Profilbild von Goch9

Goch9

Lesejury Star
offline

Goch9 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Goch9 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2018

Liebenswerte Krimi-Unterhaltung

Mörderische Teatime
0

Mae Pennywether, eine kauzige nicht gerade typische irische Oma, schäumt vor Wut und Ärger. Ausgerechnet von ihrer Erzfeinding Anne Cleary, Moderatorin einer beliebten Talkshow, soll sie Interviewt werden ...

Mae Pennywether, eine kauzige nicht gerade typische irische Oma, schäumt vor Wut und Ärger. Ausgerechnet von ihrer Erzfeinding Anne Cleary, Moderatorin einer beliebten Talkshow, soll sie Interviewt werden und in einem Filmbeitrag, der in ihrem Heimat-und Wohnort gedreht wird, vorgestellt werden. Das Aufeinandertreffen eskaliert. Am nächsten Morgen ist Anne tot, vergiftet. Als erste Verdächtige wird Mae befragt. Empört beschließt die resolute Dame, sich selber auf der Suche nach dem Mörder zu machen. Den neuen Detective des ländlichen Bezirks nimmt sie gleich unter ihre Fittiche und eine amüsante Mördersuche nimmt ihren Lauf.

Der Titel und auch das Cover vermitteln gleich den richtigen Eindruck von diesem Buch.
Ländlich, idyllisch gelegene kleine Cottages, teetrinkende, die letzten Neuigkeiten austauschende ältere Herrschaften tauschen unweigerlich vor dem geistigen Auge auf, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt.
Der Irland-Krimi entpuppt sich als amüsante und unterhaltsame Detektivgeschichte. Die irische Oma, die jahrzehntelang als Ethnologin die halbe Welt bereist hat, fühlt sich berufen in ihrem Heimatort auf Verbrecherjagd zu gehen. Der Autorin gelingt es, Mae Pennywether authentisch darzustellen, so dass man sich diese „Miss Marple“ ähnliche Figur sehr gut vorstellen kann. Sehr charmant empfand ich die auf den Tee bezogenen Sinnsprüche und Zitate zu Beginn jedes Kapitels. Das Ende des Buches wird deutlich, dass noch weitere Fälle beziehungsweise Bücher mit ihr geplant sind.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Enttäuschend

Im Morgengrauen
0

Klappentext:
Der Sommer hält Einzug in die tiefen Wälder Pennsylvanias, doch für Officer Henry Farrell ist er voller dunkler Schatten. Als der Schreiner Kevin O’Keeffe zugibt, einen Mann erschossen zu ...

Klappentext:
Der Sommer hält Einzug in die tiefen Wälder Pennsylvanias, doch für Officer Henry Farrell ist er voller dunkler Schatten. Als der Schreiner Kevin O’Keeffe zugibt, einen Mann erschossen zu haben, und obendrein seine Freundin Penny als vermisst meldet, beginnt eine groß angelegte Suchaktion und eine nachtschwarze Reise in persönliche und gesellschaftliche Abgründe.

Dies ist eins der wenigen Bücher, durch die ich mich gequält habe und glücklich war, es hinter mir zu haben. Die Lektüre war enttäuschend. Ich hatte mich um dieses Buch bemüht, weil ich Krimis liebe und die Leseprobe ein Potpourri aus Verbrechen, Landleben in Pennsylvania, Umweltsünden und Düsternis versprochen hat. Der Roman hat nichts davon gehalten.

Die Aufmachung des Buches und die Gestaltung des Covers hatten mich sofort in den Bann gezogen. Statt Spannung und Einstieg in brisante Themen wie die Fracking-Problematik, wartete der Autor mit einer langweiligen Berichterstattung des Tagesablaufs eines Officers in den tiefen Wäldern und unergründlichen Seen Pennsylvanias auf. Die Landschaftsbeschreibungen waren eigentlich schon das Spannendste.
Der Vermisstenfall und Schusswaffengebrauch lagen schon oberhalb seines Zuständigkeitsbereichs, aber Farrell „ermittelt“ erst einmal alleine vor sich hin, trinkt, kifft, öffnet unerlaubt eine Wohnung, stolpert durch eine Personenüberwachung anderer Dezernate, befragt hier und sucht dort. Ein roter Faden lässt sich dabei nicht erkennen.
Es ist langweilig und ermüdend die Abfolge von Ereignissen, die erst einmal keinen Zusammenhang haben, zu verfolgen. Es tauchen immer neue Namen und Beteiligte auf, die aber nie genügend ausgestaltet werden, um ihnen einen Gesicht zu geben.
Während der ca. 320 Seiten hatte ich nie das Gefühl den Protagonisten näher zu kommen, Empathie empfinden zu können oder einfach nur ihre Handlungsweise nachvollziehen zu können.

Schade, aber dieses äußerlich schöne Buch hat mich nicht erreicht.

Veröffentlicht am 28.06.2018

Damals als wir Freunde waren

Wenn wir wieder leben
0

In Zoppot der 1920er Jahre erlebt Gundi Frieböse eine glückliche Kindheit bei ihrem Großvater Paul Otto Peter Frieböse genannt Pop. Sie leben in Danzig, aber im Sommer verbringen sie die Wochenenden in ...

In Zoppot der 1920er Jahre erlebt Gundi Frieböse eine glückliche Kindheit bei ihrem Großvater Paul Otto Peter Frieböse genannt Pop. Sie leben in Danzig, aber im Sommer verbringen sie die Wochenenden in Zoppot, dem vornehmen Ostseebad. Dort fühlt Gaudi sich als das glücklichste Kind von der Ostseeküste.
Mit siebzehn träumt sie am Strand von Zoppot mit ihren beiden Freunden Erik und Julius und ihrer Halbschwester Lore eine erfolgreiche Band zu werden. Das gelingt ihnen auch und schon bald tingeln sie nicht nur in Zoppoter Kneipen, sondern fahren mit dem Luxusliner Wilhelm Gustloff über die Meere. Es fällt ihnen nicht schwer den Band-Namen zu ändern und sich fortan die Vier aus Zoppot zu nennen, auch sind sie plötzlich keine Band mehr, sondern eine Tanzkapelle. Viel zu spät erkennt Gundi, wie extrem die Welt sich verändert hat, dass ihre polnischen und jüdischen Freunde verfolgt werden und dass der Mann, den sie liebt, im polnischen Widerstand kämpft.
Jahre später verfolgt die junge Wanda Gundis Spur um zu ergründen, was damals passiert ist.

Mein erster Eindruck von diesem Buch ist die pastellfarbene Weichzeichnung des Covers. Beim Lesen habe ich mich dann sofort in den Schreibstil und die Sprache verliebt. Ich empfinde die Sprache honigsüß oder nach Hagebuttentee riechend wie die Autorin sie beschreibt. Die melancholische Beschreibungen des Ostseebades oder Danzigs Straßen zeugen von einer großen Liebe und Sehnsucht nach der alten Heimat. Meine Schwiegereltern stammen aus dieser Gegend. „Noch ist Polen nicht verloren“ und „unsere alte ferne Heimat“ waren Sätze, die ich oft von ihnen hörte. Sie hätten auch ihre Freude an diesem Buch gehabt.
Mich hat sprachlich besonders überrascht, dass Begriffe wie Kaschemme, Matka. pieschern, Schisslaweng, krakeelen, verhohnepiepeln, die ich für Umgangssprache des Ruhrgebiets und Niederrheins gehalten habe, aus Polen beziehungsweise aus Danzig stammen. Die meisten dieser Begriffe hab ich vorher noch nie geschrieben gesehen.

Frau Roth hat eine wunderschöne, traurige und tragische Familiengeschichte geschrieben, die Zeitgeschichte aus einer anderen Sicht beleuchtet. Dieses Mal sind es nicht die Opfer und auch nicht die Verbrecher, die den Niedergang und Untergang der Deutschen schildern. Gundi ist eine, die glücklich mit ihrem Leben und ihrer Umgebung ist, die glücklich ist, ihre Musik machen zu können. Sie bekommt die Veränderung um sie herum nicht mit. Erst sehr spät drängen sich ihr die Ereignisse auf, aber in ihrer Naivität meint sie, dass alles wieder gut wird.

Der Roman lässt mich nachdenklich und vielleicht auch etwas wehmütig zurück. Der letzte Abschnitt „Noch ist Polen nicht verloren“ tut da sein übriges und erinnert mich an meine Oma Sonntag aus Meiderich, die zwar nicht aus Danzig stammt, aber sicher einiges mit ihrer Oma Lita gemein hat.

Veröffentlicht am 21.06.2018

Spannend und lehrreich!

Das Jahrhundertversprechen (Jahrhundertsturm-Serie 3)
0

Berlin 1921: Der Erste Weltkrieg wirft noch immer lange Schatten, auch auf die Familie von Briest. Otto und Hermine von Briest stehen vor dem Bankrott. Ihre Tochter Louisa träumt trotz der Notlage ...

Berlin 1921: Der Erste Weltkrieg wirft noch immer lange Schatten, auch auf die Familie von Briest. Otto und Hermine von Briest stehen vor dem Bankrott. Ihre Tochter Louisa träumt trotz der Notlage von einer Karriere als Filmschauspielerin. Der persönliche Kontakt mit dem Regisseur Fritz Lang, der die Unterstützung von Otto von Briest bei verschiedenen Drehbuchüberarbeitungen hoch zu schätzen weiß, ermöglicht Louisa ein Stipendium für das Max Reinhardt Institut. Louisa liebt Max Brandow, einen ehemaligen Gassenjungen. Otto von Briest hat diesen Jungen aus der Gosse geholt und für seine Detektei arbeiten lassen. Seitdem Max Weihnachten 1918 Louise das Leben gerettet hat, gehört er zur Familie. Ihm wird eine große Zukunft als Rennfahrer vorausgesagt.

Ein fulminanter Abschluss der Jahrhundert-Trilogie!
Wieder gelingt es Richard Dübell anhand der Lebens-und Leidensgeschichte der Familie von Briest die politischen und gesellschaftlichen Veränderung in Deutschland der 20er Jahre zu beschreiben und den Finger in die Wunde zu legen.

Die Geschichten neben den exzellent recherchierten politischen Ereignissen beschreiben, dass es nicht immer nur die Agitatoren, Rädelsführer und Politiker waren, die das Volk in den Untergang und die Arme der NSDAP getrieben haben. Es sind vor allem Dingen, die Verzweiflung, die Ausweglosigkeit, Neid und Schwäche. Es sind die kleinen Katastrophen, Zusammenbrüche und Demütigungen, die von den neuen Machthabern genutzt wurden.

Sinnbildlich kann man das Schicksal derer von Cramm ansehen. Sie haben mit der Verfolgung und Tötung von Juden ihren eigenen Untergang besiegelt, genau wie das deutsche Volk. Ich weiß nicht, ob das vom Autor beabsichtigt war, aber der Gedanke drängt sich mir als Leser auf.
Max Brandows Versprechen: „Alles wird gut. Versprochen. Großes Ehrenwort“ zieht sich durch den ganzen Roman und bezieht sich leider nur auf die Familie von Briest.

Für die Deutschen wird alles immer schlimmer.
Der Roman endet vor der Machtergreifung. Die Geschichte der von Briest in Deutschland ist zu Ende erzählt. Was bleibt? Eine interessante und unterhaltsame Geschichtsstunde, in der dem Leser die Ursachen und die Entstehung des dritten Reiches aus Sicht des Autors näher gebracht wurden.
Meiner Meinung nach ist es ihm sehr gut gelungen.

Veröffentlicht am 18.06.2018

ROMANTIK THRILLER

Schwesterherz
0

Während ihrer alltäglichen Joggingrunde im Central Park stolpert Victoria Kensington fast über eine hilflose junge Frau. Erst auf dem zweiten Blick erkennt Victoria ihre Schwester Audrey, die sie in Florenz ...

Während ihrer alltäglichen Joggingrunde im Central Park stolpert Victoria Kensington fast über eine hilflose junge Frau. Erst auf dem zweiten Blick erkennt Victoria ihre Schwester Audrey, die sie in Florenz vermutet. Es ist früher Abend. Es regnet heftet. Keine ihrer Hilferufe wird gehört. Victoria muss Hilfe holen, aber bei ihrer Rückkehr ist ihre Schwester verschwunden. Umgehend macht sich die selbstständige Anwältin auf die Suche nach ihrer Schwester. Unterstützung findet sie überraschenderweise von ihrer ehemaligen großen Liebe Zachary Hamilton.

Dieser Thriller beginnt genau wie ich es liebe mit Angst, Schrecken und einer Gänsehaut.
Die einzelnen Protagonisten werden genau beschrieben. Die schwierigen und auch ein wenig seltsamen Familienverhältnisse von Victoria und ihrer Schwester werden aufgezeigt. Man kann so die verschiedene Entwicklung der beiden Schwestern gut nachvollziehen.

Die Liebesgeschichte zwischen Zack und Victoria empfand ich dagegen überzogen. Natürlich passen Liebesbeziehungen und Erotik gut in einen Thriller, aber in diesem Fall nahm das Gefühlschaos einen zu hohen Stellenwert ein, so dass die eigentliche Spannung abfiel. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass die Autorin den Fokus aus den Augen verloren hat. Es schien lange Zeit völlig unsinnig, dass Audrey in einer Klinik festgehalten wird, die mit Drogen handelt beziehungsweise arbeitet. Erst als das Liebeschaos endlich entwirrt und geklärt war, nahm der Thriller wieder Fahrt auf. Der Spannungsbogen hielt dann bis zum Schluss, was mich wieder mit diesen Thriller versöhnte.

Alles in Allem ist „Schwesterherz“ ein spannender, lesenswerter Thriller mit einigen Abstrichen.