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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2019

Zukunftsvisionen

Die Reinsten
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Im Jahr 2191 ist die Erde nur in wenigen Bereichen bewohnbar, kontrolliert von Askit, einer künstlichen Intelligenz, die den Menschen aus schwierigen Zeiten half. Elite dieser Welt sind die „Reinsten“, ...

Im Jahr 2191 ist die Erde nur in wenigen Bereichen bewohnbar, kontrolliert von Askit, einer künstlichen Intelligenz, die den Menschen aus schwierigen Zeiten half. Elite dieser Welt sind die „Reinsten“, die als Wissenschaftler die Regeneration der Erde in Zusammenarbeit mit Askit weiterführen. Eve Legrand ist eine Reinste mit den besten Aussichten auf eine berufliche Zukunft, als sie unerwartet zur Degradierten wird und fliehen muss. Und plötzlich wird alles, was sie bisher wusste, auf die Probe gestellt, denn die Wirklichkeit sieht anders aus. Bald merkt sie, dass es an ihr liegt, die Menschheit zu retten.

Diese Dystopie greift die Ängste der Menschen auf, irgendwann von der künstlichen Intelligenz beherrscht zu werden und dabei selbst keine Kontrolle mehr ausüben zu können. Die Welt, in der Eve mit ihren Freunden lebt, ist eindrucksvoll geschildert, auch die Umstände, die dazu geführt haben, sind nachvollziehbar. Eves Fall von der Reinsten mit den besten Zukunftsaussichten in den Zustand der Degradierten, die unter schlechten Voraussetzungen überleben müssen, ist sehr tief. Als Leser fühlt man ihre Verzweiflung wie auch ihre Ängste und kann ihre Überlegungen gut nachvollziehen. Die Lösung, die das Buch vorgibt, passt hervorragend zur Geschichte.

Diese intelligente Dystopie mit einem gut ausgearbeiteten Szenarion regt zum Nachdenken an, noch einige Zeit bleiben die Gedanken bei Eve und ihrer Welt. Sehr gerne empfehle ich diese Geschichte weiter.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Rasanter Wettlauf gegen die Zeit

Vaticanum
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Der Historiker Tomás Noronha hat im Petersdom einen bahnbrechenden Fund gemacht, da wird er unversehens vom Papst zu einer anderen Aufgabe gerufen: Laut verschiedener Prophezeiungen ist Papst Franziskus ...

Der Historiker Tomás Noronha hat im Petersdom einen bahnbrechenden Fund gemacht, da wird er unversehens vom Papst zu einer anderen Aufgabe gerufen: Laut verschiedener Prophezeiungen ist Papst Franziskus das letzte Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Tomás soll zusammen mit einer französischen Kollegin einen Einbruch im Vatikan aufklären. Da wird der Papst entführt. Tomás ist mittendrin in den Ermittlungen.

In der Tradition seiner beiden Vorgänger ist auch dieses Buch eine wilde Mischung aus Wissenschaft und Fiktion, begleitet von einer rasanten Handlung. Dabei begibt sich der Autor tief in die Geheimnisse und Mythen des Vatikan, um Vorwürfe und erwiesene Korruption. Der lockere Schreibstil lässt die Seiten schnell dahinschmelzen, die Charaktere sind gut ausgearbeitet, um ein Miträtseln gut gelingen zu lassen. Die Spannung ist recht schnell auf einem hohen Level und wird bis zum Schluss gut gehalten. Obwohl das Buch Teil einer Reihe ist, kann die Geschichte gut für sich allein gelesen werden, weil sie in sich abgeschlossen ist.

Wer Wissenschaftsthriller in der Tradition von Dan Brown liebt, wird auch dieses Buch gerne lesen. Sehr gerne empfehle ich es weiter.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Turbulentes und lustiges Kinderbuch

Finns fantastische Freunde: Trollangriff und Einhornschinken
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Finn staunt nicht schlecht, als ihm ein Fass mit einem alten Zauberer und einem Chamäleon-Drachen vor die Füße fällt. Nicht ganz freiwillig nimmt er die beiden zu sich nach Hause in den Schuppen hinter ...

Finn staunt nicht schlecht, als ihm ein Fass mit einem alten Zauberer und einem Chamäleon-Drachen vor die Füße fällt. Nicht ganz freiwillig nimmt er die beiden zu sich nach Hause in den Schuppen hinter dem Haus, nur leider sind die beiden sehr chaotisch. Den beiden sind eine Horde Trolle hinterher, und da kommt noch einiges auf alle Beteiligten zu…

Eine richtig turbulente und lustige Geschichte mit viel Situationskomik und Wortwitz wartet auf den jungen Leser. Die fantastischen Elemente sind gut in die Realität eingebunden, man könnte fast erwarten, selbst sofort einen Zauberer oder einen Chamäleon-Drachen zu entdecken. Die Hauptfiguren sind sehr sympathisch und mit viel Liebe zum Detail entworfen, der Leser wird sich schnell mit Finn und auch mit Marie-Lou identifizieren. Die Lösungen sind unkonventionell und einfach richtig gut gelungen! Spannend ist der Blick von außen auf unsere Gesellschaft, da macht man sich selbst auch mal ein paar Gedanken darüber.

Dieses humorvolle und gleichzeitig spannende Buch zieht den Leser schnell in seinen Bann, so dass man sehr gerne mitfiebert und sich über die Wortspielereien kaputt lachen kann. Die Illustrationen ergänzen den Text aufs Beste und machen Lust zum Weiterlesen. Das Buch ist der erste Band einer Reihe und nun warten wir mit ganz viel Ungeduld auf die Fortsetzung!

Veröffentlicht am 16.05.2019

Konstruktive Verwirrung

Die Leben danach
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Jim Byrd erleidet einen Herzstillstand und ist für wenige Minuten klinisch tot. Hinterher erinnert er sich an nichts: kein Licht am Ende des Tunnels, kein jüngstes Gericht. Und so beginnt er sich zu fragen, ...

Jim Byrd erleidet einen Herzstillstand und ist für wenige Minuten klinisch tot. Hinterher erinnert er sich an nichts: kein Licht am Ende des Tunnels, kein jüngstes Gericht. Und so beginnt er sich zu fragen, ob es so etwas wie ein Leben danach überhaupt gibt. Als er seiner Highschool-Liebe Annie wiederbegegnet, machen sie sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten. Aber nicht nur der Tod, auch das Leben gibt ihnen Rätsel auf. Sie versuchen, alles ein bisschen besser zu verstehen.

Dieses Buch von Thomas Pierce hatte es anfangs schwer, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. So langweilig empfindet Jim Byrd sein neugewonnenes Leben, dass ich dem kaum folgen wollte. Dennoch habe ich weitergelesen und wurde mit einer Geschichte belohnt, die zunehmend an Spannung gewann.

So außergewöhnlich ist Jims Leben mit seiner Frau Annie und deren Tochter Fisher gar nicht. Wären da nicht die Passagen über das Haus, in dem Clara und Robert gewohnt haben, auf deren Treppe mehrere Menschen einen kalten Hauch gespürt haben wollen. Und so taucht der Leser ein in die Leben der Menschen rund um dieses Haus. Man erfährt hier ein bisschen, dort ein bisschen, eine Prise Philosophie kommt noch hinzu, wobei vordergründig die Liebesgeschichte von Jim und Annie dargestellt wird. So scheinen die Handlungsfäden gar nicht zusammenzuhängen, doch das ergibt sich in einem überraschenden Schluss.

Dieses Buch spielt mit der Verwirrung des Lesers, doch wer nicht krampfhaft nach einem roten Faden sucht, wird mit einer äußerst überraschenden Geschichte belohnt. Dafür vergebe ich vier von fünf Sternen und empfehle das Buch gerne weiter.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Die Apokalypse und der Wal

Der Wal und das Ende der Welt
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„Manchmal war das Leben so: Es zog einen Strich. Hinter dieser Linie, sagte das Leben, würde nichts mehr so sein wie zuvor. Die Sonne würde morgen aufgehen, aber sie würde über einer anderen Welt aufgehen.“ ...

„Manchmal war das Leben so: Es zog einen Strich. Hinter dieser Linie, sagte das Leben, würde nichts mehr so sein wie zuvor. Die Sonne würde morgen aufgehen, aber sie würde über einer anderen Welt aufgehen.“ (Kapitel 33)

Als ein nackter Mann an den Strand gespült wird und gleichzeitig ein Wal erscheint, ahnen die Bewohner des Fischerdorfes St. Piran, dass da was sonderbar ist an der Sache. Doch was da wirklich auf sie zukommt, ahnt keiner – auch nicht Joe, den es aus dem Meer zurück ins Leben spült und der sich doch bereits eindringlich mit den kommenden Ereignissen befasst hat…

Nach und nach nur erschließt sich dem Leser, weshalb es den Bankangestellten Joe aus London an diesen abgelegenen Ort verschlagen hat und was sein Leben völlig auf den Kopf stellt. Es ist nichts anderes als die Apokalypse, die ihn in dieses Dorf führt, wo die Zeit einen ganz anderen Rhythmus hat. Auch der Grund für sein besonderes Verhältnis zum Wal wird erst im Verlauf der Erzählung klar. Anfangs scheint die Geschichte nur langsam voranzugehen. Dann aber schlägt sie mit Wucht zu, das hätte ich überhaupt nicht erwartet. Es ist nicht nur die Dramatik der Ereignisse, die diese Geschichte so plötzlich verändert, sondern die Tiefsinnigkeit, die hinter dem Geschehen steckt. Der Leser findet sich unversehens mit der Frage nach der (eigenen) Menschlichkeit konfrontiert: Was würde ich in dieser Notsituation tun?

Völlig realistisch erscheint das Szenario einer solchen Apokalypse, aber auch die Charaktere in St. Pirnan sind gut eingefangen. Der Autor hat ein gutes Auge für die Menschen mit all ihren Eigenheiten und Macken, aber auch mit der Kraft, die aus den einzelnen Individuen ein großes Ganzes macht.

„Ein kleiner Ort in Cornwall und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.“ - Nicht mehr, aber auch nicht weniger hat der Autor zu dieser Geschichte versprochen. Und genau das hat er auch eingehalten. Dieses Buch, das anfangs so harmlos und verspielt daherkommt, wie eine Welle am Strand von St. Pirnan, entfaltet die Wucht der Brandung während eines Sturms. Unbedingt empfehlenswert!