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Veröffentlicht am 14.05.2019

Leicht verständliches Buch über Attributionsforschung

Wütendes Wetter
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Wütendes Wetter: Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme von Friederike Otto, erschienen im Ullstein eBooks Verlag am 15. April 2019.

Dieses Buch ist hervorragend geeignet ...

Wütendes Wetter: Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme von Friederike Otto, erschienen im Ullstein eBooks Verlag am 15. April 2019.

Dieses Buch ist hervorragend geeignet um endlich mehr als ein Bauchgefühl zu haben, dass der Klimawandel nicht nur da ist, sondern auch von uns Menschen gemacht wurde. Die Autorin beschreibt anhand ihrer Forschungen was die Wissenschaft klar sagen kann und wo uns noch Daten fehlen um umfassend eine Bestandsaufnahme abgeben zu können welches Wetter wahrscheinlicher wird durch den Klimawandel und welches einfach nur Wetter ist, welches man eigentlich nicht wirklich brauchen kann.
Anhand verschiedener Wetterereignisse auf verschiedenen Kontinenten lässt sie uns an ihrem Zweig der Forschung, der Attributions- oder Zuordnungsforschung teilnehmen. Zuerst erklärt sie uns, wie man berechnet welches Wetter einfach Wetter ist, und wie man darauf kommt, dass die Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit eines Wetterphänomens durch den Klimawandel prozentual angestiegen ist.

Ich habe leider viel länger gebraucht um dieses hervorragend für den Laien geschriebene Werk zu lesen als ich das normalerweise brauchen würde. Die Autorin hat leider den Genderwahnsinn in ihr Werk einfließen lassen und ich bin ziemlich am Anfang auf so eine Anhäufung an innen gestoßen, dass ich das Buch erst einmal weggelegt hatte. Mein E-Reader hat das Ganze dann eigentlich noch unleserlicher gemacht und ich habe dafür einen Stern der Gesamtwertung abgezogen. Frauen werden kein bisschen mehr angesprochen oder akzeptiert, wenn wir da ein innen an alles hängen was sich nicht wehren kann. Ich befürchte schon fast, dass viele Leute, die dieses Buch unbedingt lesen sollten weil sie ja so unbedingt „schönes Wetter“ haben wollen, recht früh aufgeben werden, weil dieses Genderzeug eine andere Baustelle ist und einen es hier nur von dem ablenkt was wichtig ist.

Veröffentlicht am 08.05.2019

Gesellschaftskritisches Buch mit langweiligen Protagonisten

Willkommen in Lake Success
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Willkommen in Lake Success von Gary Shteyngart, erschienen im Penguin Verlag am 15. April 2019

Barry Cohen ist einer der 1 % Reichen von denen vor Trump so oft die Rede gewesen ist. Es ist das Wahljahr ...

Willkommen in Lake Success von Gary Shteyngart, erschienen im Penguin Verlag am 15. April 2019

Barry Cohen ist einer der 1 % Reichen von denen vor Trump so oft die Rede gewesen ist. Es ist das Wahljahr und Barrys Leben bekommt einen Knacks. Nachdem er sich bei einem Essen mit Nachbarn daneben benommen hat, bekommen Seema, seine sehr gebildete und unheimlich schöne Frau, und er richtig Ärger miteinander und er packt einen Koffer mit seinen Sammleruhren und beschließt sich auf den Weg zu machen um seine Studentenfreundin auf zu suchen und mit ihr das perfekte Leben zu leben. Für diese Reise besteigt er einen dieser legendären Greyhound Busse und umgibt sich mit den Menschen die seinen Reichtum mit ihrer Arbeit geschaffen haben.

Was sich wie ein Roadtrip anhört beginnt mehr mit einer Reise in sich selbst und wie sich der Autor vorstellt, dass Trump gewählt wurde. Barry und Trump sind da glaube ich bei dieser Geschichte sogar austauschbar was ein Teil des Witzes der Story ausmacht. Im Laufe der Geschichte findet dann tatsächlich eine Reise quer durch Amerika statt auf der Barry sexuelle Begegnungen hat und wir belangloses aus seinem Leben erfahren. Die Hauptpersonen des Romans haben keine Tiefe, wirken unrealistisch und langweilig. Da das Paar einen autistischen Sohn hat kann ich nach der Lektüre vermutlich wenigstens bei dem Thema mitreden.

Der Schreibstil und die Gesellschaftskritik die in dem Buch durchaus vorhanden sind macht es zu einem Buch welches ich als gut bezeichnen würde. Die Längen in der Erzählung und das fade Leben der Protagonisten haben mich enttäuscht, aber wenigstens nicht so weit, dass ich es nicht doch noch mal mit einem anderen Shteyngart Buch versuchen würde.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Ah, Frauen können mehr als hübsch sein

Iron Flowers. Die Rebellinnen
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Iron Flowers. Die Rebellinnen von Tracy Banghart, gelesen von Coco Plümer und Theresa Horeis. Erschienen im Jumbo Verlag am 2. Mai 2018

Serina wurde ihr bisheriges Leben darauf vorbereitet als Grace, ...

Iron Flowers. Die Rebellinnen von Tracy Banghart, gelesen von Coco Plümer und Theresa Horeis. Erschienen im Jumbo Verlag am 2. Mai 2018

Serina wurde ihr bisheriges Leben darauf vorbereitet als Grace, eine Art Hofdame mit besonderen Pflichten, an den Palast zu gehen und dort zu leben. Nomi, ihre kleine Schwester, begleitet sie als Dienerin. Kurz bevor die Grace bestimmt werden, begegnet der Thronfolger Nomi und kührt sie zu einer seiner Graceses statt ihrer Schwester. Serina soll nun an ihrer Seite als Zofe leben.

In der Welt die Tracy Banghart entstehen lässt sind die Rechte von Frauen stark eingeschränkt bis nicht vorhanden. Frauen dürfen z.B. nicht lesen lernen und werden bei Verfehlungen auf eine Insel verbannt. Nomis Bruder hatte ihr das Lesen beigebracht und sie rebelliert dagegen, dass Frauen nicht das Gleiche tun dürfen wie Männer. Als man in ihrem Zimmer ein Buch findet nimmt Serina die Strafe auf sich und wird auf jene Insel gebracht. Dort werden die Frauen sich mehr oder weniger selbst überlassen, müssen aber in eine Arena gehen und gegeneinander kämpfen, um Essen zu erhalten.

Die Schwestern sind so unterschiedlich wie man nur sein kann. Serina ist ihr Leben lang erzogen worden keine Fehler zu machen und alle Vorschriften ein zu halten. Ihre zukünftige Rolle als Haremsdame sollten ihr und ihrer Familie ein Leben in Sicherheit geben. Nomi dagegen ist unter dem Radar der Mutter geblieben und ist ein aufmüpfiges Kind geworden, welches in der Rolle der Grace nun völlig überfordert ist und die auch niemals in Erwägung gezogen hätte diesen „Job“ zu machen.

Im laufe der Geschichte entwickeln sich die Charaktere weiter. Nomi sucht Hilfe und Freunde in dem Haifischbecken, in dem sie nun zurechtkommen muss, Serina muss sich plötzlich aus ihrer Komfortzone des schönen Scheins verabschieden und zur Kämpferin werden.

Coco Plümer und Theresa Horeis lesen gut, aber so ähnlich, dass man schon genau hinhören muss welche gerade liest, wobei immer klar ist aus wessen Perspektive gerade erzählt wird.

Die Personen um die beiden Hauptdarstellerinnen bleiben etwas blass und ohne Tiefe. Die beiden jungen Frauen sind ein Produkt ihrer Erziehung, lernen aber überzeugend dargestellt sich weiter zu entwickeln.
Im Prinzip ist dieses Buch, das worauf ein Teil der Leser von „Selection“ erwartet hätten. Frauen die nicht hirnverbrannt das tun was man ihnen vorschreibt und ihren eigenen Kopf nicht nur für Krönchen nutzen.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Klassiker überzeugend neu aufgenommen

Tod in den Wolken
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Tod in den Wolken (Hercule Poirot, Band 17) von Agatha Christie, gelesen von Rainer Bock. Erschienen als gekürzte Hörbuchfassung im der Hörverlag am 16. Oktober 2006

Es sollte wohl wie ein bedauerlicher ...

Tod in den Wolken (Hercule Poirot, Band 17) von Agatha Christie, gelesen von Rainer Bock. Erschienen als gekürzte Hörbuchfassung im der Hörverlag am 16. Oktober 2006

Es sollte wohl wie ein bedauerlicher Tod ohne Fremdeinwirkung aussehen. Hätte es vermutlich auch, wenn nicht Hercule Poirot mit im Flugzeug gesessen hätte. So gibt es nur eine überschaubare Zahl an Verdächtigen und Poirot fängt an zu ermitteln.
Wenn man einen Agatha Christie Krimi vor sich hat zählt jede Einzelheit. Zum Glück für den Hörer wurde die Geschichte zwar gekürzt, dies hat aber nicht dazu geführt, dass man nicht mit ermitteln konnte. Ich hatte diese Geschichte schon als Teenager gelesen und sie hatte mich so beeindruckt, dass ich mir nach bestimmt 40 Jahren noch gemerkt hatte worauf ich achten musste.
Rainer Bock liest mit angenehmer Stimme und so wird aus einem Meisterstück der großen Dame des Krimis eine spannende Geschichte für wunderbare Mußestunden. Klare Hörempfehlung.

Veröffentlicht am 03.05.2019

Das besondere Büro

Das Büro der einsamen Toten
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Das Büro der einsamen Toten (Pieter Posthumus) von Britta Bolt, gelesen von Johannes Steck. Erschienen im Hoffmann und Campe Verlag am 11.03.2015

Pieter Posthumus ist ins "Büro der einsamen Toten" strafversetzt ...

Das Büro der einsamen Toten (Pieter Posthumus) von Britta Bolt, gelesen von Johannes Steck. Erschienen im Hoffmann und Campe Verlag am 11.03.2015

Pieter Posthumus ist ins "Büro der einsamen Toten" strafversetzt worden. Er gilt als nicht teamfähig und betreibt weit über das gewünschte Maaß hinaus Nachforschungen zu seinen Toten wo er eigentlich nur Verwandte suchen und die Mittel für eine ordnungsgemäße Beerdigung zusammensuchen soll. Im Augenblick hat er einen Selbstmörder der Gedichte geschrieben hat und einen jungen Mann der tot in einer der zahlreichen Grachten Amsterdams gelegen hat. Man geht davon aus, dass er betrunken ins Wasser gefallen ist und dort in eine Schiffsschraube geriet. Pieter forscht in beiden Fällen nach und findet erstaunliches.

Dieser erste Roman der Reihe, ein Krimi ist es nicht wirklich, hat mich überzeugt mir auch die weiteren Werke vom Autorenduo Britta Böhler und Rodney Bolt zu besorgen.

Wir erfahren darin die Arbeitsweise von Pieter Posthumus Arbeitsplatz, begleiten ihn selbst auf seinem Weg zu den Toten und erfahren einiges von seinem privaten Leben, dass sich durch seine Nichte, die sich nach vielen Jahren bei ihm meldet auch mit einem der Toten verbindet. Pieter ist stur und geht den Weg, den er meint, einhalten zu müssen um den Menschen durch deren Hinterlassenschaften er sich durchwühlen muss ein würdiges Begräbnis zu geben. Ein zweiter Erzählstrang erzählt uns die Geschichte der Familie Tahiri, eine marokkanische Familie wo die Eltern sich anpassen an das Leben im modernen Amsterdam und die Kinder noch ihren eigenen Weg finden müssen. Der dritte Erzählstrang ist dem Staatsschutz gewidmet, der ein Auge auf den jungen Sohn der Tahiris und dessen Freunde geworfen hat.
Obwohl die Ausländerproblematik im Augenblick gefühlt in jedem zweiten Buch auftaucht, ist diese Geschichte erfrischend anders und streift das Thema eigentlich nur ohne belehrend den Finger zu heben.

Die Geschichte ist interessant, etwas verzwickt und als Hörbuch für mich eine Herausforderung mit den vielen ausländischen Namen gewesen. Da der Vortrag von Johannes Streck aber sehr angenehm gewesen ist, kann ich dieses Hörbuch empfehlen. Wer schon mal in Amsterdam gewesen ist, der wird auch gerne mit den Protagonisten durch die Stadt ziehen.