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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2018

Leben ist...

Ich komme mit
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Durch Zufall beginnt die 72jährige Vita Maier, sich um den jungen Studenten Lazy zu kümmern, der mit der Diagnose Leukämie aus dem Krankenhaus entlassen wird. Lazys junge Liebe zu Elsie unterbricht die ...

Durch Zufall beginnt die 72jährige Vita Maier, sich um den jungen Studenten Lazy zu kümmern, der mit der Diagnose Leukämie aus dem Krankenhaus entlassen wird. Lazys junge Liebe zu Elsie unterbricht die Krankheit jäh und unwiderruflich, seine Pläne lösen sich in Rauch auf. Da ist es Vita, die ihn unter ihre Fittiche nimmt, und es beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen diesen beiden Menschen, die sich vorher nie richtig wahrgenommen haben, sich nun aber wiederfinden in ihrer Lebensmüdigkeit.

Es ist ein trauriger, humorvoller, schräger Roman, den die Autorin Angelika Waldis zu dieser Thematik geschrieben hat. Die beiden Menschen, die sich nun in einer Schicksalsgemeinschaft zusammen gefunden haben, machen es sich zur Aufgabe, ganz viele Überlegungen zum Thema „Leben ist…“ zu machen. Hier gerät das Buch ins Philosophische, so gut wie jeden dieser Sätze könnte man sich hier herausfischen und als Bonmot festhalten. Überhaupt gelingt es der Autorin, das Schwere des Buches mit vielen skurrilen Einfällen wieder wettzumachen, die sie ihren Protagonisten auf den Leib schreibt. Ihr fesselnder und humorvoller Schreibstil tut ein Übriges, dass man das Buch trotz der zugrundeliegenden Trauer nicht aus der Hand legen mag.

Dieses Buch möchte ich deshalb unbedingt weiter empfehlen. Taschentücher bereithalten und sich verzaubern lassen von einer unglaublichen und tief berührenden Geschichte, sie wird immer wieder für ein Lächeln im Gesicht sorgen!

Veröffentlicht am 19.11.2018

Paranoia oder begründete Angst?

Vier.Zwei.Eins.
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Laura und Kit sind jung und verliebt, als sie 1999 eine totale Sonnenfinsternis in Cornwall erleben. Es scheint für beide die Liebe ihres Lebens zu sein, dies ist die erste Sonnenfinsternis, die sie zusammen ...

Laura und Kit sind jung und verliebt, als sie 1999 eine totale Sonnenfinsternis in Cornwall erleben. Es scheint für beide die Liebe ihres Lebens zu sein, dies ist die erste Sonnenfinsternis, die sie zusammen erleben. Doch im fahlen Dämmerlicht danach wird Laura Zeugin einer Vergewaltigung, Kit kommt erst später hinzu. Vor Gericht bestreitet der Vergewaltiger alles, es steht Wort gegen Wort, so dass nicht klar ist, ob er seine Strafe je erhalten wird. Währenddessen sucht die junge Frau Kontakt zu Laura, schleicht sich unmerklich in das Leben der beiden Verliebten. Laura und Kit müssen untertauchen, doch Beth ist immer auf der Suche nach ihnen…

Diese rasante Geschichte wird aus der Perspektive von Kit und Laura erzählt, abwechselnd erfährt der Leser die Sichtweise der beiden Protagonisten. So kann man sehr schnell die Handlung nachvollziehen und die Motive des jeweils Erzählenden erkennen. Schon gleich zu Beginn ist die Gefahr unterschwellig vorhanden, selbst wenn noch nicht alle Einzelheiten aufgedeckt sind. Dabei geben überraschende Wendungen immer wieder neue Einblicke frei, manches wird fraglich, was bisher so sicher erschien. Das ist hervorragend gemacht, es erhöht die Spannung von Seite zu Seite und treibt die Handlung unaufhaltsam voran. Mit allen ungeahnten Konsequenzen, die sich aus vielerlei Geheimnissen heraus bilden. Doch jedes Geheimnis wird seinen Träger irgendwann einholen, den einen früher, den anderen später… Als Leser merkt man, dass da immer noch mehr dahinterstecken muss, und so fragt man sich immer wieder, was denn nun Paranoia und was begründete Angst ist.

Ein Buch, das wahrlich zum Pageturner geworden ist und das ich sehr gerne weiter empfehle.

Veröffentlicht am 19.11.2018

Actionreicher Politthriller

Vier Tage in Kabul
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Die schwedische Kriminalkommissarin Amanda Lund ist für ein Jahr in Afghanistan stationiert mit der Aufgabe, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden. Da erhält sie einen heiklen Auftrag: Ein schwedisches ...

Die schwedische Kriminalkommissarin Amanda Lund ist für ein Jahr in Afghanistan stationiert mit der Aufgabe, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden. Da erhält sie einen heiklen Auftrag: Ein schwedisches Diplomatenpaar ist verschwunden, vermutlich entführt; Amanda soll helfen sie zu befreien. Währenddessen wird in Stockholm ein junger Mann tot aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass er etwas mit den Geschehnissen in Kabul zu tun hatte. Bill Ekman koordiniert Amandas Einsatz und ist auch für den Mord an dem jungen Mann zuständig. Die Spuren führen in höchste Kreise, es soll so wenig wie möglich an die Öffentlichkeit geraten.

Die Autorin Anna Tell ist selbst Kriminalkommissarin und Politologin und war auch bereits im Ausland im Einsatz. Sie kann deshalb sehr gut auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Ihre Protagonistin ist eine taffe Frau, die einerseits sehr kompetent auftritt und den Überblick bewahrt, andererseits aber auch sehr empathisch auf die Menschen in ihrem Umfeld reagiert. Das hilft ihr besonders dann, wenn sie selbst in Lebensgefahr gerät, und das geschieht nicht nur einmal.

Das Buch ist besonders reich an Action und temporeich geschrieben. Etwas schwer getan habe ich mich mit der großen Anzahl an Personen und wie diese in den verschiedenen Handlungssträngen miteinander verbunden sind. Sehr geschickt arbeitet die Autorin auf die Auflösung hin, man ahnt, dass es eine brisante Information sein wird, doch die Spannung drumherum wird bis zum Schluss gehalten. Dabei verweist die Autorin im Nachwort darauf, dass sie einen Roman geschrieben hat, die Geschehnisse sind insofern fiktiv. Leider wird dabei nicht klar, wie sehr sie sich auf die Gegebenheiten in Kabul selbst stützt.

Ein Buch für alle, die actionreiche Politthriller lieben und sich auch vor blutigen Szenen nicht fürchten.

Veröffentlicht am 17.11.2018

Lügen, bis sich die Balken biegen

Lange Beine, kurze Lügen
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Michael Buchinger ist You-Tuber, und ab und zu schreibt er auch Bücher. Hier legt er ein neues Buch vor, in dem er den geneigten Leser über seine Lügereien informiert. Wo hat er nicht schon überall gelogen ...

Michael Buchinger ist You-Tuber, und ab und zu schreibt er auch Bücher. Hier legt er ein neues Buch vor, in dem er den geneigten Leser über seine Lügereien informiert. Wo hat er nicht schon überall gelogen – und ist damit auch durchgekommen: In der Familie; bei Freunden und Bekannten; bei Menschen, die ihn zu einem Termin bitten, der ihm aber nicht liegt; am Flughafen, um ohne Ausweis ins Flugzeug steigen zu können…Für jede Lage findet Buchinger eine Möglichkeit, sich durchzumogeln. In dieser Anekdotensammlung erfährt jeder, was es mit seinen Flunkereien auf sich hat. Und wenn es nicht gelogen ist, so ist es doch gut geflunkert…

Ich kannte den Autor bisher nicht, habe mich verleiten lassen vom Versprechen auf eine humorvolle Lektüre. So habe ich mich dann doch recht schnell mal im Internet auf seine Spuren gemacht und konnte seinen speziellen Humor auf kleinen Videos genießen. Mit diesem Wissen habe ich nun weitergelesen im Buch und denke, das passt ganz gut zu seinen You-Tube-Filmchen.

Nun ist es allerdings so, dass sich meine Lebenswelt doch sehr von der seinen unterscheidet. Und Lügen sind nun mal in meinem Alltag nicht die Regel, wie es vermutlich bei den meisten Lesern der Fall sein wird. Der Bonus des schillernden extravertierten Exoten hat sich somit recht schnell abgenutzt, so dass mit zunehmender Seitenzahl mein Interesse sank.

Insgesamt ist das Buch sicherlich ein Must-Have für alle Buchinger-Fans. Wer ansonsten noch Interesse hat an witzigen Anekdoten rund ums Lügen, wird sicherlich auf seine Kosten kommen. Ja, man kann das Buch gut lesen. So richtig warm geworden bin ich aber nicht damit. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden, und auch für dieses Buch werden sich viele Fans finden.

Veröffentlicht am 17.11.2018

Ehedrama

Das andere Haus
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Caroline und ihr Mann Francis nehmen an einem Haustausch in der Nähe von London Teil. Doch schon bald merkt Caroline, dass da etwas seltsam ist: die spärliche Möblierung, da ein Strauß mit Blumen, der ...

Caroline und ihr Mann Francis nehmen an einem Haustausch in der Nähe von London Teil. Doch schon bald merkt Caroline, dass da etwas seltsam ist: die spärliche Möblierung, da ein Strauß mit Blumen, der sie an ihren verflossenen Liebhaber erinnert, dort eine Flasche seines Rasierwassers… Ist es ihr Ex, der nach zwei Jahren wieder in ihr Leben drängen will? Zunehmend merkt Caroline, dass dieser Häusertausch keine gute Idee war…

Aus mehreren Perspektiven lässt die Autorin Rebecca Fleet die Geschichte erzählen, so dass der Einstieg in das Buch eher harmlos ist, doch die Gefahr wird nach und nach immer präsenter. Caroline, die nun mit ihrem ehemals tablettensüchtigen Mann eine harmonische Woche genießen möchte, wird zunehmend unruhiger, spürt, dass da noch viel mehr ist als sie auch nur ansatzweise ahnt.

Ich habe mich anfangs eher schwer getan mit dem Buch. Eine Frau, die mit ihrem Mann von ihrem Verflossenen erschreckt werden soll, das ist ja nun nichts Neues. So plätscherte das erste Drittel mehr vor sich hin, bis klar wird, dass da noch eine andere Variante mit hinein kommt. Ab dem Zeitpunkt hat die Spannung zunehmend angezogen, das Buch konnte mich doch fesseln und ich musste bis zum Ende weiterlesen. Dennoch würde ich die Geschichte nicht als Psychothriller einordnen, sondern eher als Ehe-Drama. Dann würden auch keine falschen Erwartungen geweckt.

Vielleicht hätte ich dem Buch vier Sterne geben können, wenn es als Roman publiziert wäre, als Thriller kann ich leider nur drei Sterne verteilen.