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Veröffentlicht am 05.07.2022

Verstörende, aber mögliche Zukunftsversion

GRM
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GRM: Brainfuck von Sibylle Berg, gelesen von Torben Kessler und Lisa Hrdina, erschienen im Argon Verlag als ungekürztes Hörbuch am 26. Juni 2019.

Rochdale, eine kleine englische Stadt ist der Ausgangspunkt ...

GRM: Brainfuck von Sibylle Berg, gelesen von Torben Kessler und Lisa Hrdina, erschienen im Argon Verlag als ungekürztes Hörbuch am 26. Juni 2019.

Rochdale, eine kleine englische Stadt ist der Ausgangspunkt für die Geschichte von vier Kindern, eigentlich schon Jugendlichen. Die Gruppe bestehend aus Don, Karen, Hannah und der autistische Peter werden ausgegrenzt, ohne Liebe verlassen und ausgenutzt. Die vier sinnen auf Rache die sie im Laufe der Geschichte nach London führt.

Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft. Man bekommt ein Grundeinkommen, sobald man sich einen Chip implantieren lässt, der für eine Elite alle Daten der Menschen erfasst. Mehr und mehr werden die Menschen, die sich dieser Überwachung entziehen ausgegrenzt und leben nur noch am Rande der Gesellschaft. Die Autorin integriert verschiedene tatsächlich stattgefundene Ereignisse in die Geschichte wie die Zwangsprostitution, die in Rochdale tatsächlich stattgefunden hat und nie juristisch aufgearbeitet wurde, genau wie den Hochhausbrand und den latent vorhandenen männlicher Chauvinismus, der bei Sibylle Bergs Buch wieder zur anerkannten Gesellschaftsform mutiert.

Sibylle Berg kann schreiben, aber dieses Hörbuch ist durch ihre Art zu schreiben und uns immer wieder damit zu konfrontieren, was in den Hirnen mancher Menschen vorgeht und nicht stoppt bei Mediensprech wie die Umschreibung sexualisierte Gewalt, sondern uns knallhart wissen lässt was da geschieht, schon sehr hart zu hören. Damit will man ja nichts zu tun haben und am liebsten laut LaLaLa singen, damit es schnell vorbei ist. Ist es aber nicht und Berg zeigt nicht nur mit dem Finger drauf, sie klatscht es einem mit ihrer Art zu schreiben und einer gewissen Polemik auch immer wieder um die Ohren.

Torben Kessler und Lisa Hrdina lesen eindringlich und so, dass man sich in der Geschichte wiederfindet, was handwerklich erstklassig gemacht ist, mich aber z.T. sehr gestresst hat, da der Inhalt des Buches mir mit dem Vortrag sehr an die Nieren ging.

Das Buch ist gut, wir sollten uns alle mit solchen Themen beschäftigen und ich werde die Tage auch den nächsten Band hören. Liegt schon bereit. Mein Hirn braucht nach so viel ungeschminkter Wahrheit aber einige Tage Entspannung.

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Veröffentlicht am 23.06.2022

Der Norden lockt mit Äpfeln und Vögeln

Bretonische Nächte
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Bretonische Nächte: Kommissar Dupins elfter Fall (Kommissar Dupin ermittelt, Band 11) von Jean-Luc Bannalec, erschienen im KiWi-Paperback Verlag am 22. Juni 2022.

Kadegs Tante stirbt kurz nachdem sich ...

Bretonische Nächte: Kommissar Dupins elfter Fall (Kommissar Dupin ermittelt, Band 11) von Jean-Luc Bannalec, erschienen im KiWi-Paperback Verlag am 22. Juni 2022.

Kadegs Tante stirbt kurz nachdem sich die Vorboten eines Todes deutlich in Form von Schwalben und ähnlichen sicheren Zeichen eines nahen Todes gezeigt haben. Mit 89 ist die Dame zwar alt gewesen, aber eigentlich noch sehr rüstig und sehr bestimmend. Am Abend ist Kadeg nochmals vorbeigekommen, da ihm der Tod der Tante sehr nahe gegangen ist und wird dann auf dem Grundstück niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Nolwenn setzt durch, dass Dupin und sein Team an der Côte des Légendes ermitteln dürfen. Mit Kadeg als Opfer entwickelt sich der Fall für das Team sehr persönlich.

Diesmal also der raue Norden mit Atlantik und Streuobstwiesen und dem unvermeidlichen Getränk der Gegend, dem Cidre und allem was man so aus Äpfeln machen kann. Da die Tante recht vermögend gewesen ist, kommt Dupin, als Nichtbretone, das zeitnahe Ableben der Dame zu als Todeszeichen gedeuteten Allerwellsereignissen, recht seltsam vor. Als dann noch ein Mord geschieht fängt Dupin an in alle Richtungen zu ermitteln.

Wieder ein Buch, wo man alles stehen und liegen lassen möchte, um möglichst schnell die erwähnten Orte aufzusuchen und das besondere Flair, welches die beschriebenen Lokalitäten gewöhnlich auch im Original aufweisen, aufsuchen zu können. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 20.06.2022

Sehr schön erzählt

Die Silberkammer in der Chancery Lane
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Die Silberkammer in der Chancery Lane von Ben Aaronovitch, gelesen von Dietmar Wunder. Erschienen als Hörbuch im GOYALiT Verlag am 15. Juni 2022.

Kurz vor einem privaten Ereigniss, dass sich von privat ...

Die Silberkammer in der Chancery Lane von Ben Aaronovitch, gelesen von Dietmar Wunder. Erschienen als Hörbuch im GOYALiT Verlag am 15. Juni 2022.

Kurz vor einem privaten Ereigniss, dass sich von privat allmälich zur Feier mit breiter Öffentlichkeit entwickelt, wird Peter Grant zu seinem nunmehr 9. Fall in die Silberkammern in der Chancery Road gerufen. Dort liegt ein toter Mann, dessen Herz buchstäblich herausgerissen ist. Peter nun mit Praktikantin Danni Wickford unterwegs, nimmt die Ermittlungen auf und muss schnell feststellen, dass dies nur der Anfang von jeder Menge abstrusem Sch… gewesen ist.

Wir lernen mit Danni Wickford nochmals viel über die Magie in Aaronovitchs Welt und zahlreiche Charaktere aus den früheren Büchern sind zu Gast. Es ist als ob uns der Autor noch einmal kurz vor dem 10. Band, der ja mit ziemlicher Sicherheit wie bei vielen Autoren etwas Besonderes sein wird, unser Gedächnis auf zu frischen wie das alles so funktioniert. Aaronovitch testet hier schon mal etwas aus, das Nightingale Universum auszubauen und wir erleben einige Überraschungen und eine Weiterentwicklung der Geschichte und den Aufbau für künftige Verwicklungen und Entwicklungen.

Die Geschichte ist eine der wirklich guten in der Reihe und das Dietmar Wunder wunderbar liest ist nun wirklich keine Überraschung.

Ich bin schon sehr gespannt, wie der nächste Band sich entwickeln wird.

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Veröffentlicht am 19.06.2022

Sachbuch für Menschen die keine Sachbücher lesen würden

Papyrus
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Papyrus von Irene Vallejo, erschienen im Diogenes Verlag am 22. April 2022.

Die Erfindung des Alphabets und die Schaffung der Bibliothek in Alexandria bilden mehr oder weniger den Aufhänger für dieses ...

Papyrus von Irene Vallejo, erschienen im Diogenes Verlag am 22. April 2022.

Die Erfindung des Alphabets und die Schaffung der Bibliothek in Alexandria bilden mehr oder weniger den Aufhänger für dieses Buch über Bücher.

Die Informationen, die man im Laufe der 662 Seiten erhält, sind durchaus unterschiedlich. Zum einen schreibt die Autorin sehr lebhaft und ungewohnt interessant für ein Sachbuch, zum anderen bekommt man sehr viele Informationen und das zum Teil mehrfach und eigentlich bleibt alles mehr oder weniger oberflächlich. Wer sich schon mal für die Antike interessiert hat wird nicht wirklich neue Informationen finden, mit Ausnahme der Passagen wo sich die Autorin explizit darum bemüht, die 50 % der Weltbevölkerung die in der Antike keine Stimme hatten mit einzubeziehen.

Der Untertitel „Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist irreführend. Erzählt wird nur der Umgang mit Texten in Griechenland und bei den Römern in der Antike.

Man merkt an welchen Stellen das Herz der Autorin steckt, gleichzeitig hat man den Eindruck, dass einige Passagen ins Buch mussten, aber nicht mal wirklich für die Autorin interessant gewesen sind. Was mich sehr gestört hat ist, dass manche Dinge gleich mehrfach in den Text eingeflossen sind, entweder weil die Autorin die Kapitel nicht linear geschrieben hat und niemand den gesamten Text als Buch gelesen hat oder weil die Autorin dem Leser nicht zutraut sich Informationen über einige Tage zu merken. Man könnte also ohne Informationen zu verlieren gerne einiges weglassen.

Obwohl mir eine Straffung der Geschichte besser gefallen würde, würde ich gerne auch noch den weiteren Weg der Geschichte der Bücher von dieser Autorin lesen. Ich hoffe, dass es einen weiteren Band durchs Mittelalter in die Neuzeit geben wird. Sie hat oft genug „Den Namen der Rose“ bemüht obwohl wir dort mit diesem Buch noch gar nicht angekommen waren.

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Veröffentlicht am 01.06.2022

Eine kleine, aber feine Geschichte vom Land

In den Wäldern der Biber
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In den Wäldern der Biber von Franziska Fischer, gelesen von Charlotte Puder, erschienen im DuMont Buchverlag als ungekürztes Hörbuch am 17.05.2022.


Nach einem Streit mit ihrem Freund ist Alina obdachlos ...

In den Wäldern der Biber von Franziska Fischer, gelesen von Charlotte Puder, erschienen im DuMont Buchverlag als ungekürztes Hörbuch am 17.05.2022.


Nach einem Streit mit ihrem Freund ist Alina obdachlos und verliert dann gleich auch noch den Job. Um zu sich selbst zu finden, fährt sie zu dem Großvater, den sie zuletzt als Kind gesehen hat und gar nicht so recht weiß, warum sie ihn seither nicht besucht hat. Im Haus der Großeltern wohnt inzwischen ein Geschwisterpaar, dass in den Sommern die Alina in Spechthausen verbracht hat mit ihr gespielt hat und schickt sie zum neuen Haus des Großvaters. Dieser nimmt sie ohne viele Fragen auf und Alina beginnt sich um ihn zu kümmern. Dabei ist eher er die Stütze, die sie im Augenblick gerade braucht.


Ein ruhiges Hörbuch, welche die Fragen des Lebens behandelt. Wer ist man außerhalb von Arbeit und Beziehung? Wie ist man so geworden, wie man ist und warum hat man nie wirklich hinterfragt, warum man sich nie wieder bei den Großeltern gemeldet hat, auch als man alt genug war dies zu tun.

Franziska Fischer erschafft normale Personen in einer ruhigen und beschaulichen Umgebung und gibt ihnen Träume und Ziele, die es zu erreichen gilt. Kein großer Spannungsbogen, der hier die Geschichte vorantreibt, eher die sprachgewaltige Erzählung mit Personen, die sich selbst spüren und sich Zeit mit sich selbst nehmen.


Charlotte Puder wird diesem Stoff gerecht und hat ihren Beitrag zu einem Roman gemacht, der das Zeug hat, ein großer Sommerroman zu werden. Klare Hörempfehlung.

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