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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2019

Zwei tierische Detektive

Nickel und Horn 2: Sondereinsatz für Frau Perle
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Als Frau Perle morgens nicht bei Herrn Locke erscheint, ist klar, dass etwas passiert sein muss. Nickel und Horn, die beiden tierischen Detektive, machen sich zusammen mit Hund Schlappi auf die Suche nach ...

Als Frau Perle morgens nicht bei Herrn Locke erscheint, ist klar, dass etwas passiert sein muss. Nickel und Horn, die beiden tierischen Detektive, machen sich zusammen mit Hund Schlappi auf die Suche nach ihr. Das ist besonders schwierig, weil es draußen kalt ist und schneit.

Der zweite Band um den Papageien Horn und das Meerschweinchen Nickel als tierische Detektive lässt sich sehr gut unabhängig vom ersten Band lesen. Ihr Besitzer Herr Locke war früher selbst ein erfolgreicher Detektiv, doch nun ist er zu alt dafür. Sehr gerne übernehmen Nickel und Horn das Ermitteln für ihn. Aus ihrer Perspektive erzählt, zeigt das Buch zum einen den großen Scharfsinn der beiden Tiere, aber auch die Bedeutung der Freundschaft, denn die beiden ergänzen sich in jeder Weise. Nur gemeinsam, diesmal aber auch mit Hilfe weiterer Freunde, können sie unter den beschwerlichen Umständen des Winters den Fall lösen. Liebenswert illustriert ist das Buch von Barbara Schulz. Da muss man auf jeden Fall mitfiebern und miträtseln, was Frau Perle zugestoßen ist!

Dieses wunderschöne Kinderbuch ist gut geeignet zum Vorlesen bzw. eignet sich auch gut für lesegeübte Grundschüler zum Selberlesen.

Veröffentlicht am 15.08.2019

Gelungener Regionalkrimi

Mordshass
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Die indische Studentin Vidya Kapoor wird in Waiblingen vergewaltigt und ermordet. Einen Tag später wird der Täter ebenfalls tot aufgefunden – von Surendra Sinha, Kriminalkommissar indischer Abstammung ...

Die indische Studentin Vidya Kapoor wird in Waiblingen vergewaltigt und ermordet. Einen Tag später wird der Täter ebenfalls tot aufgefunden – von Surendra Sinha, Kriminalkommissar indischer Abstammung aus Friedrichshafen und gerade zu Besuch bei seinen Eltern in Waiblingen. Kommissar Malte Jacobsen und seine Kollegin Melanie Brendel erfahren, dass Vidya Sinhas Freundin war. Damit hat er sich höchst verdächtig gemacht. Doch die beiden Kommissare aus Waiblingen sind sich uneins – während Jacobsen Surendra Sinha gerne schuldig sehen würde, ist Melanie Brendel schnell überzeugt, dass der Kollege aus Friedrichshafen eine reine Weste hat. Die Suche nach dem Täter gestaltet sich schwierig…

Die Autorinnen Simone Dorra und Ingrid Zellner haben ihre Krimi-Reihen in Waiblingen und Friedrichshafen kurz entschlossen zusammen geführt und lassen ihre drei Ermittler in einem gemeinsamen Fall arbeiten. Das passiert nicht ganz reibungslos in dieser Geschichte, im Gegenteil, da rieselt viel Sand ins Getriebe. Das sorgt für manche Verwicklungen, letztendlich aber auch für die passende Erfolgsquote. Mit viel Fingerspitzengefühl gehen die Autorinnen das Thema Vergewaltigung an. Mit dem Vergewaltiger als Opfer fühlt man kaum Sympathie - dafür aber jede Menge Verständnis für die wahren Opfer der Geschichte, die dieser Vergewaltiger hinter sich gelassen hat. Für weitere Spannung sorgen auch die regionalen Anteile des Krimis mit viel Lokalkolorit und einigen Passagen im Dialekt. Auch dem Privatleben der Ermittler wird viel Raum gegeben, passend zur Geschichte selbst. Den Täter haben die Autorinnen sorgsam versteckt, da macht das Rätseln viel Spaß. Ob es jemand gelingen wird, das Rätsel zu knacken, bevor alles mit einem gewaltigen Showdown aufgedeckt wird?

Auch wenn meiner Meinung nach Kommissar Zufall eine große Rolle in diesem Buch spielt, konnte ich gut in die Geschichte eintauchen und empfehle sie sehr gerne weiter. Auf weitere Ermittlungen mit diesen Kommissaren bin ich schon sehr gespannt.

Veröffentlicht am 10.08.2019

Beklemmend und verstörend

Harz
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Liv Haarder lebt mit ihren Eltern sehr abgeschieden. Offiziell gilt sie als tot, ertrunken in der Brandung. Das ist der Angst ihres Vaters zu verdanken, sie zu verlieren. Ihre Mutter ist unförmig dick ...

Liv Haarder lebt mit ihren Eltern sehr abgeschieden. Offiziell gilt sie als tot, ertrunken in der Brandung. Das ist der Angst ihres Vaters zu verdanken, sie zu verlieren. Ihre Mutter ist unförmig dick und kommt seit langem nicht mehr aus dem Bett heraus, sie kann auch nicht mehr sprechen. Ihr Vater schottet sich und seine Familie völlig von der Umwelt ab. So lebt Liv ein sorgsam abgeschirmtes Leben, nur in der Begleitung ihres Vaters und ihrer Mutter sowie der vielen angesammelten Dinge in Haus und Hof sowie einiger in Harz konservierter Tiere.

Es ist eine beklemmend verkehrte Welt, die vorwiegend aus Livs Sichtweise erzählt wird, eines Kindes, das diese verkehrte Welt als völlig normal erlebt. Aber auch die Erwachsenen dieser kleinen, begrenzten Welt dürfen zu Wort kommen – und trotz leichter Zweifel der Mutter gilt diese Sichtweise für die gesamte Kleinfamilie Haarder. Dies wird so meisterhaft und konsequent beschrieben, dass diese Beklemmung mit jeder Seite, die der Leser umblättert, noch mehr spürbar wird. Aber gleichzeitig sind die Innenansichten der Protagonisten völlig nachvollziehbar. Ganz zu Recht hat die Autorin Ane Riel für dieses Buch mehrere Literaturpreise gewonnen. Am Schluss dieser Geschichte musste ich erstmal tief durchatmen, um wieder aus der Beklemmung dieses Buches aufzutauchen.

Dieses Buch als Thriller einzuordnen fällt schwer. Es ist eher das Psychogramm eines gestörten Familienverbundes, und mit diesem Etikett wird jeder Leser genau das erhalten, was er sich von dieser Geschichte erwartet. Für dieses Buch vergebe ich sehr gerne 4 von 5 Sternen und empfehle es unbedingt weiter.

Veröffentlicht am 10.08.2019

Mobbing in seiner brutalen Form

R.I.P.
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Eine Jugendliche wird ermordet, Szenen davon werden über ihr Handy an ihre Freunde weitergeleitet. Das Polizei-Team um Kommissar Huldar zieht die Psychologin Freyja zu den Ermittlungen hinzu. Freyja stößt ...

Eine Jugendliche wird ermordet, Szenen davon werden über ihr Handy an ihre Freunde weitergeleitet. Das Polizei-Team um Kommissar Huldar zieht die Psychologin Freyja zu den Ermittlungen hinzu. Freyja stößt schnell darauf, dass die Tote eine andere Schülerin gemobbt hat. Doch als ein weiterer Jugendlicher ermordet aufgefunden wird und sein Tod über Snapchat an die Freunde verschickt wird, scheint es keine Berührungspunkte zwischen den beiden toten Jugendlichen zu geben. Der Fall scheint sehr verworren zu sein.

Die Autorin Yrsa Sigurdardóttir vertieft sich in diesem Buch in das Thema Mobbing, das sie zudem mit dem Thema Soziale Medien verknüpft. Es sind bittere Geschichten, die sie hier schildert, und dennoch sind sie völlig realistisch dargestellt. Um diese Themen rankt sie einen Kriminalfall, der sehr knifflig zu sein scheint. Die Wendungen, die sie in diese Ermittlungen einbaut, geben zusätzliche Rätsel auf, damit bleibt die Spannung konstant hoch. Als Meisterstück empfand ich die Auflösung des Kriminalfalls, denn bis kurz davor war ich unentwegt am Rätseln, doch immer passte etwas nicht. Etwas weniger gelungen fand ich die privaten Probleme der Ermittler, eigentlich sollte man sich wundern, dass bei all dem Rumgezicke überhaupt ehrliche Polizeiarbeit geschehen kann.

Obwohl das Buch der dritte Band der Reihe um den Kommissar Huldar und die Psychologin Freyja sind, kann man auch mit diesem Kriminalfall gut in das Geschehen einsteigen, denn die Geschichten sind in sich abgeschlossen, wichtige Informationen zu den handelnden Personen werden in das Geschehen eingestreut. Auch diesmal wieder gelang es der Autorin, mich sehr schnell mit dieser Geschichte zu fesseln, ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Sehr gerne empfehle ich dieses Buch und überhaupt die Reihe weiter. Beim nächsten Fall bin ich unbedingt wieder dabei!

Veröffentlicht am 10.08.2019

Düstere Verzweiflung

Dunkelsommer
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Seit drei Jahren sucht Lelle nach seiner Tochter, jede Nacht fährt er systematisch mit seinem Auto durch die Gegend. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, ahnt er Parallelen zu Linas Verschwinden. Doch ...

Seit drei Jahren sucht Lelle nach seiner Tochter, jede Nacht fährt er systematisch mit seinem Auto durch die Gegend. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, ahnt er Parallelen zu Linas Verschwinden. Doch auch Hannah ist nicht aufzufinden. Derweil schlüpft die 17jährige Meja in der Familie ihres neuen Freundes unter. Zwar sind alle Familienmitglieder etwas seltsam und schotten sich ab, doch hier erlebt sie endlich den ersehnten familiären Zusammenhalt.

Düster ist die Grundstimmung in diesem Buch, man spürt in jeder Zeile Lelles Verzweiflung auf der erfolglosen Suche nach Lina. Düsternis herrscht auch in Mejas Leben, die bereits mit ihren knapp 18 Jahren dreißigmal mit ihrer Mutter umgezogen ist. Dieser dunkle Grundton der Erzählung ist schwierig zu ertragen beim Lesen, mehrere Male wollte ich das Buch weglegen und überhaupt nicht weiter lesen, vor allem weil diese Düsternis schier kein Ende nehmen möchte und sich ziemlich in die Länge zieht. Erst mit der Auflösung gelang es dem Buch, mich richtig zu fesseln, obwohl (oder vielleicht auch weil?) ich bereits ahnte, wer der Täter ist und welches Motiv ihn animierte. Vor allem Lelles Handeln konnte ich nicht immer nachvollziehen: Trotz seiner Verzweiflung ist er mir letztendlich zu sehr überzeichnet in seiner an Wahnsinn grenzenden Trauer mit dem gleichzeitigen Auftrag, seine Tochter wiederzufinden.

Wirklich überzeugen konnte mich das Buch nicht. Man kann es lesen, muss aber nicht.