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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2023

Emotional

Räuberleiter
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Eine sehr emotional aufgebaute Geschichte um die dramatische Suche nach einem Kleinkind, das sich quasi selbst als vermisst gemeldet hat. Sehr viele Personen in dieser Suche sind selbst - um es vorsichtig ...

Eine sehr emotional aufgebaute Geschichte um die dramatische Suche nach einem Kleinkind, das sich quasi selbst als vermisst gemeldet hat. Sehr viele Personen in dieser Suche sind selbst - um es vorsichtig auszudrücken - sehr mitgenommene, quasi beschädigte Menschen. Die Zeit läuft und die Suche zu Hochtouren auf. Mehrere Fahndungsfehler und Unterlassungen führen dazu, das man mehr oder minder ins Nichts läuft, bis endlich eine kleine Spur auftaucht und auch die Mutter sich aus ihren Erinnerungslücken befreien kann. Kein Krimi. Eine Sozialstudie mehr, in der aufgezeigt wird, wie in extremen Situationen sich eher gleichgültige Mitmenschen zu einer Einheit zusammenschweißen lassen, um eben diesen kleinen Jungen zu finden. Eher beiläufig ein kleiner Gangster, Looser eigentlich, der sich zu Höherem berufen fühlt, und ein ernstzunehmender Gangster, der aber auch nur eine Nebenrolle hin zum dramatischen Höhepunkt erhält. Insgesamt flüssig, lesefreundlich und spannend erzählt. Abzüge gibt es wegen der nicht glaubwürdigen schweren Ermittlungsfehler, der zu sehr im Vordergrund stehenden immerwährenden Schuldgefühle fast aller, die aber mit diesem Fall nichts zu tun haben und der übergroßen Emotionalität.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2023

Heftig

Eisige Stille. Ein Mara-Billinsky-Thriller
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Mara Billinsky ist bekannt für ihre Sturheit, Kompromisslosigkeit, Verbissenheit. Das steigert sich in diesem Buch allerdings dramatisch. Zurück aus dem erfolglosen Einsatz eines internationalen Ermittlerteams ...

Mara Billinsky ist bekannt für ihre Sturheit, Kompromisslosigkeit, Verbissenheit. Das steigert sich in diesem Buch allerdings dramatisch. Zurück aus dem erfolglosen Einsatz eines internationalen Ermittlerteams wird sie mit einem scheinbaren Vermisstenfall konfrontiert und von einem Kollegen auf verstörende Videos aufmerksam gemacht, die im Darknet aufgetaucht sind und sich zunehmend häufen. Neben diesen Dingen treibt sie die Sorge um Rafael um, einen jungen Mann, den sie zusammen mit einem Sozialarbeiter versucht hatte auf den rechten Weg zurück zu führen, der aber offenbar abgetaucht ist. Als wäre das nicht genug, muss sie sich auch noch mit ihren diffusen Gefühlen, einem Kollegen aus dem internationalen Ermittlerteam gegenüber auseinandersetzen. Und immer wieder blitzt die Suche nach dem international gesuchten Polaris durch, der Fall, bei dem sie so versagt hatten. Eine extrem hektische Zeit beginnt, in der so manche Zusammenhänge aufgedeckt werden, in der es aber auch zahlreiche Opfer zu beklagen gibt. Die Vorgehensweise von Mara und ihren Kollegen ist teils sehr heftig und oft grenzwertig. Am Schluss bleibt wieder vieles offen. Fast getrieben erzählt, so wie Mara auch extrem getrieben wirkt. Als Leser hetzt man selbst ziemlich getrieben durch diese Geschichte. Die Spannung wird hoch gehalten, die Beziehung zu den Protagonisten aber auf eine harte Probe gestellt. Und manches Verhalten will man auch nicht tolerieren. Manche „Entschuldigung“ auch nicht gelten lassen. Ein Buch, das durchaus polarisiert.


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Veröffentlicht am 01.11.2023

Hin- und hergerissen

Im Angesicht des Zorns
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In dichter Folge werden mehrere Personen auf geradezu bestialische Weise zu Tode gebracht. Lucien und der neue Kommissaranwärter stehen vor einem Rätsel angesichts der überaus grausamen Mordmethoden, die ...

In dichter Folge werden mehrere Personen auf geradezu bestialische Weise zu Tode gebracht. Lucien und der neue Kommissaranwärter stehen vor einem Rätsel angesichts der überaus grausamen Mordmethoden, die ebenso bizarr wie ausgeklügelt anmuten. Bald werden sie auf Dante Alighieris Inferno aufmerksam gemacht, entdecken die gemeinsame Beziehung der Mordopfer, zu einem lang zurückliegenden Skandal um ein Medikament mit erheblichen Nebenwirkungen und der Täter meldet sich beim Kommissar. Es folgen sehr verwirrende Handlungen auf Seiten der Täter, der Ermittler, der Politik. Am Ende hat keiner gewonnen. Als Leser ist man hin- und hergerissen. Die Geschichte ist einerseits gut und spannend erzählt. Die Taten aber übermäßig grausam. Das Ende bleibt undurchsichtig.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.10.2023

Mittendrin

Im Herzen so kalt (Ein Fall für Maya Topelius 1)
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Kalt ist hier das richtige Stichwort. Es ist ausgesprochen ungemütlich in Östersund und eben saukalt. Maya und Kollege Pär ermitteln im Falle eines getöteten Umweltaktivisten vor Ort - sehr zum Missfallen ...

Kalt ist hier das richtige Stichwort. Es ist ausgesprochen ungemütlich in Östersund und eben saukalt. Maya und Kollege Pär ermitteln im Falle eines getöteten Umweltaktivisten vor Ort - sehr zum Missfallen der dortigen Einsatzkräfte, die sich am Tatort zunächst höchst unprofessionell verhalten. Man tappt lange im Dunkeln und schaut in die falsche Richtung, eben weil die Kollegen vor Ort eher bremsend wirken. Nur langsam kommt man voran, den Fall und die Beziehung zueinander betreffend. Die Ereignisse überschlagen sich auf einmal. Noch ein Getöteter taucht auf, ein Brandanschlag wird verübt, eine Person verletzt, ein Kind wird vermisst. Dann plötzlich löst der Fall sich in einer überraschenden Wendung auf. Spannend und in kurzen Kapiteln erzählt, aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Akteure. Eingestreut die Geschehnisse um Mayas Freundin. Man ist als Leser/in mitten im Geschehen und spürt die Kälte fast körperlich. Gut geschrieben und die Leserschaft mitnehmend. Dass das Ende dann so plötzlich kommt, der Fall sich quasi selbst auflöst, ist ein bisschen schade.

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Veröffentlicht am 28.10.2023

Dicht, komplex

Am tiefsten Punkt der Schuld
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Die Story beginnt vergleichsweise harmlos. Ein „Spezialist“ wird von eine reichen Familie beauftragt, die Tochter aus ihrem Drogensumpf zu retten. Handlungsstrang eins. Eine verurteilte Kindesmörderin ...

Die Story beginnt vergleichsweise harmlos. Ein „Spezialist“ wird von eine reichen Familie beauftragt, die Tochter aus ihrem Drogensumpf zu retten. Handlungsstrang eins. Eine verurteilte Kindesmörderin entlässt ihre Geliebte mit einem „Auftrag“. Handlungsstrang zwei. Ein Autor kommt mit seiner Vergangenheit nicht klar, weiß nicht, was er will, kehrt zum Alkoholismus zurück, will ein Buch schreiben, das er vor Jahren schon schreiben wollte. Handlungsstrang drei. Eine Drehbuchschreiberin will ein früheres Buch dieses Autors zu einem Film umschreiben. Handlungsstrang vier. Ein Mitbewohner der Drogensüchtigen kommt mit deren Verschwinden und ihrer gemeinsamen Vergangenheit nicht klar. Handlungsstrang fünf. Eine neue Leiterin einer Mordkommission will sich beweisen und ein Team zusammenschweißen. Handlungsstrang sechs. Und dazu die Protagonisten und ihre Befindlichkeiten. Alles wie neue Handlungsstränge aufgebaut. Man muss höllisch aufpassen, den Überblick nicht zu verlieren. Das gilt auch für den Autor. Mehrere Menschen kommen zu Tode, man weiß lange nicht, warum und wie das alles zusammenhängt. Dicht, spannend, sehr komplex geschrieben. Das Ende kommt sehr plötzlich und dreht alles ein bisschen zu sehr ins Positive. Manche Enden bleiben offen. Die Personen, die über lange Strecken sehr manipulativ wahrgenommen wurden, werden plötzlich empathisiert, was aber nicht funktioniert. Aber das ist Ansichtssache. Eigentlich ein Dokument des Scheiterns, mit Ausnahme vielleicht des hier dargestellten Schreiberlings. Die Lektüre lohnt sich auf alle Fälle.

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