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Veröffentlicht am 06.06.2020

Wenn die stummen Wächter sprechen könnten…

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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England 1939. Um die Exponate vor eventuellen Bombenangriffen zu schützen, werden die Sammlungen im Land verstreut untergebracht. So gelangt Hetty Cartwright nach Lockwood Manor, wo sie für die Säugetiersammlung ...

England 1939. Um die Exponate vor eventuellen Bombenangriffen zu schützen, werden die Sammlungen im Land verstreut untergebracht. So gelangt Hetty Cartwright nach Lockwood Manor, wo sie für die Säugetiersammlung verantwortlich ist. Dort trifft sie auf den verwitweten Hausherrn und dessen Tochter Lucy, die sich in etwa in Hettys Alter befindet. Doch dann geschehen seltsame Dinge im Herrenhaus. Tiere verschwinden oder werden beschädigt und überhaupt scheint es im ganzen Anwesen zu spuken.
Hetty, die bisher nur für ihr Museum gelebt hat, sieht sich einer Verschwörung gegenüber, scheint der Hausherr seine Meinung zur Unterbringung der Exponate auf Lockwood Manor wohl geändert zu haben. Und Lucy, mit der sich Hetty langsam anfreundet, kämpft mit inneren Dämonen.
Die Figuren finde ich meist gut ausgearbeitet. Hetty, die in ihrer eigenen Welt mit den Exponaten lebt, die keine richtige Familie kennt, Menschen eher meidet, immer in Sorge ist, dass sie ihre übertragene Aufgabe nicht zufriedenstellend meistern wird, die aber gleichzeitig wie eine Löwin für ihre Meinung einsteht, wenn sie dem Major Lockwood Paroli bieten muss. Auch, wenn es meist an diesem abprallt. Lucy, von Albträumen geplagt, einerseits freiheitsliebend, sie würde so gerne ausbrechen, andererseits aber mit Traditionen behaftet und psychisch zu labil, Lockwood Manor zu verlassen. Der Hausherr, Major Lockwood, den der Tod von Frau und Mutter kaum zugesetzt zu haben scheint und der allerlei Liebschaften pflegt. Die einzelnen Hausangestellten und nicht zuletzt Lucys verstorbene Mutter, auf die immer wieder die Sprache kommt. Warum kam sie wirklich nach England, was passierte dort, was sie zu der werden ließ, die sie am Ende war? Das wunderschöne Cover griff die Bilder der Geschichte dazu perfekt auf. Die verschiedenen Perspektiven von Hetty und Lucy wurden durch unterschiedliche Schriftarten hervorgehoben, was ich als sehr hilfreich empfunden habe. Auch die verschachtelten Sätze waren für mich kein Grund zur Trübung des Lesevergnügens, sondern passte für mich zu der inneren Zerrissenheit und teilweisen Verwirrtheit der Charaktere.

Wer einen reißerischen Thriller oder eine wirkliche Gruselgeschichte erwartet hat, wird enttäuscht werden. In diesem Roman geht es sehr viel subtiler zu. Im Laufe der Geschichte entwickeln sich immer mehr Fragen und das Ende kommt nicht bombastisch daher, sondern mit eher leisen Tönen. Dennoch stellte sich für mich durchweg ein untergründiges Schauergefühl ein. Die ein oder andere Stelle hätte vielleicht noch etwas tiefgründiger sein können, das Ende nicht ganz so einfach, dabei gab es auch die ein oder andere eher unerwartete Wendung. Alles in allem war es für mich dennoch ein Lesevergnügen und ich fühlte mich in die Zeit der großen Frauenromane von Jane Austen und den Brontë-Schwestern zurückversetzt, die auch für die Autorin ein großes Vorbild sind.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2020

Ein A*** zum Verlieben?

Dirty Rich - Verbotene Sehnsucht
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Carrie verliert durch eine feindliche Übernahme die Firma ihres Vaters, der im gleichen Zuge als Geschäftsführer abgesetzt wird. Um sich dafür zu rächen, ersteigert sie auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung ...

Carrie verliert durch eine feindliche Übernahme die Firma ihres Vaters, der im gleichen Zuge als Geschäftsführer abgesetzt wird. Um sich dafür zu rächen, ersteigert sie auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung den Feind in Form des erfolgreichen Geschäftsmanns Reid Maxwell, um ihn dann eiskalt abzuservieren. Diese Aktion bleibt jedoch nicht ohne Folgen, denn Reid, der normalerweise niemanden an sich heranlässt, schon gar keine Frau, geht Carrie nicht mehr aus dem Kopf. Doch wird er es schaffen, dass Carrie ihm letztlich doch noch vertraut? Denn es gibt da noch einige Geheimnisse um die beiden verfeindeten Familien, die alles zerstören könnten…
Dies ist der dritte Band der „Dirty Rich-Reihe“, auch er ist wie seine Vorgänger sehr gut unabhängig vom ersten Teil zu lesen. Aber es ist schön, dass man einige alte Bekannte wiedertrifft. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm zu lesen, die Kapitellängen laden zum schnellen Weiterlesen ein. Auch das Cover passte wieder perfekt zur Serie, elegant und ein bisschen unnahbar, wie Reid zu Beginn.
Die Charaktere finde ich erneut toll ausgearbeitet, allerdings wirkt Carrie auf mich deutlich sympathischer als ihre Vorgängerin Lori, der man anmerkte, dass sie jünger war und die mir mit ihrer Art manchmal den letzten Nerv raubte. Carrie wirkt deutlich erwachsener, auch wenn ihre Gedanken sich häufig im Kreis drehen. Reid beweist ihr gegenüber viel Fingerspitzengefühl, was er mit seinem Vorgänger Cole gemeinsam hat. Beide, Carrie und Reid, wollen unabhängig sein, merken jedoch, dass da mehr ist als Hassliebe und dass ihnen die Beziehung diesmal unter die Haut geht.
Die Geheimniskrämerei finde ich zeitweise etwas übertrieben, denn einige Dinge sind so offensichtlich, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, was die Situation für Carrie noch schlimmer machen könnte, denn dass die Väter von den beiden sich nicht mögen, kommt sehr schnell heraus. Gegen Ende jedoch wird deutlicher, warum es für Reid von Bedeutung war, dass Carrie nichts davon weiß.
Der Schluss kam dann jedoch wie beim letzten Band der Reihe sehr plötzlich, wenn auch nicht unerwartet. Insgesamt eine schöne leichte Lektüre für zwischendurch.

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  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 12.04.2020

Auf der Suche nach dem Leben

Wo Wellen niemals enden
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Katharina verlässt ihre Familie, weil sie ihnen nicht das gleiche Schicksal antun möchte, das sie mit ihrer Mutter ereilte. Diese verstarb schon früh an Demenz und Katharina kümmerte sich bis zu deren ...

Katharina verlässt ihre Familie, weil sie ihnen nicht das gleiche Schicksal antun möchte, das sie mit ihrer Mutter ereilte. Diese verstarb schon früh an Demenz und Katharina kümmerte sich bis zu deren Tod rührend um sie, während sie nebenbei noch die Familie und die Arbeit zu bewältigen hatte. Ein eigenes Leben kannte und wollte sie nicht. Doch nachdem sich auch bei ihr die ersten Anzeichen der Krankheit zeigen, lässt sie ihr altes Leben hinter sich, gibt alles auf und landet über Umwege in Irland. Hier lernt sie das Leben von einer ganz anderen Seite kennen und lieben. Einen nicht unwesentlichen Teil trägt auch der Tierarzt Odhran dazu bei. Doch haben die beiden eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft? Als Katharina bereits nicht mehr daran glaubt, kommt es zu einer ungeahnten Wendung. Für welches Leben wird sie sich entscheiden?
Die Autorin entwirft eine Kulisse, in die man direkt hineinfallen kann. Man sieht die Bilder vor sich, träumt sich nach Irland, fühlt, liebt, lacht und leidet mit Katharina. Ihre innere Zerrissenheit hat mich mitgenommen auf eine Reise mit unbekanntem Ziel. Die unterschiedlichen Mentalitäten, die Herzlichkeit, mit der die Figuren Irlands beschrieben werden (und die Menschen dort sind wirklich so!) und im völligen Kontrast dazu das deutsche Spießbürgertum (natürlich sind wir nicht alle so! ) kommen sehr gut rüber. Und nicht zuletzt natürlich auch die Tiere, die in der Geschichte vorkommen. Meiner Meinung nach hätte ihnen ruhig noch mehr Platz eingeräumt werden dürfen.
Das Cover dazu ist das Irland, wie ich es kennen und lieben gelernt habe in seiner Urwüchsigkeit. Einfach perfekt, da es auch meines Erachtens den Seelenzustand Katharinas gut beschreibt. Auf der einen Seite wirkt es irgendwie idyllisch, andererseits zeigt es aber auch eine gewisse irische Melancholie auf - das Haus liegt einsam an einer Klippe - eine ständige Gratwanderung.
Ich habe mir mehrfach die Frage gestellt, ob ich wie Katharina gehandelt hätte, ob ich wirklich alles einfach stehen und liegen lassen könnte. Ich denke nicht, ob wohl ich sie ein bisschen um das Leben in Irland beneidet habe, denn ich liebe dieses Land! Aber es gehört auch viel Mut dazu und natürlich hatte sie ihre besonderen Gründe, auch wenn ich nicht so überstürzt gehandelt hätte. Dennoch finde ich es faszinierend, mit wie wenig Sachen man doch eigentlich auskommen kann, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert, wie unwichtig materielle Dinge eigentlich sind.
Ein wunderbares Buch zum Nachdenken über das Leben, die Liebe und wie schnell sich alles ändern kann.

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Veröffentlicht am 06.04.2020

Apfelkuchen, Alpakas und die große Liebe

Mein kleiner Apfelhof zum Glück
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Emma verliert ihre Arbeit und mit den Männern will es irgendwie auch nicht klappen. Also flüchtet sie aufs Land zu ihrer Oma Luise. Der gehört ein alter Hof mit Apfelgarten. Als Emma dort ankommt, findet ...

Emma verliert ihre Arbeit und mit den Männern will es irgendwie auch nicht klappen. Also flüchtet sie aufs Land zu ihrer Oma Luise. Der gehört ein alter Hof mit Apfelgarten. Als Emma dort ankommt, findet sie ihre Oma verletzt in der Küche. Aber nicht nur sie, sondern auch ein paar Alpakas im Stall! Diese schließt Emma sofort in ihr Herz, im Gegensatz zu dem Tierarzt Lukas, bei dem sie von Anfang an auf Krawall gebürstet ist. Doch durch die Alpakas kommen sich die zwei schließlich näher. Als Emma erfährt, dass Luise kurz vor dem Bankrott steht, muss schnell eine Idee her, denn auf gar keinen Fall darf diese den Hof verlieren! Also schmiedet Emma einen Plan, der nicht ohne Folgen ist und ihre Beziehung zu Lukas auf eine harte Probe stellt.

Die Geschichte ist herrlich frisch erzählt, einfach mal für zwischendurch, man muss sich in die Figuren samt Alpakas und dem Bernhardiner Radetzky einfach verlieben! Oma Luise, die im Alter noch genau weiß, was sie will und sich nicht unterkriegen lässt. Emma, die ihr bisheriges Leben völlig auf den Kopf stellt und bei der man ein bisschen sehnsüchtig darüber nachdenkt, selbst auszusteigen und ein neues Leben auf dem Land zu beginnen. Lukas, den liebenswerten Tierarzt, der von Emmas kratzbürstiger Art nicht zu beeindrucken ist. Und natürlich Kalle und Frida, Oma Luises Freunde mit ihren liebenswürdigen Macken.

Fazit: Wer Inga Lindström mag, wird dieses Buch lieben!

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Veröffentlicht am 03.04.2020

Vom Hobbyfunker zum Spion

Der Empfänger
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Das Buch „Der Empfänger“ von der Autorin Ulla Lenze nimmt den Leser mit auf die Reise des Deutschen Josef Klein, welcher vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus dem Ruhrgebiet nach New York auswandert. ...

Das Buch „Der Empfänger“ von der Autorin Ulla Lenze nimmt den Leser mit auf die Reise des Deutschen Josef Klein, welcher vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus dem Ruhrgebiet nach New York auswandert. Zunächst noch Amateurfunker, der durch seine Leidenschaft die Amerikanerin Lauren kennenlernt, gerät er bald in die Fänge nationalsozialistischer Spionagenetzwerke. Sein Weg führt ihn zurück nach Deutschland zu seinem Bruder Carl und dessen Familie und schließlich nach Südamerika.
Den Krieg selbst bekommt ‚Joe‘, wie er in Amerika genannt wird, hauptsächlich nur in Form von Propagandafilmen mit.
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich die vielen Zeitsprünge, wo teilweise Ereignisse angerissen, dann aber erst gegen Ende genau erläutert wurden. Da fehlten mir dann manchmal mehr Details und Tiefe. Insgesamt las sich das Buch aber dennoch recht flüssig, wenn man sich darauf eingestellt hatte.
Der Protagonist selbst zeigte sich mir irgendwie antriebs- und emotionslos. Er hinterfragt die Geschehnisse zwar und erzählt immer wieder, dass er unbedingt wieder in die USA einreisen möchte, aber er versucht stets, sich aus allen Situationen möglichst elegant herauszulavieren, wenn er wieder und wieder mit seinen Gegnern konfrontiert wird. Auch seine Beziehung zu Lauren ist anscheinend nicht wirklich tiefgründig. Vielleicht ist es aber auch eine gewisse Schutzhaltung der Menschheit gegenüber. Wenn ich keinen richtig an mich heranlasse, kann er mich auch nicht verletzen.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist das Cover. Es deutet für mich eine gewisse innere Zerrissenheit, aber auch gleichzeitig die äußerliche Unversehrtheit während des Krieges an und sieht insgesamt sehr edel aus.
Mein Fazit: Die Idee hat mir gut gefallen, ist aber meiner Meinung nach noch ausbaufähig, dennoch habe ich mich gut unterhalten.

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