Profilbild von FroileinWonder

FroileinWonder

Lesejury Star
offline

FroileinWonder ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit FroileinWonder über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2020

Die Magie der kleinen Dinge macht diesen Roman absolut lesenswert!

Der geheime Garten
0

Beschreibung

Mary Lennox wurde in ein privilegiertes und einsames Leben in Indien hineingeboren, als ihre Eltern zu Tode kommen, wird das verzogene Kind auf das Anwesen Misselthwaite Manor zu ihrem nächsten ...

Beschreibung

Mary Lennox wurde in ein privilegiertes und einsames Leben in Indien hineingeboren, als ihre Eltern zu Tode kommen, wird das verzogene Kind auf das Anwesen Misselthwaite Manor zu ihrem nächsten Verwandten nach England geschickt. Mary bekommt ihren sonderbaren Onkel nicht zu sehen und ist auf sich alleine gestellt. Als das Waisenmädchen den Zugang zu einem verwilderten Garten findet, verbringt sie ihre Zeit zusammen mit dem Natur- und Tier-Verbundenen Dickon, dem Bruder des Hausmädchens. Gemeinsam mit ihrem kränklichen Cousin Colin lassen die Kinder den geheimen Garten zu neuem Leben erwachen, Mary blüht durch das ruhige Idyll, abgeschottet von der Erwachsenenwelt, immer mehr auf und Colin beginnt zu genesen.

Meine Meinung

Die britische Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett konnte mich bereits mit ihrem allbekannten Klassiker »Der kleine Lord« und ihrem einfühlsamen Erzählstil sowie den greifbaren wie auch authentisch gezeichneten Figuren für sich gewinnen. Ein weiteres und ebenso bekanntes Werk aus ihrer Feder ist »Der geheime Garten«, welches ich in zwei wundervoll ausgestatteten und illustrierten Ausgaben besitze und deshalb mein Leseprojekt, beide Bücher in die Hand zu nehmen, mich mit doppelter Freude belohnte.

Die Aufmachung der Werke aus dem Knesebeck Verlag mit Illustrationen von Robert Ingpen und dem Coppenrath Verlag mit Bildern und vielfältigen Extras des Designstudios MinaLima ist jede auf ihre Art unglaublich reizend. Die Bilder des australischen Grafikdesigners Robert Ingpen, welcher auch die Geschichten von »Alice im Wunderland«, »Peter Pan«, »Das Dschungelbuch«, »Pinocchio« uvm. illustrierte, erinnern an altmodische Gemälde und fügen sich perfekt in die zauberhafte Geschichte ein. Im Gegensatz dazu sind die Grafiken des Studios MinaLima moderner und in der Farbauswahl deutlich kräftiger, aber mindestens genauso wunderbar auf die Magie der Erzählung abgestimmt. Zusätzlich zu den Grafiken wird mit vielen Extras (wie z. B. Drehscheiben, Karten, Aufklapp-, Auszieh- und Anzieh-Bilder) für ein interaktives Leseerlebnis gesorgt.

Die beiden Bücher unterscheiden sich nicht nur im Design, sondern auch in der Übersetzung. Das Buch aus dem Knesebeck Verlag wurde von Gundula Müller-Wallraf übersetzt und hat mich gleich durch den altmodischen Stil in die Epoche, aus der der Roman stammt, zurückversetzt. Schmunzeln musste ich vor allen Dingen bei der Wiedergabe des Yorkshire Dialekts in der deutschen Sprache, insbesondere dann, wenn Mary und Colin sich daran versuchen den Dialekt der Landleute zu imitieren. Die Coppenrath-Ausgabe ist in der Übersetzung von Michael Stehle in einer deutlich moderneren Sprache gehalten. Beides lässt sich sehr gut lesen, wobei mir der Charme der antquierten Müller-Wallraf Umsetzung ein kleines bisschen besser gefallen hat.

Frances Hodgson Burnett erzählt in ihrem Kinderbuch »Der geheime Garten« eine fesselnde Geschichte, die auch Erwachsene mit ihrer Magie verzaubert.

Die Romanheldin Mary Lennox ist ein ganz und gar trotzköpfiges, störrisches und verzogenes Mädchen. Diese Wesenzüge rühren von ihrer einsamen Kindheit in der ihr wenig Liebe zuteil wurde und die auch von der Macht über die Bediensteten in Indien gezeichnet ist. Das arrogante und zu keiner Empathie fähige Mädchen sorgt mit ihrer herablassenden Art und Weise dafür, dass sie zunächst bei den Leser*innen keine Symphatiepunkte sammeln kann.

Auf dem Anwesen ihres Onkels in Yorkshire beginnt sich etwas in Marys Leben zu ändern und es bereitet unheimliche viel Freude die Veränderungen ihres Charakters zu verfolgen. Ihr Cousin Colin zeichnet sich durch ähnliche Charaktereigenschaften wie Mary aus, und zusammen ergeben sie ein dynamisches Gespann, dass sich unter dem Zauber der Natur und Freundschaft zum Guten hin entwickelt.

»Der Geheime Garten« ist das perfekte Buch für den Frühling, Blumen- und Naturliebhaber und eignet sich für Groß und Klein (natürlich auch zum Vorlesen). Mit den bezaubernden Schmuckausgaben aus dem Hause Knesebeck und Coppenrath hat man auch gleich das perfekte Geschenk zum Schmökern parat.

Fazit

Ein zeitloser Klassiker, der mit einer wunderschönen Sprache und einer erwärmenden Geschichte den Frühling erwachen lässt. Die Magie der kleinen Dinge macht diesen Roman absolut lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2020

Die Magie der kleinen Dinge macht diesen Roman absolut lesenswert!

Der geheime Garten
0

Beschreibung

Mary Lennox wurde in ein privilegiertes und einsames Leben in Indien hineingeboren, als ihre Eltern zu Tode kommen, wird das verzogene Kind auf das Anwesen Misselthwaite Manor zu ihrem nächsten ...

Beschreibung

Mary Lennox wurde in ein privilegiertes und einsames Leben in Indien hineingeboren, als ihre Eltern zu Tode kommen, wird das verzogene Kind auf das Anwesen Misselthwaite Manor zu ihrem nächsten Verwandten nach England geschickt. Mary bekommt ihren sonderbaren Onkel nicht zu sehen und ist auf sich alleine gestellt. Als das Waisenmädchen den Zugang zu einem verwilderten Garten findet, verbringt sie ihre Zeit zusammen mit dem Natur- und Tier-Verbundenen Dickon, dem Bruder des Hausmädchens. Gemeinsam mit ihrem kränklichen Cousin Colin lassen die Kinder den geheimen Garten zu neuem Leben erwachen, Mary blüht durch das ruhige Idyll, abgeschottet von der Erwachsenenwelt, immer mehr auf und Colin beginnt zu genesen.

Meine Meinung

Die britische Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett konnte mich bereits mit ihrem allbekannten Klassiker »Der kleine Lord« und ihrem einfühlsamen Erzählstil sowie den greifbaren wie auch authentisch gezeichneten Figuren für sich gewinnen. Ein weiteres und ebenso bekanntes Werk aus ihrer Feder ist »Der geheime Garten«, welches ich in zwei wundervoll ausgestatteten und illustrierten Ausgaben besitze und deshalb mein Leseprojekt, beide Bücher in die Hand zu nehmen, mich mit doppelter Freude belohnte.

Die Aufmachung der Werke aus dem Knesebeck Verlag mit Illustrationen von Robert Ingpen und dem Coppenrath Verlag mit Bildern und vielfältigen Extras des Designstudios MinaLima ist jede auf ihre Art unglaublich reizend. Die Bilder des australischen Grafikdesigners Robert Ingpen, welcher auch die Geschichten von »Alice im Wunderland«, »Peter Pan«, »Das Dschungelbuch«, »Pinocchio« uvm. illustrierte, erinnern an altmodische Gemälde und fügen sich perfekt in die zauberhafte Geschichte ein. Im Gegensatz dazu sind die Grafiken des Studios MinaLima moderner und in der Farbauswahl deutlich kräftiger, aber mindestens genauso wunderbar auf die Magie der Erzählung abgestimmt. Zusätzlich zu den Grafiken wird mit vielen Extras (wie z. B. Drehscheiben, Karten, Aufklapp-, Auszieh- und Anzieh-Bilder) für ein interaktives Leseerlebnis gesorgt.

Die beiden Bücher unterscheiden sich nicht nur im Design, sondern auch in der Übersetzung. Das Buch aus dem Knesebeck Verlag wurde von Gundula Müller-Wallraf übersetzt und hat mich gleich durch den altmodischen Stil in die Epoche, aus der der Roman stammt, zurückversetzt. Schmunzeln musste ich vor allen Dingen bei der Wiedergabe des Yorkshire Dialekts in der deutschen Sprache, insbesondere dann, wenn Mary und Colin sich daran versuchen den Dialekt der Landleute zu imitieren. Die Coppenrath-Ausgabe ist in der Übersetzung von Michael Stehle in einer deutlich moderneren Sprache gehalten. Beides lässt sich sehr gut lesen, wobei mir der Charme der antquierten Müller-Wallraf Umsetzung ein kleines bisschen besser gefallen hat.

Frances Hodgson Burnett erzählt in ihrem Kinderbuch »Der geheime Garten« eine fesselnde Geschichte, die auch Erwachsene mit ihrer Magie verzaubert.

Die Romanheldin Mary Lennox ist ein ganz und gar trotzköpfiges, störrisches und verzogenes Mädchen. Diese Wesenzüge rühren von ihrer einsamen Kindheit in der ihr wenig Liebe zuteil wurde und die auch von der Macht über die Bediensteten in Indien gezeichnet ist. Das arrogante und zu keiner Empathie fähige Mädchen sorgt mit ihrer herablassenden Art und Weise dafür, dass sie zunächst bei den Leser*innen keine Symphatiepunkte sammeln kann.

Auf dem Anwesen ihres Onkels in Yorkshire beginnt sich etwas in Marys Leben zu ändern und es bereitet unheimliche viel Freude die Veränderungen ihres Charakters zu verfolgen. Ihr Cousin Colin zeichnet sich durch ähnliche Charaktereigenschaften wie Mary aus, und zusammen ergeben sie ein dynamisches Gespann, dass sich unter dem Zauber der Natur und Freundschaft zum Guten hin entwickelt.

»Der Geheime Garten« ist das perfekte Buch für den Frühling, Blumen- und Naturliebhaber und eignet sich für Groß und Klein (natürlich auch zum Vorlesen). Mit den bezaubernden Schmuckausgaben aus dem Hause Knesebeck und Coppenrath hat man auch gleich das perfekte Geschenk zum Schmökern parat.

Fazit

Ein zeitloser Klassiker, der mit einer wunderschönen Sprache und einer erwärmenden Geschichte den Frühling erwachen lässt. Die Magie der kleinen Dinge macht diesen Roman absolut lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2020

Folge nicht dem Kaninchen, wenn du schwache Nerven hast!

Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
0

Beschreibung

Mit sechzehn Jahren ist Alice Gast einer Teegesellschaft, doch über die Ereignisse die sie von dieser Party in eine psychiatrische Anstalt gebracht haben weiß Alice nichts mehr. Jede Nacht ...

Beschreibung

Mit sechzehn Jahren ist Alice Gast einer Teegesellschaft, doch über die Ereignisse die sie von dieser Party in eine psychiatrische Anstalt gebracht haben weiß Alice nichts mehr. Jede Nacht wird sie von Alpträumen geplagt, die von einem Mann mit Kaninchenohren und verwirrende Bilder besimmt werden. Als sich Alice mit ihrem Zellennachbarn, dem verrückten Axtmörder Hatcher, anfreundet und ein Feuer in ihrem Gefängnis ausbricht, fliehen sie gemeinsam in die Alte Stadt. Das Feuer entfesselt einen alten Feind Hatchers, den Jabberwock, und nur Alice und Hatcher haben die Macht, dieses monströse Ungeheuer zu besiegen.

Meine Meinung

Die amerikanische Schriftstellerin Christina Henry liefert mit ihrem Fantasy-Roman »Finsternis im Wunderland« eine wahrhaft düstere Adaption des beliebten Kinderbuchklassikers »Alice im Wunderland« von Lewis Carroll ab.

Folge nicht dem Kaninchen…

…wenn du dich zu den Kindern, Jugendlichen und zart besaiteten Seelen zählst. Denn Christina Henrys Geschichte enthält brutale Gewaltszenen, beschäftigt sich mit Menschenhandel, Versklavung, Kannibalismus und auch sexuelle Gewalttaten und Missbrauch kommen in diesem Horror-Wunderland nicht zu kurz. Aus diesem Grund gehört in das Buch auf jeden Fall eine Triggerwarnung!

Christina Henrys Erzählung hat zwar nicht mehr viel mit meiner heißt-geliebten Original-Story von Lewis Carroll zu tun, fängt aber dennoch genau die Eigenschaften ein, die ich an der illusorisch-skurrilen Geschichte vom Wunderland so sehr schätze. Die Charaktere sind durch ihre verrückten Eigenschaften herrlich unvorhersehbar und in ihrer absonderlichen Welt voller Nonsen ist einfach alles möglich. Das ganze wird durch eine düstere Horror-Note mit Brutalität und Gewalt zu einer fesselnden Geschichte verstrickt.

Zu meiner großen Verzückung begegnet man im finstern Wunderland nicht nur Alice, sondern auch vielen weiteren Charakteren, die auf die Figuren des Klassikers basieren. Es macht große Freude die Verbindungen zu den Original-Figuren zu entschlüsseln und die böse Seite von Christina Henrys Äquivalenten (wie z. B. Hatcher, Grinser, Walroß, Raupe, Kaninchen, Dor uvm.) kennzulernen, wobei man sich nie sicher sein kann, ob man nun einer wahrhaftig Bösen oder doch Guten Persönlichkeit gegenübersteht.

Die Dynamik zwischen den Hauptakteuren Alice und Hatcher ist der Autorin famos gelungen und ich muss sagen, dass ich Hatcher am interessantesten und seine Entwicklung auch mit am spannendsten fand. Aus seinem Erinnerungsverlust gepaart mit seiner Mordlust und der Leichtigkeit, wie er seine Axt zu schwingen vermag, resultiert zusammen mit seiner einfühlsamen und beschützenden Art gegenüber Alice eine absolut wahnwitzige Gestalt, der ich mich nicht entziehen konnte.

Diese abenteuerliche Geschichte mit ihrem kuriosen Darstellern und dem harten wie auch grausamen Herzschlag, der durch das ganze Buch pulsiert, hat mich beeindruckt und mit ihrer starken Sogkraft in den Bann gezogen. Eine absolute Empfehlung an alle Leser*innen, die gerne düstere und abgedrehte Fantasy lesen und sich nicht vom Horror der (sexuellen) Gewalt abschrecken lassen.

Fazit

Eine überwältigende und unheilvolle Märchenadaption, die mich nicht mehr losgeslassen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2020

Ein Debüt mit Schwächen und Potenzial nach oben

Der Hof der Wunder
0

Beschreibung

Paris 1823. Die Französische Revolution ist fehlgeschlagen, die Monarchie teilen sich die politischen Geschäfte der Stadt mit neun Gilden, die die kriminellen Vorgänge der Unterwelt regieren. ...

Beschreibung

Paris 1823. Die Französische Revolution ist fehlgeschlagen, die Monarchie teilen sich die politischen Geschäfte der Stadt mit neun Gilden, die die kriminellen Vorgänge der Unterwelt regieren. Als Azelma von ihrem Vater an Kaplan, den Obersten der »Gilde des Fleisches«, verkauft wird, schließt sich ihre jüngere Schwester Nina der Diebesgilde an. Auch ohne die Unterstützung der anderen Gilden macht es sich Nina zu ihrem Ziel, ihre Schwester aus den Fängen des Tigers zu befreien. Als Mittel zum Zweck spannt sie die junge und bildhübsche Waise Ettie ein, doch ihr Gewissen und die Hungersnot, die eine neue Revolution entfacht, fördern neue Bündnisse zutage…

Meine Meinung

Kester Grant legt mit ihrem historischen Fantasy-Roman »Der Hof der Wunder« ihr literarisches Debüt vor. Sie entführt ihre Leserinnen in die Hauptstadt Frankreichs und zeigt ein alternatives Szenario auf, wie die Geschichte hätte verlaufen können, wenn die Französische Revolution gescheitert wäre.

Kester Grant ist es fabelhaft gelungen mit einem düsteren Setting ein authentisches Bild der überwiegend armen Gesellschaft Frankreichs zu zeigen, und schonungslos den harten Alltag der Bevölkerung zu schildern. Die Herrschaft über die Unterwelt von Paris teilen sich neun Gilden, die sich regelmäßig im Hof der Wunder versammeln.

Während die Mitglieder der Monarchie sorgenfrei in ihrem Palast residieren verändert sich das Leben der jungen Nina schlagartig als ihre ältere Schwester Azelma von ihrem Vater an Kaplan, den Obersten der »Gilde des Fleisches«, verkauft wird, wo ein schreckliches Leben der hemmungslosen Ausbeutung und Prostitution auf sie warten. Nina bleibt nichts anders übrig, als sich der Diebesgilde anzuschließen und tief in die dunkle Welt Paris einzutauchen.

Mir hat die »dreckige« Seite mit all den düsteren Gilden den unheimlichen Obersten und den harten Straßenkämpfen gut gefallen. Grant gelingt es zudem mit ihrem Schreibstil die Szenen äußerst lebendig vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. Allerdings wäre ein Warnhinweis für alle Leser
innen die Probleme mit sexueller Gewalt haben, durchaus angebracht gewesen. Einen Überblick über die einzelnen Gilden zu erhalten gestaltet sich zu Beginn etwas mühsam, sicherlich hätte eine Übersicht zu den neun Gilden und den wichtigsten Protagonisten (welche es z. B. auf der Verlagsseite gibt) dabei geholfen, sich in der Welt etwas leichter zu Recht zu finden.

Die Autorin legt ein großes Augenmerk auf die Formung ihrer Romanheldin Nina, die zu einer kämpferischen und tapferen jungen Frau heranwächst, die sich von nichts so leicht unterbekommen lässt. Allerdings geraten neben dieser polarisierenden Protagonistin die Nebendarsteller sehr fade und unscheinbar. Außerdem hat sich mir nicht so recht erschlossen, warum gleich jeder junge Mann auf Nina stehen muss? Diese Tatsache empfand ich zu unrealistisch dargestellt.

Viel lieber hätte ich es gesehen, wenn die Autorin etwas mehr Zeit auf die ausführlichere Beschaffung der Nebenrollen verwendet hätte. Das Debüt von Kester Grant weist zwar einige Schwächen, aber dennoch steckte etwas in ihrer Geschichte, dass mich nicht mehr losließ.

Meine Erwartungen an »Der Hof der Wunder« waren sehr hoch, da die Autorin Motive aus Victor Hugos »Les Misérables« und Rudyard Kiplings »Das Dschungelbuch« miteinander vereint. Der Bezug zu den weltberühmten Klassikern ist eindeutig erkennbar, sei es anhand der Gilden oder anhand der Namen der Protagonisten. Auch die Grundkonstruktion von Kester Grants düsterem Paris des 19. Jahrhunderts hat mir ausnehmend gut gefallen, allerdings fehlte es etwas an Fantasy-Elementen und auch die Skizzierung der Protagonisten hätte etwas mehr Tiefgang gut gestanden. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, ob die Autorin es im Folgeband schaffen wird die Defizite verschwinden zu lassen.

Fazit

Ein vielversprechendes Debüt, das sein Potenzial nicht ganz ausschöpft aber meine Neugier geweckt hat!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2020

Eine einnehmende Mischung aus Science-Fiction und Coming-of-Age!

Daidalos 1
0

Mit »Daidalos« wage ich den ersten Schritt in die kunstvolle Welt des amerikanischen Comic-Talentes Charles Burns, in der er in gewisser Weise eine autobiografische Geschichte niederschreibt.

Die klaren ...

Mit »Daidalos« wage ich den ersten Schritt in die kunstvolle Welt des amerikanischen Comic-Talentes Charles Burns, in der er in gewisser Weise eine autobiografische Geschichte niederschreibt.

Die klaren Bilder des Künstlers bestechen durch eine geradlinige Strichführung und durch die Verwendung kräftiger Farben erzeugt Burns eine besonders starke und emotionsgeladene Sogkraft.

Im Mittelpunkt des ersten Bandes steht die Betrachtung einer Szene, die das Kennenlernen und Betrachten der einzelnen Charaktere ermöglicht und dabei die Gefühls- und Körperbetonte Zeit des Heranwachsens mit Aliens und Splatter-Horror zu einer grotesken Geschichte verschwimmen lässt. Brian Milner, der Held des Comics, verfügt über eine introvertierte Persönlichkeit, und so zieht er sich auf einer Party lieber zurück, um sich seinen Zeichnungen und seiner Selbstbetrachtung zu widmen. Dort begegnet er der überaus attraktiven Laurie, die die Hauptrolle im nächsten Tennage-Horror-Filmprojekt von sich und seinen Freunden übernehmen wird.

Die Anziehungskraft der überbordenden Gefühle wird hier in kuriose und farbenprächtige Bilder gekleidet, in der Brian Milners Fantasie, Träume und die Realität geradezu nahtlos ineinander übergehen. Dabei spielt seine Selbstwahrnehmung eine große Rolle und diese schickt uns mit außerirdisch anmutenden Zeichnungen in eine karge Wüste, die auch von seiner Vorliebe für Horror-Filme wie Don Siegels »Invasion of the Body Snatchers« aus dem Jahre 1956 geprägt ist.

Bei dem Titelgebenden Helden »Daidalos« handelt es sich um den berühmten Erfinder und Künstler aus der griechischen Mythologie, der für den Entwurf und das Bauwerk des Labyrinths für den Minotaurus verantwortlich war und schließlich vom kretischen König Minos mit seinem Sohn Ikarus selbst in das Labyrinth eingesperrt wurde. Charles Burns hat es wohl darauf angelegt Parallelen zu dem antiken Künstler zu ziehen, es bleibt allerdings noch spannend, inwieweit diese im nächsten Band noch weitergeführt werden.

Fazit

Das Lesen dieser Geschichte fühlt sich an, als wäre man mitten in ein Kaleidoskop geraten. Eine einnehmende Mischung aus Science-Fiction und Coming-of-Age!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere