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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2025

Ein echter Strobel !

Stalker – Er will dein Leben.
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Nach seinem ersehnten Durchbruch in einer emotionalen Tatort-Rolle erlebt der Schauspieler Eric Sanders einen niederschmetternden Social Media Fake. Während er sich an steigenden Followerzahlen seiner ...

Nach seinem ersehnten Durchbruch in einer emotionalen Tatort-Rolle erlebt der Schauspieler Eric Sanders einen niederschmetternden Social Media Fake. Während er sich an steigenden Followerzahlen seiner verschiedenen Accounts erfreut, drängelt sich jemand in seine Seiten und übernimmt seine Identität als Eric Sanders Actor.
Eric wehrt sich, fühlt sich aber massiv bedroht, als er von einer Person beobachtet und verfolgt wird.
Dann wird ihm eine Nachricht zugespielt. „Gestehe, du bist ein Mörder“


Das ist mal wieder ein spannender, fesselnder Thriller von Arno Strobel. Es ist faszinierend, dass Arno Strobel immer wieder neue Themen findet, aus denen sich ein packender Thriller entwickeln lässt. Sein Schreibstil ist lebendig und mitreißend.
Die Verzweiflung von Eric Sanders ist so überzeugend dargestellt, dass man mitfiebert und Lösungen sucht. Das Verhalten seiner Frau und seines Freundes habe ich skeptisch beobachtet und sie schon als mögliche Täter in Verdacht gehabt.
Bei den Behandlungsmethoden in der Kinderpsychiatrie war ich schon skeptisch, aber es war doch nachvollziehbar und passte zu der Story. Sanders fieberhafte Suche nach seiner Kindheit hält den Spannungsbogen permanent hoch, so dass sich der Thriller schnell zum Pageturner entwickelt.
Die Arno-Strobel-Thriller sind für mich ein leuchtendes Beispiel dafür, dass spannende und fesselnde Thriller nicht literweise Blut vergießen und Serienmörder fabrizieren müssen.
Für diesen Thriller gebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Wow, immer neue fantastische und spannende Ideen

Scandor
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Scandor – eine außergewöhnliche Challenge.
Philipp und Tessa und achtundneunzig weitere Glücksritter stellen sich der besonderen Aufgabe, während der Challenge nur die Wahrheit zu sagen. Auch die kleinste ...

Scandor – eine außergewöhnliche Challenge.
Philipp und Tessa und achtundneunzig weitere Glücksritter stellen sich der besonderen Aufgabe, während der Challenge nur die Wahrheit zu sagen. Auch die kleinste Notlüge oder Höflichkeitsfloskel lassen die schlimmsten Albträume wahr werden.
Dem Sieger winken fünf Millionen Euro. Die neunundneunzig Verlierer müssen sich ihrem eigenen Albtraum stellen.
Überwacht wird das Ganze von Scandor, dem unfehlbaren Lügendetektor, rund um die Uhr, jeder Zeit eine Schwindelei wittert.


Für mich als achtundsechzig-jährige Leserin ist es immer wieder eine besondere Freunde Ursula Poznanskis Jugendbücher zu lesen. Ob Erebos 1+2, Cryptos, Eleria und Oracle, alle haben eine visionäre Gemeinsamkeit „Was wäre, wenn...“ in alle Richtungen gedacht.
In diesem Buch geht’s um Lügen, die wir gedankenlos täglich mehrmals von uns geben. Während der Lektüre wird mir erst bewusst, wie viele kleine Lügen ich teils aus Gewohnheit, teils aus Höflichkeit und teils aus Faulheit, um Diskussionen aus dem Weg zu gehen, meinen Mitmenschen auftische. Scandor macht bewusst, wie anstrengend es ist, die reine Wahrheit zu sagen. Das macht schon nachdenklich.
Zum anderen haben wir mit Scandor ein Überwachungssystem, dass den modernen Smartphones erschreckend nahekommt.
Hinter dieser Wahrheitschallenge gibt es noch eine andere besondere Wahrheit, die gefunden werden soll. Frau Poznanski flicht diese Geschichte behutsam, aber stetig in den „Kampf“ um die Wahrheit ein, so, dass es in mir im Laufe der Geschichte anfing zu brodeln, weil ich wissen wollte, was hinter den Andeutungen steckt.
Alles in Allem ist es ein spannendes Buch, das es in sich hat, das nicht nur gut unterhält, sondern zum Nachdenken animiert.
Chapeau Ursula Poznanski!

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Genialer Geschichtenerzähler

In den Farben des Dunkels
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Der dreizehn-jährige Patch wird beim Versuch, seine Klassenkameradin vor einem möglichen Vergewaltiger zu schützen, entführt. Lange Zeit liegt er in völliger Dunkelheit mit einer Stichverletzung teilnahmslos ...

Der dreizehn-jährige Patch wird beim Versuch, seine Klassenkameradin vor einem möglichen Vergewaltiger zu schützen, entführt. Lange Zeit liegt er in völliger Dunkelheit mit einer Stichverletzung teilnahmslos auf einer Matratze, bis er plötzlich ein junges Mädchen neben sich fühlt. Grace begleitet ihn während wilder Fieberträume und langsamer Genesung.
In seinem Heimatort setzt seine Freundin Saint alle Hebel in Bewegung, um Patch zu finden.
Als es ihr endlich gelingt, ist Patch völlig verändert.
Er trauert seiner Gefährtin nach, die auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Niemand glaubt ihm, dass es Grace wirklich gibt.


Chris Whitaker ist ein bemerkenswerter Erzähler, der die Farben des Dunkels beeindruckend beschrieben hat. Conny Lösch als Übersetzer, hat dem Roman die gefühlvollen und manchmal auch harten Passagen eine sensible Note gegeben.
Wir begleiten den Lebensweg der beiden Protagonisten über mehrere Jahrzehnte. Zwischendurch habe ich das Gefühl, dass alle Schicksalsschläge der gesamten Region im Lebensraum der Beiden stattfinden. Manchmal war es mir etwas zu viel. Richtungsänderungen, Talente, Perfektionismus und Verbrechen werden bei Patch gebündelt, aber, und das muss ich ehrlich zugeben, von außen nachvollziehbar erzählt. Wir werden nach und nach in Patchs und Saints Bann gezogen.
Chris Whitaker ist es gelungen den Spirit der damaligen Zeit einzufangen und den „American Way of Life“ zu skizzieren. Die Besessenheit von Patch wird genauso intensiv beschrieben, wie die Zielstrebigkeit von Saint.
Obwohl „In den Farben des Dunkels“ ein dicker Wälzer ist, fällt der Abschied von Patch, Saint, Sammy und Charlotte schwer.

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Gefühlte Geschichte

Frevel
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Frankfurt, Mai 1800
Johann, Redakteur des Frankfurter Korrespondenten, und Manon, Tochter des verwitweten Medicus Forensis Theophil Pontus, dem sie bei seinen Obduktionen zuweilen assistieren darf, fühlen ...

Frankfurt, Mai 1800
Johann, Redakteur des Frankfurter Korrespondenten, und Manon, Tochter des verwitweten Medicus Forensis Theophil Pontus, dem sie bei seinen Obduktionen zuweilen assistieren darf, fühlen sich der Wahrheitsfindung verschrieben.
Johann widerstrebt die reißerische und aufwieglerisch Art der Artikelaufmachung seines Zeitungsverlegers Uffenbach. Während Manon gegen das Bild der Frau im angebrochenen 19. Jahrhundert ankämpft, das Wissen ihres Vater aufsaugt und mit ihm gemeinsam den menschlichen Körper erforschen will.
Eine abscheuliche Mordserie lässt Johann und Manon gemeinsam nach Spuren, Gerüchten und üblen Machenschaften ermitteln. Sie lassen sich nicht durch Gerüchte über religiöse Ritualmorde oder alten Aberglauben ablenken, sondern sehen schnell den unvorstellbaren Zusammenhang zu Morden in der Vergangenheit, deren Täter aber bereits vor Jahren hingerichtet wurde.


Frevel ist ein mitreißender, fesselnder, historischer Roman.
In diesem Roman versetzt uns Nora Kain einige Wochen ins Jahr 1800. Ihr Schreibstil ist lebendig und man fühlt in den Dialogen und Beschreibungen die Sprache und ganz gezielte Ausdrücke dieser Zeit, die heute nicht mehr verwendet werden.
Wir lernen viel über die sich gerade entwickelnde Rechtsmedizin. Die Stellung der Frau zu dieser Zeit wird deutlich im Dialog oder soll man sagen, Kampf der beiden Schwestern Jeanette und Manon. Jeanette verkörpert die Ehefrau, Mutter und Hausherrin dieser Zeit, während Manon zur Wissenschaft geboren ist und alles andere als unnütz und langweilig empfindet.
Johann kämpft derweil um die Pressefreiheit, die der Wahrheitsfindung und neutralen Information dienen sollte. Hinrichtungen und Beschreibungen von äußerst brutalen und blutigen Morden liegen ihm weniger.
Das Leben der Juden in Frankfurt im 19. Jahrhundert wird thematisiert und vorsichtig in die Geschichte eingewoben. Wir erfahren viel über das Los der Juden in Frankfurt, das längst nicht alle Erleichterungen, die in anderen Städte bereits den Juden gewährt wurden, umsetzt. Alle Vorgänge im Judenviertel werden beschrieben, aber nicht bewertet.
Die Protagonisten Johann und Manon werden genau beleuchtet, was mich zur wagen Vermutung veranlasst, dass hieraus vielleicht eine Reihe historischer Verbrechen mit den beiden als Ermittlerteam entstehen könnte.
Für Frevel kann ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben und freue mich schon auf den nächsten historischen Roman von Nora Kain.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Starke Story, mit einigen Längen

Anna O.
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Der renommierte Psychologe und Experte für Verbrechen, die während Schlafwandeln begangen werden, Dr. Benedict Prince, erhält vom Justizministerium eine brisante Aufgabe zugewiesen. Er soll Anna O. eine ...

Der renommierte Psychologe und Experte für Verbrechen, die während Schlafwandeln begangen werden, Dr. Benedict Prince, erhält vom Justizministerium eine brisante Aufgabe zugewiesen. Er soll Anna O. eine mutmaßliche Mörderin, die ihre beiden besten Freunde während eines Wochenendausflugs im Schlaf getötet haben soll, aus einem 4-jährigen komatösen Schlaf, von dem Resignationssyndrom verursacht, zu erwecken.
Seiner gewagten Theorie folgend macht Ben sich ans Werk, unter stetigen Druck und Beobachtung vom Justizministerium und seiner Ex-Frau, die als Kommissarin damals als Erste am Tatort eingetroffen ist, von Annas Mutter, die vor der Tat ihrer Tochter eine einflussreiche Politikerin war, sowie einer Bloggerin, die Annas Tagebuch besitzt.
Ben verstrickt sich immer mehr in Annas Leben und merkt nicht, in welcher Gefahr er schwebt.


Anna O. ist eine starke und fesselnde Story mit Emotionen, Gänsehaut-Situationen, Richtungswechsel und Zweifel an Annas Schuldfähigkeit, aber leider auch vielen langatmigen oder langweiligen Stellen.
In der ersten Hälfte des Thriller irritierten mich die langatmigen Befindlichkeiten von Dr. Prince, seine ambivalente Einstellung zu Anna, sowie die ausführliche Darstellung seiner Probleme im familiären Bereich.
Die zweite Hälfte war rasanter und wechselhafter. Da konnte ich das Buch schon nicht mehr aus der Hand legen. Leider fand ich auch in diesem Teil nicht alles schlüssig, manchmal auch zu oberflächlich.
Das Ende hätte ich mir insofern anders gewünscht, dass zumindest in der zweiten Hälfte kleine Hinweise in die richtige Richtung aufgetaucht wären. Wenn im letzten Kapitel eine andere Personen die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive neu erzählt, erscheint mir das so frustrierend, wie die Krimis, in denen am Ende ein Täter aus der Hutschachtel gezogen wird. Es wird zwar ein Aha-Effekt erzielt, aber ich fühle mich gefrustet, weil ich mich durch die langweiligen Passagen des Buches gequält habe, ohne dabei dem Täter oder der Täterin auf die Spur gekommen zu sein.
Das hätte man sicher besser erzählen können.

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