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Veröffentlicht am 28.02.2021

Vielversprechende grenzübergreifende Reihe

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen
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Alexa Jahn wird kurz vor ihrer neuen Wirkungsstätte Polizeiinspektion Weilheim von ihrem neuen Chef Brandl und Kollegen Huber abgefangen. Die beiden wollen gemeinsam mit ihr zum Fundort eines verlassenen ...

Alexa Jahn wird kurz vor ihrer neuen Wirkungsstätte Polizeiinspektion Weilheim von ihrem neuen Chef Brandl und Kollegen Huber abgefangen. Die beiden wollen gemeinsam mit ihr zum Fundort eines verlassenen Rucksacks nach Lenggries fahren. Ein verlassener Rucksack in den Bergen gibt immer Anlass zu Suchaktionen mit Spürhunden, Bergwacht und auch der Polizei.
Als „Flachland-Ermittlerin“ muss Alexa sich schnell umstellen und Verantwortung übernehmen.
Die umfangreiche Suche ergibt nicht nur einen verletzten Mountainbike-Fahrer, sondern auch eine mysteriöse Frauenleiche.


Ein spannender und unterhaltsamer Auftakt zu einer grenzüberschreitenden Krimi-Reihe.

Das Cover ist interessant gestaltet und bietet mal einen anderen Blickwinkel auf die Berge. Dieser andere Blickwinkel spiegelt sich auch im Kriminalfall und in der leitenden Ermittlerin.
Dem Leser, der nicht allzu vertraut mit der Grenzregion Karwendel ist, wird neben einem Steckbrief der beiden Hauptermittler eine Karte mit wichtigen Anhaltspunkten vorab geboten. Für mich als Niederrheinerin sehr wichtig.

Während der gesamten Mordermittlung sind wir Leser ganz nah am Geschehen. Wir erleben alle Misserfolge und Sackgassen mit. Einerseits fühlt man Alexas Ehrgeiz und Willen, andererseits auch ihre Zweifel und Mutlosigkeit, wenn sie abends wieder völlig ausgepumpt und übermüdet schlafen geht.

Der Kriminalfall ist schon verstörend und anfänglich unvorstellbar. Von Zeit zu Zeit erfahren wir die Gedankengänge des Täters. Nach und nach fallen immer wieder Puzzlesteine, aber letztendlich ist wohl kein Leser auf die Motive der Tat gekommen. Trotzdem ist alles von der Autorin logisch aufgebaut worden und nachvollziehbar.

Es gibt noch viele Geschichten über Alexa auf der deutschen Seite und Bernhard Krammer auf der österreichischen Seite zu erzählen, vor allem nach unerwarteten Beichten.

Ich freue mich darauf.

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Veröffentlicht am 19.02.2021

Zu verzweifelt

Trauma – Kein Entkommen
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Ein verlassenes Schlauchboot im Baggersee – auf dem Weg ein bisschen Privatleben mit ihrer Tochter Jenny zu kreieren, wird Katja Sand wieder einmal von ihrem Kollegen Rudi Dorfmüller zu einem vermeintlichen ...

Ein verlassenes Schlauchboot im Baggersee – auf dem Weg ein bisschen Privatleben mit ihrer Tochter Jenny zu kreieren, wird Katja Sand wieder einmal von ihrem Kollegen Rudi Dorfmüller zu einem vermeintlichen Tatort gerufen.

Nie kriegt sie ihre privaten Mutter-Tochter Probleme gelöst.

Bei dem von Tauchern geborgenen Opfer kann weder Mord noch Selbstmord ausgeschlossen werden. Die Rechtsmedizin tendiert Richtung Selbstmord, Katjas Bauchgefühl sagt Mord.

Zwei Tage später wird die zweite Leiche gefunden.



„Trauma – kein Entkommen“ ist der Auftakt einer dreiteiligen Serie um die Ermittlerin Katja Sand.

Katja Sand ist leitende Mordermittlerin, erfolgreich, die Beste in ihrem Dezernat, alleinerziehend mit großen Problemen in der Mutter-Tochter-Beziehung. Sie empfindet große Defizite in der Beziehung zu ihrer Tochter sowie in der Beziehung zu ihrer Mutter. Sie hat ein dunkles Geheimnis, das sie sehr belastet und eine Beziehungslosigkeit zu Männer zur Folge hat.

Neben ihren riesigen Problemen leitet sie noch ihr Kommissariat und kämpft gegen „Windmühlen“ indem sie die vermeintlichen Selbstmorde als heimtückische Morde erlebt.

Die emotionale Zerrüttung von Katja Sand empfand ich als Problem in diesen Thriller. Neben der Schockerlebnisse des keinen Jungen wurden auf den ersten 70 Seiten eigentlich nur die emotionalen Befindlichkeiten von Katja beschrieben. Nicht nur auf den ersten 70 Seiten, sondern immer wiederkehrend werden normale Probleme eines 15-jährigen Mädchens hochstilisiert und mit vielen Schuldzuweisungen seitens Katja beladen.

Katjas seltsames Verhalten scheint eine Folge ihrer Geheimnisse aus der Vergangenheit zu sein, aber außer einiger Andeutungen wird uns Lesern keine Erklärung geliefert. Das ist unbefriedigend!

Der Kriminalfall an sich ist clever aufgebaut. Wären da nicht die ständigen Vorwürfe an die eigene Psyche, wäre die Story durchgängig spannend. So entwickelte sich erst im letzten Drittel Spannung und somit Licht am Ende des Tunnel. Eigentlich war es da schon zu spät um mehr als drei Sterne zu verteilen.

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Veröffentlicht am 10.02.2021

Unterhaltsame Geschichtsstunde

Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder (Die Kinderärztin 1)
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Marlene und Emma Lindow, zwei Waisen, ist es Anfang des 20. Jahrhunderts gelungen sich gegen die soziale Norm durchzusetzen. Beide machen noch während ihrer Zeit im Waisenhaus ihr Abitur und ihnen wird ...

Marlene und Emma Lindow, zwei Waisen, ist es Anfang des 20. Jahrhunderts gelungen sich gegen die soziale Norm durchzusetzen. Beide machen noch während ihrer Zeit im Waisenhaus ihr Abitur und ihnen wird eine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester in der Kinderklinik Weißensee ermöglicht.
Neben all den adeligen Elevinnen haben es Marlene und Emma nicht einfach. Sie müssen erst einmal unter Beweis stellen, dass sie diese Chance verdient haben.

Antonia Blum hat einen interessanten, geschichtlichen und gesellschaftlichen Einblick in die Verhältnisse der Pädiatrie und medizinischen Lehrtätigkeit Anfang des 20. Jahrhunderts aufgezeigt.
Durch die Serie über die Charité in Berlin hat man schon einen Einblick in die Forschung, Lehrtätigkeit und Arbeitsbedingungen des Klinikpersonals gewonnen. Hier wird die Geschichte kleiner, fast familiärer und persönlicher geschildert.
Mobbing, Neid, Eifersucht, Liebe spielen eine große Rolle bei den fiktiven Charakteren und werden einbettet in den geschichtlichen Hintergrund der Klinik. Einige Ärzte und auch die Rotkreuzoberin bilden den historischen Personalstamm. Die Ehre der Rotkreuzschwestern sowie die Entwicklung einer fürsorgenden Schwesternkultur spielen eine große Rolle.

Die fiktive(n) Liebesgeschichte(n) hätte ich nicht gebraucht um diesen Roman interessant zu finden, aber natürlich werden anhand dieser Geschichten die Intrigen und die Adelsvorherrschaft aufgezeigt. Das Ende…….naja

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Veröffentlicht am 10.02.2021

Die Spur der Generationen

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Hannah Borowski hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Lustlos hat sie ihre Dissertation begonnen, zum Abschluss eines Studiums, dessen Ziel ihr nichts gibt.
Einmal die Woche besucht sie ihre Großmutter, ...

Hannah Borowski hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Lustlos hat sie ihre Dissertation begonnen, zum Abschluss eines Studiums, dessen Ziel ihr nichts gibt.
Einmal die Woche besucht sie ihre Großmutter, eine starke, zuweilen starrköpfige Frau, in ihrer Seniorenresidenz. Bei einem ihrer Besuche entdeckt sie ein Schreiben einer israelischen Anwaltskanzlei mit Sitz in Tel Aviv. Die Kanzlei bietet ihrer Großmutter Evelyn Borowski Hilfe in einer Restitutionssache an. Sie wollen Evelyn, der letzten Erbin des jüdischen Kunsthändlers Itzig Goldmann bei der Suche nach, von den Nazis konfiszierten und nunmehr verschollenen, Gemälden behilflich sein.
Hannah war nicht bewusst, dass sie jüdische Vorfahren hat und den Namen Itzig Goldmann hat sie nie gehört.


Wer jetzt einen Roman über Konfiszierung der Jüdischen Kunst, umfangreiche Recherche und deren Rückführung erwartet, so wie ich anfänglich, der sollte sich auf einen tiefgründigen, emotionalen und spannenden Roman über vier Frauenschicksale einer Familie freuen.
Ich musste diesen Roman erst ein, zwei Tage „sacken“ lassen. Die Lebensläufe dieser Frauen waren so unterschiedlich und dramatisch. Hilfreich dabei waren auch die Diskussionen innerhalb einer Leserunde.
Trotzdem ging mir immer wieder die Frage durch den Kopf. Kann eine junge Frau aus den Fehlern der Generationen vor ihr lernen? Warum klappte das bei den Frauen nicht? Verschwiegenheit, Scham, nicht vergeben können, Trauer und Verbitterung hindern sie an der Weitergabe. Erst äußere Umstände müssen sie zur Suche nach der Vergangenheit, Fehlern und falschen Entscheidungen zwingen.
Alena Schröder hat uns ganz langsam und behutsam in die Vergangenheit geführt und Deckblatt nach Deckblatt weggewischt. Die einzelnen Charaktere werden ohne Schuldzuweisung und Bewertung gezeichnet. Die Bewertung wird dem Leser überlassen.
In der Konsequenz dieser Erzählung kann Hannah erst nach der vollen Wahrheit über ihre, Evelyns, Sentas und Trudis Vergangenheit erwachsen werden und ein selbstbestimmtes Leben führen.
Super, anders als erwartet, ist das für mich ein lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 04.02.2021

Amüsant und sehr royal

Das Windsor-Komplott
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Ostern 2016
Aufregung in Windsor Castle! Am Morgen nach einer „privaten“ Feierlichkeit wird der russische Pianist Maxim Brodsky tot in seinem Zimmer aufgefunden.
Selbstmord, Mord oder gar Unfall?
Für ...

Ostern 2016
Aufregung in Windsor Castle! Am Morgen nach einer „privaten“ Feierlichkeit wird der russische Pianist Maxim Brodsky tot in seinem Zimmer aufgefunden.
Selbstmord, Mord oder gar Unfall?
Für den MI5 Generaldirektor Gavin Humphreys ist der Fall schnell klar. Vladimir Putin lässt mittels eines „Schläfers“ den vermeintlichen Dissidenten Bradsky auf britischem Boden eliminieren, um zu zeigen, dass er es kann.
Die Queen kann er davon nicht überzeugen.


Obwohl die Autorin SJ Bennett im Einband betont, dass dies ein Roman sei und dass die Queen nach ihren Informationen noch nie heimlich ein Verbrechen aufgedeckt habe, konnte ich mir alle Ereignisse und Situationen in diesem Roman sehr gut vorstellen.
Nicht selten hatte ich das Gefühl als Mäuschen hinter irgendeinem Vorhang alles mit ansehen zu können.

Ich denke, die Stimmung im Palast, die Loyalität und Ergebenheit zur Queen wurde sehr gut nachempfunden. Von dem liebevollen Spitznamen „Lilibet“, den Prinz Philip seiner Frau gegeben hat, hatte ich vorher schon gehört. Auch, dass seine teilweise „befremdlichen“ Bemerkungen während royaler Empfänge oder gegenüber Journalisten seinen trockenen Humor entspringen, war mir vorher auch bekannt. Frau Bennett hat aus vielfältigen Puzzleteilchen, die uns aus dem Leben und dem Wesen der Queen bekannt sind, einen amüsanten, unterhaltsamen und royalen Roman kreiert.
Die Lösung des Falles war nachvollziehbar. Die abwartende, stets in die richtige Richtung lobende Haltung der Queen hat mich überzeugt.

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