalismus leisten kann und dafür zolle ich beiden Journalisten meinen allergrößten Respekt.

"Investigativer Journalismus ist keine exakte Wissenschaft, sondern der Versuch, sich der Wahrheit so weit als möglich anzunähern."

Das vorhergehende Buchzitat verdeutlicht die Herangehensweise der beiden Autoren. Im Buch selbst stecken fast drei Jahre akribische Recherchearbeit inklusive vieler Interviews, vertraulicher Gespräche und detailliertem Aktenstudium.

Das Buch, das eher einem Wirtschafts-/Politthriller gleicht hilft hoffentlich bei der endgültigen Aufarbeitung der Hamburger Cum-ex-Affäre. Mir persönlich hat es nochmals mehr die Augen geöffnet und Abgründe haben sich für mich aufgetan.

Insbesondere die eklatanten Lücken unseres aktuellen Bundeskanzlers und damaligen Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz geben doch einige Rätsel auf, schließlich will sich dieser ja an bestimmte Details leider nicht mehr erinnern können.

Nicht nur der Cum-Ex-Skandal rund um die Warburg-Bank aus Hamburg wirft einen langen Schatten auf unseren sonst sehr besonnen und nahezu unterkühlt wirkenden SPD-Kanzler.

Schröms und Hollenstein zeichnen den Fall des damaligen "Gemauschels" rund um die Hamburger Warburg-Bank sehr detailliert nach. Sie rollen den Fall nochmals auf und beleuchten die Jahre zwischen 2009 und 2019. Außerdem gehen sie auch auf die Zeit von 2020 bis 2022 ein, als dem SPD-Spitzenpolitiker Olaf Scholz die kreative Steuerauslegung Warburg-Bank-Desaster auf die Füße fällt.

Jetzt fragt man sich nur, was ist Wahrheit und was ist Dichtung?

Aber bitte lesen sie einfach selbst und bilden sich dann eine eigene Meinung zum Cum-Ex-Skandal und den Einlassungen unseres Bundeskanzlers.

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Veröffentlicht am 16.01.2023

"Wissen ist Macht" galt bis dato als Maxime in unserem Bildungssystem - Was wenn wir uns aber auf dem Holzweg befinden? - Bildung mutig komplett neu denken!

Die Macht der Bildung
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Der Autor Flo von Schreitter trifft bei mir mit seinem Buch "Die Macht der Bildung - Warum wir dringend ein neues Bildungsideal brauchen" komplett den Nerv.

Wer sich in Deutschland unser aktuelles Bildungssystem ...

Der Autor Flo von Schreitter trifft bei mir mit seinem Buch "Die Macht der Bildung - Warum wir dringend ein neues Bildungsideal brauchen" komplett den Nerv.

Wer sich in Deutschland unser aktuelles Bildungssystem ansieht, das fast ausschließlich auf der Wissensvermittlung fußt, muss wohl über kurz oder lang bei genauerer Betrachtung der vor uns stehenden Herausforderungen (z.B. Klimawandel etc.) dann zur Erkenntnis kommen, dass die bloße Weitergabe eines ganzen Sammelsuriums von Wissen nicht mehr weiter helfen wird.

Von Schreitter holte mich bereits beim persönlichen Vorwort wie auch bei den folgenden Kapiteln dann komplett ab.

Er legt den Finger in die offene Wunde unseres aktuelles Bildungssystems und benennt sehr klar Ross und Reiter. Für mich ähnelte diese Offenbarung der offensichtlichen Schwachstellen einem Spiegelbild, also quasi wie wenn man vor den Spiegel tritt und sich selbst dann kritisch betrachtet.

Er analysiert sehr scharf, an welchen Details unser aktuelles Bildungssystem krankt bzw. welche Fähigkeiten zukünftig gebraucht werden, um die kurz-, mittel- und langfristigen Herausforderungen der Menschheit dann überhaupt bewältigt zu bekommen.

Der Autor erläutert näher, wie solch ein Bildungsideal aus seiner individuellen Sichtweise aussieht und welche Ressourcen dafür dann notwendig sind.

Summa summarum ein richtig tolles Buch, das die Konfrontation mit unserem antiquarischen Bildungssystem nicht scheut, aber gleichzeitig auch aufzeigt, in welche Richtung sich Bildung verändern muss, wenn wir den zukünftigen Herausforderungen trotzen wollen.

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Veröffentlicht am 15.01.2023

Das bisschen Arbeit ... stresst uns und macht das Individuum und die Gesellschaft über kurz oder lang kaputt und krank

Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?
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Recht desillusioniert zur sehr prekären aktuellen Situation der Arbeitswelt meldet sich Sara Weber gleich eingangs ihres Buches zu Wort.

"Heute weiß ich, dass das alles Bullshit ist. Nicht wir funktionieren ...

Recht desillusioniert zur sehr prekären aktuellen Situation der Arbeitswelt meldet sich Sara Weber gleich eingangs ihres Buches zu Wort.

"Heute weiß ich, dass das alles Bullshit ist. Nicht wir funktionieren nicht gut genug, sondern unsere Arbeitswelt ist kaputt. Das macht auch uns krank: Wir sind müde, ausgebrannt, gestresst. Und wir beginnen, die Realität zu erkennen: ... Es hilft niemandem, wenn wir soviel arbeiten, dass wir ausbrennen und uns am Ende noch dafür feiern. Wir werden es nicht besser haben als unsere Eltern, wenn wir uns nur genug anstrengen, denn dieses Versprechen wurde längst gebrochen. Wir haben versucht, die Müdigkeit zu ignorieren und einfach weiterzumachen in der Hoffnung, irgendwann auf der anderen Seite herauszukommen. Wir dachten, das wir die Einzigen sind, die sich so fühlen. ... Dabei ist es ein systematisches Problem, das uns alle ins kollektive Burnout führt."

Die Autorin Sara Weber erhebt vollkommen zurecht in ihrem aktuellen Buch "Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?" den Zeigefinger und prangert die mitunter sehr prekären Verhältnisse in großen Teilen der Jobwelt von heute an.

Das Buch wie auch das Thema selbst spricht mir persönlich aus meinem Herzen und meiner Seele, da ich vieles von dem im Buch erzählt wird selbst bereits im beruflichen Kontext erlebt habe. Für mich ist quasi die Erkenntnis von Weber nicht wirklich neu. Klatschen für die individuelle Arbeitsleistung reicht in der heutigen Zeit eben nicht mehr für die Anerkennung im Job.

Nicht erst seit der Coronapandemie sollte vielen Beschäftigten in ihren abhängigen Hamsterradjobs klar geworden sein, dass die Arbeitswelt, so wie sie bis dato praktiziert wurde nicht mehr lange so weiter funktionieren kann.

Sehr lange Zeit und dies ist auch meine persönliche Beobachtung zum Thema wurde das Personal in den Unternehmen nur als reiner Kostenfaktor gesehen und lediglich als Nummer behandelt. Man presste das Personal, vergleichbar mit Zitrusfrüchten bis zum letzten Tropfen aus und wenn man neuen Saft bzw. eine höhere Arbeitsleistung wollte heuerte man neues Personal an. Es gab ja bis dato immer genügend Auswahl. Das diese Art der Arbeit nicht wirklich wertschätzend ist sollte selbsterklärend sein.

Sara Weber geht genau diesem Phänomen nach und führt gleich eingangs des Buches im kleineren ersten Teil, einem guten Arzt gleich, eine kleine Anamnese durch.

Woran krankt eigentlich unsere aktuelle Arbeitswelt?

Wieso begegnen mir tagtäglich immer wieder die gleichen Arbeitszombies auf dem Weg zur Arbeit hin und zurück, ohne ein richtiges Lächeln auf dem Gesicht zu zeigen oder zufrieden und ausgeglichen zu wirken?

Im zweiten größeren Teil geht sie dann den Hebeln nach, die umgelegt werden müssen, um die Arbeitswelt für uns alle nachhaltig zu verbessern.

Das Buch ist insgesamt sehr kurzweilig zu lesen.

Mir persönlich waren immer wieder zu viele Anglizismen eingestreut, die zwar auf den ersten Blick hip wirken und auch alle übersetzt werden, aber mich dann dennoch die Frage stellen lassen, wieso dann nicht gleich die passenden deutschen Begriffe verwendet wurden.

Das Buch ist kein Frage durchweg gut recherhiert. Mir persönlich brachte es leider zu wenig neue Erkenntnisse, die ich bis dato noch nicht wusste.

Weber legt bewusst den Finger in die Wunde und streut auch hier und da vielleicht auch noch zusätzlich Salz mit rein.

Hier und da werden immer wieder einige Leuchttürme präsentiert, also Unternehmen, welche die Arbeit zur Zufriedenheit der Mitarbeiter dann gänzlich neu organisiert haben.

Mit persönlich fehlt dann allerdings ein Stück weit der ganz große Hebel, wie der komplette Arbeitsmarkt dann wirklich umgekrempelt werden soll. Wie diese Disruption im Arbeitsmarkt, mit der wir alle über kurz oder lang konfrontiert werden, dann ausgewogen gestaltet werden kann.

Wer sich bis dato noch nicht mit den Veränderungen in der Arbeitswelt beschäftigt hat, erhält mit diesem Werk ein gut recherchiertes Sachbuch zum Thema. Wer vielleicht selbst bereits mehrere Jahre in einem solchen Hamsterrad gearbeitet hat, dem bieten sich dann fast zu wenig neue Ansätze und Ideen.

Sehen wir es aber positiv, ganz dem alten Werbespruch eines Erdölkonzerns: "Es gibt viel zu tun - packen wir's an!"

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Veröffentlicht am 10.01.2023

Unus pro omnibus, omnes pro uno - Das Trio Infernale bestehend aus Carl, Isi und Artur in einer sehr zerbrechlichen Zeit

Labyrinth der Freiheit
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Der Schriftsteller und Drehbuchautor Andreas Izquierdo entführt den geneigten Leser im aktuellen Roman "Labyrinth der Freiheit" in den Schmelztiegel Berlin jenseits der oft viel zitierten Goldenen Zwanziger ...

Der Schriftsteller und Drehbuchautor Andreas Izquierdo entführt den geneigten Leser im aktuellen Roman "Labyrinth der Freiheit" in den Schmelztiegel Berlin jenseits der oft viel zitierten Goldenen Zwanziger des vorigen Jahrhunderts.

Das Buch ist gleichzeitig Abschluss der "Wege der Zeit"-Trilogie mit den vorherigen Bänden "Schatten der Welt" und "Revolution der Träume". Mir war dieser Umstand vor dem Lesen nicht so bewusst und ich als diesen Schlussband dann standalone, ohne die vorherigen Bände zu kennen und kam durchweg gut zurecht.

Izquierdo fokussiert hier im Erzählstrang die frühen 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die (deutsche) Welt im Umbruch lag und bereits die dunklen Vorboten des sich dann anschließenden Dritten Reiches zeigten. Die atmosphärischen Eindrücke der verschiedenen Szenerien im Buch sind unheimlich gut getroffen. Auch in die Hauptprotagonisten sowie die anderen Handelnden konnte ich mich schnell und gut einfinden und mich mit ihnen identifizieren.

Der Schreibstil von Izquierdo holte mich als Newbie in der "Wege der Zeit"-Reihe aber auch sehr gut ab und lies mich in die Story komplett eintauchen.

Abseits des damaligen Glamours (für die ja quasi die Goldenen Zwanziger allseits bekannt sind) in der Berliner Metropole lässt der Autor dann bewusst den Blick auch auf die matte Seite der Medaille schweifen und thematisiert dann eben auch beispielsweise die heraufziehende Inflation und deren Auswirkungen wie die Verelendung oder auch die damals aufziehenden Schatten der sich danach anschließenden NS-Diktatur.

Auf jeder einzelnen Seite spürte ich persönlich das Herzblut, das in diesem sehr gelungenen Werk steckt. Bei mir lief auch sehr schnell das Kopfkino an und ich begleitete quasi dann das Trio Infernale bestehend aus Carl, Isi und Artur Seite an Seite auf ihrem nicht immer geradlinigen Weg durch das Chaos der damaligen Zeit.

Summa summarum ein toller und vor allem intensiver Roman, dessen Protagonisten ich sehr schnell ins Herz schloss. Mein allererstes Buch des Schriftstellers Andreas Izquierdo und ganz sicherlich nicht mein letztes!

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Veröffentlicht am 02.01.2023

Eine ergreifende Erinnerung an die Bergbautradition in der erzgebirgischen Region rund um das Schlematal

Die Sehnsucht nach Licht
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Kati Naumann erschafft in ihrem aktuellen sehr atmosphärischen Roman "Die Sehnsucht nach Licht" eine richtig tolle Mischung aus geschichtlichen Zeitzeugnissen vermischt mit der Geschichte einer fiktiven ...

Kati Naumann erschafft in ihrem aktuellen sehr atmosphärischen Roman "Die Sehnsucht nach Licht" eine richtig tolle Mischung aus geschichtlichen Zeitzeugnissen vermischt mit der Geschichte einer fiktiven Familie, die sich über Generationen hinweg dem Bergbau verschrieb.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist dabei geographisch das im Erzgebirge gelegene Schlematal und die fiktive Dynastie der Bergbaufamilie der Steiners.

Als Leser bekommt man sehr eindrücklich eine Idee über den Aufstieg und Fall des Bergbaus in der dortigen Region. In der Handlung selbst durchlebt man dabei alle Höhen und Tiefen mit.

Obwohl ich bis dato noch kaum richtig tiefe Berührungspunkte zum Bergbau hatte, schaffte es das Buch mich in kürzester Zeit dann an sich zu binden. Es dauerte für mich alleine durch die genauen Beschreibungen nicht lange, mich mit den Handelnden wie auch der eigentlichen Story zu identifizieren.

Das Kopfkino lief eigentlich bereits beim kurzen Prolog an und riss bis zum Buchende hin nie ab.

Man taucht ein in eine fast vergessene sehr harte Arbeitswelt unter Tage, in die des traditionsreichen Bergbaus, und bekommt on top noch viel rund um die fiktive Bergmanndynastie der Familie Steiner mit.

Bei jeder einzelnen Seite merkt man die Akribie der Recherche und die Passion der Autorin Kati Naumann solche längst vergangene Industriezweige dann wieder zum Leben zu erwecken. Mir gefiel diese Art Roman von alles Anfang sehr gut.

Der ausgeklügelte Spannungsbogen bewegt sich zwischen dem aktuellen Zeitgeschehen und der Vergangenheit. Ich persönlich fand vor allem die Details zur Historie des Bergbaus im Schlematal dann durchweg interessant und sehr spannend erzählt.

Der Roman wurde für mich deshalb sehr schnell zum echten Pageturner.

Mir gefielen die unzähligen Anknüpfungspunkte zur Realität, die dann unsere deutsche Geschichte greif- und erlebbar machen, auch wenn sie nicht immer ganz leichte Kost sind. Das Buch dient mir daher als Anknüpfungspunkt, um mich gerade in Sachen Bergbau dann noch weiter über das Buch hinaus zu informieren. Bis dato hatte ich dazu fast überhaupt noch kaum Berührungspunkte gehabt. Das Buch und die darin Handelnden haben mich dahingehend eines Besseren belehrt.

Gerade solche Bücher sind es, die mir lange im Gedächtnis bleiben werden und in mir weiter arbeiten werden.

Einfach ein riesengroßes DANKE für dieses tolle Werk und die damit einhergehende Unterhaltung.

Summa summarum erschafft hier Kati Naumann auf schlappen 416 Seiten ein unverrückbares Denkmal für alle Bergmänner im erzgebirgischen Schlematal, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens die tief verborgenen Bodenschätze unter Tage abgebaut und uns allen für unseren ganzen wirtschaftlichen Fortschritt ans Licht gefördert haben.

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