Platzhalter für Profilbild

Gisel

Lesejury Star
offline

Gisel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gisel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2025

Familiengeschichte eines DDR-Stararchitekten

Die Allee
0

Der Architekt Herman Henselmann steigt nach dem Krieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins auf. Es gibt einige Bauten, die mit seinem Namen verbunden sind. Seine Frau Isi hält ihm den Rücken frei, dabei hat ...

Der Architekt Herman Henselmann steigt nach dem Krieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins auf. Es gibt einige Bauten, die mit seinem Namen verbunden sind. Seine Frau Isi hält ihm den Rücken frei, dabei hat sie schon früher davon geträumt, selbst Architektin zu werden. Mit einer großen Familie ist all das gar nicht so einfach, denn die Familie Henselmann wird kinderreich sein. Immer wieder müssen sich die Henselmanns mit den Fallen des kommunistischen Systems herumschlagen.

Es ist eine spannende Geschichte um den Stararchitekten der DDR sowie um seine große Familie. Mir hat besonders der Blick auf die Frauen der Familie gefallen. Eingefasst in die historischen Ereignisse erzählt das Buch die Geschichte der Familie Henselmann, wobei auch einige der architektonischen Hintergründe erwähnt werden, doch der Blick richtet sich vor allem auf die Familienmitglieder. Erzählt wird die Geschichte von Florentine Anders, der Enkelin von Herman und Irene Henselmann.

Ich fand diese Familiengeschichte sehr interessant. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 13.05.2025

Ernstes Thema fröhlich und leicht erzählt

Von hier aus weiter
0

Marlene ist frisch verwitwet und hat ihren eigenen Lebensmut verloren. Eigentlich möchte sie Rolf schnell hinterherfolgen. Überraschend taucht ein ehemaliger Schüler bei ihr auf, Jack, der kurzerhand bei ...

Marlene ist frisch verwitwet und hat ihren eigenen Lebensmut verloren. Eigentlich möchte sie Rolf schnell hinterherfolgen. Überraschend taucht ein ehemaliger Schüler bei ihr auf, Jack, der kurzerhand bei ihr einzieht. Und mit ihm verändert sich nach und nach Marlenes Leben. Doch da ist noch etwas, das sich durch ihre Gedanken zieht. Woher kommt die Wut, die ihre Trauer überdeckt? Eine Reise soll Licht in das Dunkel bringen. Sie wird ganz anders verlaufen als erwartet.

Es ist eine zarte Geschichte von überwältigender Trauer, in die man als Leser mit Marlene einsteigt. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Doch als Jack in ihr Leben hineinplatzt, verändert sich so manches für Marlene. Das ist äußerst realistisch erzählt, wobei die Autorin Susann Pásztor ihre Charaktere immer ernst nimmt und ihnen den nötigen Freiraum lässt, um zu sich zu finden. Marlenes Geschichte hat mich sehr berührt, bis dahin, dass ich zum Schluss ganz nah am Wasser gebaut hatte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein so ernstes Thema so leicht und fröhlich erzählt werden kann.

Diese leise Geschichte hat mich so sehr berührt, dass ich sie sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 12.05.2025

Magisches Bücherlabyrinth voller Geheimnisse und Gefahren

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
0

Die sechzehnjährige Minna will Büchersucherin werden. Das Versprechen darüber hatte sie ihrer Mutter gegeben, bevor diese im Bücherlabyrinth ihr Leben verlor. Deshalb tritt Minna ihre Lehre als Büchersucherin ...

Die sechzehnjährige Minna will Büchersucherin werden. Das Versprechen darüber hatte sie ihrer Mutter gegeben, bevor diese im Bücherlabyrinth ihr Leben verlor. Deshalb tritt Minna ihre Lehre als Büchersucherin beim Antiquar Raban Krull an. Ganz nebenbei erfährt die junge Frau, dass ihre Mutter noch lebt und in den Spiegeln des Bücherlabyrinths gefangen ist. Minna will alles tun, um sie zu befreien. Dafür muss sie ein magisches Buch auftreiben, das Buch der Verlorenen. Doch im Bücherlabyrinth lauert jede Menge Gefahren, und Minna muss immer wieder überlegen, wem sie vertrauen kann.

Das Buch ist der erste Teil einer Dilogie und führt den Leser ein in eine magische Welt, geprägt von Tinte, Staub und Schatten. Minna ist eine junge, sympathische Frau, die seit Jahren ihre Mutter betrauert und nun entdeckt, dass diese noch lebt. Ganz klar kann man nachvollziehen, wie sehr Minna sich wünscht, ihre Mutter zu befreien, und dass sie sich deshalb auch in ein äußerst gefährliches Abenteuer stürzt. Leider weiß sie viel zu wenig Bescheid über das Bücherlabyrinth und über die Staubmagie, so dass sie immer wieder in größte Gefahr gerät. Sie braucht Verbündete, doch wem kann sie trauen? Die Charaktere verbinden die Welt der Bücher mit Minnas Welt, sie sind äußerst fantasievoll entworfen. Die Geschichte wird äußerst spannend erzählt, weshalb man auch gerne in diese von Büchern geprägte magische Welt eintaucht und mit Minna mitfiebert, ob sie ihre Mutter befreien kann. Einige überraschende Wendungen bringen immer wieder neue Erkenntnisse. Das Ende des Buches macht rasend neugierig auf die Fortsetzung, ich freue mich schon darauf.

Dieses fantasievolle magische Abenteuer für junge Leser ab ca. 11 Jahren hat mich von der ersten Seite an fesseln können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 11.05.2025

Freundinnenschaft

Wenn wir lächeln
0

Jara wartet auf der alten Eisenbahnbrücke über der Ruhr: Ihre Freundin Anto ist im Wasser verschwunden, Jara hofft, dass sie gleich wieder auftaucht. Was nicht versunken ist, das ist der Baseballschläger, ...

Jara wartet auf der alten Eisenbahnbrücke über der Ruhr: Ihre Freundin Anto ist im Wasser verschwunden, Jara hofft, dass sie gleich wieder auftaucht. Was nicht versunken ist, das ist der Baseballschläger, mit dem die beiden zuvor ein Autofenster eingeschlagen haben. Während Jara auf Anto wartet, erinnert sie sich an Erlebnisse mit Anto, an ihre Freundschaft vom allerersten Kennenlernen bis heute.

Es ist die Geschichte einer Freundinnenschaft, die die beiden Mädchen sehr intensiv erlebt haben. Sie teilen Zigaretten, Lipgloss und ihre Wut miteinander. Ihre Freundinnenschaft scheint unerschütterlich zu sein. Die Geschichte wird aus Jaras Sicht erzählt, so dass die Leserin mitten in ihren Gedanken zu sein scheint. Und doch fiel es mir eher schwer, mir ein echtes Bild von diesen beiden jungen Frauen zu machen. Vor allem Anto wirkte immer ein bisschen unnahbar. Wirklich sympathisch waren mir Jara und Anto nicht, aber hey, das wollen sie ja auch gar nicht. Zudem war die Erzählung nicht chronologisch aufgebaut, immer wieder musste ich überlegen, wann das erzählte Ereignis denn nun stattgefunden hat, was mich immer wieder etwas aus dem Lesefluss riss. Das Buch spiegelt die Zerrissenheit der Protagonistin wieder, was mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Es ist jedoch eine Geschichte, die nachwirken muss, man kann sie nicht schnell beiseiteschieben.

Hat mich nun das Buch überzeugt oder nicht? So wirklich kann ich das gar nicht sagen. Es hat mich ein bisschen nachdenklich hinterlassen. Kann ich das Buch weiter empfehlen? Nur mit ganz viel Unvoreingenommenheit und Neugier auf zwei junge Frauen, die sich ihren eigenen Weg suchen.

Veröffentlicht am 08.05.2025

Kniffliger Cold Case an der Ostsee

Dunkle Asche
0

Gudrun Möller und ihre Kollegin Judith Engster von der Cold Case Unit der Landeskriminalpolizei werden in ein Kieler Hospiz gerufen. Ein Zeuge möchte eine Aussage machen zu einem Mord im Sommer 1992 an ...

Gudrun Möller und ihre Kollegin Judith Engster von der Cold Case Unit der Landeskriminalpolizei werden in ein Kieler Hospiz gerufen. Ein Zeuge möchte eine Aussage machen zu einem Mord im Sommer 1992 an der Ostsee im Badeort Kalifornien. Damit wird der Fall neu eröffnet – und Gudrun muss in ihre eigene Vergangenheit eintauchen, stammt sie doch aus dem Ort selbst und kannte das damalige Opfer, auch wenn sie nicht befreundet war mit Sanna. Was die Ermittlerinnen nicht wissen: Der Täter von damals beobachtet sie beide sehr genau...

Ein bisschen holterdipolter finden die beiden Ermittlerinnen sich in einem gemeinsamen Team wieder, und so taucht auch der Leser sofort ins Geschehen ein. Schon der Prolog hatte mehr Fragen als Antworten hinterlassen, und diese ziehen sich durch die gesamten Ermittlungen. Die beiden Frauen sind sehr unterschiedlich, und doch ergänzen sie sich sehr gut in ihrer Arbeit, was umso wichtiger wird, je mehr die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Pikant werden die Ermittlungen dadurch, dass so viele Geheimnisse aufgedeckt werden müssen, und auch die Ermittlerinnen schweigen eisern über ihre eigenen Geheimnisse. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, so dass sich nach und nach die Lösung ergibt. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass mir – wie auch den beiden Kriminalbeamtinnen - eine wichtige Information fehlt, hätte das aber nie benennen können. Umso geschickter ist dann die Auflösung eingefädelt, so dass ich bis zum Schluss gespannt blieb.

Dieser Krimi hat mich bestens unterhalten können, und auch wenn hier noch etwas Luft nach oben ist, wäre ich bei einem weiteren Fall dieses Ermittlerduos gerne dabei. Neben einer Leseempfehlung vergebe ich 4 von 5 Sternen.