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Veröffentlicht am 25.04.2020

Ergreifend und bewegend

Jägerin und Sammlerin
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In ihrem Roman „Jägerin und Sammlerin“ erzählt die in Berlin wohnende Autorin Lana Lux von der schwierigen familiären Beziehung zwischen der an einer Essstörung leidenden jungen Frau Alisa und ihrer Mutter ...

In ihrem Roman „Jägerin und Sammlerin“ erzählt die in Berlin wohnende Autorin Lana Lux von der schwierigen familiären Beziehung zwischen der an einer Essstörung leidenden jungen Frau Alisa und ihrer Mutter Tanya. An bestimmten Tagen überkommt Alisa eine Gier nach Essen, die ihr keine andere Möglichkeit lässt als einer Befriedigung ihrer Gelüste nachzukommen. Der Titel nimmt Anspielung darauf, dass sie dann auf die „Jagd“ geht und die immer gleichen ungesunden Lebensmitteln „sammelt“. Gleichzeitig ist das auf dem Cover abgebildete Eichhörnchen, das als Jäger und Sammler bekannt ist, auch Titelbild einer Zeitschrift, in der der vorläufig letzte große Erfolg von Alisa in einem enthaltenen Artikel beschrieben wird. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg für die Protagonistin in dieser beeindruckenden, faszinierenden Geschichte.

Zu Beginn des Romans steht Alisa kurz vor ihrem Abitur. Ihre Mutter hat ihr die frühere gemeinsame Wohnung überlassen als mit ihrem neuen Freund zusammengezogen ist. An Alisas Seite ist eine Freundin aus Kindertagen, mit der sie häufig Auseinandersetzungen hat. Neben der Schule hat Alisa mehrere Jobs, denen sie zu aller Zufriedenheit nachkomggmt. Trotz ihrer sehr guten Noten ist sie kaum motiviert, am Schulunterricht teilzunehmen und riskiert dadurch ihre Zulassung zur Prüfung. Nicht nur dadurch ist sie mit sich selbst unzufrieden, sondern auch mit ihrem Aussehen. Sie weiß, dass sie nicht den Ansprüchen entspricht, die Tanya an sie stellt. Alisas Ringen danach, sich selbst und anderen zu genügen führt sie in eine Abwärtsspirale, die dazu führt, dass sich ihre Essstörung immer stärker ausprägt und damit ihre Selbstverachtung immer mehr steigert, bis sie keine andere Möglichkeit mehr sieht und sich professionelle Hilfe sucht.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten habe ich darüber darüber gelesen, wie die Krankheit Alina immer mehr zu schaffen macht. In den beiden weiteren Teilen habe ich mehr über die Hintergründe erfahren wie es dazu kommen konnte, dass Alina zunehmend über sich selbst enttäuscht ist. Lana Lux schildert außerdem, wie Tanya ihre Ansichten zur Mutterrolle entwickelt und welche eigenen Wünsche sie für ihre eigene Zukunft und die ihrer Tochter hat. Es gelingt der Autorin anfangs, mich neugierig auf den weiteren Weg Alisas zu machen. Ebenso räumt sie im weiteren Verlauf des Romans der Lebensgeschichte von Tanya einen breiteren Raum ein, die sehr zum Verständnis der Mutter-Tochter-Beziehung beiträgt.

Lana Lux beschreibt detailreich und in klaren und deutlichen Worten, sei es der Umgang mit der unreinen Haut Alinas oder ihre Reaktion auf den übermäßigen Konsum von Essen. Ihre Schilderungen sind authentisch, auch weil sie selbst Erfahrung in den von ihren verarbeiteten Themen hat und ihr Wissen einfließen lässt. Sie hat selbst erlebt, wie man sich als Kind als Emigrierte in Deutschland fühlt. Als Ernährungswissenschaftlerin hat sie sich mit der Wirkung von Ernährung auseinandergesetzt.

Mit ihrem Roman „Jägerin und Sammlerin“ hat Lana Lux mich beeindruckt. Die Darstellung des Verhältnisses zwischen Mutter und Tochter, ihrer Erwartungen ans Leben und ihre Träume sind glaubwürdig. Für mich war es sowohl verstörend wie auch informativ über Essstörungen zu lesen. Dieses sehr ergreifende und bewegende Buch empfehle ich gerne weiter.

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Veröffentlicht am 20.04.2020

Verstörende historische Ereignisse verknüpft mit aktuellen Fallermittlungen

Der Himmel so rot
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Im Krimi „Der Himmel so rot“ von Marion Feldhausen ermitteln die Duisburger Hauptkommissarin Sofia Barucchi und ihr Team zum ersten Mal. Die Polizei wurde durch einen anonymen Anruf darüber informiert, ...

Im Krimi „Der Himmel so rot“ von Marion Feldhausen ermitteln die Duisburger Hauptkommissarin Sofia Barucchi und ihr Team zum ersten Mal. Die Polizei wurde durch einen anonymen Anruf darüber informiert, dass auf dem Kaiserberg, in der Nähe des bekannten Duisburger Zoos, das Skelett einer Frau aufgefunden wurde, die jemand dort vermutlich in den1980er Jahren vergraben hat. Die Identifizierung ist schwierig und führt schließlich nach Italien. Barucchi, deren Vater Italiener ist, stellt den Kontakt her. Unterdessen treffen sich Mitglieder einer Motorradgang in Duisburg und rangeln neben den Absprachen zu weiteren Verbrechen um ihre Führungsrollen.

Auch wenn es zunächst so aussieht, als ob die Handlungsstränge nichts miteinander zu tun haben, so sind sie doch miteinander verknüpft und führen beide in das Jahr 1944 zurück. Der Titel des Buchs, der einer Textzeile eines alten Kriegslieds entnommen ist, deutet an, dass das damalige Geschehen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg steht. Marion Feldhausen greift dabei eine wenig bekannte Tatsache von Verbrechen der deutschen Wehrmacht in Italien auf, die erst durch die Entdeckung des „Schranks der Schande“ im Palazzo Cesi, in dem Einzelheiten dazu von den Alliierten archiviert wurden, an die Öffentlichkeit traten.

Die Handlungsorte werden mit wenigen Worten skizziert. Marion Feldhausen hat einen eigenen Sprachstil, der auf Dialogen fokussiert. Im Kommissariat geht man locker miteinander um. Die Charaktere sind interessant gestaltet, aber ich hätte mir manchmal noch mehr Einzelheiten über das Leben der Figuren in ihrem Umfeld gewünscht. Das Alter einer Figur in Bezug auf dessen Vergehen verwirrte mich. Die Autorin erzählt mit klaren, deutlichen Worten den geschichtlich eingewobenen Aspekt ihres Krimis und beschreibt und beispielhaft die Gräuel der Wehrmacht. Das Thema erschütterte mich, vor allem die Folgen der Geschehnisse.

Bei den Ermittlungen greift Marion Feldhausen auch zu unkonventionellen Aufklärungsmethoden, die ich mir gut im Rahmen alltäglicher Fallermittlungen vorstellen konnte. Von Beginn an baut sie Spannung auf, die sie durch einige unerwartete Wendungen und parallellaufende Handlungen aufrechterhält, in denen nach und nach immer mehr Fakten zu Tage treten.

In ihrem gut komponierten Buch „Der Himmel so rot“ verbindet die Autorin Marion Feldhausen auf Fakten beruhende, verstörende Ereignisse im Zweiten Weltkrieg in Italien gekonnt mit spannenden kriminellen Handlungen in Duisburg, die erst wenige Jahre zurückliegen. Gerne empfehle ich den Krimi an alle Leser des Genres.

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Veröffentlicht am 17.04.2020

Vergnügliche Geschichte mit kriminellen Handlungen

Mathilda oder Irgendwer stirbt immer
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Die Titelfigur „Mathilda“ im gleichnamigen Roman von Dora Heldt nimmt im Prolog der Geschichte Rückblick auf die vergangenen turbulenten Monate und verrät dabei einiges, was in dieser Zeit geschehen ist. ...

Die Titelfigur „Mathilda“ im gleichnamigen Roman von Dora Heldt nimmt im Prolog der Geschichte Rückblick auf die vergangenen turbulenten Monate und verrät dabei einiges, was in dieser Zeit geschehen ist. Ein wenig lässt auch der Untertitel des Buchs „Irgendwer stirbt immer“ vermuten, dass die Dorfidylle von Dettebüll, dem Ort, in dem Mathilda nun schon über 60 Jahre lebt, durch unerwartete Ereignisse gestört wurde. Noch vor Aufblättern der ersten Seiten führt das Cover mit einer beschaulichen Szene des Landlebens stimmungsvoll in die Erzählung ein.

Gemeinsam mit ihrem Mann Gunnar, der inzwischen in Rente ist, wohnt Mathilda in einer Haushälfte, die ihrer Mutter Ilse gehört. Sie hat zwei erwachsene Kinder, die nicht mehr vor Ort leben. Obwohl sie gern im Dorf lebt, muss sie sich mit einigen Dingen, die ihr weniger oder gar nicht gefallen, arrangieren. Dazu gehört zum Beispiel ihre in der anderen Hälfte des Hauses wohnende Mutter, der sie zwar Respekt zollt, die sich aber auf ihre eigene Weise in sämtliche Belange einmischt, ihre Meinung kundtut und dabei immer auf der Suche nach einer wenig konstruktiven Auseinandersetzung zu sein scheint. Mathilda liebt Frieden und ist immer bereit, einzulenken und Streit beizulegen. Und eines Tages geschieht ein Unfall, der für Ilse nicht gut endet, aber für Mathilda vieles verändert. In der Zwischenzeit kehrt ihr Bruder Pit, ein Kneipenwirt in Hamburg, ohne ihr Wissen in besonderer Mission in sein Heimatdorf zurück. Er ahnt nicht, dass er selbst seinen Teil dazu beitragen wird, dass ungewöhnliche Ereignisse im Dorf geschehen, mit denen niemand gerechnet hat.

Mathilda ist ein sympathischer Charakter. Liebevoll kümmert sie sich sowohl um die ihr anvertrauten Menschen wie auch die ihr übertragenen Aufgaben. Viele Erledigungen sind für sie Routine und werden selten von ihr hinterfragt. Die Beziehungen innerhalb der Dorfgemeinschaft haben sich über Jahre herausgebildet, Freundschaften werden gepflegt, Widersacher gemieden. In Dettebüll kennt jeder jeden und weil so wenig geschieht, tragen sich Neuigkeiten schnell weiter, denn alle freuen sich über neue Gesprächsthemen. Dora Heldt schafft Figuren, denen sie einen eigenwilligen, nicht immer liebenswerten, manchmal überspitzt dargestellten Charakter verleiht, der sich aber im Laufe der Ereignisse auch ändern kann. Die Absichten einiger Personen sind schwierig vorherzusehen und tragen zu den ereignisreichen Begebenheiten bei. Mit der Zeit erhält die Handlung einige kriminelle Elemente. Über allem liegt ein durchgehend amüsanter Unterton, auch durch die Verknüpfung von Handlungen, die über den Zufall hinausgehen. Allerdings führte der gekonnt konstruierte Handlungsablauf mit immer neuen Verwicklungen zum Ende hin zu wenigen Längen.

In ihrem Roman „Mathilda“ schildert Dora Heldt zwar ein lauschiges Landleben, doch demgegenüber stellt sie auch die Vorteile des Wohnens in einer Stadt. Sie vermischt eine vergnügliche Geschichte mit kriminellen Handlungen, die sie aber passend zur Story als unerheblich erscheinen lässt. Gerne empfehle ich das Buch an Leser, die nach einer Erzählung für unterhaltsame Stunden suchen.

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Veröffentlicht am 13.04.2020

Vielschichtig und mit großer Empathie für Figuren und Handlungen erzählt

1000 Serpentinen Angst
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Mit „1000 Serpentinen Angst“ hat die in Berlin lebende Autorin Olivia Wenzel ihren ersten Roman vorgelegt. Wie schon der Titel andeutet, leidet ihre unbenannte Protagonistin, eine junge Frau im Alter von ...

Mit „1000 Serpentinen Angst“ hat die in Berlin lebende Autorin Olivia Wenzel ihren ersten Roman vorgelegt. Wie schon der Titel andeutet, leidet ihre unbenannte Protagonistin, eine junge Frau im Alter von Mitte 30 und Projektmanagerin im E-Commerce, unter einer Angststörung. Sie hat Flugangst, Angst vor Terror in allen Abstufungen und schließlich Angst vor der Angst. Aber sie ist aufgeschlossen, wissbegierig und vor allem reiselustig. Sie beobachtet genau und speichert die Szenen ab, um sie jederzeit wieder abrufen zu können. Leider sind ihre Erinnerungen nicht immer positiver Art.

Die Autorin lässt in ihre Geschichte durchgehend symbolisch einen Snackautomaten als Herz der jungen Frau einfließen. Sie steht immer wieder an einem Bahnsteig vor einem solchen Kasten. Die Orte, an denen sie sich dabei aufhält, sind wechselnd über die ganze Welt verstreut, Der Inhalt des Automaten ist vielfältig, so bunt wie das Leben. Als Kind hat sie für ihr Taschengeld Kaugummi mit Goodie gezogen, aber was sie sich gewünscht hat, ist selten erschienen. Heute kann sie direkt wählen, doch die große Auswahl macht es ihr nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Später ist der Automat kleiner und damit unauffälliger geworden. Um die Sicht auf den Inhalt zu erhalten, muss die Protagonistin sich bücken, sich selbst klein machen und sich biegen, aber die Auswahl ist vorhanden und es tut gut, sich seinen Wunsch zu erfüllen.

Geboren ist die junge Frau im Osten Deutschlands als Tochter einer alleinerziehenden Mutter und eines angolanischen Vaters, der in die Heimat zurückgekehrt ist. Bei ihrer Großmutter, dem Sozialismus verbunden, ist sie gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder eine Weile aufgewachsen. Ihre Mutter hat sich als Jugendliche zum Punk gewandelt und auf diese Art gegen das System rebelliert. Im Teenageralter hat die Protagonistin einen großen Verlust hinnehmen müssen. Aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe fiel sie oft ungewollt auf.

Für die junge Frau ist es nicht einfach, ihren eigenen Weg zu finden und gesellschaftspolitisch eine eigene Meinung zu bilden. Sie lehnt jede Art von Gewalt ab genauso wie jede Form der Diskriminierung.

Olivia Wenzel findet eine ganz eigene Erzählweise. Ihr Roman ist in drei Teile geteilt. Der erste und letzte Teil ist vorwiegend im Frage-Antwort-Stil geschrieben. Die Fragen sind durchgehend in Großbuchstaben geschrieben und dementsprechend fordernd. Die fragende Person bleibt unbenannt. Das Stil erinnerte mich teils an Pressekonferenzen, bei denen die Interviewer vorbereitete Fragen stellen, auch wenn sie nicht zur Situation passen, weil es Fragen sind, die zu ihnen gehören und die sie immer in ihrem Repertoire haben. Die junge Frau antwortet, bleibt gelassen, rückversichert sich und lässt manchmal durch die Fragen angeregt ihre Gedanken schweifen. Während des dritten Teils ändert sich die fragende Person und schlüpft in die Rolle der jungen Frau, die nun aus zwei Perspektiven spricht.

Die Mitte des Romans besteht zu einem großen Teil aus der Betrachtung von Fotos, die für das Leben der jungen Frau von Bedeutung sind. Rückblicke auf Kindheit und Jugend stehen neben Reisen in die USA und nach Vietnam, der Heimat einer ihrer Freundinnen, während sie ebenso ihren Alltag in Berlin meistert.

Olivia Wenzels Roman „1000 Serpentinen Angst“ ist vielschichtig. Er vermittelt Lebensfreude ebenso wie Ängste, von denen man sich aber nicht entmutigen lassen sollte. Liebe in allen Schattierungen und die Frage danach, wo man sich Zuhause fühlt sind weitere Themen. Während des Lesens fragte ich mich häufiger, wie viel Selbsterlebtes die Autorin in ihre Geschichte einfließen ließ, vor allem weil sie eine große Empathie für ihre Figuren und deren Handlungen zeigt. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

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Veröffentlicht am 08.04.2020

Erschreckend realistische und verstörende Geschichte

Die Parade
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Dave Eggers Roman „Die Parade“ spielt in einem unbenannten Land, in dem bis vor kurzem Bürgerkrieg herrschte, in der jetzigen Zeit. Auf Anordnung des Unternehmens, für das die zwei Protagonisten arbeiten, ...

Dave Eggers Roman „Die Parade“ spielt in einem unbenannten Land, in dem bis vor kurzem Bürgerkrieg herrschte, in der jetzigen Zeit. Auf Anordnung des Unternehmens, für das die zwei Protagonisten arbeiten, sind deren Namen anonymisiert, was konkret heißt, dass die beiden sich mit einstelligen Zahlen anreden, die sie sich selbst ausgesucht haben. Ihre Aufgabe besteht darin, eine bereits planierte und verdichtete Straße mittels einer Maschine zu asphaltieren und zu markieren. Sie ist 230 Kilometer lang und führt von der quirligen Hauptstadt im Norden in den ländlich geprägten Süden, Für die Arbeiten ist ein Zeitraum von höchstens zwölf Tagen vorgesehen. Der Plan muss eingehalten werden, denn die fertige Straße soll für die große angekündigte Parade, die als Zeichen für den Anbruch friedlicherer Zeiten stattfinden soll, zur Verfügung stehen.

Der Protagonist „Vier“ ist ein erfahrener Tiefbauarbeiter, der schon viele Aufträge zur Zufriedenheit für das Unternehmen durchgeführt hat. Er beherzigt die Ratschläge der Firma in Bezug auf das Verhalten vor Ort gegenüber den Einheimischen und die Empfehlungen in Bezug auf den Verzehr von Speisen und Getränken. Doch nicht nur Zuverlässigkeit, sondern auch Durchsetzungskraft sind ihm zu eigen, darum sieht er sich auch als weisungsgebend seinem Kollegen „Neun“ gegenüber, was dieser aber nicht akzeptieren will. Vier wird die Maschine fahren, während Neun mit einem Quad vorausfährt und mögliche Hindernisse beseitigt. Für Neun ist es der erste Auftrag. Er hat seine eigenen Auffassungen vom Umgang mit Land und Leuten hat. Sein Vorteil ist die Kenntnis der Sprache. Schon kurz nach dem Kennenlernen stellt Vier fest, dass die Arbeitsbeziehung sich schwierig gestalten könnte.

Dave Eggers stellt zwei sehr unterschiedliche Charaktere gegenüber mit jeweils einer anderen Auffassung davon, wie die aufgetragene Arbeit zu erfüllen ist. Während für Vier, auch aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, die strikte Erfüllung des Solls im Vordergrund steht und er Kontakte zu Einheimischen durchaus auch als gefährlich einstuft, interessiert sich Neun für die fremde Kultur und genießt neue, ungewöhnliche Angebote mit allen Sinnen. Konfliktpotential ist von Beginn an reichlich vorhanden. Mit einer gewissen Spannung verfolgte ich die Auseinandersetzungen. Die Folgen des jeweiligen Verhaltens waren zunächst fast absehbar, wurden dann aber überraschend.

Neun ist stolz darauf, wertvolle Hilfe bei der Fertigstellung der Straße leisten durch das Unternehmen für das er arbeitet leisten zu können. Sie wird eine schnellere Verbindung schaffen, was vor allem dem Handel zwischen den Regionen zugutekommen wird und die Wiederaufbauarbeiten des Landes werden schneller möglich. Allerdings wird der Transportweg nicht nur für Güter des täglichen Bedarfs zur Verfügung stehen, sondern in dem korrupten Land auch Möglichkeiten zur rascheren Verbreitung unerwünschter Ware bieten.

„Die Parade“ von Dave Eggers ist eine erschreckend realistische und verstörende Geschichte, die einerseits für Völkerverständigung und Kulturausstauch steht, andererseits aber unserer Skepsis Fremdländischen und Unbekanntem gegenüber Nahrung gibt. Der Schluss wird nicht jedem Leser gefallen, wäre aber durchaus denkbar. Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.

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