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Veröffentlicht am 07.03.2019

Kalt und düster

Eisige Tage
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Ein toter Anwalt im Straßengraben beschäftigt die smarte Leipziger Kommissarin Hanna Seiler und ihren eigenwilligen Kollegen Milo Nivic. Michail Jegorowitsch Malinowski starb nicht durch den ...

Ein toter Anwalt im Straßengraben beschäftigt die smarte Leipziger Kommissarin Hanna Seiler und ihren eigenwilligen Kollegen Milo Nivic. Michail Jegorowitsch Malinowski starb nicht durch den Autounfall sondern er ist erschossen worden. Was wie ein Routinemordfall beginnt, mausert sich schnell zu einem Pädophilen -und Mädchenhandel-Fall, der in die unmittelbare Rotlicht-und Schutzgeld-Unterwelt führt.

Die Welt des Verbrechens beginnt vor unserer Haustür........


Dieser Kriminalroman kommt für mich kalt und düster daher.

Direkt der Beginn mit dem gruseligem Verbrechen im Gefangenenlager vermittelt den Eindruck, dass der Leser es mit geschundenen und in tiefster Seele verletzten Tätern und Opfern zu tun bekommt. Es wird auch deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die verletzten Seelen ihr zukünftiges Leben angegangen sind.

Die beiden Ermittler machen einen guten Eindruck und befruchten sich gegenseitig weil sie unterschiedlicher eigentlich nicht sein können. Irritierend empfand ich aber, dass Hanna ihren Kollegen intensiv beobachtet, analysiert und einschätzt. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass Milo strafversetzt wurde und Hanna seine Tauglichkeit und Teamfähigkeit bewerten soll.

Durch die mehrfachen Rückblenden erklärt sich dann einiges selbst.

Der Kriminalfall ist schon tricky, lange Zeit undurchsichtig, aber letztlich logisch und nachvollziehbar gelöst.

Trotz der Rückblenden und privaten Einblendungen erscheinen mir die Ermittler noch etwas blass. Da dieser Roman der Beginn einer neuen Reihe ist, wird der Autor sicher noch detaillierter nachzeichnen.

Fazit: Solider Krimi. Ich bin neugierig, wie es weitergeht.

Veröffentlicht am 27.02.2019

Im Schatten der Macht

Rheinblick
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Deutschland im November 1972

Vor dem Hintergrundgrund des immensen Wahlsieges der SPD und der anschließenden Sprachlosigkeit des Kanzlers, bedingt durch eine Operation der Stimmbänder, wird ...

Deutschland im November 1972

Vor dem Hintergrundgrund des immensen Wahlsieges der SPD und der anschließenden Sprachlosigkeit des Kanzlers, bedingt durch eine Operation der Stimmbänder, wird neben den gewaltigen Positionskämpfe während der Koalitionsverhandlungen, die Geschichte dreier Frauen erzählt, deren Leben in dieser kurzen Zeitspanne entscheidende Veränderungen wiederfuhr.
Hilde Kessel, die Wirtin des Rheinblicks, erlebt jeden Mittag und Abend die politischen Diskussionen und Ränkespiele. Sonja Engel kämpft um einen Arbeitsplatz als Logopädin, indem sie um eine Behandlungsmethode für Brandt ringt. Die Provinzjournalistin Lotti Legrand kämpft um ihren Platz als ernstzunehmende Journalistin, die auch als Frau über Politik, Jugendheime und Mord recherchieren und berichten kann.


Und dann plötzlich, viel zu plötzlich war er dann zu Ende der Roman.

Ich habe es genossen, in dieser Zeit zu schwelgen. Frau Glaser hat es exzellent verstanden, den Leser in die siebziger Jahre zu versetzen. In dieser Zeit war ich in der Oberstufe eines Mädchengymnasiums in einer Kleinstadt am Niederrhein. Wir haben die turbulenten politischen Umschwünge im Unterricht beobachtet und verfolgt.

Die Darstellung der Ereignisse vermischt mit fiktiven Charakteren hat mich voll überzeugt.
Die Beschreibung Brandts und seinem Charisma ist treffend. Die Diskussionen an den Tischen und der Theke im Rheinblick kamen mir so bekannt vor als wäre es gestern gewesen und ich empfand sie authentisch. Genau darüber und mit diesen Argumenten wurde diskutiert unter Jugendlichen, Studenten genauso wie unter Politikern.

Die heftigen und teilweise zersetzenden Diskussionen innerhalb der Partei, die es ja heute immer noch gibt, um die Sprachlosigkeit des Kanzlers zu gruppieren, finde ich sehr interessant. Lässt es doch gleich den Gedanken aufkommen, ob ein starker, sprachgewandter Kanzler die Kämpfe um Posten und Pöstchen hätte verhindern können. Aber das gelingt heute ja auch keinem Parteivorsitzenden.

Warum gerade diese zwei Wochen im November 1972? Weil es der Anfang vom Ende Brandts Kanzlerschaft war? Ich hätte auch die Enttarnung des Agenten Guillaume und was um Brandt herum geschah in dieser Zeit, sehr interessant gefunden.

Das Buch hat mich mitgerissen und begeistert.
Nachdem es ein Buch über die 50er Jahre mit dem Hintergrund Konrad Adenauer, jetzt eins der 70er Jahre mit dem Hintergrund Willy Brandt gab, was wird wohl folgen, Schmidt, Kohl oder Schröder? Ich bin gespannt und freue mich drauf.

Veröffentlicht am 22.02.2019

Spannung, die nicht nachlässt

Mitternachtsmädchen
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Immer um Mitternacht sind bereits zwei Studentinnen vergewaltigt worden, als die erste Leiche vom Hausmeister des Gustavianum aufgefunden wird.
Die vergewaltigte, erwürgte und im Hörsaal des ...

Immer um Mitternacht sind bereits zwei Studentinnen vergewaltigt worden, als die erste Leiche vom Hausmeister des Gustavianum aufgefunden wird.
Die vergewaltigte, erwürgte und im Hörsaal des Gustavianums zur Schau gestellte Studentin ist Hanna, die Tochter von Cecilia Eriksson, der engsten Freundin der Psychiaterin Nathalie Svensson.

Nathalie Svensson, belastete durch einen Sorgerechtskrieg um ihre beiden Kinder, sieht sich durch die emotionale Nähe zu Hanna verpflichtet die Spezialeinheit mit einem Täterprofil und ihrer Mitarbeit zu unterstützen.

Mitternachtsmädchen ist ein spannender und fesselnder Kriminalroman, wenn da nicht wieder dieses Problem mit der Krimireihe wäre. Dies ist der dritte Krimi dieser Reihe und leider mein erster.

Das ist nicht das erste Mal, dass ich den zweiten, dritten oder "what ever" Krimi einer Reihe lese und ich muss feststellen, es gibt Autoren, die wichtiges aus der Vorgeschichte nahtlos einfließen lassen. Als neuer Leser erfährt man das Wichtige, auf Andeutungen wird weitgehend verzichtet.

Das ist Jonas Moström nicht gelungen. Trotz des Personenverzeichnisses am Anfang fühlte ich mich zwischendurch ziemlich verloren. Immer wieder grübelte ich darüber, was Nathalies Vater wohl verbrochen hat, ob ihre Schwester, die jetzt in Scheidung lebt, wohl ein Verhältnis mit Erik, dem Freund ihre Ermittlungskollegen, hatte usw. Alle Nebenschauplätze, die mit diesem Krimi nichts zu tun hatten.

Von diesem Ärgernis abgesehen, ist es Jonas Moström durchaus gelungen den Spannungsbogen immer hoch zu halten und das ohne Blutvergießen. Die einzelnen Charaktere sind gut ausgearbeitet.

Das leichte Herzflattern von der Hauptfigur Nathalie lässt auf weitere spannende und „bauchkribbelnde“ Folgen dieser Reihe hoffen.

Veröffentlicht am 14.02.2019

Starkes Kind - starke Frau

BECOMING
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Wer mit 54 Jahren eine Autobiographie schreibt und diese sich zum Bestseller entwickelt muss viel sehr viel erlebt haben. Michelle Obama hat nicht nur viel erlebt. Sie hat mit einer enormen Kraft und Stärke, ...

Wer mit 54 Jahren eine Autobiographie schreibt und diese sich zum Bestseller entwickelt muss viel sehr viel erlebt haben. Michelle Obama hat nicht nur viel erlebt. Sie hat mit einer enormen Kraft und Stärke, die sie aus ihrer Kindheit zieht, ihr Leben immer wieder neu gestaltet, ja geradezu neu erfunden.

Erst einmal möchte ich festhalten, dass der Hörverlag in Katrin Fröhlich, die richtige bzw. passende Stimme und Sprecherin für die Buch gefunden hat. Sie hat das Buch so engagiert eingesprochen, dass ich zwischenzeitlich das Gefühl hatte, Michelle Obama persönlich sprechen zu hören.

Die Lebensgeschichte der Michelle Robinson Obama ist von Ehrgeiz, Arbeit und Zweifeln geprägt. Dass sie von ihren Selbstzweifeln und ihrer Unsicherheit als Kind, als Studentin und auch als First Lady erzählt macht sie sympathisch. Nur mit harter Arbeit, immensen sozialen Einsatz und persönlichen Verzicht kann man Veränderungen herbeiführen, so ihre Botschaft.

Sie beschreibt Ereignisse und Stationen ihrer Kindheit, ihr glückliches Familienleben, dass ihre Eltern sie nicht verbogen sondern stets gestärkt und unterstützt haben und dass sie ständig von Musik begleitet wurde.

Der Weg in „Weiße Haus“ war nicht gerade und sicher nicht vorgezeichnet, aber Michelle und Barack Obama haben ihn geschafft und viel erreicht.

Ihre Lebensgeschichte fand ich bis zum Ende ihrer Präsidentenzeit interessant und spannend. Die Zusammenfassung und mehr oder weniger Aufzählung ihrer Erfolge während Obamas Präsidentschaft empfand ich im letzten Kapitel überflüssig und störend.

Das Nachwort war wieder Mut machend für jeden, der etwas verändern will.
Außerdem macht Michelle Obama noch einmal deutlich, dass sie kein politisches Amt anstrebt, weil sie nach wie vor nichts von der Politik hält. Ihr Weg ist aber noch nicht zu Ende. Sie wird sich weiter entwickeln und nach vorne streben.

Veröffentlicht am 13.02.2019

Ist meine Wahrheit objektiv?

Das Echo der Wahrheit
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Elf Monate ist es her, dass der Psychiater James Cobb nach einem Vortrag in New York von dem Millionär Joshua Fleischer angesprochen wurde. Der Millionär bittet James Cobb um eine Hypnosebehandlung ...

Elf Monate ist es her, dass der Psychiater James Cobb nach einem Vortrag in New York von dem Millionär Joshua Fleischer angesprochen wurde. Der Millionär bittet James Cobb um eine Hypnosebehandlung um herauszufinden, was sich in einer bestimmten Nacht in einem Hotelzimmer in Paris vor rund vierzig Jahren ereignet hat.

Es folgen elf Monate der Suche nach Wahrheit, psychischer Entwicklung der einzelnen Beteiligten, verschiedener Wahrheiten der verschiedenen Personen und Cobbs eigenen Dämonen.


Ich bin total begeistert, welche Spannung und Dynamik diese Geschichte entwickelt hat. Ein an sich klarer Auftrag mit einer relativ einfachen Geschichte entwickelt sich Seite für Seite immer komplizierter. Viele verschiedene Wahrheiten, alle relativ logisch, bauen ein immer komplizierteres Geflecht auf. Zwischendurch wusste man gar nicht mehr, was man glauben sollte.

Neben der spannenden und aufregenden Geschichte, regt das Buch zum Nachdenken an. Obwohl ich schon öfters erlebt habe, dass mehrere Personen das gleiche Erlebnis aus der Vergangenheit unterschiedlich wiedergeben und erinnern, hätte ich nicht erwartet, dass es eine objektive Vergangenheitserinnerung gar nicht gibt. Das macht uns vielleicht etwas geduldiger gegenüber überraschende Erinnerungen der Eltern oder Partner.
In der Danksagung konnte ich lesen, welch hartes Stück Arbeit dieses Buch für den Autor war.

Ich kann nur sagen, gut, dass er sich Mühe gegeben hat, denn es ist ihm, meiner Meinung nach, richtig gut gelungen, einen spannenden, zum Nachdenken anregenden Roman zu schreiben, den man kaum aus der Hand legen konnte.

Ich hatte übrigens zwischendurch ganz andere Lösungsansätze bzw. Ideen. Der Autor ging andere Wege, zum Teil weil er den Fokus geändert hat und anderen Fragen nachgegangen ist.

Chapeau!