Modern Family!
OzeanträumeDas Wohl ihrer Kinder kommt für Robyn stets an erster Stelle, dafür hat sie in der Vergangenheit alles Erdenkliche getan, sogar das unentschuldbare Fehlverhalten ihres mittlerweile Ex-Gatten abgemildert. ...
Das Wohl ihrer Kinder kommt für Robyn stets an erster Stelle, dafür hat sie in der Vergangenheit alles Erdenkliche getan, sogar das unentschuldbare Fehlverhalten ihres mittlerweile Ex-Gatten abgemildert. Oft bekam sie dadurch familienintern die Rolle als 'die Böse/Schuldige/Spaßbremse' verpasst, doch selbst das nahm sie gelassen hin - Hauptsache, ihren beiden Kindern geht es gut. Angesichts des Verhaltens, mit dem ihr diese übergroße Liebe gedankt wird, blutete mein Mama-Herz für die gutmütige Robyn. Am liebsten hätte ich sie persönlich - und wesentlich früher - nach Santa Barbara geschleift, nur weg aus diesem deprimierenden Alltag.
Wobei 'deprimierend' vielleicht nicht die ideale Wortwahl ist - immerhin ist niemand schwer krank, und das ist meines Erachtens das Wichtigste im Leben: Gesundheit. (Überhaupt fand ich es sehr erfrischend, mal nichts von schlimmen Krankheiten lesen zu müssen, DAS wäre wirklich deprimierend gewesen.)
Wo also drückt der Schuh? Da gäbe es …
… ein schickes Haus, das zu groß/zu teuer geworden ist und verkauft werden muss …
… ein verwöhntes, dezent weltfremdes Töchterlein, das beleidigt ist, weil sie a) das Elternhaus behalten will, nicht zuletzt weil b) ihre Hochzeit dort im Garten stattfinden soll …
… einen eigentlich sehr strukturierten Sohn, der plötzlich alle beruflichen Zukunftspläne über den Haufen wirft - und vorübergehend ausziehen möchte …
… einen Lover, der sich selbst zu wichtig nimmt (- hallo, ma(n)n ist schließlich Herzchirurg -) und Robyn allen Ernstes unterstellt, es auf sein Geld abgesehen zu haben …
… eine Freundin, die sich unnötig das Leben schwer macht und Robyns Ratschläge ignoriert …
… einen Hallodri von Ex-Mann in den 50ern, dessen aktuelle Liebelei mit einer deutlich jüngeren Frau (im Alter seiner Tochter) nicht ohne Folgen bleibt … (Ach, und es ist nicht irgendeine beliebige Frau!) …
Ihr seht, da ist einiges los - und ja, es sind zwar lästige Ärgernisse, aber eben doch nichts zuuuuu Dramatisches. Luxus-Probleme eben. Nichts, was einen beim Lesen komplett runterziehen würde - gefällt mir!
Zum Glück hat die Autorin ihre weibliche Hauptfigur nicht nur mit Liebenswürdigkeit, sondern auch mit einer gesunden Dosis Realitätssinn und Selbstbewusstsein ausgestattet, sodass Robyn erkennt: Genug ist genug.
Dumm nur, dass ihr Zufluchtsort (wo ihre knuddelige Großtante Lillian sie willkommen heißt und wieder neue Lebenslust in ihr entfacht) bald ziemlich überlaufen ist … denn sämtliche Menschen merken: Ohne Robyn geht es nicht. Hilfe! Für einen neuen Mann in ihrem Leben bleibt da gar keine Zeit - oder?!
Auch wenn Romantik und Leidenschaft für mich auf der Strecke blieben: Ich habe diesen luftig-leichten, aus zwei Perspektiven erzählten Sommer-Read durchaus genossen. (Wessen die zweite Perspektive ist, wollt ihr wissen? Lest selbst!)
Glaubwürdige Dialoge, eine Prise Humor und insbesondere die tiefgründig ausgearbeitete, herausfordernde Dynamik zwischen Mutter und Kindern hat mir sehr gefallen.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine Forced-Proximity-Romance der etwas anderen Art … ideal geeignet für Fans von modernen, unterhaltsamen Frauen- und Familienromanen.