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Veröffentlicht am 05.03.2025

Siehst Du nicht schon das Verderben....

Ginsterburg
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Mit seinem Roman “Ginsterburg” hat Arno Frank einen großartigen Roman über die Ereignisse der Zeit zwischen 1935 und 1945 geschrieben. Schon das eindrucksvolle Hardcover zeigt, dass sich der Krieg auch ...

Mit seinem Roman “Ginsterburg” hat Arno Frank einen großartigen Roman über die Ereignisse der Zeit zwischen 1935 und 1945 geschrieben. Schon das eindrucksvolle Hardcover zeigt, dass sich der Krieg auch dieser deutschen Kleinstadtidylle nähern wird und dass es kein Entrinnen gibt.

Arno Frank erzählt durch seine Protagonisten von der Entmenschlichung dieser Jahre in Miniaturen, die sich jedoch in ihrer Gesamtheit zu einem Tableau des Schreckens vereinen. Noch scheint der Krieg in weiter Ferne, doch die Indoktrinierung hat bereits begonnen. Lothar Sieber, der vom Fliegen träumt, tritt der Hitlerjugend bei, obwohl er ein nachdenklicher Junge ist, der gemobbt wurde. Denn die Uniform hat Macht verliehen, den brutalen Söhnen des Kreisleiters, dem Kreisleiter selbst, der nicht zögert, ein Jagdschloss zu requirieren, aus dem Juden vertrieben wurden. So war das, sie waren einfach fort. Und haben dabei noch gewinkt, was für eine Frechheit! Auch Eugen von Wieland, ein dem Regime anfangs kritisch gegenüber stehender Journalist des Ginsterburger Anzeigers, nimmt gerne die Karriere und die Privilegien an, als er Schriftleiter werden und für die Partei arbeiten kann. Manche, wie Eugens Frau und seine Tochter, sind sowieso schon von der neuen Ideologie begeistert und verblendet.

Otto Gürckel, im Zivilberuf Blumengroßhändler, nunmehr Kreisleiter, ist bestrebt, die Kleinstadt Ginsterburg kriegstauglich zu machen. Doch der Krieg ist noch weit weg, solange seine Söhne nicht an der Front stehen. Journalist Eugen, der auch an der Front noch das Schöne sucht, wird mit einem Kriegstrauma zurückkommen und auch im Privaten seinen Opportunismus nicht ablegen. Menschliche Tragödien stehen neben Pragmatismus und Herzlosigkeit. Ein behindertes Kind, das ist eine Ballastexistenz, also ab in eine Anstalt. Daneben röhren die Silberpfeile und im Lichtspieltheater kann man Heinz Rühmann bewundern.

Der Ablauf des Geschehens wird akribisch beschrieben, denn nur wenn es gelingt, das Böse in seiner Gesamtheit darzustellen, braucht man es nicht beim Namen zu nennen. So wird es oft wie nebensächlich hingeworfen. Stabsarzt Hansemann, der stolz einen drei Monate alten Fötus im Reagenzglas zeigt, der erste induzierte Abort, die schwachsinnige Mutter käme ihr Töchterchen manchmal besuchen. Später wird er Gefallen an furchtbaren Experimenten finden. Kraniche,- in vielen Kulturen Symbol des Friedens- die unter Feuer genommen werden, es ist langweilig, kein Feind in Sicht. Die Wahrsagerin Zola, die das Unheil kommen spürt, als sie die Hand des Kreisleiters hält. Zola, die dem Wahnsinn verfällt; zwar vor Hansemann gerettet, aber später als katatonische Wachsfigur in Paris ausgestellt. Der Irrsinn in all seinen Facetten, eingebettet in ein eigentlich beschauliches Leben in einer Kleinstadt- und doch, die Vorahnung verheißt Unheil, holt alles von den Dachböden, macht die Keller bombensicher!

“Ginsterburg” ist ein Roman, der es den Lesenden nicht leicht macht. Sehr viele Charaktere stehen symbolhaft für die jeweilige Art, wie das Regime Menschen verfolgt und wie es gelingt, von der neuen Ordnung zu profitieren. Hier wäre ein Namensverzeichnis hilfreich gewesen. Besonders fehlt ein Epilog, der verdeutlicht, was in diesem Roman historische Realität und was Fiktion ist. Die Stärke des Romans aber liegt in seinen gekonnten Umschreibungen des Unmenschlichen und so Unabwendbaren. Selbst Eugens Vater, ein Kriegsveteran, kennt den Sinn des Krieges nicht mehr, vor einiger Zeit habe er ihn doch noch gewusst. Und ist der Krieg die Hölle? Nein, er ist schlimmer, erkennt Lother Sieber, der für seine Tapferkeit ausgezeichnete Pilot, der viele feindliche Flugzeuge abgeschossen hat. Gewissensbisse? Eigentlich nicht, denn da gab es einen Punkt, an dem er aufhörte, die feindlichen Flieger als Menschen zu betrachten. So ist “Ginsterburg” ein Aufschrei gegen den Krieg, gegen Faschismus und Unmenschlichkeit.

In seinem tiefgründigen und doch so viel Persönliches erzählenden Roman stellt Arno Frank den Lesenden die Frage, ob die Menschen das Unheil kommen sehen konnten, wie weit die eigene Verantwortlichkeit geht und wie Menschen scheinbar ohne Gewissen ihren Mitmenschen begegnen konnten. Dazu braucht er keine lauten Töne, es entstehen subtil realitätsnahe, oft erschreckende Menschenbilder. In einem Zeitungsbericht am Ende des Buches aus dem Jahr 2025 macht der Autor auch klar, wie wenig die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet wurde. Wie ein Hohn erscheint es, dass ein Gymnasium nach Dr. Hansemann benannt ist.

Für mich ist “Ginsterburg” einer der besten Romane, die ich über diese Zeit gelesen habe. In einzelnen Szenen, die immer wieder bedingen, sich mit den Protagonisten , ihren Lebenswelten und ihren Schicksalen auseinander zu setzen, entsteht das Bild einer Epoche, die vielen Menschen keine Wahl ließ, über ihr Leben zu bestimmen, die die Frage aufwirft, ob es für sie Raum gab, menschlich zu bleiben. So wie sich der abstürzende britische Bomberschütze unaufhaltsam dem deutschen Boden nähert, nach jeder beschriebenen Zeitspanne etwas mehr, so hat der Sog dieser Zeit so viel Leid, Unglück und persönliches Versagen hervorgebracht. So viel verschwendetes Leben!
Soll man Bücher über diese Zeit heute überhaupt noch lesen? Solche Bücher muss man lesen! Wider das Vergessen und dankbar dafür, diese Schrecknisse nicht selbst erlebt zu haben. Von mir daher eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Ein liebenswertes Monster braucht Hilfe

Ungeheuer schleimig (Band 2)
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Im zweiten Buch der “Ungeheuer-Reihe” haben Sonja Kaiblinger als Autorin und “Der Anton” als Illustrator ein lustiges Buch über ein ungeheuer liebenswertes Ungeheuer vorgelegt. Schon das Hardcover dieses ...

Im zweiten Buch der “Ungeheuer-Reihe” haben Sonja Kaiblinger als Autorin und “Der Anton” als Illustrator ein lustiges Buch über ein ungeheuer liebenswertes Ungeheuer vorgelegt. Schon das Hardcover dieses hochwertig mit Lesebändchen und besonders dickem Papier ausgestatteten Buches zeigt, dass der grüne Schleim diesmal eine Hauptrolle in der Geschichte spielen wird.

Ludwig, der das Monster einst in einer Mülltonne gefunden hat, arbeitet nun als Praktikant in dem Labor, aus dem das Tierchen wohl stammt. Natürlich ist auch diesmal Ludwigs jüngere Schwester Carla dabei, die zwar manchmal fürchterlich nervt, aber auch immer wieder gute Ideen hat. Und die brauchen die Kinder auch, denn das kleine Ungeheuer ist krank und niest ungeheure Mengen grünen Schleim. Doch scheint auch seine Verdauung gestört, und die Kinder haben Mühe, ihrer Mutter den furchtbaren Gestank in ihrem Zimmer zu erklären.

Carla, die Ludwig heimlich in das Labor gefolgt ist, versucht gemeinsam mit ihm herauszufinden, was das Monster heilen könnte. Als vorerst hinderlich erweist sich Penelope, ein Mädchen, das die Kinder beobachtet und misstrauisch ihre Suche nach Aufzeichnungen über ein Medikament verfolgt. Doch dann kommt Professor Schuhmann, der Leiter des Labors, den Kindern auf die Spur und will das Monster zurück, denn eigentlich war es einmal…………

In lockerer und kindgerechter Schreibweise führt “Ungeheuer schleimig” Kinder ab acht Jahren in ein Abenteuer, in dem nicht nur mutige Kinder, sondern auch ein zwar schwer erziehbares, aber sehr nettes lila Monster die Hauptrolle spielen. Kurze Kapitel erhalten die Lesefreude, die große Schrift macht den Text übersichtlich. Die phantasievollen und gelungenen Illustrationen von “Der Anton“ unterstreichen den freundlichen und humorvollen Charakter dieser Geschichte.

Besonders liebenswert sind auch die Protagonisten: Ludwig, der Wissenschaftler werden will und alle Ereignisse in sein Diktiergerät spricht sowie Carla, die dem Ungeheuer Kosenamen gibt. Sie nennt es Prinzessin Knuddelwuff und hat das lila Wesen fest in ihr Herz geschlossen. Penelope, die Tochter von Professor Schuhmann, der Ludwig anfänglich misstraut, erweist sich letztlich als äußerst hilfreich. Und da ist natürlich das kleine, flauschige Ungeheuer, das immer wieder Verwirrung stiftet.

Dieser Roman im Comic- Stil macht Kindern einfach Spaß, ist spannend und durch die gelungenen Dialoge können die Kinder die Geschichte direkt miterleben. Dieses Buch werden sie daher gerne immer wieder zur Hand nehmen und auch Erwachsene werden Freude daran haben. Als besondere Zugabe liegt dem Buch ein Aufsteller bei, so dass sich die Kinder ganz leicht ihr eigenes Ungeheuer basteln können.

Ich habe das Buch mit meiner acht Jahre alten Enkelin gelesen und sie war sowohl von den Illustrationen wie der Geschichte begeistert. Daher von uns eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Eine phantastische Welt mit magischen Tieren

Die Insel der magischen Wächter – Der große Test
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Mit “Die Insel der magischen Wächter- Der große Test” hat die bekannte Autorin Christina Soontornvat den ersten Band einer Geschichte über besondere Kinder vorgelegt, die auserwählt sind, die Pflanzen ...


Mit “Die Insel der magischen Wächter- Der große Test” hat die bekannte Autorin Christina Soontornvat den ersten Band einer Geschichte über besondere Kinder vorgelegt, die auserwählt sind, die Pflanzen und Tiere des Santipap- Archipels zu schützen. Das bunte und phantasievolle Cover lässt erahnen, dass neben der Hauptfigur Berry magische Tiere eine Rolle spielen werden.

Berry ist ein einfaches Mädchen mit einer besonderen Gabe: Sie spricht mit Tieren und Pflanzen, liebt ihren Garten und lebt mit ihren Großeltern auf der “Kleinen Insel” am südlichsten Punkt der Santipap- See. Damit die Kinder eine Vorstellung dieser eigenen Welt bekommen, befindet sich gleich am Anfang des Buches eine Landkarte, in der alle Inseln des Archipels eingezeichnet sind, sodass man auch Berrys Reiseroute gut verfolgen kann, denn sie ist auserwählt, die Wächterakademie auf der Lotusinsel zu besuchen. Wächter sind Beschützer der Tier- und Pflanzenwelt und haben je nach ihrer Veranlagung ganz besondere Aufgaben zu erfüllen. Doch Wächter kann nur werden, wem es gelingt, sich in sein magisches Seelentier zu verwandeln. Berry hat Bedenken, ob ihre Kräfte dafür ausreichen und lange ist nicht klar: Wird sie das schaffen?

Mit “Die Insel der magischen Wächter- Der große Test” haben Christina Soontornvat und die Illustratorin Alina Brost eine phantastische Welt erschaffen, in der Kinder dazu ausgebildet werden, die Umwelt zu beschützen. Auch alte Legenden werden hoch gehalten, denn schon auf der Landkarte am Beginn des Buches wird die Inselwelt vom “Großen Tier” eingerahmt, aus dessen Rückenwölbungen sie einmal entstanden sein soll. Sehr einfühlsam beschreibt die Autorin, wie die Schüler der Wächterschule langsam Freundschaften schließen, doch Berry bleibt immer ein bisschen Außenseiterin. Einen Freund findet sie erst, als sie erkennt, dass der reichste Junge unter den Schülern nicht hochmütig, sondern im Gegenteil sehr hilfsbereit ist.

In diesem gelungenen Buch spielen neben Lotusblüten weitere exotische Früchte, Blumen und Tiere eine Rolle, manche davon wohl nur der Phantasie entsprungen.
Langsam lernen die Kinder in der Wächterschule auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen sowie wahre und falsche Freunde zu unterscheiden. Besonders jedoch lernen die Schüler geduldig zu sein und auf ihren Körper zu hören. Dazu braucht es ehrliches Bemühen, seine Persönlichkeit weiter zu entwickeln und auf die weisen Worte der Lehrer zu achten. Aber natürlich gibt es auch Begehrlichkeiten der Reichen, Geschäftsinteressen vor die Anliegen der Umwelt zu stellen.

In einer mitreißenden Fantasy- Geschichte, die das erste Monat der Schulausbildung umfasst, erzählt die Autorin in bildhafter und lebendiger Weise darüber, wie wichtig die Natur für alle Menschen ist. Auch wenn die Erzählung manchmal poetische Momente hat, bleibt die Spannung bis zur letzten Seite erhalten. Die größere Schrift und kurze Kapitel erhalten die Lesefreude, sodass man gespannt auf die Fortsetzung dieser außergewöhnlichen Erzählung sein kann. Kinder ab acht Jahren, die gerne in exotische Welten eintauchen und magische Wesen mögen, werden sicher von diesem Buch begeistert sein. Daher für diese faszinierende Geschichte eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Stehlen, um zu überleben

Die Meisterdiebin
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Mit “Die Meister-Diebin” hat die bekannte Autorin Christine Jaeggi einen Roman geschrieben, der anhand historisch belegter Fakten das Leben einer jungen Jüdin nachvollzieht, die alles verloren hat und ...

Mit “Die Meister-Diebin” hat die bekannte Autorin Christine Jaeggi einen Roman geschrieben, der anhand historisch belegter Fakten das Leben einer jungen Jüdin nachvollzieht, die alles verloren hat und aus Deutschland fliehen muss. Unter dem Hut auf dem modisch sehr gelungenen Cover könnte sich die Hauptfigur Elise genau so verbergen wie ihr reales Pendant, Erika Böhm.

Das Buch, das sich an einen historisch belegten Kriminalfall anlehnt, beginnt fulminant mit einem Beutezug der Meister-Diebin Elise, die in einem Tagebuch sowohl die gestohlenen Sachen wie die Orte ihrer Diebstähle in Geheimschrift vermerkt hat. Diesen Code hat ihr verstorbener Zwillingsbruder entwickelt, an dessen Tod sich Elise sehr lange die Schuld gibt. In eine gut situierte jüdische Kaufmannsfamilie hineingeboren lebt Elise in gehobenen bürgerlichen Kreisen. Das Verhältnis zu ihrer Mutter Selma ist angespannt, ihre Schwester Adele behindert. Schon als Kind ist Elise fasziniert von der Goldschmiedewerkstatt ihres geliebten Großvaters, wo sie mit edlen Materialien umzugehen und handwerkliches Geschick lernt. Beides wird ihr bei später nützen.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten veranlasst Elise nach langem Zögern, in die Schweiz zu emigrieren. Doch sie hat alles verloren, ihr gesamtes Vermögen und das ihrer Familie wurde von den Nazis enteignet. Dazu kommen schwere persönliche Schicksalsschläge. Um aus der Schweiz nicht abgeschoben zu werden braucht Elise Geld. Ab diesem Moment sinnt sie auf Rache: Sie wird reiche Nationalsozialisten und ihre Ehefrauen bestehlen, die in der Schweiz Urlaub machen. Doch wie lange kann sie unentdeckt bleiben?

In “Die Meister-Diebin” beschreibt Christine Jaeggi den Aufstieg der Nationalsozialisten. Lange wollen Elise, ihre Mutter Selma und ihre behinderte Schwester Adele diese schreckliche Entwicklung nicht zur Kenntnis nehmen, obwohl sie selbst betroffen sind, ihr Kaufhaus geplündert wird und sie immer wieder Zeuge der abscheulichsten Erniedrigungen werden, die Juden erdulden müssen. So werden die Gräueltaten der Vorkriegs- und Kriegszeit in die Geschichte der Emigrantin eingewoben, ebenso wie schwierig und mit welchem finanziellen Aufwand es verbunden war, eine Aufenthaltsgenehmigung oder ein Visum für ein Zielland zu bekommen. Da auch die Schweiz Emigranten nur duldete, wenn diese selbst für ihren Unterhalt sorgen konnten und Flüchtlinge nicht arbeiten durften, kann man nachvollziehen, dass Elise durch ihre Not gezwungen war, zur Diebin zu werden.

Treffend zeichnet die Autorin ihre Protagonisten. Elise selbst erkennt letztlich, dass es zur Emigration keine Alternative gibt. Zielstrebig überlegt sie, wie sie überleben kann, von Wut und Hass auf ihre Peiniger getrieben. Geschickt wählt sie ihre Opfer aus, die mit Juwelen und Geld prassen, das sie sich durch verbrecherische Taten angeeignet haben. Auch sorgt sie dafür, dass Mutter und Schwester ebenso in die Schweiz fliehen können. Diese beiden Frauen dienen als Beispiel dafür, dass viele jüdische Familien viel zu lange die Augen vor dem entsetzlichen Geschehen verschlossen haben. In realitätsnahen Dialogen und einer eindringlichen Sprache wird der Zwiespalt der Protagonistinnen beschrieben, der Erzählstil ist spannend und bildhaft, so dass die Lesenden direkt in das Geschehen hineingezogen werden.

Geschickt verwebt die Autorin die Gräueltaten des Nationalsozialismus, die historischen Tatsachen und ihre Romanfiguren, die durch die furchtbaren Entwicklungen der Vorkriegs- und Kriegszeit gezwungen waren, eine Möglichkeit des Überlebens zu finden. Im Nachwort zum historischen Hintergrund des Romans wird die Geschichte der Erika Böhm beleuchtet, die von 1936 bis 1946 zahlreiche Diebstähle in noblen Schweitzer Hotels verübte und die als Vorbild für die Figur der Elise dient.

Auch wenn gerade sehr viel über die Vorkriegs- und Kriegszeit geschrieben wird, ist dieser Roman absolut lesenswert., denn er zeigt anhand eines jüdischen Frauenschicksals den Ungeist der Zeit. Daher eine Leseempfehlung von mir für dieses Buch, das historische Geschehnisse mit einem spannenden Kriminalfall verknüpft und auf jeden Fall viereinhalb Sterne verdient.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Das Schweigen

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Was ich Dir nicht sagen wollte…. So könnte das Buch der bekannten Autorin Rabea Edel beginnen, denn das Schweigen zieht sich durch diese Geschichte über vier Generationen, über vier Frauenleben, die alle ...

Was ich Dir nicht sagen wollte…. So könnte das Buch der bekannten Autorin Rabea Edel beginnen, denn das Schweigen zieht sich durch diese Geschichte über vier Generationen, über vier Frauenleben, die alle im Schweigen gefangen waren. Das gelungene Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten Buches zeigt als Frauenfigur wahrscheinlich die im Titel genannte Mutter, die den Lesenden den Rücken zuwendet und uns, die wir Wissen und Verstehen suchen, mit kalter Schulter gegenüber tritt.

In diesem Roman, der die Familiengeschichte von Raisa, am Beginn des Buches noch Kind, und vor allem ihrer Mutter Martha behandelt, ist das Schweigen das vorherrschende Thema. Erst langsam erschließt sich den Lesenden, welche furchtbaren Ereignisse sich in den Familien und den unterschiedlichen Zeiten zugetragen haben. Denn das Buch springt zwischen verschiedenen Zeitebenen und den Protagonisten, wobei ein Stammbaum gleich am Beginn des Romans zwar die Orientierung erleichtert, aber auch oft zu Rate gezogen werden muss.

Zuerst lernen wir das Kind Raisa kennen, das mit seiner Mutter ständig von Ort zu Ort zieht, die Mutter scheint vor ihrer Vergangenheit zu fliehen, sich nicht erklären zu wollen, das Kind nicht erklären zu wollen. Für Raisa eine fröhliche, bunte Zeit. Erst als die Beiden sich niederlassen, beginnt das Schweigen, Raisa ist älter, sie fragt. Nach den Großeltern, nach dem Vater. Doch die Mutter sagt immer wieder, dass es böse Menschen gebe, mit denen sie nichts zu tun haben. Im Verlauf der Handlung ergibt sich, dass Martha unter furchtbaren Umständen gezeugt und geboren wurde, nicht einmal ein Name war ihr anfänglich vergönnt. “TrotzAllem” nannte sie ihre Mutter Selma. Und darüber will Martha nicht sprechen, nicht darüber, wie sie misshandelt wurde, nicht über ihre Angst. Und obwohl bei Marthas Geburt der Krieg fast vorbei war, ist er doch ein wesentliches Thema dieses Romans.

“Porträt meiner Mutter mit Geistern” ist ein vielschichtiges Buch, denn hier wird Geschichte erzählt und Schicht für Schicht abgetragen. Unter der Oberfläche bleibt Leid und Schmerz, Worte dringen nicht hervor. Da ist kein Trost in den Leben, die waren, und kein Sinn in Leiden und Tod. Stumm stehen die Protagonisten in ihrem Schicksal, gefangen in unmenschlichen Zeiten und unermesslichem Unglück. Wo vielleicht Hoffnung war, ist nur Erinnerung, schemenhaft, dunkel, sprachlos. Wo ist der Mut geblieben, dem Leben die Stirn zu bieten? Verloren in Krematorien, zerschlagen vor verlassenen Gräbern, verflogen wie ein Gedanke, dass auch Glück eine Option wäre.

Rabea Edel hat ihr Buch in einer sehr sachlichen Sprache verfasst, selten dringen Emotionen hervor, die Gefühle entstehen bei den Lesenden selbst. Mit wenigen Sätzen erzeugt die Autorin Mitleid, Ekel, Abscheu, Angst. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen, die beschriebenen Schicksale loszulassen, denn da muss wohl ein Sinn hinter dem Schweigen stehen. Einerseits werden die Leben der Protagonisten schmerzhaft deutlich gezeichnet, andererseits bleiben viele Fäden der Handlung lose und man hätte gerne Antworten, denn die Autorin lässt viele Fragen offen.
Dieses Buch fordert die Lesenden, es fordert ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit sowie ihre Geduld, das Schweigen auszuhalten und nur langsam zu hinterfragen. Es ist ein Buch, das sich vielleicht zur Gänze erst beim nochmaligen Lesen erschließt, wenn man nicht mehr von Neugier getrieben ist und nicht mehr dringend nach Zusammenhängen und Antworten sucht. Dennoch endet das Buch positiv. Erst durch Raisas Kind heilen langsam die Wunden der Vergangenheit, auch wenn Narben bleiben.

“Portrait meiner Mutter mit Geistern” ist ein gelungener in die Tiefe gehender Roman, den man unbedingt lesen und über den man keinesfalls schweigen sollte.

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