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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2018

Hochspannung von Anfang bis Ende

Woman in Cabin 10
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Die Journalistin Lo nimmt an der Jungfernfahrt eines Kreuzfahrtschiffes teil. Dabei wird sie Zeugin eines Verbrechens, doch keiner glaubt ihr. Die Nachbarkabine ist unbewohnt, die Frau, die sie dort gesehen ...

Die Journalistin Lo nimmt an der Jungfernfahrt eines Kreuzfahrtschiffes teil. Dabei wird sie Zeugin eines Verbrechens, doch keiner glaubt ihr. Die Nachbarkabine ist unbewohnt, die Frau, die sie dort gesehen hat, scheint nicht zu existieren. Doch Lo lässt nicht locker auf ihrer Suche nach dem Täter, sie weiß, was sie gehört hat. Dann gerät sie selbst in Lebensgefahr…

Die Autorin Ruth Ware jongliert gekonnt mit den verschiedenen Gegebenheiten in diesem Buch: Sie lässt Zweifel aufkommen, Gewissheiten herrschen, vermischt Zeitebenen, so dass ein riesengroßes Rätsel entsteht, das scheinbar nicht aufzulösen ist, bis sie selbst wie mit einem Zauberstab das Mysterium entwirrt – und plötzlich wird alles klar und logisch, für Lo und für den Leser. Dafür aber ist Lo in größter Gefahr, und nun bangt man mit ihr, ob sie heil daraus wieder hervorkommen kann. Deshalb habe ich dieses Buch regelrecht verschlungen, es konnte mir nicht schnell genug gehen, alle Ungereimtheiten aufgelöst zu wissen. Der Schreibstil ist flüssig, die handelnden Personen gut angelegt, die Spannung wächst von Seite zu Seite, es gab keinen Moment, an dem ich das Buch freiwillig aus der Hand gelegt habe.

Wieder einmal hat die Autorin mich mit einem Thriller gefesselt, der Hochspannung verspricht und dafür alles bietet. Deshalb eine unbedingte Leseempfehlung von mir sowie alle fünf Sterne.

Veröffentlicht am 21.03.2018

Eine Geschichte mit viel Feingefühl

Für immer ist die längste Zeit
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Maddy ist tot, vom Dach der Bibliothek gestürzt. Sie hinterlässt ihre pubertierende Tochter Eve und ihren Ehemann Brady, die nicht nachvollziehen können, warum sie Selbstmord begangen hat und mit diesem ...

Maddy ist tot, vom Dach der Bibliothek gestürzt. Sie hinterlässt ihre pubertierende Tochter Eve und ihren Ehemann Brady, die nicht nachvollziehen können, warum sie Selbstmord begangen hat und mit diesem Verlust fertigwerden müssen. Doch Maddy ist noch nicht ganz gegangen, sie macht sich Sorgen um Eve und Brady. Sie möchte ihnen noch eine kleine Hilfe angedeihen lassen, damit die beiden nicht zerbrechen an der Frage nach dem Warum.

Die Geschichte wird aus drei Sichtweisen erzählt: Maddy, Eve und Brady lassen ihren Gedanken über die Situation, in der sie gelandet sind, freien Lauf. So kann sich der Leser in alle drei Personen gut einfühlen und erlebt die jeweilige Situation besonders intensiv. Die Frage nach dem Warum begleitet das Buch bis fast zum Schluss, tritt jedoch etwas in den Hintergrund, weil Eve und Brady langsam lernen, aufeinander zuzugehen, ihre Trauer zuzulassen und sich gegenseitig zu stützen. Der Einstieg in das Buch zeigt Maddy, die sich auf die Suche macht nach einem Ersatz für sich selbst, hält sie doch Eve und Brady nicht für fähig, sich ohne ihre Hilfe im Alltag zurechtzufinden. Das erweckte bei mir den Eindruck, dass hier vielleicht eine Komödie kommen könnte, doch weit gefehlt. Die Geschichte gewinnt immer mehr an Tiefe, es geht darum, dass die beiden aus der Krise zurück in ein (anderes) Leben finden, das Leben „danach“. Hier zeigt die Autorin Abby Fabiaschi viel Feingefühl mit den Emotionen der Protagonisten und nimmt sie in jeder Hinsicht ernst.

Diese Tiefe hat mich sehr überrascht und mich schnell an die Lektüre fesseln können. Während nebenher die Gedanken über den Sinn des Lebens laufen, angestoßen über die Erzählungen der Protagonisten, kann sich der Leser in die schönen und tragischen Momente der Familie Starling vertiefen. Dadurch ist ein besonders intensives Buch entstanden, das noch lange nachwirken kann. Von mir wohlverdiente 4 von 5 Sternen und eine überzeugte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.03.2018

Was die Sterne verraten

Planetenpolka
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Astrologin Stella und ihre Großmutter Maria vermuten, dass Marias gute Bekannte Cäcilie ermordet wurde, das zeigen ihnen die Sterne. Da Cäcilie als reiche Frau starb, gibt es genügend Verdächtige unter ...

Astrologin Stella und ihre Großmutter Maria vermuten, dass Marias gute Bekannte Cäcilie ermordet wurde, das zeigen ihnen die Sterne. Da Cäcilie als reiche Frau starb, gibt es genügend Verdächtige unter ihren Erben. Stella ermittelt mit Hilfe ihres guten Freundes Ben und dem Polizisten Arno. Gemeinsam kommen sie tatsächlich einem Verbrechen auf die Spur.

Mit Stella und ihren Freunden sowie der interessanten Familienkonstellation um sie herum hat die Autorin Lotte Minck eine quirlige Truppe für eine Krimikomödie zusammengestellt. Mit vielen guten Ideen, die nicht immer im legalen Bereich bleiben, laufen die Recherchen, wobei sich die Berufe der drei „Ermittler“ sehr gut ergänzen. Das Ganze ist immer mit einem Augenzwinkern erzählt, sogar an den dramatischsten Stellen bleibt das erhalten. Hier findet sich auch wieder, wer der Astrologie eher kritisch gegenüber steht, denn man kann daran glauben oder auch nicht. Die Auflösung bleibt lange unklar, die Autorin schafft es, jede Menge Verdachtsmomente zu streuen, die das Karussell der Verdächtigen immer wieder neu in Bewegung versetzt. Als Regionalkrimi im Ruhrpott angesiedelt, ist das Buch trotzdem sehr gut zu lesen, der Dialekt ist gut verständlich.

So ist ein spannender und humorvoller Einstieg in eine vielversprechende neue Reihe entstanden. Dafür gibt es von mir wohlverdiente 4 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die dieses Genre lieben.

Veröffentlicht am 16.03.2018

Wissenschaftliche Themen im Vordergrund

Der Schlüssel des Salomon
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Während eines laufenden Experimentes im CERN, dem Europäischen Kernforschungszentrum, wird die Leiche eines hohen CIA-Mitarbeiters gefunden. In der Hand hält er einen Zettel, der auf den Wissenschaftler ...

Während eines laufenden Experimentes im CERN, dem Europäischen Kernforschungszentrum, wird die Leiche eines hohen CIA-Mitarbeiters gefunden. In der Hand hält er einen Zettel, der auf den Wissenschaftler Tomás Noronha verweist. Schnell heftet sich die CIA auf Tomás‘ Spuren, doch er schafft es, ihnen zu entkommen. Wird er den wahren Mörder enttarnen können?

Nach dem Erfolg seiner Bücher in Portugal und der Übersetzung des ersten Bandes um den Wissenschaftler Tomás Noronha ins Deutsche erscheint nun eine weitere Folge um die Abenteuer des Kryptologen. Während das Buch jedoch im Genre „Thriller“ aufgelegt wird, hat der Autor sein Ziel eher in der Vermittlung schwieriger physikalischer Erkenntnisse gesehen. Als Thriller hat das Buch für mich keine Chance, zu hölzern sind die Dialoge, zu vorhersehbar die Story, zu klischeehaft die Handlung. Lediglich die Auflösung des Mordfalles ergibt einen sehr spannenden Moment in der Geschichte, ansonsten aber konnte mich die Rahmenhandlung kaum fesseln. Fragwürdig ist für mich die Rolle der Frau in dieser Geschichte: Tomás‘ Begleiterin wirkt eher wie ein schönes Anhängsel seiner Person, die andächtig seinen wissenschaftlichen Ergüssen lauscht, aber ansonsten bestenfalls noch zickig sein darf. Die Theorie der Quantenphysik hingegen und der heutige Kenntnisstand mit all den unbeantworteten Fragen, die es immer noch gibt, hat der Autor sehr gut verständlich dargelegt.

Wer also einen packenden Wissenschaftsthriller erwartet hat, wird hier haushoch enttäuscht. Hingegen wird reichlich belohnt, wer sich in die äußerst schwierige Materie der neueren physikalischen Erkenntnisse rund um die Quantenphysik wie auch der Grenzen des menschlichen Wissens einlesen möchte. Das Buch kommt meines Erachtens nicht ganz an den Erfolg des „Einstein Enigmas“ heran. Von mir gibt es 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 13.03.2018

Ungewöhnliche Idee gekonnt umgesetzt

Die Morde von Pye Hall
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Die Lektorin Sue Ryeland soll das neue Manuskript des erfolgreichen Autors Alan Conway lektorieren. Doch dabei stellt sie fest, dass genau das Ende fehlt. Schnell rutscht sie in die Rolle der Detektivin, ...

Die Lektorin Sue Ryeland soll das neue Manuskript des erfolgreichen Autors Alan Conway lektorieren. Doch dabei stellt sie fest, dass genau das Ende fehlt. Schnell rutscht sie in die Rolle der Detektivin, denn bald sind nicht nur die Krimi-Morde um Pye Hall zu lösen, sondern auch die Umstände des Todes von Alan Conway selbst.

Ein Krimi im Krimi, zwei Fälle, die so ineinander verschachtelt sind, dass die Auflösung des einen ein wichtiger Beitrag zum anderen ist – das ist eine äußerst ungewöhnliche Idee, die Anthony Horowitz hier gekonnt umsetzt. Der Wechsel zwischen den beiden Büchern und dem zeitlichen Rahmen gelingt dabei mühelos und wird zu einem spannenden Spiel mit dem fiktiven Werk, das plötzlich zu einer realen Gefahr für die Protagonistin führt. Dabei spielt der Autor mit sehr vielen Elementen aus dem klassischen englischen Krimigenre, setzt Reminiszenzen an bekannte Ermittler wie Sherlock Holmes, Hercule Poirot und Miss Marple sowie deren Autoren. Es bleibt viel Raum zum Mitraten, während der Autor ganz im Stil seiner Vorgänger Hinweise setzt, die auf die richtige oder auch die falsche Fährte führen können.

Ein Krimi vom Feinsten für alle Liebhaber der britischen Krimikultur, spannend geschrieben und intelligent konstruiert, da fliegen die Seiten nur so dahin. Von mir gibt es deshalb eine unbedingte Leseempfehlung und alle fünf Sterne.