Interessantes zeitdokument
Fliegt, Wilde SchwäneDieses Buch interessierte mich, weil die Autorin ebenso alt ist wie ich. Ich wollte vergleichen, wie unterschiedlich die Leben von Frauen aus Westeuropa und China verlaufen sind. Zumindest was die Jugend ...
Dieses Buch interessierte mich, weil die Autorin ebenso alt ist wie ich. Ich wollte vergleichen, wie unterschiedlich die Leben von Frauen aus Westeuropa und China verlaufen sind. Zumindest was die Jugend angeht, konnte ich nur dankbar sein, dass uns in Westeuropa alle Möglichkeiten zur Verfügung standen, und nicht, wie in China zur Mao-Zeit, Bildung verboten war. Jung Chang hatte das Glück, aus einem gebildeten Haushalt zu stammen, der seine Bücher vor der von Mao angeordnetenVerbrennung versteckte. So konnte sie sich auch in den zehn Jahren ohne Schulunterricht bilden und nach langem Hin und Her 1976 sogar nach England ausreisen, wo sie später ihren Ehemann und Co-Autor Jon Halliday kennenlernte.
Spätestens hier war mein Ansinnen, unsere Leben zu vergleichen, schon in den Hintergrund gerückt. Die Beschreibung, wie Chinesinnen auch im Ausland von ihrem eigenen Staat unterdrückt wurden, ließen mich nur noch ungläubig weiterlesen. Ab hier war ich ganz und gar auf den Spuren der Schriftstellerin, die mich ausführlich an ihren Recherchearbeiten zu einer Mao-Biografie teilhaben ließ. Ich erfuhr, dass er die Weltherrschaft an sich reißen wollte und dafür auch das Leben und Wohlergehen und Leben seines eigenen Volkes aufs Spiel setzte. Kein Wunder, dass ihre Veröffentlichung seines Lebensstils zu Repressalien führte. Außer, dass sich chinesische Freunde gezwungenermaßen von ihr distanzierten, wurden ihr bei ihren Einreisen nach China Steine in den Weg gelegt, die so weit reichten, dass sogar vor ihren Augen einer ihrer Koffer entführt wurde, so dass sie einen Flug verpasste, der nur einmal die Woche stattfand.
Dieser Bericht über das chinesische Vorgehen kritischen Personen gegenüber ist erschütternd. So hatte sie immer wieder große Schwierigkeiten, ihre alte Mutter in China zu besuchen. Trotzdem fand ich erstaunlich, wie viel sie als Schriftstellerin für ihre Recherchen unterwegs war. Allerdings gefiel mir nicht, dass sich einige Teile ihrer Autobiografie wie eine Rechtfertigung lesen.
Alle Werke der am 25. März 1952 geborenen Autorin sind in China verboten. Dazu gehören neben der mehrfach preisgekrönten Autobiografie über ihre Familie „Wilde Schwäne“ auch die Mao-Biografie (2005) und eine Biografie über die Kaiserin-Witwe Cixi (2014).
Fazit: Wer mehr über China erfahren will, ist hier gut aufgehoben.