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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2018

Amore, amore, amore...

Nie wieder Amore!
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Moni ist seit kurzem Rentnerin und sollte doch eigentlich ihre Zeit genießen. Doch so ganz glücklich fühlt sie sich nicht. Umso lieber nimmt sie die Gelegenheit wahr, nach Sizilien zu fahren, um dort nach ...

Moni ist seit kurzem Rentnerin und sollte doch eigentlich ihre Zeit genießen. Doch so ganz glücklich fühlt sie sich nicht. Umso lieber nimmt sie die Gelegenheit wahr, nach Sizilien zu fahren, um dort nach der Liebe ihres Lebens zu suchen. Als junge Frau war sie unsterblich in Vincenzo verliebt, doch dieser verschwand plötzlich, und Moni erhielt die Nachricht, dass er verstorben sei. Nun aber soll er quicklebendig auf Sizilien gesichtet worden sein. Mit der Hilfe ihres Enkels Jan und von zwei jungen Frauen, die auf die Spur dieser alten Liebesgeschichte geraten sind, macht Moni sich auf die Suche nach ihrer alten Liebe. Nebenbei helfen Oma und Enkel Lena und Francesca, die auf Taormina eine Sprachschule aufbauen wollen. Dumm nur, dass die Mafia genau dieses Grundstück für andere Pläne auserkoren hat…

Wieder einmal hat Autorin Tessa Hennig eine liebenswert komplexe Mischung aus Liebesgeschichte und Unterhaltungsroman geschrieben, die mit viel Humor und auch ein bisschen Dramatik und vor allem vielen unerwarteten Wendungen aufwartet. Schon das Coverbild lässt erahnen, dass auch die handelnden Personen mit viel Hintergrundwitz entworfen sind (selbst die bösen Mafiosi). Die beiden Handlungsstränge – Monis Suche und der Aufbau der Sprachschule von Francesca und Lena – laufen parallel nebeneinander, verquicken und ergänzen sich gegenseitig. Völlig aussichtslos, wie Davids Kampf gegen Goliath scheint der Versuch, die Sprachschule in Francescas Elternhaus aufzubauen – doch hat nicht David letztendlich die besseren Karten gehabt? Von Wut und Enttäuschung dagegen ist Monis Suche nach Vincenzo geprägt, hat er sie doch schnöde sitzenlassen, wenn er denn tatsächlich noch lebt. Und doch geht nicht alles geradlinig auf in Tessa Hennigs Bücher, das Ende kommt nach einigen turbulenten Ereignissen, Geheimnisse und Überraschungen sind gleich mit dabei, und letztendlich passt alles wie in jedem ihrer Erzählungen. Und klappt man das Buch zu, möchte man sofort selbst nach Sizilien reisen, den Duft der Orangen atmen, den Schmalz der Italiener hören…

Nie wieder Amore?! Da hat die Autorin ein Wörtchen mitzureden. Ich kann das Buch nur unbedingt weiter empfehlen, als Einstimmung für den Urlaub, als Ergänzung, als Ersatz – wie auch immer. Wer auf der Suche nach leichter, beschwingter Urlaubslektüre mit ein bisschen Hintergrund ist, liegt hiermit garantiert richtig.

Veröffentlicht am 26.07.2018

(Irr-)Wege der Liebe

Alles Begehren
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Callum ist glücklich verheiratet, seine Frau mit dem dritten Kind schwanger. Da trifft er die Studentin Kate, und die beiden begehren sich so sehr, dass sie eine Affäre beginnen, die fast ihrer beider ...

Callum ist glücklich verheiratet, seine Frau mit dem dritten Kind schwanger. Da trifft er die Studentin Kate, und die beiden begehren sich so sehr, dass sie eine Affäre beginnen, die fast ihrer beider Leben zerstört. Doch nur fast, Callum entscheidet sich letztendlich für seine Frau und seine Familie. – 17 Jahre später, 2002, treffen sich die beiden erneut. Inzwischen ist auch Kate verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter, doch sie trauert immer noch Callum hinterher. Die Anziehung zwischen den beiden besteht nach wie vor. Es scheint, als könnten sie noch einmal wählen…

Wege der Liebe beschreibt Ruth Jones wortgewaltig in ihrem Roman – oder sind es Irrwege, die diese Liebe beschreitet? Ist es überhaupt Liebe, ist es Begehren, das die Affäre zwischen Callum und Kate begleitet? Wie zerstörerisch wirkt sich diese auf ihrer beiden Leben aus – und auf das ihrer Ehepartner und Kinder, die aus diesen Ehen entstanden sind? Wie ein gewaltiger Sog zieht dieses Begehren Kate und Callum in ihren Bann, heraus aus ihrem bisherigen Leben, hinein in die Idee einer gemeinsamen Zukunft. Wie ein Wirbelsturm vermischen sich Liebe, Leidenschaft, Begehren. Als Leser findet man sich in diesem Sog wieder, man ahnt, welche Zerstörung das Verhalten der beiden bewirken kann, und dennoch scheint es keinen Ausweg daraus zu geben, der wirklich vernünftig wäre.

In einem Rutsch habe ich das Buch durchgelesen, schnell war ich gefangen genommen von dieser Geschichte, die wie eine Einbahnstraße nur in eine Richtung zu führen schien. In zwei Zeitebenen, die abwechselnd erzählt werden, nimmt die Erzählung ihren Verlauf, verurteilt nicht, lässt den Leser seine eigenen Gefühle durchleben, seine eigenen Gedanken dazu ausführen. Umso näher ist der Leser an den Protagonisten selbst, mitten drin in der Geschichte um ein Begehren mit zerstörerischer Gewalt. Man liest fasziniert weiter, wie ein Voyeur, der sich nicht von diesem Bild losreißen kann.

Für diesen ungewöhnlichen Liebesroman vergebe ich gerne eine unbedingte Leseempfehlung sowie verdiente 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.07.2018

Vertrackt

Opfer
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Kommissar Camille Verhoeven bearbeitet den Fall eines Überfalls auf ein Juweliergeschäft. Dabei wurde eine Frau schwer verletzt, es ist ein Wunder, dass sie überlebt hat. Diese Frau, Anne Forestier, ist ...

Kommissar Camille Verhoeven bearbeitet den Fall eines Überfalls auf ein Juweliergeschäft. Dabei wurde eine Frau schwer verletzt, es ist ein Wunder, dass sie überlebt hat. Diese Frau, Anne Forestier, ist seine Lebensgefährtin, doch niemand von seinen Kollegen weiß es. Anne ist selbst im Krankenhaus in Gefahr, denn sie kann die Täter identifizieren. Wie nur kann Verhoeven den Fall lösen und Anne schützen?

Eine vertrackte Kombination nimmt der Autor Pierre Lemaitre zum Ausgangspunkt für diese Geschichte. Sehr deutlich werden die Ohnmachtsgefühle, die Camille Verhoeven beim Betrachten des Überfalls und der schweren Verletzungen bei seiner Lebensgefährtin überschwemmen. Es ist nachvollziehbar, wie sehr er unter Druck gerät, die Täter zu finden und gleichzeitig Anne zu schützen, man kann den Stress aus dieser Situation durch alle Zeilen hindurch erkennen. Der Autor ist dabei nicht zimperlich, recht genau schildert er den Überfall, den man als Leser kaum verkraften kann. Der manchmal etwas stakkatohafte Schreibstil verstärkt das Alptraumhafte der Geschehnisse. Nur um dann eine völlig überraschende Wendung einzubauen, so dass der Leser am Schluss alles Bisherige nochmal überdenken muss…

Es ist kein einfaches Buch, das man so mal schnell durchlesen kann, dafür empfinde ich die Beschreibungen der Verletzungen zu ausführlich. Die Geschichte selbst ist sehr spannend geschrieben. Der Leser wird zunächst völlig in die Irre getrieben, nur um dann alles nochmal ganz anders zu betrachten – ein richtig gelungener Kniff in der Geschichte. Gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 26.07.2018

Katrinas ganz besonderer Weg

Hyde
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Katrina ist mit ihrer Schwester in Hyde aufgewachsen, in einem Haus im Wald, unter der liebevollen Betreuung ihres Vaters. Nach einem Unfall ist sie nun plötzlich allein auf sich gestellt. Voller Wut möchte ...

Katrina ist mit ihrer Schwester in Hyde aufgewachsen, in einem Haus im Wald, unter der liebevollen Betreuung ihres Vaters. Nach einem Unfall ist sie nun plötzlich allein auf sich gestellt. Voller Wut möchte sie sich an allen rächen, die ihr dies angetan haben. Als sie in einem verlassenen Haus landet, beginnt sich ihr Leben nach und nach zu ändern – zunächst unbemerkt von ihr. Und sie kommt so langsam einem großen Geheimnis auf die Spur.

Vielseitig aufgebaut ist diese Protagonistin, wie die Autorin Antje Wagner sie schildert. Viele Facetten ihrer Emotionen werden dargestellt, die Wut, die Rachegedanken, das Entsetzen darüber, was mit ihr und ihrer Schwester geschehen ist, bis hin zu den Zweifeln an allem, was ihr in ihrem bisherigen Leben wichtig war. Aber auch ihre positiven Gefühle erhalten ihren Platz in der Geschichte. Mysteriöse Elemente bringen einen Hauch des Andersartigen in die Erzählung hinein. Das Seltsame, das aus dem Alltäglichen heraus erwächst, erhält eine in mehrfacher Hinsicht besondere Bedeutung – welche überhaupt, das erschließt sich dem Leser erst ganz zum Schluss der Geschichte.

Vielerlei Symbole hat die Autorin in die Erzählung eingebaut. Die verschiedenen Erzählebenen werden auf eine unerwartete Weise miteinander verbunden, so dass die Erzählung eine verblüffende Wendung erhält.

Diese äußerst spannende Verquickung des Alltäglichen und des Mysteriösen lässt einen Roman entstehen, der die Spannung bis zum Schluss hoch hält. Dieses Leseerlebnis möchte ich gerne mit vier von fünf Sternen honorieren sowie einer unbedingten Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.07.2018

Über die kleinen Wehwehchen in der Meereswelt

Ein Pflaster für den Zackenbarsch
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Der Doktorfisch und sein Assistent, der Kofferfisch, haben ganz schön viel zu tun im Meer: Da müssen beim Familienfest der Kraken die verknoteten Tentakel wieder auseinander gefieselt werden, dort klagt ...

Der Doktorfisch und sein Assistent, der Kofferfisch, haben ganz schön viel zu tun im Meer: Da müssen beim Familienfest der Kraken die verknoteten Tentakel wieder auseinander gefieselt werden, dort klagt der Wal über Bauchschmerzen, und sogar die Forelle möchte Hilfe von den beiden. Mit viel Lebensweisheit meistert der Doktorfisch die Anfragen und beantwortet souverän nebenher noch die neugierigen Fragen des Kofferfischs.

Neun kleine Geschichten versammelt der Autor Jens Rasmuss in diesem Buch über die Welt im Meer und über die kleineren und größeren Wehwehchen, die die Fische im Wasser plagen. Dabei spart er nicht mit humorvollen Einlagen, auch Erwachsene können sich freuen an der Idee, wie sich die vielen Krakenarme miteinander verknoten, wie geschickt der Kofferfisch den Hai in seine Grenzen zurückweisen kann oder wie es sich anfühlt, als Fisch die Nässe zu spüren. Die Zeichnungen zu den Geschichten ergänzen die Erzählung sehr gut. Lediglich die Geschichte mit dem Pflaster für den Zackenbarsch dürfte für Kinder nicht ganz nachvollziehbar sein, sie erscheint mir eher für die Erwachsenen geschrieben. Die Kinder finden sich wieder in einer Welt, die ihrer eigenen doch gar nicht so verschieden ist. Und das ist auch ganz gut so, denn so sind die Lösungen gut in den eigenen Alltag zu übertragen. Die Spannung ist genau dosiert für kleine Leseeinheiten, die sich anbieten für weitergehende Fragen der Kleinen.

Ein klares Vorlesevergnügen sowohl für die Großen wie auch für die Kleinen ab dem Kindergartenalter. Von mir gibt es dafür 4,5 von 5 Sternen sowie eine klare Leseempfehlung.