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Veröffentlicht am 30.05.2025

Existenzielle Fragen unseres Daseins mit Sinn, Verstand und Empathie lösen

Leben und Sterben
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Die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Prof. Dr. Alena Buyx berichtet in ihrem Buch „Leben & Sterben - Die großen Fragen ethisch entscheiden“, wie in der medizinischen Praxis relevante Aspekte ...

Die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Prof. Dr. Alena Buyx berichtet in ihrem Buch „Leben & Sterben - Die großen Fragen ethisch entscheiden“, wie in der medizinischen Praxis relevante Aspekte des Lebens geklärt werden, um gut und richtig zu handeln. Dabei spielt es eine Rolle, was moralisch erlaubt, zulässig und gesollt ist. Mit ihren Ausführungen möchte sie allen eine fundierte Grundlage vermitteln, um sich eine sorgfältig abgewogene Meinung zu medizinethischen Problemen bilden zu können. Zu beachten sind vier Prinzipien: der Respekt vor der Selbstbestimmung des Patienten, die Schadensvermeidung, die Fürsorge beziehungsweise das Wohltun und die Gerechtigkeit. Nachdem die Autorin die Prinzipien erläutert hat, folgen vier Kapitel, die sich den Fragen am Lebensbeginn (z.B. Frühgeburt und künstliche Befruchtung), am Ende des Lebens (z.B. Palliativmedizin, Sterbehilfe), dem Arzt-Patienten-Verhältnis und schließlich dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotik in der Medizin widmen.

Anhand von wenigen Fallbeispielen, an deren Klärung im Sinne der Ethik sie mitgearbeitet hat, verdeutlicht sie die Problemstellung, die meist viel komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Man merkt, dass Alena Buyx gewöhnt ist, ihr Wissen im studentischen Umfeld zu vermitteln, denn sie spricht die Lesenden im Text regelmäßig darauf an, ob eine eigene Meinung zum beschriebenen Themenkreis besteht. Es gelingt ihr, die Vielseitigkeit der Fragen zu zeigen. Häufig verweist sie auf weiterführende Literatur im fünfundzwanzigseitigen Anhang, der nach Kapiteln und darin alphabetisch geordnet ist. Dadurch kann die gelesene Textstelle nicht immer direkt der weiterführenden Lektüre zugewiesen werden. Sicherlich ist es sinnvoll, die Ausführungen im Buch zu beschränken, aber die Hinweise auf den Anhang unterbrechen den Lesefluss.

Das Buch „Leben & Sterben“ von Prof. Dr. Alena Buyx behandelt auf eine begreifbare Weise existenzielle Fragen unseres Daseins, die mit Sinn, Verstand und Empathie geklärt werden müssen. Die Ausführungen regen dazu an, sich intensiv mit den verschiedenen geschilderten Situationen auseinanderzusetzen, insbesondere im Hinblick auf persönliche Entscheidungen wie das Verfassen einer Patientenverfügung. Ich fand die Themen interessant und anregend. Daher empfehle ich das Buch allen, die sich trotz der kleinen Kritikpunkte mit medizinethischen Aspekten zwischen Leben und Sterben beschäftigen möchten.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Ansprechend schön gestaltetes Buch, auch zum Verschenken geeignet

Schauplätze der Weltliteratur
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Das Buch „Schauplätze der Weltliteratur“ ist eine „Reise zu berühmten Orten großer Werke“, wie es im Untertitel heißt. Es geht hier nicht darum, reale Schauplätze vorzustellen. John Sutherland, der die ...

Das Buch „Schauplätze der Weltliteratur“ ist eine „Reise zu berühmten Orten großer Werke“, wie es im Untertitel heißt. Es geht hier nicht darum, reale Schauplätze vorzustellen. John Sutherland, der die Sammlung zusammengestellt hat, erklärt in seiner Einleitung, dass eine „literarische“ Landschaft mit Worten gestaltet wurde. Sie lösen beim Lesenden ein Kopfkino aus, anhand dessen sich für ihn eine Vorstellung bildet. Außerdem bezieht er in dem von ihm angewendeten Konzept sowohl Orte wie auch die Gewohnheiten, Sitten und Konventionen der dort lebenden Menschen mit ein. Anhand der Beschreibung von SchriftstellerInnen des gleichen Schauplatzes wird deutlich, wie verschieden dieser wahrgenommen wird.

In vier verschiedenen Kapiteln ordnet der Herausgeber die von ihm ausgewählten Bücher zeitlich zu. „Romantische Aussichten“ behandelt Romane, die in der Zeit bis 1920 geschrieben wurden, „Kartierung der Moderne“ schaut auf Bücher aus der Zeit von 1921 bis 1951, „Nachkriegspanoramen“ umfasst die Jahre bis 1982 und abschließend blickt man in „Zeitgenössische Schauplätze“ auf die vergangenen vier Jahrzehnte. Jedes Buch wird auf zwei bis vier Seiten vorgestellt. Nach einem ersten Pitch unterhalb des Titels wird der Inhalt des literarischen Werks kompakt zusammengefasst. Kurze Zitate aus dem jeweiligen Roman ergänzen den Überblick. Biografische Informationen zur Autorin oder zum Autor befinden sich in einer äußeren Spalte am Beginn der Vorstellung. Fotos, Landkarten, Illustrationen und Meisterwerke ergänzen die Darstellung.

Die Präsentation eines Romans übernehmen AutorInnen von Rang, die im Anhang alphabetisch aufgeführt sind. Dazu zählen KritikerInnen, ProfessorInnen und RedakteurInnen. Auf welche Reise sie den Lesenden mitnehmen, steht unterhalb ihrer Beschreibung. In ihren Zusammenfassungen des jeweiligen Werks beschreiben sie neben dem Schauplatz Wissenswertes zu Hintergründen und Motiven der Entstehung. Ein Register und ein Bildnachweis finden sich ebenfalls am Ende des Buchs.

„Schauplätze der Weltliteratur“ ist ein ansprechend aufgemachtes gestaltetes Buch, das wertig erscheint. Von den mehr als siebzig vorgestellten Werke kann der Lesende sich inspirieren lassen, um den Roman anschließend zu erwerben und zu lesen. Diejenigen, die das ein oder andere Buch bereits kennen, werden sich gerne durch die Präsentation daran zurückerinnern. Ich vergebe eine Leseempfehlung und weise darauf hin, dass das Buch auch gut zum Verschenken geeignet ist.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Übersicht über wichtige Formen der Neurodiversität

Richtig anders - anders richtig
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In ihrem Buch „Richtig anders – anders richtig“ beschreiben die Autorinnen Kathrin Köller und Irmela Schautz den Kosmos der Neurodiversität, die die Vielfalt unserer Gehirne widerspiegelt. Jeder Mensch ...

In ihrem Buch „Richtig anders – anders richtig“ beschreiben die Autorinnen Kathrin Köller und Irmela Schautz den Kosmos der Neurodiversität, die die Vielfalt unserer Gehirne widerspiegelt. Jeder Mensch ist einzigartig und darum kann er nicht neurodivers sein, sondern ist ein Neurotyp, der im Vergleich mit anderen die Verschiedenartigkeit zeigt. Unsere Gesellschaft misst den Personen grundsätzlich an einer Mehrheit. Wessen Gehirn anders funktioniert, ist neurodivergent. Die Autorinnen widmen sich in drei Kapiteln den großen Abweichlern, die sogar in den beiden Krankheitskatalogen aufgeführt sind: ADHS, Legasthenie sowie Dyskalkulie und Autismus. Weitere Formen, am Rande des neurodivergenten Spektrum sind Synästhesie, Dyspraxie, Bipolarität und Hochsensibilität. Sie werden kurz erklärt, aber nicht weiter ausgeführt.

Kathrin Köller und Irmela Schautz möchten betroffene Menschen mit ihren Ausführungen stärken und ihnen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen, unter anderem, damit sie offen mit ihrer Neurodivergenz umgehen. Zugleich richten sich ihre Beiträge an all jene, die bisher wenig oder gar nichts über neurologische Störungen gehört haben. In der Gesellschaft kursieren viele Vorurteile, die durch das hier vermittelte fundierte Wissen abgebaut werden können. Eine Diagnose kann erleichternd sein, führt jedoch leider noch immer viel zu oft zur Stigmatisierung.

Niemand sollte sich zurückziehen, betonen die Autorinnen, wenn er denkt, dass er anders als der Durchschnitt ist. Sie heben hervor, dass es wichtig ist, sich professionelle Hilfe zu suchen, um die Unterstützung zu erfahren, die möglich ist. Verschweigen kann zu einer Abwärtsspirale führen. Es ist eine Gratwanderung zwischen den Konnotationen „einfach nur anders“ und „behindert“, was benötigte Therapie und Nachhilfe bereitstellt. Die jeweiligen Störungen sind komplex und für jede und jeden muss eine individuelle Hilfe gefunden werden.

In den Texten, die mit dem Button „Hero“, „Voices“, „Interviews“ oder „Porträt“ gekennzeichnet sind, werden Betroffene mal kürzer, mal länger vorgestellt oder kommen selbst zu Wort. Zahlreiche farbige Illustrationen verdeutlichen das im Text Beschriebene und sprechen bereits eine jüngere Leserschaft an. Das Buch ist ab elf Jahren konzipiert. Ich empfehle es auch Erwachsenen, sich mit den Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen und dabei mehr über Neurodivergenzen zu erfahren.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Unterhaltender und gut durchdachter Kriminalroman

Freunderlwirtschaft
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Ihren Kriminalroman „Freunderlwirtschaft“ siedelt Petra Hartlieb im politischen Umfeld Österreichs an. Max Langwieser, der Minister für Landwirtschaft und Tourismus, ist im Wohnzimmer seiner Penthouse-Wohnung ...

Ihren Kriminalroman „Freunderlwirtschaft“ siedelt Petra Hartlieb im politischen Umfeld Österreichs an. Max Langwieser, der Minister für Landwirtschaft und Tourismus, ist im Wohnzimmer seiner Penthouse-Wohnung gestürzt und hat sich dabei tödlich verletzt. Seine Verlobte und Mitbewohnerin Jessica ist geflohen und unauffindbar. Die Wiener Hauptkommissarin Alma Oberkofler, die erst vor einigen Tagen ihre Stelle angetreten hat, findet Anhaltspunkte dafür, dass der Tote nicht durch einen Unfall starb. Die Hinweise reichen bis in die inneren Kreise der Regierung.

Bereits der Titel des Buchs deutet den Hintergrund für den Ermittlungsfall an: Freunderlwirtschaft steht für eine Bevorzugung von Verwandten, Freunden und Bekannten unter anderem bei der Vergabe von Aufträgen wie im vorliegenden Fall. Auf der anderen Seite gilt auch das Sprichwort „eine Hand wäscht die andere“ und sich aus einem einmal eingegangenen Deal zurückzuziehen ist schwierig. Die Farbe des Covers nimmt Anspielung auf eine österreichische Partei. Aus den Kapitelüberschriften ergibt sich jeweils ein kleiner Hinweis auf den Inhalt des folgenden Kapitels.

Petra Hartlieb versteht es gut, ihren Figuren einen ansprechenden Hintergrund zu geben. Von Alma erfährt der Lesende, warum sie zur Kriminalpolizei gegangen ist. Sie erzählt davon, dass das Opfer und seine Verlobte sich von Kindheit an kannten und beschreibt, wie die beiden zueinandergefunden haben. Anders als Alma erfahren die Leserin und der Leser den Aufenthaltsort von Jessica zu einem frühen Zeitpunkt. Ihre Gründe für eine Flucht werden Stück für Stück aufgedeckt, sodass der Fall ein weiteres Spannungselement erhält. Die Autorin hat Verwicklungen konstruiert, die an tatsächlichen Begebenheiten aus den 1970er-Jahren anlehnen.

„Freunderlwirtschaft“ von Petra Hartlieb ist ein unterhaltender und gut durchdachter Kriminalroman, der politische Themen aufgreift und stellenweise Kritik an der Gesellschaft übt. Die Autorin kreiert mit viel Empathie interessante Charaktere, die in einer vielschichtigen Handlung realistisch agieren. Gerne empfehle ich das Buch an Lesende weiter, die Krimis mit politischem Hintergrund mögen.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Bewegender Roman über Freundschaften, Hoffnung, Verzeihen

Geheimname Eisvogel
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Die in England lebende Liz Kessler verknüpft in ihrem Jugendbuch „Geheimname Eisvogel“ das aktuelle Thema Mobbing mit dem historischen Kontext des Antisemitismus.

Die Protagonistin Liv besucht die achte ...

Die in England lebende Liz Kessler verknüpft in ihrem Jugendbuch „Geheimname Eisvogel“ das aktuelle Thema Mobbing mit dem historischen Kontext des Antisemitismus.

Die Protagonistin Liv besucht die achte Klasse und erlebt, dass sich ihre beste Freundin von ihr abwendet und sie mit der Unterstützung neuer Freundinnen zunehmend provoziert. In Gabi, einer Klassenkameradin, mit der sie bisher wenig Kontakt hatte, findet sie unerwartet eine stille, besonnene Verbündete. Als Livs über 90-jährige Großmutter Bubbe aufgrund ihrer Demenz in ein Seniorenheim zieht, entdecken Liv und Gabi bei der Auflösung ihres Haushalts auf dem Dachboden einen Stapel mit alten Dokumenten und Fotografien. Eines der Fotos zeigt ein Ehepaar mit zwei Jungen und zwei Mädchen. Auf der Rückseite sind sie als Mila und Hannie bezeichnet. Das Bild ist auf den Juli 1942 datiert und in Amsterdam aufgenommen. Liv versteht zunächst nicht, weshalb sich das Foto im Besitz ihrer Großmutter befindet.

In einem parallelen Handlungsstrang erzählt die Autorin von der zwölfjährigen Mila und ihrer älteren Schwester Hannie. Die beiden jüdischen Mädchen wurden im Zweiten Weltkrieg von ihren Eltern mit neuer Identität ausgestattet und an eine arische Familie gegeben, um einer drohenden Deportation zu entgehen. Hannie entwickelt ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und schließt sich und dem Codenamen Eisvogel einer Widerstandsbewegung an, für die sie geheime Botengänge übernimmt. Mila hingegen leidet zunehmend unter der wachsenden Distanz zu ihrer Schwester.

Sowohl Liv wie auch Mila berichten in der Ich-Perspektive, wodurch ihre Erlebnisse und Empfindungen dem Lesenden besonders eindringlich nahegebracht werden. Auch wenn ihre Lebenswelten kaum vergleichbar sind, spiegelnd die Sorgen der beiden Mädchen und Milas Schwester Hannie auf unterschiedliche Weise wichtige Probleme ihrer jeweiligen Generation wider. Gemeinsam ist ihnen der Mut, sich gegen unterschiedlicher Formen von Ausgrenzung und Ungerechtigkeit zu wehren.

Um die Erzählung noch lebendiger zu gestalten, spielt Liz Kessler zusätzlich mit weiteren Erzählperspektiven. Durch die geschickte Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart rückt sie ein historisches Kapitel in den Fokus von jungen Lesenden. Das Buch spricht jedoch auch ältere Leserinnen und Leser an.

„Geheimname Eisvogel“ ist ein bewegender Roman über Freundschaften, Hoffnung, Verzeihen und Akzeptanz des Unvermeidlichen, bei der nicht alles zum Besten endet, aber gerade dadurch tief berührt und nachhallt. Die Autorin Liz Kessler zeigt eindrucksvoll ein unrühmliches Kapitel der Geschichte, das bis in unsere Gegenwart greift und nicht in Vergessenheit geraten sollte. Die thematisierten Aspekte haben tiefgehende Bedeutung, so dass das Buch auch für den Einsatz in Schulklassen geeignet ist. Ich empfehle es daher ausdrücklich weiter.

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