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Veröffentlicht am 12.10.2022

Politthriller at its Best

Das Jahr der Gier
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In einem abgelegenem Gebiet nördlich von Düsseldorf wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Vincent Veih, Leiter des Kriminalkommissariats 11 Tötungsdelikte, und sein Team übernehmen ...

In einem abgelegenem Gebiet nördlich von Düsseldorf wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Vincent Veih, Leiter des Kriminalkommissariats 11 Tötungsdelikte, und sein Team übernehmen unverzüglich die Ermittlungen in der unmittelbaren Umgebung.
Melia Adan, Kriminalrätin und Veihs Chefin, kümmert sich zeitgleich um ihren Besuch aus London, ihren Onkel Bashir Adan. Von ihm erfährt sie, dass Oscar Ravani, ihr früherer Jugendschwarm, der heute als freier Journalist arbeitet, in der Düsseldorfer Altstadt überfallen wurde.
Als sie auch diesen Fall, nach anfänglichen eigenen Nachfragen, Veih überträgt, tauchen immer mehr Ungereimtheiten auf. Hängen die beiden Taten zusammen?



Das ist wieder einmal ein spannender und fesselnder Politthriller von Horst Eckert!
Nah an den realen Problemen und Skandalen, manchmal so nah, dass man sich als Leser stetig vor Augen halten muss, dass es sich um einen fiktiven Thriller handelt. Aber nicht selten denke ich, ja, so könnte es gelaufen sein.
Verfolgen mich die gleichen Fantasien wie Herrn Eckert?
Wenn mich auf unzähligen Seiten das Gefühl überkam, dass mir diese oder jene Figur sehr bekannt vorkam, konnte ich ein Grübeln oder Nachschlagen der realen Fakten nicht verhindern. Gerade das liebe ich an Herrn Eckerts Thrillern. Sie sind zumindest angelehnt an realen Fällen. Ihr Lesen lässt mich noch einmal das reale Geschehen Revue passieren.
Als treuer Leser freut man sich über Nachrichten von Brigitte Veih, der einstigen RAF-Terroristin und Mutter von Vincent Veih. Das Knistern zwischen der Kriminalrätin Melia Adan und Vincent Veih wird auch immer spürbarer. Obwohl das eigentlich nicht erwähnenswert sein sollte, ist eine Liebesbeziehung zwischen einer PoC-Frau und einem Weißen kein Thema in diesem Buch, nur zwischen der Vorgesetzten und dem Untergebenen. Auf der anderen Seite ist dieser Thriller so leicht und kurzweilig geschrieben, dass man nur so durch die Seiten hastet.
Das Nachdenken und Revue passieren lassen beginnt unmittelbar nach dem Ende.
Horst Eckerts Bücher wirken nach. Sie lassen mich immer nachdenklich zurück.
Und das ist gut so. Ich freue mich auf das Nächste.

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Vielversprechender Auftakt

Gezeitenmord
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Nachdem der Lehrer Lasse und sein elfjähriger Schüler Villads während ihrer Wattwanderung im dichten Nebel einen grausamen Fund gemacht haben, wird Lasse brutal niedergeschlagen und Villads entführt. Da ...

Nachdem der Lehrer Lasse und sein elfjähriger Schüler Villads während ihrer Wattwanderung im dichten Nebel einen grausamen Fund gemacht haben, wird Lasse brutal niedergeschlagen und Villads entführt. Da der Leichenfund unmittelbar auf der Grenze zwischen Dänemark und Deutschland geschah, unterstützen die dänische Kommissarin Lykke Teit und deutsche Kommissar Rudi Lehmann die regionale Polizei.


Wächst da ein neue skandinavisches Dreamteam zusammen? Wäre nicht das erste dänisch/deutsche Ermittlungsteam. Es hat mir gut gefallen. Die Mischung stimmt.
Es war beeindruckend wie der deutsche Kommissar ebenso wie die dänische Kommissarin sich die örtliche Polizei Südjütlands zurecht schnitzten, kein arrogantes zurechtweisen oder überhebliches Gehabe. Es machte Spaß ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich Respekt erarbeiteten. Das machte, meiner Meinung nach, die gesamte Ermittlungsarbeit aus, Respekt und gegenseitige Anerkennung.
Dass beide Kommissare eine Vorgeschichte haben, die nicht einfach zu bewältigen ist, klang hin und wieder durch, hat aber keinen zu großen Raum eingenommen. Zeitweise knisterte es auch zwischen den beiden, wobei mir der Altersunterschied nicht ganz klar ist. Wahrscheinlich habe ich da auch etwas überlesen. Die Art und Weise wie dieser Fall bzw. die Fälle gelöst wurden, macht auf jeden Fall Hoffnung auf mehr.

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Undurchsichtig und unterhaltsam

Düstersee
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Joachim Vernau macht Ferien in der Uckermark. Er hat sich in das Bootshaus des charismatischen und machtbesessenen Anwalt Steinhoff einladen lassen. Was sich viel zu schnell als Fehler erweist.
Vernau ...

Joachim Vernau macht Ferien in der Uckermark. Er hat sich in das Bootshaus des charismatischen und machtbesessenen Anwalt Steinhoff einladen lassen. Was sich viel zu schnell als Fehler erweist.
Vernau entdeckt Steinhoffs Leiche. In den folgenden Stunden überschlagen sich die Ereignisse. An Urlaub und Erholung ist nicht mehr zu denken.


Nachdem bereits mehrere Bücher über den Anwalt Joachim Vernau mit Jan Josef Liefers in der Titelrolle verfilmt wurden, hatte ich dessen Bild während des Lesens immer vor Augen. Ich denke, das ist auch so beabsichtigt. So empfand ich das Buch nicht nur als spannenden Krimi, sondern durch Vernaus/Liefers gewollte oder ungewollte Komik auch unterhaltsam.
Die Story über ein Verbrechen in der Vergangenheit und mehrere in der Gegenwart ist spannend und mit jedem neuen Hinweis verdächtigt der Leser mal diesen, mal jenen Bewohner des Dorfes und der Villa. Aber ähnlich wie Vernau hat man Bedenken und das Gefühl, es passt nicht richtig oder die anberaumten Durchsuchungen sind ergebnislos.
Frau Hermann lässt uns lange im Dunkeln tappen, aber sie gewährt uns einen ausführlichen Blick auf den radikalen Ausverkauf der Uckermark, die Profitgier der Spekulanten, die Unbeholfenheit und die frühe Landflucht der Bevölkerung.
Hier haben wir also nicht nur einen Krimi und gute Unterhaltung, sondern auch Gesellschaftskritik. Die Verfahrensweisen, die man nicht genug Bloßstellen kann.

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Zu kurz, um vielversprechend zu sein

Zwischen den Meeren
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- Achtung Rezension der Hörbuchfassung -
1886 irgendwo zwischen der Nord- und Ostsee:
Der Auftakt einer großen Saga über das Leben dreier Frauen während des Baus des Nord-Ostsee-Kanals.
Stine, Tochter ...

- Achtung Rezension der Hörbuchfassung -
1886 irgendwo zwischen der Nord- und Ostsee:
Der Auftakt einer großen Saga über das Leben dreier Frauen während des Baus des Nord-Ostsee-Kanals.
Stine, Tochter eines Kolonialwarenhändlers, muss ihren Vater im Betrieb unterstützen, obwohl sie eigentlich andere Ambitionen hat. Regina, Tochter eines Großgrundbesitzers, muss nach dem Tod ihrer Brüder eine Vernunftsehe eingehen. Sanne, Tochter eines Zimmermanns, möchte studieren und die Riesenschleuse des Kanals bauen. Mimi, Tochter des Konstrukteurs Dahlström, versucht nach dem Tod ihrer Mutter dem Vater eine Stütze zu sein.
Zu dieser Zeit bedeutet weibliches Engagement ein grandioser Kampf gegen die Konventionen.


In dieser Hörbuchfassung hat Sventje Wascher die Emotionen der verschiedenen weiblichen Hauptfiguren sehr gut eingefangen und umgesetzt. Die verschiedenen Charaktere der Frauen kamen sehr gut zum Vorschein. Die Stimmen der männlichen Akteure erschienen mir dagegen unecht, übertrieben und manchmal sogar störend.
Als Beginn einer angekündigten Saga in drei Teilen war mir dieser Teil zu kurz. Es wurde sehr viel über die Vergangenheit gesprochen, praktisch die Geschichte der Väter der vier Frauen. Der Denkprozess, die Aktivitäten und der Kampf der Frauen, um ihrem Leben eine andere Ausrichtung zu geben ist nur angedeutet worden.
Abgesehen davon finde ich die Ambitionen von Sanne die Schleuse zu konstruieren und mit einem italienischen Arbeiter dieses Jahrhundert-Bauwerk zu bauen, mehr als gewagt und ziemlich unglaubwürdig.
Das Buch ließ mich ratlos und unbefriedigt zurück. Wir haben die jungen Frauen auf ihrem Weg ein zu kleines Stück begleitet.

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Veröffentlicht am 30.09.2022

Hammer-Thriller

SCHNEE
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Vier verwöhnte Stadtmenschen begeben sich auf eine riskante Bergtour im winterlichen, klirrendkaltem isländischen Hochland. Niemand kennt ihre Beweggründe, aber sie werden vermisst.
Mehrere Rettungsteams ...

Vier verwöhnte Stadtmenschen begeben sich auf eine riskante Bergtour im winterlichen, klirrendkaltem isländischen Hochland. Niemand kennt ihre Beweggründe, aber sie werden vermisst.
Mehrere Rettungsteams durchsuchen die abgeschiedene Gegend. Das, was sie finden, gibt ihnen Rätsel auf.
In einer nahegelegenen Radarstation passieren zeitgleich seltsame Dinge, auf die man sich noch keinen Reim machen kann.


Wow, was für ein packender Thriller! Ist halt ein Yrsa Sigurdardóttir Thriller könnte man sagen. Alle Thriller von ihr, die ich gelesen habe, waren spannend und fesselnd. Dieser ist allerdings noch eine Steigerung, einfach ein Hammer. Als ich das Buch beendet hatte, musste ich mich erst einige Minuten sammeln und die letzten Informationen Revue passieren lassen. Beim Lesen wurde mit abwechselnd kalt, es hat seinem Titel alle Ehre gemacht, und heiß, weil es so spannend und gruselig war.
Dieser Thriller hat alles das, was ich an diesem Genre liebe. Es geht nicht um Serienmörder mit blutigen Ritualen, sondern es geht um Hintergründe, Abgründe und Beobachtungen, wie Menschen mit Gewalt, zurückliegenden Verbrechen und Erlebnisse in ihrer Kindheit umgehen.
Was passiert, wenn Stadtmenschen keine Ablenkung durch ihre Kommunikationsgeräte, Handy, IPad und Laptops mehr erfahren und stattdessen die allumfassende Stille nur durch Wind, Sturm und ächzende Geräusche der Holzhütte unterbrochen wird. Wenn der Mensch sich mehrere Tage über Schneestürmen und einer kaumauszuhaltender Kälte gegenübersieht. Was passiert mit unserer Wahrnehmung und unseren Gedanken?
Yrsa Sigurdardóttir erzählt drei Geschichten parallel. Mir war lange nicht klar, was diese drei Geschichten verbindet. Sie werden auch nicht offensichtlich miteinander verwoben, sondern in Nebensätzen und flüchtigen Bemerkungen erkennt man plötzliche Zusammenhänge. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, um nicht zu viel zu verraten, aber es ergibt sich daraus eine klare Leseempfehlung.
Es gab auch immer wieder Passagen, die mich den Köpf schütteln ließen. Manche Szenen erschienen mir unglaubwürdig. Aber hey, weiß ich wie ich in solch einer Situation reagieren würde, oder meine Sinne?
Ich fühlte mich von diesem Thriller sehr gut unterhalten, gefesselt und ins isländische Hochland entführt.

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