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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2025

Großartiges Debüt

Lázár
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Über mehrere Generationen begleitet der Roman die adlige ungarische Familie Lázár. Dabei tummeln sich in der Handlung fast ausnahmslos charakterstarke Persönlichkeiten und teilweise sehr skurrile Gegebenheiten. ...

Über mehrere Generationen begleitet der Roman die adlige ungarische Familie Lázár. Dabei tummeln sich in der Handlung fast ausnahmslos charakterstarke Persönlichkeiten und teilweise sehr skurrile Gegebenheiten. Die Beziehungen der einzelnen Individuen zueinander bewegt sich zwischen absoluter Verachtung, Argwohn, und Abgewandtheit über Gleichgültigkeit bis hin zu glühender Liebe und Bewunderung. Darüber hinaus erfährt man den geschichtlichen Hintergrund Ungarns, von dem Zerfall der der Monarchie Österreich-Ungarns bis hin zu den Wirren und Schreckens des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Nachkriegszeit.

Der junge Autor hat einen wunderbaren Schreibstil und erweist mit seinem Roman eine große Weitsicht. Kurz und knapp handelt er die einzelnen Generationen der Familie Lázár ab, ohne ein Wort zu viel und dennoch scheint alles Wesentliche gesagt. Und so fliegt man geradezu über den Verlauf des Adelsgeschlechts mit all seinen Tiefschlägen und Verrücktheiten. Die Generationen kommen und gehen und man staunt über die Kuriositäten eingebunden in den Alltag der Menschen. Dabei wirkt die Sprache oft äußerst poetisch.

Das Cover mit dem edlen Pferd und dem barocken Hintergrund ist sehr schön gestaltet, ich konnte jedoch hierin keinen wirklichen Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches feststellen. Lediglich am aller äußersten Rand werden die Pferde der Familie Lazar erwähnt.

Insgesamt ein eindrucksvoller Debütroman des äußerst jungen Autors. Inspiriert von seiner eigenen Familiengeschichte beschreibt er die Geschehnisse des Familie Lazar sehr bildhaft, eindrucksvoll und unterhaltsam. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen und bin gespannt auf ein weiteres Werk des Autors.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Nette Unterhaltung

Unbeugsam wie die See
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Als Lucy vor ihren privaten Problemen kapituliert, sucht sie ihre Schwester Jess auf die an einem entlegenen australischen Küstenort wohnt, an dem über Jahrzehnte acht Männer spurlos auf See verschwunden ...

Als Lucy vor ihren privaten Problemen kapituliert, sucht sie ihre Schwester Jess auf die an einem entlegenen australischen Küstenort wohnt, an dem über Jahrzehnte acht Männer spurlos auf See verschwunden sind und ein verwaistes Baby gefunden wurde. Als Lucy an dem Haus direkt am Kliff angekommen ist, ist ihre Schwester jedoch nicht da, die Tür ist jedoch offen, das Auto und das Handy sind noch da.

Ein weiterer Erzählstrang beschäftigt sich mit den Schwestern Mary und Eliza, die als Verurteilte 1801 mit einem Sträflingsschiff nach Australien gebracht werden. Sowohl Lucy als auch Jess verspüren eine eigenartige Verbindung zu diesen beiden Schwestern. Jess Gedanken erfahren ein Tagebucheintragungen.

Sowohl die acht vermissten Männer und das Auftauchen des Babys als auch das Verschwinden Jess` und deren seltsame Eintragungen im Tagebuch verleihen dem Roman einiges an Spannung und sorgen für gute Unterhaltung. Einen geschichtlichen Hintergrund besteht durch die Sträflinge die von Großbritannien vor rund 2 Jahrhunderten nach Australien gebracht wurden. Die Geschichte selbst, insbesondere der Ort Comber Bay und das Schiff Naiad sind reine Fiction. Eine weitere Thematik wird mit der Benachteiligung von Frauen aufgegriffen, dieses Thema steht allerdings etwas am Rand der Handlung.

Was ich an dem Roman vermisst habe, ist etwas mehr Tiefgang, über die reine Unterhaltung reicht das Werk kaum hinaus. Auch die mystische Verbindung zwischen den beiden Geschwisterpaaren war mir etwas zu weit hergeholt.

Das Cover ist sehr schön gestaltet. Mit dem Unterwassermotiv passt es sehr gut zu dem Inhalt des Buches.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Eine Villa mit düsterer Vergangenheit

Death at Morning House
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Marlowe hat einen ganz besonderen Ferienjob, sie gibt zusammen mit einigen anderen Jugendlichen Führungen in einem „Horrorhaus“ indem vor vielen Jahrzehnten ein exzentrischer Herr mit seiner Familie gelebt ...

Marlowe hat einen ganz besonderen Ferienjob, sie gibt zusammen mit einigen anderen Jugendlichen Führungen in einem „Horrorhaus“ indem vor vielen Jahrzehnten ein exzentrischer Herr mit seiner Familie gelebt hat, bis sich ein tragisches Unglück ereignete.

Die Erzählung des Romans unterteilt sich in eine Rahmen- und eine Binnenhandlung, wobei die Rahmenhandlung etwa doppelt so umfangreich ist als die Binnenhandlung. Im Verlauf des Romans erfahren wir immer mehr über die sonderbare Villa und deren Bewohner. Hinter der einzigartigen Architektur und dem außergewöhnlichen Lebensstil des Hausherren verbergen sich Abgründe. Die Fassade des harmonischen Familienlebens bekommt immer mehr Risse und die Dinge erscheinen immer mehr in einem anderen Licht. Aber auch in der Rahmenhandlung ist ein Unfall passiert, der von den Beteiligten als offenes Geheimnis gehütet wird und in dem Marlowe immer mehr Einblicke erhält.

Die Stimmung, das Setting und die Spannung haben mir in diesem Roman sehr gut gefallen. Jedoch fand ich das die beiden Handlungsstränge oft etwas unverbunden oder konstruiert erscheinen. Es findet ein Fortgang der Binnenhandlung statt, ohne dass man wüsste wie diese in Verbindung mit der Rahmenhandlung steht. Diese Art der Konstruktion hat mich etwas gestört.

Gut gefallen hat mir das düstere Cover ganz in grün und leuchtendem gelb. Es ist auffallend, erweckt eine dunkle Vorahnung und ist durch seine Farbgebung dennoch harmonisch. Im Innenteil, verleihen die reißerisch gestalteten Kapitelzahlen dem Ganzen eine zusätzliche Spannung.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Enttäuschte Erwartungen

Adlergestell
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Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend ...

Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend für das Buch ist die längste Straße in Berlin "Adlergestell". Hier erleben die drei Freundinnen mit Stauen, großen Erwartungen und aus Kindersicht den rasanten Wandel der sich in Ostdeutschland in den 90er Jahren vollzog. Doch oft stellen sich diese Erwartungen als unrealistisch heraus. So unterschiedlich die Drei auch zu sein scheinen, eines haben sie gemeinsam, sie wünschen sich eine Flucht aus ihrem Zuhause in eine andere Welt. Denn in ihrem Zuhause erleben sie u.a. Gewalt, Vernachlässigung, Rassismus, plötzlich geschieden Eltern und Arbeitslosigkeit. Die Freundinnen verbringen ihre Nachmittage u. a. mit dem Klauen von Mercedessternen, Telefonstreiche, und Stelen von allerlei Dingen. Erzählt werden die Erlebnisse als Rückblick aus der Gegenwart. In kurzen Einschüben zwischen den einzelnen Kapiteln liest man die sehr treffende Interpretationen westlicher Werbung, des Comichelden Captain Planet oder des PC-Gams Lemminge, deren medialen Charaktere Ostdeutschland eroberten.

Mir ist diese Zeit ebenfalls aus Kindertagen bekannt, jedoch aus westdeutscher Sicht. Umso interessanter fand ich es den Erlebnissen und Erfahrungen der drei Mädchen aus ostdeutscher Sicht zu folgen. Die Autorin verstehet es mit ihrem Schreibstil die Dinge in aller Kürze und einer unglaublichen Sprachgewandtheit auf den Punkt zu bringen. Teilweise muten die Sätze richtig poetisch an.

Das Cover spielgelt in seiner einfachen und kindlichen Darstellung den Inhalt bestens wieder. Das Gespenst auf dem Titelbild kann man sowohl bildlich, als Umriss den die Kinder auf der Straße sehen, als auch im übertragenen Sinn, als den Wandel der in jedem Haus in Ostdeutschland durch das Leben der Bewohner spuckt, verstehen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Sprachlich überaus gelungen, beschreibt er das Lebensgefühl einer jungen Generation die mit dem Wandel den sie und ihre Familie erleben oft überfordert zu sein scheinen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Tragik und Zynismus

Botanik des Wahnsinns
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Sämtliche Familienmitglieder in diesem Roman haben psychische Erkrankungen. Und so scheint es dem Ich-Erzähler des Romans nur selbstverständlich, dass auch ihn dieses Schicksal zuteil wird. Unaufhaltsam ...

Sämtliche Familienmitglieder in diesem Roman haben psychische Erkrankungen. Und so scheint es dem Ich-Erzähler des Romans nur selbstverständlich, dass auch ihn dieses Schicksal zuteil wird. Unaufhaltsam beobachtet er sich selbst um erste Anzeichen hierauf zu erkennen. Schließlich kommt er tatsächlich in eine Psychiatrie, jedoch als Psychologe.

„Botanik des Wahnsinns“ erzählt die Geschichte einer Familie in der die verschiedenen Psychosen der einzelnen Mitglieder zum Alltag geworden sind. Persönliche Erlebnisse in der Psychiatrie als Arzt, Erzählungen über die Vergangenheit der Familie und medizinische Hintergrundinformationen sowie die historische Entwicklung der Behandlung von psychischen Erkrankungen wechseln sich ab. Eine eindeutige Aussage hierüber wird zwar nie erwähnt, aber ich gehe davon aus, dass das Buch starke biographische Züge enthält. Viele Parallelen zwischen dem Autor und dem Ich-Erzähler sind erkennbar. Die Beschreibungen wirken außerdem äußerst authentisch.

Ein starker Zynismus ist in fast jedem Satz zu finden, „Es ist ein Erfolg wenn die schwierigsten Patienten wiederkommen, anstatt sich umzubringen“ S. 93, ist so ein Beispiel hierfür. Derartige Aussagen findet man zuhauf in dem Text. Dem Autor gelingt es, durch diese Erzählweise, ein überaus ernstes und tragisches Thema mit Humor und Distanz zu vermitteln. Immer wieder wird auch die Frage über „Normal“ und „Unnormal“, „gesund“ und „verrückt“ aufgeworfen. So wurden z. B. mit der Aberkennung homosexueller Neigungen als Krankheit viele Menschen mit einem Mal als gesund und normal eingestuft.

Immer wieder wird im Roman die Welt der Psychosen mit der Botanik verglichen, deshalb auch der poetisch klingende Titel „Botanik des Wahnsinns“. Dieser Vergleich beruht auf einer historischen Tatsache. Bereits Carl von Linné, der sowohl Botaniker als auch Mediziner war, entwickelte in seinem Werk „Genera Moborium“ eine Ordnung in die er die verschiedenen psychischen Erkrankungen, ganz wie die verschiedenen Pflanzenordnungen, einteilte, S. 76-77.

Mir hat das Buch sowohl der Inhalt auch der Erzählstil des Buches sehr gut gefallen. Auch das Cover ist wunderschön. Die floralen Fantasiegestalten verdeutlichen den Thematik des Romans perfekt.

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