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Veröffentlicht am 16.09.2016

Wunderbar köstlicher Lesegenuss

Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen
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Als Unterprimanerin habe ich auf die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“ mit „nach dem Sinn des Lebens zu suchen“ geantwortet. Das hatte ich vorher irgendwo gelesen und war stolz darüber einen so sinnvollen ...

Als Unterprimanerin habe ich auf die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“ mit „nach dem Sinn des Lebens zu suchen“ geantwortet. Das hatte ich vorher irgendwo gelesen und war stolz darüber einen so sinnvollen Beitrag zum Unterricht geleistet zu haben. Dass die Antwort auf die Frage sich denn doch nicht ganz so einfach und pauschal abtun lässt, zeigt Emma Braslavsky mit ihrem Roman „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“. Ihre Protagonisten sind auf der Suche nach dem Lebenssinn, nach einer besseren Welt und nach sich selbst. Tiere sind nicht nur im Titel enthalten, sondern finden in vielfältiger Form Eingang in diesen Roman, beispielsweise als Kosewort, verkleideten Akteuren, Redewendungen oder auch wenn einer der Protagonist eine Annäherung zwischen Tier und Mensch durch die Nutzung von aufblasbaren Einhorn-Hörnern vorschlägt, die so wie die Installation auf dem Cover sie trägt, überzustülpen sind.

In mehreren Erzählsträngen, die mehr oder weniger zufällig am Ende zusammenlaufen, finden sich Suchende jeglicher Couleur. Da ist einerseits ein in Berlin lebendes Pärchen. Jivan Haffner Fernandez, Mitte 40, kommt aus reichem Haus und muss sich schon wegen seines Erbes keine Sorgen um seine finanzielle Zukunft machen, wäre da nicht die eine einzige klitzekleine Bedingung die sein Vater daran geknüpft hat. Woher die Familie vor langer Zeit das Fundament zum heutigen Vermögen erworben hat, will man als Leser lieber nicht so genau wissen. Leider hält Jivan sich nicht nur selbst für unwiderstehlich, sondern auch das Online-Pokerspiel. Durch seinen Beruf als Bunkerarchitekt ist er nicht eben ausgelastet und hat so jede Menge Zeit mit seinen Ideen seine Frau Jo dabei zu unterstützen, auf der Karriereleiter bei einem Unternehmen, das sich für eine bessere Umwelt einsetzt, hochzuklettern. Jo lebt sehr gut auf Kosten ihres Mannes. Die Beziehung der beiden funktioniert fast nur noch auf sexueller Ebene. Um ihre Ansprüche durchzusetzen, geizt Jo selten mit ihren Reizen. Doch die Verfolgung ihrer Karriere verbunden mit dem festen Willen die Welt zu verbessern neigt ihre Seite der Beziehungswaage immer mehr.

Andererseits befindet sich die erst 19 Jahre alte Spanierin Roana auf einer väterlich verordneten Suche. In der Einsamkeit einer Vulkanlandschaft Argentiniens soll in ihr der Wunsch entstehen, in das Bauunternehmen ihres Vaters einzusteigen. Niemand kann es ihr verdenken, dass sie sich aus Langeweile stattdessen nach Buenos Aires begibt, um dort den Weg zu finden, der sie zu höherem bestimmt. Auf diesem Weg begegnet sie menschlichen Gorillas, Kabbalisten und den Schriften von Borges. Ihrem jugendlichen Alter sei es geschuldet, dass sie ihr Fähnchen hauptsächlich danach ausrichtet, wer ihr einen Schlafplatz und Essen gibt.

Die Erzählung springt zwischen diesen beiden Handlungen und wird unterbrochen durch aktuelle Neuigkeiten aus aller Welt, die auf dem Blog N-Global bekannt gemacht werden und sich schließlich immer mehr auf eine neue, aus dem Meer aufgestiegene Insel mit vermuteten, beachtlichen Rohstoffvorkommen konzentrieren, die Staaten und Organisationen gerne für sich requirieren würden. Immer wieder begegnet der Leser auch Noah Hoffmann, der gemeinsam mit seiner Freundin Jule aus dem Alltag ausgestiegen ist und nun sein Leben in einer paradiesischen Bucht frönt, auch wenn schon mal ein Schatten darüber fällt. Und dann gibt es noch ein paar Kapitel in denen man sich beim Lesen einfach dem niedergeschriebenen Gedankengang hingeben kann wenn beispielsweise ein Haar auf seine Reise geht.

Die Autorin glänzt in diesem Roman mit lebendigen Ideen, humorvoll und kurios. In einer geschliffenen Sprache gibt sie dem Leser Denkanstöße zu Umweltschutz, Weltanschauungen, alternativen Lebensweisen und vielem mehr. In den Erzählabschnitten mit Jivan als Protagonisten übernimmt ein allwissender Erzähler die Schilderung der Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge. Dennoch liest man, durch kursive Schrift hervorgehoben, die Gedanken Jivans, oft auch als seine Reaktion auf den vorigen Text. Auf diese Weise rechtfertigt er häufig sein Tun, manchmal fühlt man aber auch seinen Kampf mit den inneren Dämonen, die aus seiner Erziehung heraus seinen Charakter geformt haben und gegen die er nun nicht anzukommen weiß, auch wenn er das auch eigentlich gar nicht will.

Roana dagegen erzählt in der Ich-Form, wodurch der Leser, den sie als ihren Verbündeten anspricht, ihrer Gedanken- und Gefühlswelt sehr nahe kommt. Sie erzählt aus der Gegenwart heraus im Rückblick auf die letzten Wochen und Monate. Sie ist also bereits da, wo der Leser erst am Ende des Buchs sein wird. Ihr Ziel ist es, sich den Respekt ihres Vaters zu verdienen. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und spricht eine unter jungen Leuten übliche Alltagssprache. Bewundernswert fand ich ihren Mut sich gegen die Wünsche ihres Vaters aufzulehnen, sich tief sinken zu lassen, das Gemeinwohl zu schätzen und sich in dessen Dienst zu stellen, wenn auch nicht uneigennützig. Von Beginn an weiß man, dass sie schwanger ist und nicht nur der Leser stellt sich die Frage nach dem Vater.

Emma Braslavsky zielt mit kleinen wohl dosierten Spitzen gegen Weltverbesserer, Sinnsuchende, Forscher und Politiker. Es ist spannend nachzuvollziehen, inwieweit die von ihr genannten Entwicklungen auf verschiedenen Gebieten dem tatsächlichen heutigen und dem zukünftig möglichem Stand der Dinge entsprechen. Welchen Weg der Einzelne gehen möchte, muss letztendlich jeder selbst bestimmen.

„Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ ist ein amüsanter, kreativer, abenteuerlicher, wunderbar köstlicher Lesegenuss, dem ich meine besten Empfehlungen gebe.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Überraschende Entdeckungen in der Familiengeschichte

Schattwald
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„Schattwald“ ist der erste Roman aus der Feder von Barbara Dribbusch. Titelgebend ist ein erdachtes Sanatorium im Ötztal. Die Geschichte ist zweigliedrig aufgebaut. Ein Teil der Geschichte spielt in der ...

„Schattwald“ ist der erste Roman aus der Feder von Barbara Dribbusch. Titelgebend ist ein erdachtes Sanatorium im Ötztal. Die Geschichte ist zweigliedrig aufgebaut. Ein Teil der Geschichte spielt in der Gegenwart, der andere zum größten Teil in eben jenem Ötztal in der Vergangenheit des Jahres 1943.

Die Hamburger Journalistin Anne Südhausen, Mitte 40, ist erst vor kurzem von ihrem Mann wegen einer anderen verlassen worden. Als sie von der Freundin ihrer Großmutter Charlotte die Mitteilung erhält, dass diese verstorben ist, macht sie sich auf den Weg nach Innsbruck um sich dort um die Beerdigung und weitere notwendig gewordene Angelegenheiten zu kümmern. In einem Versteck im Haus findet sie Hefte in denen ihre Oma ihre Erlebnisse im Winter des Jahres 1943 aufgezeichnet hat, in dem sie wegen eines Nervenleidens im Sanatorium Schattwald, fern des heimatlichen Regensburgs, behandelt wurde. Für den Leser ist bereits durch den Prolog klar, dass dort damals ein Mord geschehen ist. Die Hintergründe dazu erfährt Anne beim Lesen. Das Verhalten einiger Menschen in ihrem Umfeld kommt ihr seltsam vor. Es geschehen ein paar merkwürdige Dinge, die sie erkennen lassen, dass sie selber in Gefahr ist. Die Aufzeichnungen ihrer Großmutter bergen einige Überraschungen für sie und decken ungeahnte Familiengeheimnisse auf.

Barbara Dribbusch verbindet zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Während es in der Vergangenheit um die Umgang der Nationalsozialisten mit psychisch Erkrankten geht, setzt sich Anne in der Gegenwart mit sich selbst und dem Einfluss von Männern auf ihr Leben auseinander. Der Tod ihrer Großmutter verbindet beide Szenarien und Anne fühlt sich, während sie sich mit der Vergangenheit ihrer Oma auseinandersetzt, sogar bedroht. Das Thema Sanatorium während des 2. Weltkriegs fand ich gut gewählt und interessant, die Darstellung war realistisch.

Leider konnte ich die Handlungsweisen von Anne nicht immer nachvollziehen. Obwohl sie über die nächsten Schritte nachdenkt, die zur Organisation der Beerdigung anstehen und auch ihre bisherigen Bemühungen reflektiert, agiert sie einige Male entgegen ihres Vorhabens und wirkt dadurch leicht einfältig. Der Zufall spielt mehrfach gestaltend in den Ablauf der Geschehnisse.

Anne erzählt ihre Geschichte in der Ich-Form. Die Aufzeichnungen von Charlotte sind jedoch aus der Sicht eines allwissenden Erzählers zu lesen. In dieser Darstellung lassen sich die Ereignisse weiter ausführen als in Form eines Tagebuchs.

Insgesamt liest sich der Roman leicht und schnell. Ich fühlte mich gut unterhalten und hatte ein paar nette Lesestunden.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Unverbrauchtes Thema, angenehm und leicht lesbar geschrieben

Der Glasmurmelsammler
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Auf Fergus Boggs kann leider das alte englische Sprichwort „He’s lost his marbles“ im wörtlichen wie übertragenen Sinne angewendet werden, denn nach einem Schlaganfall hat er einen Teil seines Verstands ...

Auf Fergus Boggs kann leider das alte englische Sprichwort „He’s lost his marbles“ im wörtlichen wie übertragenen Sinne angewendet werden, denn nach einem Schlaganfall hat er einen Teil seines Verstands verloren, seine Erinnerung ist nur noch bruchstückhaft vorhanden. Er ist „der Glasmurmelsammler“ im gleichnamigen Buch von Cecilia Ahern. Doch in seiner Murmelsammlung fehlen einige wertvolle Stücke.

Die bunten Punkte auf dem Cover symbolisieren nicht nur die Vielfalt von Murmeln, sondern auch das facettenreiche Leben von Fergus, der sich aus ganz kleinen Verhältnissen zum Verkaufsberater emporgearbeitet hat. Seit seinem Schlaganfall ist er in einem Pflegeheim in Dublin untergebracht. Eines Tages werden dort mehrere Kisten mit Murmeln abgegeben. Sabrina, Mitte 30, verheiratet, drei Söhne und Teilzeit als Bademeisterin beschäftigt, wird vom Heim darüber informiert. Für sie ist das der Beginn einer Entdeckungsreise hin zu den Geheimnissen im Leben ihres Vaters, der nie von seinem vielgeliebten Hobby, dem Murmelspiel, ablassen konnte. Schnell bemerkt Sabrina das Fehlen einiger wertvollen Murmeln in den Kisten. Sie begibt sich auf die Suche danach. An nur einem einzigen Tag entsteht für sie ein ganz neues Bild von ihrem Vater.

Cecilia Ahern greift mit den Glasmurmeln ein unverbrauchtes Thema auf. Im Laufe der Erzählung erfährt man einiges über Sorten und Farben, sogar Spielregeln beschreibt die Autorin in ihrem Buch. Fergus und Sabrina sind zwei sehr interessante Charaktere, die ihre guten und schlechten Seiten im Laufe der Geschichte zeigen. Beide erzählen in der Ich-Form. Während der Leser Sabrina über den Tag begleitet, angefangen bei ihrer Arbeit im Schwimmbad, ihrem Besuch beim Vater bis hin zur Suche nach den fehlenden Murmeln begegnet er Fergus zum ersten Mal als Kind, kurz nachdem er mit seiner verwitweten Mutter und seinen älteren Brüdern nach Irland gekommen ist. Mal erzählt er im hier und jetzt, sehr viel häufiger jedoch schwelgt er in Erinnerungen, in denen die Informationen, die Sabrina auf ihrer Suche nach den Murmeln über ihren Vater erhält, in ganze Szenen eingebettet werden. So offenbart sich nach und nach, was Fergus vor seiner Familie geheim gehalten hat. Nicht nur Fergus‘ Tochter, sondern auch ich war an einigen Stellen überrascht, wie leicht ihm das gefallen ist.

Die Kapitel hat Cecilia Ahern mit „Murmelspiel“ betitelt und entsprechenden Spielen oder Begriffen aus der Spielszene als Untertitel genutzt beziehungsweise mit „Badeordnung“ und untertitelt mit Baderegeln je nachdem ob Fergus oder seine Tochter erzählen. Ich finde das eine schöne Idee.

Das Buch liest sich dank eines angenehmen Schreibstils leicht und schnell und überrascht immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Mir hat der Roman schöne Lesestunden beschert und daher empfehle ich ihn gerne weiter.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Unterhaltsame Begegnungen und Beschreibungen

Annäherung
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n seinem Buch 'Annäherung' hat Eugen Ruge seine Beobachtungen und Erfahrungen auf den Reisen festgehalten, die er zur Recherche für sein Buch 'In Zeit des abnehmenden Lichts' unternommen hat beziehungsweise ...

n seinem Buch 'Annäherung' hat Eugen Ruge seine Beobachtungen und Erfahrungen auf den Reisen festgehalten, die er zur Recherche für sein Buch 'In Zeit des abnehmenden Lichts' unternommen hat beziehungsweise um dieses Buch auf Lesungen vorzustellen. In 15 Kapiteln beschreibt er Menschen Situationen und Orte aus 14 Ländern in Europa, Asien und Nordamerika. Seine Texte sind mal länger, mal kürzer. Eugen Ruge liebt Worte und gern hinterfragt er deren Bedeutung. Er recherchiert auch schon mal einen Hintergrund im Internet oder sucht Rat und Sehenswürdigkeiten im Reiseführer.

Das Besondere an seinen Notizen ist vor allem die persönliche Note. Offen und ehrlich schildert er Begegnungen. Er berichtet über erfolgreiche, aber auch weniger gut besuchte Lesungen. Dabei ist er durchaus selbstkritisch und stellt auch mal seine eignen Ansichten und Handlungen in Frage. Immer wieder lässt er Teile seiner Familiengeschichte einfließen, denn die ihm von seinen Eltern und Großeltern übermittelten Erinnerungen kommen ihm vor Ort unwillkürlich in den Sinn, woraufhin er den Vergleich zur Gegenwart zieht. Eugen Ruge sucht in jedem Land, in jeder Stadt nach deren Einzigartigkeit. Manches verblüfft ihn, anderes verärgert ihn, vieles nimmt er mit Humor und unterlegt auch einige seine Schilderungen mit amüsanten Anmerkungen oder heiteren Begebenheiten.

Ich mochte den unverstellten Blick auf die vom Autor besuchten Länder. Wer gerne Reiseerzählungen liest, dem empfehle ich dieses Buch

Veröffentlicht am 15.09.2016

Konnte mich nicht fesseln

Bad Romeo - Wohin du auch gehst
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„Wohin du auch gehst“ von Leisa Rayven ist der erste Band der Dilogie „Bad Romeo & Broken Juliet“ Auf dem Cover findet sich ein rotes Herz, das zerrissen ist und von dem sich Teile ablösen. Dennoch scheint ...

„Wohin du auch gehst“ von Leisa Rayven ist der erste Band der Dilogie „Bad Romeo & Broken Juliet“ Auf dem Cover findet sich ein rotes Herz, das zerrissen ist und von dem sich Teile ablösen. Dennoch scheint in der Mitte ein glühender Funke dafür zu sorgen, dass die Liebe, die das Herz zu vergeben hat, nicht abbricht. Synonym steht dieses Herz für die Beziehung der beiden Protagonisten des Buchs Cassandra Taylor, Cassie genannt, und Ethan Holt.

Cassandra steht kurz vor ihrem 20. Geburtstag und ihr sehnlichster Wunsch ist es, Schauspielerin zu werden. Nach dem Abschluss der Highschool im Jahr 2007 bewirbt sie sich deswegen an der angesehenen Schauspielschule Grove School in Westchester im Bundesstaat New York. Bei der Aufnahmeprüfung begegnet sie Ethan zum ersten Mal. Direkt fällt ihr der große, breitschultrige, gutaussehende Junge ins Auge. Der Zufall will es, dass sie mit ihm eine Pantomime vorführen soll. Während der kleinen Aufführung bemerken nicht nur die beiden eine knisternde Spannung zwischen sich. Ethan, der bereits zum dritten Mal an der Prüfung teilnimmt, lehnt eine tiefere Freundschaft mit der eher schüchtern auftretenden Cassie aber zunächst ab. Cassandra ist von ihren eigenen Gefühlen verwirrt, genauso wie von den Reaktionen Ethans auf ihre Freundschaftsbekundungen.

Das Buch beginnt im Jahr 2013 während der Proben zu einem neuen Theaterstück zu dem sowohl Cassandra wie auch Ethan für die Hauptrollen gecastet wurden und nun wieder einmal ein Liebespaar darstellen sollen. Inzwischen sind beide angesehene Schauspieler, Ethan kann sich vor weiblichen Fans kaum retten. Doch beide sind in der Realität nicht mit einander verbandelt, sie sind eigentlich noch nicht mal Freunde. Cassie erzählt die Geschichte in der Ich-Form und nachdem der Leser beide Schauspieler in der Gegenwart im Theaterumfeld kennengelernt hat, blendet die Erzählung zurück auf die Ereignisse in 2007. Immer wieder wechselt nun die Perspektive von Vergangenheit und Jetzt, ruht aber schwerpunktmäßig auf den damaligen Geschehnissen.

Von Beginn an ist sicher, dass Ethan die besondere Beziehung zu Cassie irgendwann zerstört haben muss. Jetzt benehmen Cassandra und Ethan sich in ihren Begegnungen zu dem neuen Theaterstück auf der Bühne wie professionelle Schauspieler, doch beide können eine bestehende Anziehungskraft zueinander nicht leugnen. Nur mühsam entwickelt sich die Geschichte in der Gegenwart und wird hauptsächlich davon getragen, dass Cassie Angst vor einer Wiederannäherung hat. Aber auch die vergangenen Geschehnisse haben keine spannende Handlung und sind eigentlich nur ein großes Gefühlschaos von Cassandra, die sich zu Ethan hingezogen fühlt. Ihre Zuneigung scheint erwidert zu werden, doch Ethan scheut sich davor, eine feste Beziehung einzugehen. Emotionen kommen in diesem Buch ausreichend zum Tragen.
Fokussiert auf den beiden Hauptpersonen des Romans, sind Charaktereigenschaften und Hintergründe weiterer Figuren, wenn überhaupt nur kurz angerissen. So bleibt alles außerhalb der Beziehungsgeschichte recht blass. Die Seiten sind gefüllt mit der Erzählung eines jungen Mädchens, die einen kaum älteren Jungen anschmachtet, zugegebenermaßen in ästhetischer Weise. Die Autorin lässt vermutlich einen Teil ihrer eigenen Jugendträume einfließen, denn sie selbst hat sich früher gewünscht, Schauspielerin zu werden.

Der Roman lässt sich leicht und flüssig und dank etlicher Dialoge auch schnell lesen. Das Katz und Mausspiel von Ethan und Cassandra ist an einigen Stellen auch erheiternd. Am Ende des Buchs bricht die Erzählung zum Ende des Jahrs 2007 ab. Der zweite Band wird demnach die Jahre bis zur Gegenwart ausfüllen.

Leider konnte mich die Geschichte nicht fesseln, zu sehr schleppte sich die Handlung dahin. Auch Cassies Verhalten konnte ich teilweise nicht nachvollziehen. Als Freund von Liebesgeschichten kann man das Buch lesen, muss es aber nicht.