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Veröffentlicht am 27.05.2019

Tiefbetrübend und wahnsinnig berührend

Die Frau im Musée d'Orsay
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Der Klappentext von David Foenkinos' Roman erzählt vom Kunstprofessor Antoine, der in Paris eine Anstellung im Musée de Orsay annimmt und - so lässt der Klappentext zumindest hoffen - eine Liebe findet. ...

Der Klappentext von David Foenkinos' Roman erzählt vom Kunstprofessor Antoine, der in Paris eine Anstellung im Musée de Orsay annimmt und - so lässt der Klappentext zumindest hoffen - eine Liebe findet. Doch diese paar Worte reichen nicht annähernd aus, um zusammenzufassen worum es geht. Denn im Mittelpunkt von Foenkinos Roman steht nicht (nur) Antoine, sondern auch eine junge Frau namens Camille. Ihre berührende Geschichte erzählt dieser Roman nämlich eigentlich.

Der Roman ist in vier Abschnitte unterteilt, die Zeitsprünge und gelegentlich auch Perspektivenwechsel kennzeichnen. Im ersten Abschnitt lernen wir Antoine kennen. Er nimmt gerade eine Stelle in Paris als Saalaufsicht im Musée de Orsay an - eine Stelle, die eigentlich weit unter dem liegt, was er für gewöhnlich beruflich macht: nämlich als Professor in Lyon dozieren. Aber wieso nur dieser berufliche und ortliche Wechsel? 

In diesen Abschnitt - und damit in den Roman - hineinzufinden, fiel mir nicht so leicht. Antoine hat eine sehr verschlossene, ja schon eigenartige, Art. Er spricht kaum und auch als aufmerksamen Leser werden einem hier keine tieferen Einblicke gewährt. Erst im zweiten Abschnitt des Romans bekommt Antoines Charakter eine Farbe. 

Wen wir ebenfalls bereits im ersten Abschnitt kennen lernen ist Mathilde - die vermeintliche Frau im Musée de Orsay. Sie ist Personalchefin dort und zwischen ihr und Antoine deutet sich rasch eine Verbindung an. 

Die Liebesgeschichte, die der Klappentext andeutet, habe ich entweder völlig fehl interpretiert, oder aber sie bleibt für mich sehr blass und nebensächlich. Als Leser sollte man sich nur bewusst sein, dass das hier kein Liebesroman ist.

Die Inhalte der folgenden drei Abschnitte schildere ich hier bewusst nicht weiter, um diesem wunderschönen Roman nicht vorweg zu greifen, denn es ist eine besondere Geschichte, die nun ab dem zweiten Abschnitt folgt. Wer sich zum Lesen dieses Romans entscheidet, entscheidet sich auch dafür über Leid zu lesen, über Trauer und Grausamkeit, aber auch über die Schönheit eines wundervoll ausgefeilten Charakters. Foenkinos ist es gelungen, intensive Gefühle und Empfindungen, seelischen Schmerz und Kummer in Worte zu fassen, die einem unglaublich nahe gehen. War ich im ersten Abschnitt vom Schreibstil noch etwas überrumpelt, hat er sich im dritten Abschnitt als nahezu großartig entpuppt. 

Ich möchte diesen berührenden Roman wirklich jedem ans Herzen legen, muss aber dennoch leider ein Sternchen abziehen, da mir der Einstieg in die Geschichte nicht ganz so leicht fiel und die plötzliche Nähe zwischen Antoine und Mathilde sehr blass blieb. Höhepunkt des Romans sind ganz klar der dritte und vierte Romanteil.

Veröffentlicht am 19.05.2019

So vielfältig an Gefühlen wie ein bunter Blumenstrauß

Juli verteilt das Glück und findet die Liebe
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Juli ist schon ein spezieller Charakter: Sie sammelt Staubflusen und wohnt immer noch in der Wohnung in der schon ihre Mutter und ihre Großmutter gelebt hatten, mit derselben Einrichtung, obwohl es da ...

Juli ist schon ein spezieller Charakter: Sie sammelt Staubflusen und wohnt immer noch in der Wohnung in der schon ihre Mutter und ihre Großmutter gelebt hatten, mit derselben Einrichtung, obwohl es da im Flur so einen Schrank gibt, vor dem sie eigentlich Angst hat. Ja, Juli ist wirklich besonders - aber auch besonders toll. 

Von der ersten Seite an mochte ich sie bereits. "Juli verteilt das Glück und findet die Liebe" erzählt dabei einen Winter lang ihre Geschichte - und die Geschichten der Menschen, denen sie begegnet. 

Alles in allem kann ich sagen, dass dies ein äußerst berührender Roman ist - und zwar nicht nur auf eine Weise. Die Autorin lässt eine Vielzahl von Gefühlen in den Roman einfließen, Trauer, Angst, Freude, romantische Gefühle, um nur ein paar zu nennen. Von Kapitel zu Kapitel habe ich daher jedes mal anders mitgefühlt und die Autorin hat damit ein grandioses Schreibtalent bewiesen.

Der Verlauf der Geschichte ist dabei zum Ende hin absolut nicht mehr vorhersehbar gewesen, was man bei dem doch recht eindeutigen Titel der Autorin auch sehr zu Gute halten muss. 

Letztendlich hat sich Juli zu meinem absoluten Lieblingsbuchcharakter entwickelt. Ihr besonderer Charakter stand im Vordergrund des Buchs und den hat die Autorin wirklich wunderbar herausgearbeitet, sodass man ein bisschen das Gefühl hat, Juli wirklich zu kennen - und sie mit dem Beenden des Buchs auch ein wenig vermisst.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Fesselnde Fantasy von der ersten bis zur letzten Seite

Windborn. Erbin von Asche und Sturm
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Bei "Windborn" stehen die Elemente im Mittelpunkt - und diejenigen, die sie beherrschen können. Doch davon sind auf der Welt nicht mehr viele übrig, denn diese droht in Sand und Wüste unterzugehen. Ob ...

Bei "Windborn" stehen die Elemente im Mittelpunkt - und diejenigen, die sie beherrschen können. Doch davon sind auf der Welt nicht mehr viele übrig, denn diese droht in Sand und Wüste unterzugehen. Ob Ashara als Wolkenstümerin - und damit den Winden mächtig - ihre Welt noch retten kann?

Die Autorin hat sich mit "Windborn" ein spannendes Setting ausgedacht: So spielt die Geschichte zwar in unserer Welt, man würde sie jedoch niemals wiedererkennen, begraben unter Sand und Felsen. Neben den normalen Menschen gibt es noch wenige, die die Elemente beherrschen können: Wolkenstürmer, Regenbringer, Funkenmeister und Wüstenteiler. Allein ihre Fähigkeiten sind aufregend und äußern sich auch in spannenden Kampfszenen. So hat die Autorin die Grundidee sehr gut umgesetzt.

Das Erzähltempo stimmte von Anfang an. Jede Szene hatte meiner Meinung nach genau die richtige Länge, sodass hier nie Langeweile aufkam. Doch noch viel besser als das Tempo war der Schreibstil. Es ist nicht bloß eine Floskel, die in der Vita steht, wenn über die Autorin gesagt wird, dass sie mit Worten Bilder erschafft. Denn das tut sie in der Tat - und zwar besser als einige andere Fantasyautoren. Von der ersten Seite an konnte ich mir Ashara und ihre Welt genau bildlich vorstellen. Perfekt! Auch die kleine Liebesgeschichte stimmte. Sie war nicht zu aufdringlich und stand weniger im Vordergrund als der Klappentext erahnen lässt. Auch wenn hier nicht jede Gefühlswallung immer ganz nachvollziehbar war, war diese insgesamt dennoch schön zu lesen. 

Besonders am Buch fand ich außerdem, dass die Autorin keinen Halt davor machte, auch wirkliche Dramatik mit reinzubringen. Zum Teil wusste man nicht mehr, wer am Ende wohl noch lebt. Auch wurde die Geschichte nicht gezielt auf ein Happyend zugesteuert. So stellte man sich besonders zum Ende hin die Frage: Gibt es überhaupt ein Happyend? Doch das sei an dieser Stelle nicht verraten. In jedem Fall lohnt es sich jede Seite dieses Buchs zu verschlingen! Daher gebe ich vier Sterne, die man eigentlich noch mit einem Sternchen versehen müsste.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Kulturschock, aber ein überraschend guter

Crazy Rich Asians
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Eigentlich sind Rachel und Nick ein ganz gewöhnliches asiatisches Pärchen, das in Amerika lebt. Zumindest glaubt Rachel das, bis sie nach 2 Jahren Beziehung endlich mal Nicks Familie kennenlernen soll ...

Eigentlich sind Rachel und Nick ein ganz gewöhnliches asiatisches Pärchen, das in Amerika lebt. Zumindest glaubt Rachel das, bis sie nach 2 Jahren Beziehung endlich mal Nicks Familie kennenlernen soll - in Singapur, dem Land der Reichen und Schönen. Nicht grundlos wähle ich diese Bezeichnung für das Land, denn in genau diese Welt wird Rachel unverhofft katapultiert, mit all ihren Schattenseiten. Denn von dem Reichtum, den Nick irgendwann einmal erben wird, ahnt sich nichts...

Tatsächlich habe ich eine Weile gebraucht, bis ich in die Geschichte reingefunden habe. Gerade am Anfang des Romans ist man schnell überfordert von den vielen Perspektivwechseln, die sogar im selben Kapitel stattfinden. Eben noch bei Rachel und Nick berichtet uns der allwissende Erzähler im nächsten Absatz schon was zeitgleich bei Nicks Mutter passiert. So bekommen wir als Leser während des Buchs Einblicke in verschiedenste Charaktere - dies ist am Anfang jedoch ein wenig zum Nachteil unserer Protagonisten Rachel und Nick. Es dauerte eine Weile bis die Charaktere der beiden für mich wirklich Farbe bekamen und sie mir sympatisch wurden.
Auch fällt es schwer sich bei den vielen Namen, die im Roman fallen, zu merken, wer nun gleich noch mal wer war. Auch der Stammbaum, der auf den ersten Seiten des Buchs abgedruckt ist, hilft einem hier nicht immer weiter, da Ausstehende, die nicht zur Familie gehören, aber dennoch eine Rolle im Roman spielen, nicht aufgeführt werden. Verwirrend, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran, nicht immer genau zu wissen, welche Tante das nun gleich noch mal war. Der Geschichte tut dies zum Glück keinen Abbruch, stattdessen verstärkt es sogar die tiefen Einblicke in asiatische Familienverhältnisse. Diese waren für mich ein einziger Kulturschock! Vor lauter Reichtum, Tratsch und Intrigen fühlt man sich sogar als Leser schon fehl am Platz, wie soll es da erst Rachel gehen? Aber lest selbst und lasst euch von dieser absurden Welt schockieren, emotionalisieren oder auch beeindrucken.

Ein paar abschließende Worte zum Ende des Romans: Hier kommt definitiv ordentlich Spannung auf, nur leider löst der Autor diese nach meinem Geschmack etwas zu schnell auf. Das Ende bleibt unausgesprochen, aber dafür gibt es ja die Fortsetzung. Wer sich auf den letzten Romanseiten nicht die Spannung nehmen will, sollte davon absehen den Klappentext des Folgeromans zu lesen.