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Veröffentlicht am 01.04.2019

Lügen, Lügen, Lügen

Das bretonische Haus der Lügen
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Mia Löws Werk hält, was der Titel verspricht: dieser fesselnde Roman strotzt nur so vor Lügen und Verrat, Manipulation und brisanten Geheimnissen. Vorab: es ist keine Wohlfühl-Lektüre, wie man anhand des ...

Mia Löws Werk hält, was der Titel verspricht: dieser fesselnde Roman strotzt nur so vor Lügen und Verrat, Manipulation und brisanten Geheimnissen. Vorab: es ist keine Wohlfühl-Lektüre, wie man anhand des lieblichen Covers vermuten könnte, sondern eine spannungsgeladene Familiengeschichte, in der man mit den Charakteren wunderbar mitfiebern und gewisse Figuren nach Herzenslust verachten kann.

Anlässlich des 60. Geburtstags ihrer Adoptivmutter Eva kehrt die junge Ärztin Adrienne nach Jahren der Funkstille in das bretonische Ferienhaus der Familie zurück. Noch immer traumatisiert von ihren Auslandseinsätzen im Team von Ärzte ohne Grenzen, erhofft sich Adrienne ein paar entspannte Tage voller unbeschwerter Sommermomente und vor allem eine Rückkehr zur Normalität, denn aufgrund ihrer posttraumatischen Belastungsstörung kann sie kaum mehr Gefühle für irgendetwas oder irgendwen empfinden. Auch Jannis - ihr Adoptivbruder und Evas leiblicher Sohn - wird dort sein…mit seiner Frau. Einst hatte sich eine zarte Annäherung zwischen Adrienne und Jannis entwickelt, eine unschuldige Romanze – die von Eva strikt unterbunden wurde, als sie Adrienne daraufhin kurzerhand aus dem Haus warf. Nach dem desaströsen Zerwürfnis verweigerte Adrienne zutiefst gekränkt jahrelang jeden Kontakt zu ihrer Familie, denn ihre Mutter hatte ihr damals hasserfüllt noch eine unfassbar verstörende Information mit auf den Weg gegeben:

<< "Du bist nicht besser als deine Mutter!", hatte sie gebrüllt, bevor sie ihr mit äußerster Brutalität die Wahrheit an den Kopf geworfen hatte. "Deine Eltern waren Terroristen! Und sie sind erschossen worden!">>

Schon kurz nach ihrer Ankunft im idyllischen Fischerörtchen Ploumanac’h an der Côte de Granit Rose bemerkt Adrienne, dass Dynamik in der Familie sich geändert hat: zwar herrscht Eva noch immer wie eine Marionettenspielerin über Ehemann und Sohn, doch ihre makellose Fassade hat begonnen, zu bröckeln und an Glanz zu verlieren. Und kurz darauf folgt eine schockierende Enthüllung nach der anderen…

Ich habe dieses Buch verschlungen und konnte es nicht abwarten, endlich die Hintergründe des Lügenkonstrukts zu entwirren. Sehr angenehm fand ich, dass es die ganze Zeit über neue Aha-Erlebnisse gab und sich weder alles auf eine einzige große Auflösung am Ende reduzierte, noch Fragen offengeblieben sind. Die Geschichte ist unterteilt in einen Prolog und zwei größere Leseabschnitte, die aus mehreren Kapiteln bestehen; dank des angenehmen Schreibstils liest sich alles sehr leicht.

Das Highlight des Werkes sind für mich die unsagbar authentischen Dialoge und die Intensität, mit der die Autorin ihre Figuren ausgearbeitet hat. Vor allem Eva ist beängstigend realistisch beschrieben und polarisiert in ihrer Rolle enorm. Auch die anderen Charaktere sind sehr tiefgründig und facettenreich. Trotz all der Dramatik wurden auch positive Momente eingeflochten in die Handlung, doch die düstere Wolke, die über allem schwebte, war stets präsent. Die Landschaftsbeschreibungen sind irgendwie im gesamten Chaos untergegangen bzw. verblassten angesichts der persönlichen Dramen zu sehr.

Fazit: Sehr spannend! Kein romantischer Frauenroman, sondern ein Familiendrama.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Dramatisch, spannend, emotional – ein wundervoller historischer Roman

Das Seehospital
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Dieses war mein erstes Buch von Helga Glaesener – und es hat mich restlos begeistert!

Es ist das Jahr 1920 und die junge Medizinstudentin Frida kehrt anlässlich der Beerdigung ihres Großvaters in ihre ...

Dieses war mein erstes Buch von Helga Glaesener – und es hat mich restlos begeistert!

Es ist das Jahr 1920 und die junge Medizinstudentin Frida kehrt anlässlich der Beerdigung ihres Großvaters in ihre Heimat zurück. Auf Amrum ticken die Uhren noch anders, vor allem im Kirschbaum’schen Elternhaus, das von außen wie eine mondäne Villa anmutet, innen jedoch mit Gefühlskälte durchzogen ist und einem Eispalast gleicht. Umso mehr freuen sich Fridas jüngere Geschwister über deren Ankunft, denn bei Mutter Rosa und (Stief-)Vater Rudolf gibt es wenig zu lachen – stets dreht sich alles nur um Finanzen und darum, die Töchter möglichst vorteilhaft zu verheiraten. Zu Fridas Entsetzen will die Familie das vom Großpapa gestiftete Seehospital schließen und in ein exklusives Kurhotel umwandeln – ein indirektes Todesurteil für die erkrankten Waisenkinder, denen auf dem Festland kaum Unterstützung winkt. Noch ahnt Frida (für die es nicht infrage kommt, die kleinen Patienten jetzt im Stich zu lassen) nicht, welche Auswirkungen ihr Handeln haben wird…

Bezüglich des Inhalts möchte ich ergänzen, dass dies kein reiner Krankenhaus-Roman ist, der sich ausschließlich in den Räumlichkeiten einer Pflegeanstalt abspielt. Dennoch hat das Seehospital, wo lungenkranke Waisenkinder betreut werden, eine tragende Rolle und der Kampf um dessen Erhalt wird ebenso in die Handlung eingebunden wie die Lebensumstände derer, die es verwalten: Familie Kirschbaum.

Von der ersten Seite an hat mich der fesselnde, angenehme Schreibstil derart in den Bann gezogen, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Die intensiven, bildhaften Beschreibungen ließen mich komplett eintauchen in die Handlung und weckten in mir die Sehnsucht, selbst einmal wieder ans Meer zu reisen. Man spürt förmlich das Salz auf den Lippen, den Wind in den Haaren, den Sand unter den Füßen und hört das Kreischen der Möwen. Doch auch der Esprit der norddeutschen Metropole Hamburg wird gekonnt eingefangen und beleuchtet das damalige Leben in der Großstadt - mit all seinen Facetten. Der Krieg mag zwar vorbei sein, doch es herrscht bittere Armut und Hunger. Gegen das beschauliche, idyllische Amrum, wo die Menschen einander kennen und seit jeher zusammenhalten wirkt Hamburg wie ein Mosaik bunt durcheinandergewürfelter Schicksale – jeder kämpft für sich. Allerdings gibt es auch Menschen, die sich der Wohlfahrt verschrieben haben und Erfüllung darin finden, den Kriegsinvaliden und Prostituierten, die abseits der elitären Viertel ein Schattendasein fristen, zu helfen. Eine dieser beeindruckenden Persönlichkeiten ist Jenny Hopf.

Alle Figuren, sowohl Hauptfiguren wie auch Nebenakteure, sind herausragend ausgearbeitet worden und wirken in ihrem Wesen ungemein tiefgründig und überaus vielseitig. Die authentischen Dialoge tragen ihren Teil dazu bei. Frida, die älteste der Kirschbaum-Schwestern, ist jemand, mit dem ich zu gerne befreundet wäre und die mir von allen Charakteren am vertrautesten geworden ist. Sie hat das Herz am rechten Fleck und ich kann ihre Gedankengänge, ihre Emotionen zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen. Frida erkennt ganz genau, was um sie herum passiert, lässt sich weder einschüchtern noch einlullen und steht für ihre Wünsche und Ideale ein – selbst wenn das bedeutet, sich gegen gewisse Mitglieder ihrer Familie stellen zu müssen. Auch Louise und Emily, die zwei jüngeren Mädchen der Familie, habe ich – jede auf ihre eigene Art und Weise – ins Herz schließen können. Nicht alle ihrer Handlungen konnte ich gutheißen, allerdings fiel es mir leicht, mich in ihre Situation hineinzuversetzen – jeder Mensch reagiert individuell auf (unerwünschte) Neuerungen im Leben. Christian war mir mit Abstand der verhassteste Charakter. Jetzt fragt man sich vielleicht: was kann an einem pubertären Jungen denn so furchtbar sein? Nun, an seinem Beispiel zeigt die Autorin, dass man bei Menschen keine Kategorisierung in "nur gut" oder "nur böse" vornehmen kann. Trotzdem war mir selten eine Figur (die hier glücklicherweise nur eine Nebenrolle spielt und den Gesamteindruck keineswegs trübt, sondern lediglich die Handlung vorantreibt) so zuwider.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, die jeweils in eigene Kapitel unterteilt sind und dem Werk somit eine stimmige Struktur geben. Zudem wird die Spannung kontinuierlich erhöht und man muss einfach immer weiterlesen, so mitreißend ist die Entwicklung der Geschichte. Es gibt keine großen Zeitsprünge oder sonstige Ungereimtheiten, dafür eine Vielzahl zusätzlicher Einblicke und mehr als nur eine unerwartete Wendung. Auch wenn hier und da ein düsteres Thema angesprochen wird, überwiegt ein positiver Eindruck.

Fazit: Dieses Werk hat alles, was ich mir von einem historischen Roman wünsche: eine interessante Familiengeschichte voller Geheimnisse, wunderschöne Landschaftsbeschreibungen, eine starke Frau als Hauptfigur, Zeitgeist und Lokalkolorit und jede Menge Gefühl.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Inspirierende Erfolgsstory für alle, die 'mehr' wollen

Ein Koffer voller Wollen
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Auf sehr anschauliche Weise gewährt uns Nelly Kostadinova in diesem Sachbuch einen Einblick in ihre persönliche Erfolgsstory. Ihr ist das gelungen, wovon viele Menschen nur träumen können: sie lebt ihren ...

Auf sehr anschauliche Weise gewährt uns Nelly Kostadinova in diesem Sachbuch einen Einblick in ihre persönliche Erfolgsstory. Ihr ist das gelungen, wovon viele Menschen nur träumen können: sie lebt ihren Traum von der beruflichen Selbständigkeit und setzt sich regelmäßig neue Ziele, nimmt neue Herausforderungen in Angriff. Stillstand kommt für sie nicht infrage.

Obwohl sie in ihrer Heimat Bulgarien bereits eine etablierte Größe im Journalismus war, beschloss Nelly nach der Wende im Jahr 1989 einen Neuanfang in Deutschland zu wagen – ohne überhaupt der deutschen Sprache mächtig zu sein und mit nur 50,- DM in der Tasche. Mit Witz, Charme und jeder Menge Mut und Eigeninitiative stellt sie – oftmals intuitiv – die richtigen Weichen und arbeitet kontinuierlich am Aufbau ihres eigenen Unternehmens. Heute ist ihre Übersetzungsfirma "Lingua World" weltweit eine feste Größe, erwirtschaftet Millionenbeträge und erfreut sich stetigen Wachstums.

"Ein Koffer voller Wollen" ist nicht einfach 'nur' ein Business-Ratgeber über die Dos und Don’ts der Geschäftswelt (obwohl durchaus sehr aufschlussreiche Informationen über internationale Konventionen - von Visitenkarten bis hin zum Dress Code -, Marketingstrategien, etc. enthalten sind), sondern liest sich aufgrund der schelmischen Anekdoten der Autorin zeitweise auch wie ein Roman, in dem es für die Superheldin scheinbar keine Limits gibt. Über Nellys Tatendrang habe ich nur staunen können. Ihre Geschichte beweist, dass man zum Erfolg mehr braucht als einfach 'nur' Glück, die richtige Idee zur richtigen Zeit zu haben: vor allem muss man den Hintern hochkriegen, wollen, fordern, träumen, wagen. "Mut" heißt das Zauberwort – und den hat Frau Kostadinova im Überfluss.

Alle Kapitel sind mit originellen (Unter-)Überschriften versehen und geben bereits vorab einen Einblick in das fröhliche, lebensbejahende Wesen der Autorin. Die quirlige Nelly muss man einfach mögen und bewundern! Gerne hätte ich noch mehr über ihren privaten Hintergrund erfahren, z.B. wie sich ihre positive (!) Workaholic-Einstellung mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Hinsichtlich des Schreibstils hat mich die gelungene Balance zwischen sachlicher Informationspräsentation und herzlicher Erzählweise sehr beeindruckt; somit war auch Raum für feine Zwischentöne und Gedankenanstöße, die noch lange nach dem Lesen nachwirken.

Für alle Leser/innen, die an zusätzlicher Literatur zu den geschilderten Ideen und Konzepten interessiert sind, gibt es ein großzügiges Literatur- und Quellenverzeichnis.

Fazit: Von nix kommt nix – man braucht tatsächlich seinen eigenen "Koffer voller Wollen", wenn man erfolgreich sein möchte. Und dieses Sachbuch ist die perfekte Inspiration!

Veröffentlicht am 24.03.2019

Lesegenuss pur!

Das Haus hinter den Magnolienblüten
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Dieser wundervolle Roman der amerikanischen Bestsellerautorin Pam Hillman nimmt uns mit auf eine Reise in die amerikanischen Südstaaten des 18. Jahrhunderts. Zwar wird das Werk, das im Brunnen Verlag erschienen ...

Dieser wundervolle Roman der amerikanischen Bestsellerautorin Pam Hillman nimmt uns mit auf eine Reise in die amerikanischen Südstaaten des 18. Jahrhunderts. Zwar wird das Werk, das im Brunnen Verlag erschienen ist, als christlicher Roman eingestuft, doch die Referenzen nehmen nicht Überhand - keine seitenlangen Bibeltexte, sondern vielmehr kleine Details oder persönliche Gedanken und Wünsche, die die Figuren an Gott richten.

Die Autorin, einst selbst im ländlichen Mississippi aufgewachsen, versteht es nicht nur gekonnt, den auf der Breeze Hill-Plantage vorherrschenden Südstaatenflair einzufangen, sondern zeigt auch die Schattenseiten der Metropole Natchez auf: das sogenannte 'Juwel Mississippi’s' bietet zwar allerlei geschäftliche Möglichkeiten als Handelsmekka, doch auch hier machen Armut, Sklavenhandel und Sittenverfall nicht Halt. Als die drei irischen Schwestern Kiera, Amelia und Megan nach dem Tod ihrer Eltern in Amerika ankommen, erwartet sie ein böses Erwachen – sie wurden unter falschen Versprechungen dorthin geschickt und sollen nun in einem heruntergekommenen Freudenhaus ihren Dienst ableisten. Einzig dem beherzten Eingreifen einiger anderer Mitreisender (u. A. dem Iren Quinn O’Shea, der ebenfalls mit seinen zwei jüngeren Geschwistern unterwegs ist) können die jungen Damen aus dem Bordell befreit werden – jedoch zu einem hohen Preis. Noch dazu schwört der zwielichtige Kriminelle Pierre Le Bonne, der sich um sein Eigentum betrogen sieht, Rache…und er ist bekannt dafür, dass er über Leichen geht.

Kiera, die älteste der drei Schwestern, war mir von Anfang an sehr sympathisch aufgrund ihrer aufrichtigen, bodenständigen Art. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie in jungen Jahren die Mutterrolle für Amelia und Megan übernommen hat, ihre Stärke und vor allem ihr freundliches Wesen haben mich sehr beeindruckt. Egal, was das Leben für Schicksalsschläge bereithält, nie verliert sie die Hoffnung oder ihren Glauben. Auch Quinn O’Shea ist ein ausgesprochen angenehmer Charakter, in den man sich als Leser wunderbar hineinversetzen kann. Beinahe hätten die Nebenfiguren Connor und Isabella Kiera und Quinn den Rang abgelaufen, so tiefgründig und berührend sind auch sie dargestellt – ich war selig, als ich während des Lesens entdeckte, dass es auch zu ihnen einen Roman geben wird!

Der Schreibstil ist fesselnd und besticht mit einer Mischung aus Spannung und humorvollen Elementen, ergreifenden Szenen und bildreichen Beschreibungen der Szenerie. Es fühlt sich an, als würde man einen Film schauen, so sehr zogen die Worte mich in den Bann! Insbesondere die Dialoge zwischen Kiera und Quinn, ihre zarte Annäherung, aber auch die Gespräche zwischen Connor und seiner Frau sind herrlich glaubwürdig und liebenswert gestaltet worden.

Fazit: Liebe, Spannung, Humor, historische Hintergründe und viele feine Zwischentöne – ein rundum gelungenes Werk!

Veröffentlicht am 04.03.2019

Negativität überwiegt leider

Café Engel
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Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres ...

Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres kleinen Künstler-Cafés kämpfen und dem Elend die Stirn bieten; eine geheimnisvolle, bildschöne Cousine aus Ostpreußen, die nach ihrer Flucht plötzlich auf der Bildfläche erscheint und für Verwirrung sorgt – all das in Kombination mit dramatischen Kriegserlebnissen, den üblichen Irrungen und Wirrungen der Liebe und möglichst vielen spannenden Hintergrundinformationen dazu, wie die (vom Nazi-Regime verfolgten) Künstler/innen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erlebt haben… Leider hat mich dieses Werk relativ enttäuscht zurückgelassen und rein gar nicht fesseln, geschweige denn emotional berühren können. Schlimmer noch, gegen Mitte der Geschichte musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen aufraffen (- was bei mir eine absolute Seltenheit ist; ich liebe es, zu lesen und insbesondere das Genre der historischen (Frauen-)Romane ist meine Leidenschaft -). Letztendlich überwogen die Neugier (darauf, wie die bis dahin unbefriedigenden Handlungsstränge wohl aufgelöst werden würden) und die Hoffnung (darauf, dass eine unerwartete Wendung doch noch dazu führen würde, mir die Figuren näherzubringen). Nach Abschluss des Romans musste ich allerdings feststellen, dass mir die Charaktere nach wie vor größtenteils unsympathisch, im Idealfall gleichgültig waren.

Ich horchte also in mich hinein. Was war schiefgelaufen? (Immerhin hatte ich dieses vielversprechende Buch, dessen wunderschönes Cover mich verzaubert hatte, so gerne mögen wollen.) Die Leseprobe hatte mich durch eine einnehmende Leichtigkeit beeindruckt: ein flüssiger Schreibstil, detaillierte, bildreiche Beschreibungen, die gekonnt die Atmosphäre des Café Engel einfangen und Optimismus pur – trotz Vorboten des Krieges. Ein wundervoller Start in die Handlung! Man lernt die sympathische Familie Koch kennen, die das besagte Café - Treffpunkt der Wiesbadener Schickeria – bewirtschaftet und ist gespannt, was das Schicksal für sie und ihre Freunde bereithalten wird. Diese Leichtigkeit ist im Laufe der Geschichte leider völlig abhandengekommen. Natürlich ist mir bewusst, dass während eines Krieges nicht die Glücksgefühle überwiegen, sondern dass sich tragische Szenen abspielen. Jedoch habe ich schon weitaus schwerwiegendere Kriegsberichte gelesen (in denen z.B. der harte Lazarett-Alltag einer Kriegskrankenschwester geschildert wurde; Amputationsbeschreibungen inklusive), die auch von schlimmen Verlusten handelten und dennoch keineswegs gänzlich in Negativität versanken, sondern stets das Gute hervorhoben, die Hoffnung, die Freude am Leben. Hier hingegen hatte ich das Gefühl einer dunklen Wolke, die während des Lesens permanent über meinem Kopf hing.

Viele der Figuren unterlaufen eine Wandlung in ihrem Wesen, die alles andere als positiv ist. Gerade Julia, eine Jüdin, die von der Familie Koch vor den Nazis versteckt wird, hätte ich aufgrund ihrer grenzenlosen Selbstwertunterwanderung und Naivität, die mich kochen hat lassen vor Wut, am liebsten schütteln wollen. Sie ist nicht der einzige Charakter, über den ich mich maßlos aufgeregt habe. Ob unerklärliche und wenig authentische 180-Grad-Wendungen, oder schlichtweg unangenehme Charakterzüge – gegen Ende waren mir die meisten Figuren egal.

Dieser Roman besteht aus unverhältnismäßig vielen verschiedenen Perspektiven, die abwechselnd in Kapitel unterteilt sind. Einerseits erhält man als Leser somit einen Einblick die Gedanken einer Vielzahl von Figuren. Bei mir war es allerdings so, dass ich aufgrund der großen Menge an Erzählperspektiven (- die dazu noch in verschiedene Zeitebenen unterteilt sind, was anfangs ein wenig verwirrend war -) von jeder Figur ein wenig, aber von keiner genügend Tiefe wahrgenommen habe. Dieser Eindruck zog sich durch die gesamte Handlung und so blieb die emotionale Distanz bis zur letzten Seite bestehen, leider. Den krönenden Abschluss bildet dann ein Ausklang, der wie mit dem Vorschlaghammer erzwungen scheint – als müsse man schnell zu einem Rundum-Ende gelangen.

Bleibt der Schreibstil auch weiterhin flüssig, wird er doch seines ursprünglichen Optimismus beraubt und ist bestenfalls als neutral zu beschreiben. Mit dem Wortlaut des Klappentextes, auf den die Autoren oftmals kaum Einfluss haben, bin ich nicht einverstanden, da er meines Erachtens irreführend ist. Die Zeitspanne, in der Hilde und Luisa sich endlich begegnen ist relativ kurz, unmittelbar vor dem Ende des Werkes. Der Roman endet also genau dort, wo er laut Beschreibung seinen Hauptfokus hätte haben sollen. Ehrlich gesagt, werde ich die Folgeromane dieser Trilogie mit ziemlicher Sicherheit nicht lesen.

Fazit: Schade, schade. Dieses Werk hat leider all das, was viele Nicht-Leser von historischen Romanen mit diesem Genre assoziieren: unnahbare Figuren, zu denen man keinen Bezug aufbauen kann, verwirrende Zeitsprünge, und eine ermüdende Langatmigkeit, die das Werk unnötig in die Länge zieht.

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