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Veröffentlicht am 25.09.2022

Wer ist Anomie?

Das tiefschwarze Herz
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JK Rowling aka Robert Galbraith wird seit geraumer Zeit eine transphobe Gesinnung vorgeworfen. Und so verwundert es nicht, dass ihre Kritiker mit der Lupe auch in dem sechsten Band der Strike/Ellacott-Serie ...

JK Rowling aka Robert Galbraith wird seit geraumer Zeit eine transphobe Gesinnung vorgeworfen. Und so verwundert es nicht, dass ihre Kritiker mit der Lupe auch in dem sechsten Band der Strike/Ellacott-Serie mit der Lupe nach Äußerungen suchen, die dies bestätigen. Andere wiederum sind der Meinung, sie hätte in „Das tiefschwarze Herz“ diese persönlichen Anfeindungen verarbeiten wollen. Nun hat sie zwar in einem Interview versichert, dass sie den Roman bereits 2015 begonnen hätte, und in der Tat weist die Handlung starke Parallelen zu der frauenfeindlichen GamerGate-Kampagne von 2014 auf, als Zoë Quinn, eine amerikanische Programmiererin und Videospiele-Entwicklerin, im Internet massivem Mobbing ausgesetzt war, was bis hin zu Morddrohungen reichte.

Quinn überlebte, anders als Galbraith‘ fiktive Edie Ledwell, die gemeinsam mit ihrem ehemaligen Freund Josh die erfolgreiche Youtube-Animationsserie „Das tiefschwarze Herz“ geschaffen hat. Die Serie ist erfolgreich, soll sogar von Netflix verfilmt werden, was natürlich Neider auf den Plan ruft. An vordester Front der mysteriöse Anomie. Von ihm stammt „Dreks Game“, ein kostenloses Videospiel in Anlehnung an Edies Serie. Auf Twitter schart er seine Anhänger um sich, nennt Edie rassistisch, geldgierig und fordert dazu auf, ihr eine Lektion zu erteilen. Sie sucht Hilfe bei Robin, die allerdings abwinkt, da die Detektei zum einen keine Erfahrung mit Cyberkriminalität und zum anderen keine Kapazitäten frei hat. Doch dann wird sie tot aufgefunden, erstochen auf dem Highgate Cemetery. Robin macht sich Vorwürfe, weil sie Edie abgewiesen hat. Und so begibt sie sich mit Cormorans Hilfe auf die Suche nach dem Mörder.

Damit kann man natürlich keine 1350 eng bedruckten Seiten füllen, also gibt es noch jede Menge Nebenstorys zu dem umfangreichen Personentableau, das sich rund um Dreks Game im Internet versammelt hat. Natürlich wird auch in deren Vergangenheit gegraben, und, man ahnt es schon, jeder einzelnen Figur wird eine persönliche Geschichte zugeschrieben, die Rowling ausführlich durchleuchtet. Als wäre das nicht schon genug, gibt es seitenweise Chat-Protokolle, oft dreispaltig parallel präsentiert und anstrengend zu lesen, deren Kenntnis zwingend für den Fortgang der Handlung erforderlich ist, die man also nicht überblättern sollte. Und nicht zuletzt darf auch der detaillierte Blick auf die Beziehung zwischen Cormoran und Robin nicht fehlen, die aktuell in einer Sackgasse steckt.

Üblicherweise habe ich kein Problem mit umfangreichen Büchern, aber „Das tiefschwarze Herz“, der sechste Band der Strike/Ellacott-Reihe, hat meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Es ist ermüdend, sich durch diese langatmige Story zu quälen, in der Rowling offenbar sämtliche unangenehmen Zeitgenossen abdecken möchte, denen man in dieser Parallelwelt begegnen kann. Trolle, Mobbing, gewaltbereite Rechtsradikale, frauenfeindliche Incels, Pädophile, die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Herausgekommen ist ein mäßig spannender Kriminalroman, dessen Handlung sich im Kreis dreht und der im Wesentlichen um die Frage „Wer ist Anomie?“ kreist, wobei mich selbst deren Beantwortung, weil vollgepackt mit Klischees, nicht überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 17.09.2022

Schöner old-school Krimi

Die rätselhaften Honjin-Morde
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Seishi Yokomizo (1902 – 1981) gilt als der Vater des modernen japanischen Kriminalromans. Der japanische Autor fühlt sich den Klassikern des „Golden Age“ verpflichtet, was er in dem 1946 erstmals veröffentlichten ...

Seishi Yokomizo (1902 – 1981) gilt als der Vater des modernen japanischen Kriminalromans. Der japanische Autor fühlt sich den Klassikern des „Golden Age“ verpflichtet, was er in dem 1946 erstmals veröffentlichten „Die rätselhaften Honjin-Morde“ explizit erwähnt und auch in dem Aufbau des Romans deutlich zutage tritt. Das Buch ist der Auftaktband einer Reihe, die mehr als 70 Bände umfasst und in deren Mittelpunkt der schmuddelige Privatdetektiv Kosuke Kindaichi steht, der sich in diesem ersten Fall mit einem Locked-Room-Mystery auseinandersetzen muss, einem Sujet, das nicht nur Gaston Leroux und John Dickson Carr sondern auch Arthur Conan Doyle und Agatha Christie faszinierte und gekonnt in ihren Werken einsetzten.

Winter 1937. In der japanischen Provinz In der japanischen Präfektur Okayama feiern die wohlhabenden Ichiyanagis die Vermählung ihres ältesten Sohnes Kenzo, der mit Katsuko endlich eine Frau gefunden hat, die zwar seinen Ansprüchen genügt, nicht aber denen seiner Familie. In der Hochzeitsnacht werden die Gäste vom Spiel der Koto geweckt, kurz darauf ertönt ein markerschütternder Schrei aus dem Zimmer der Frischvermählten. Als sie nachsehen, finden sie das Paar ermordet und in seinem Blut liegend vor. Doch die Umstände sind mehr als rätselhaft, denn das Verbrechen geschah in dem von innen verschlossenen Raum, und es gibt keinerlei Spuren, die erkennen ließen, dass sich jemand Zutritt zu diesem verschafft hätte. Der hinzugerufene Dr. F. kann sich auch keinen Reim darauf machen, und so bittet der Onkel der Braut den befreundeten Privatdetektiv Kindaichi um Hilfe, der das Rätsel des verschlossenen Raums lösen und den Mörder finden soll.

In diesem Kriminalroman fungiert der Autor als Ich-Erzähler, der den Leser schon zu Beginn darauf hinweist, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, die er uns in verkürzter Form erzählt. Er ergänzt diese nicht nur mit zahlreichen Verweisen auf seine literarischen Vorbilder, sondern auch durch genaue Beobachtungen der deduktiven Vorgehensweise des hinzugerufenen Detektivs, die uns Stück für Stück an der Auflösung des Mordfalls teilhaben lässt. Ergänzend dazu erfahrend wir entlarvendes über das traditionelle japanische Wertesystem und die gesellschaftlichen Strukturen, innerhalb derer sich die Familie Ichiyanagi bewegt. Und natürlich darf auch am Ende die Versammlung aller Verdächtigen nicht fehlen, in der Täter, Motiv und Umstände entlarvt werden.

Ein dichter Kriminalroman, der nicht auf Schockelementen und möglichst blutigen Darstellungen aufgebaut ist, sondern mit sich stetig steigernder Spannung und mit einer logisch nachvollziehbaren Auflösung punktet. Erfrischend altmodisch und eine gelungene Abwechslung zu dem aktuellen Einheitsbrei des Genres.

Veröffentlicht am 08.09.2022

Unterhaltsamer Schmöker mit Schwächen

Die Köchin - Lebe deinen Traum
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In dem Auftaktband „Die Köchin. Lebe deinen Traum“, ihrer neuen, Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Trilogie, nimmt uns Petra-Durst-Benning mit ins Languedoc-Roussillon an den Canal du Midi. Dort lebt ...

In dem Auftaktband „Die Köchin. Lebe deinen Traum“, ihrer neuen, Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Trilogie, nimmt uns Petra-Durst-Benning mit ins Languedoc-Roussillon an den Canal du Midi. Dort lebt in einem kleinen Städtchen nahe Carcassonne die sechzehnjährige Fabienne „Fabi“ mit ihrer Familie. Der Vater ist Schleusenwärter, die Mutter verschafft der Familie mit ihren einfachen, aber leckeren Mahlzeiten für die Schiffer ein Zubrot. Dabei wird sie von Fabi, der „Mademoiselle bon appétit“, wie sie von den Gästen genannt wird, in Küche und Service tatkräftig unterstützt. Doch dann stirbt die Mutter, der Vater holt eine neue Frau ins Haus, die dem Mädchen schnell klar macht, wer nun das Sagen hat. Da kommt der Vorschlag ihrer großen Liebe Eric gerade recht, mit ihm auf und davon zu gehen. Voller Vorfreude auf das gemeinsame Leben stimmt sie zu, doch leider kommt es anders als erwartet.

Auf ihrem steinigen Weg von Carcassone bis nach Lyon muss sie viele Schwierigkeiten überwinden, ist oft der Verzweiflung nahe, hadert mit sich und der Welt, besinnt sich aber immer wieder auf ihre Stärken. Es ist ihr Traum, als Köchin zu arbeiten und eines Tages ein eigenes Restaurant zu eröffnen und dafür kämpft sie jeden Tag, ganz gleich, welche Rückschläge sie einstecken muss. Soweit in groben Zügen das Handlungsgerüst, und mehr möchte ich zur Handlung hier auch nicht verraten.

Warum dieses Buch?

Wer sich für historische Fakten rund um den Canal du Midi interessiert, ist hier bestens aufgehoben. Die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht und interessante Hintergründe zum Bau dieser Ende des 17. Jahrhunderts fertiggestellten Wasserstraße zusammengetragen, die bis Ende des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Transportweg für die Waren aus dem Süden Frankreichs war.

Außerdem erfahren wir Interessantes zum kulturellen Hintergrund der französischen Küche. Fragt man nach den bekannten Küchenchefs, fällt in der Regel zuerst der Name Paul Bocuse. Die wenigsten wissen, dass er während seiner Gesellenjahre bei Mère Brazier gearbeitet hat, die ihre Küche in der Tradition der Mères Lyonaisses führte. Ihr Können und ihre Küchengeheimnisse beeinflussten ihn maßgeblich. Aber was hat es mit diesen „Müttern“ auf sich? Es waren ursprünglich Frauen, die für bürgerliche Familien kochten. Einige machten sich später selbstständig und hatten in kürzester Zeit den Ruf, die besten Restaurants der Stadt zu besitzen, da sie mit frischen regionalen Zutaten raffinierte Gerichte und lokale Spezialitäten zubereiteten, die sich auch die weniger Wohlhabenden leisten konnten.

Wer Lust auf einen unterhaltsamen historischen Schmöker mit (leider) vorhersehbaren Irrungen und Wirrungen hat (Punktabzug), eine virtuelle Reise an Fabis Seite durch das schöne Südfrankreich von Sallèles-d’Aude über Carcassonne und Sète bis nach Lyon unternehmen möchte und sich an der simplen Sprache (Punktabzug) nicht stört, sollte hier zugreifen.

In dem Auftaktband „Die Köchin. Lebe deinen Traum“, ihrer neuen, Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Trilogie, nimmt uns Petra-Durst-Benning mit ins Languedoc-Roussillon an den Canal du Midi. Dort lebt in einem kleinen Städtchen nahe Carcassonne die sechzehnjährige Fabienne „Fabi“ mit ihrer Familie. Der Vater ist Schleusenwärter, die Mutter verschafft der Familie mit ihren einfachen, aber leckeren Mahlzeiten für die Schiffer ein Zubrot. Dabei wird sie von Fabi, der „Mademoiselle bon appétit“, wie sie von den Gästen genannt wird, in Küche und Service tatkräftig unterstützt. Doch dann stirbt die Mutter, der Vater holt eine neue Frau ins Haus, die dem Mädchen schnell klar macht, wer nun das Sagen hat. Da kommt der Vorschlag ihrer großen Liebe Eric gerade recht, mit ihm auf und davon zu gehen. Voller Vorfreude auf das gemeinsame Leben stimmt sie zu, doch leider kommt es anders als erwartet.

Auf ihrem steinigen Weg von Carcassone bis nach Lyon muss sie viele Schwierigkeiten überwinden, ist oft der Verzweiflung nahe, hadert mit sich und der Welt, besinnt sich aber immer wieder auf ihre Stärken. Es ist ihr Traum, als Köchin zu arbeiten und eines Tages ein eigenes Restaurant zu eröffnen und dafür kämpft sie jeden Tag, ganz gleich, welche Rückschläge sie einstecken muss. Soweit in groben Zügen das Handlungsgerüst, und mehr möchte ich zur Handlung hier auch nicht verraten.

Warum dieses Buch?

Wer sich für historische Fakten rund um den Canal du Midi interessiert, ist hier bestens aufgehoben. Die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht und interessante Hintergründe zum Bau dieser Ende des 17. Jahrhunderts fertiggestellten Wasserstraße zusammengetragen, die bis Ende des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Transportweg für die Waren aus dem Süden Frankreichs war.

Außerdem erfahren wir Interessantes zum kulturellen Hintergrund der französischen Küche. Fragt man nach den bekannten Küchenchefs, fällt in der Regel zuerst der Name Paul Bocuse. Die wenigsten wissen, dass er während seiner Gesellenjahre bei Mère Brazier gearbeitet hat, die ihre Küche in der Tradition der Mères Lyonaisses führte. Ihr Können und ihre Küchengeheimnisse beeinflussten ihn maßgeblich. Aber was hat es mit diesen „Müttern“ auf sich? Es waren ursprünglich Frauen, die für bürgerliche Familien kochten. Einige machten sich später selbstständig und hatten in kürzester Zeit den Ruf, die besten Restaurants der Stadt zu besitzen, da sie mit frischen regionalen Zutaten raffinierte Gerichte und lokale Spezialitäten zubereiteten, die sich auch die weniger Wohlhabenden leisten konnten.

Wer Lust auf einen unterhaltsamen historischen Schmöker mit (leider) vorhersehbaren Irrungen und Wirrungen hat, eine virtuelle Reise an Fabis Seite durch das schöne Südfrankreich von Sallèles-d’Aude über Carcassonne und Sète bis nach Lyon unternehmen möchte und sich an der simplen Sprache nicht stört, sollte hier zugreifen. Ich werde trotz dieser Schwächen die Reihe weiterverfolgen und freue mich auf den nächsten Band.

Veröffentlicht am 06.09.2022

Unterhaltsames zur Lage der Nation

London Rules
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Was haben ein abgelegenes Dorf in den East Midlands, tote Pinguine, eine Bombe in einem Zug nach Paddington und die Entführung von Roddy Ho gemeinsam? Haben sie, oder haben sie nicht? Zufall oder Masterplan? ...

Was haben ein abgelegenes Dorf in den East Midlands, tote Pinguine, eine Bombe in einem Zug nach Paddington und die Entführung von Roddy Ho gemeinsam? Haben sie, oder haben sie nicht? Zufall oder Masterplan? Terrorismus? Natürlich gilt es herauszufinden, wer hinter all diesen Aktionen steckt. Die Beantwortung dieser Fragen ist die Aufgabe, die die Slow Horses lösen müssen, wenn sie ihren nerdigen Mitstreiter wiedersehen möchten. Obwohl man durchaus leise Zweifel anmelden könnte, ob sie das überhaupt wollen, denn weder ist Ho beliebt noch gibt es einen Teamspirit innerhalb dieser sich ständig im Fluss befindlichen Gruppe von kaltgestellten Geheimdienstlern Ihrer Majestät. Aber er ist einer der Ihren, von daher alles im grünen Bereich.

Anfangs tappen sie im Dunkeln, alle, bis auf J.K. Coe, den psychopatischen Neuankömmling mit den Kopfhörern aus dem vorherigen Band. Zum einen ist er davon überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen gibt, sie ergo von ein und demselben Team verübt worden sind, zum anderen erkennt er, dass sich die Vorgehensweise an ein altes Dossier des Geheimdienstes anlehnt, das Anweisungen zur Destabilisierung unterentwickelter Staaten gibt. Aber wer hat ein Interesse daran, es ausgerechnet jetzt zum Einsatz zu bringen und warum?

Das Original der „London Rules“ ist 2018 erschienen, also zwei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Und wie immer verkneift es sich Mick Herron nicht, den Zustand der Nation höchst ironisch und mit Seitenhieben auf die realen politischen Zustände im Land in diesen fünften Fall der Slow Horses einzuarbeiten. Herrlich, die satirische Beschreibung des tumben Europa skeptischen Abgeordneten, der nach dem Posten des Premiers schielt und seiner ehrgeizigen Ehefrau, die in ihren Kolumnen in einer Boulevardzeitung seinen Konkurrenten in wenig subtiler Art an den Pranger stellt.

Auch wenn ich die Dialoge liebe, die erfrischenden und respektlosen, politisch inkorrekten Aussagen, ist es für mich ein eher schwächerer Band der Reihe. Zu oft wird die Handlung durch endlose Diskussionen und Wiederholungen ausgebremst, was Längen generiert und Kernaussagen verwässert. Dennoch tut dies meiner Liebe für die Lahmen Gäule von Slough House keinen Abbruch, den jede/r einzelne dieser Agenten auf dem Abstellgleis hat mehr Ehre im Leib, als inkompetente Politiker wie der Premier (ein kritischer Blick auf die neugewählte Premierministerin Liz Truss sei gestattet) und die verschlagenen Handlanger vom Geheimdienst, allen voran Claude Whelan, dessen gesamtes Handeln an der ersten London Rule „Rette deinen A...h“ ausgerichtet ist. Und diese Menschen maßen sich an, über Wohl und Wehe der Nation zu entscheiden?

Veröffentlicht am 04.09.2022

So wie es jetzt ist

Stunde der Flut
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Charlie Dreavin, Protagonist in „Stunde der Flut“ (Originaltitel "The way it is now), ist der Neue im Disher-Universum. Wegen einer Tätlichkeit gegenüber seinem Vorgesetzten wird der langjährige Polizist ...

Charlie Dreavin, Protagonist in „Stunde der Flut“ (Originaltitel "The way it is now), ist der Neue im Disher-Universum. Wegen einer Tätlichkeit gegenüber seinem Vorgesetzten wird der langjährige Polizist vom Dienst suspendiert und in Zwangsurlaub geschickt. Also schnappt er sich sein Surfbrett und macht sich auf zu seinem Elternhaus nach Menlo Beach, einer Halbinsel vor Melbourne. Nicht nur der Ort, an dem er aufgewachsen ist, sondern auch der Ort, an dem er vor zwanzig Jahren Traumatisches erlebt hat, das ihn bis heute verfolgt. Zuerst verschwand ein kleiner Junge, und kurz danach war Charlies Mutter wie vom Erdboden verschluckt. Sämtliche Nachforschungen nach den beiden blieben ergebnislos. Sowohl Charlie als auch sein Bruder waren und sind davon überzeugt, dass sie tot ist und entweder ihr Vater, ebenfalls Polizist, oder der ehemalige Untermieter der Mutter mit deren Verschwinden etwas zu tun hat. Zurück in Menlo wird er von der Vergangenheit eingeholt, als bei Erdarbeiten unter einer Betonplatte die Überreste zweier Leichen gefunden werden. Es stellt sich heraus, dass es sich um seine Mutter und den verschwundenen Jungen handelt. Die Ermittlungen werden wieder aufgenommen und Charlie setzt alles daran, herauszufinden, was damals passiert ist.

Ein weniger talentierter Autor würde aus dieser Story einen simplen Whodunit-Krimi stricken. Nicht so Disher, der sich vor allem auf seine verschiedenen Charaktere konzentriert, insbesondere natürlich auf Charlie mit seiner traumatischen Vergangenheit. Aber Disher hat auch einen Blick für den gesellschaftlichen Alltag und zeigt exemplarisch an einem Gerichtsverfahren die Missstände und Schikanen auf, denen Frauen durch Polizei und Rechtsprechung ausgesetzt waren und sind, wenn sie sich gegen Männergewalt wehren. Doch es gibt ansatzweise Hoffnung. Privilegien, Macht und toxische Männlichkeit sind ein Auslaufmodell, als Gegenentwurf dazu dient ihm die persönliche Entwicklung Charlies, der seine Rolle und sein Verhalten reflektiert und um Veränderung bemüht ist, denn wie sein Vater wollte und will er nie werden. Lesen. Unbedingt!