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Veröffentlicht am 23.03.2022

Eine etwas andere Superheldentruppe - bunt, chaotisch und superwitzig

Die Glitzerbande hilft immer! (Leider wird es dann meist schlimmer)
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Kai hat seine Eltern im Kaufhaus verloren. Er ruft die Glitzerbande zur Hilfe. Einhorn Ella, Flamingo Felix, Lama Luna und Faultier Franz tun ihr Möglichstes, um Felix zu helfen. Doch leider gilt bei den ...

Kai hat seine Eltern im Kaufhaus verloren. Er ruft die Glitzerbande zur Hilfe. Einhorn Ella, Flamingo Felix, Lama Luna und Faultier Franz tun ihr Möglichstes, um Felix zu helfen. Doch leider gilt bei den Vieren Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht garantiert schief. Ob sie Felix Eltern trotzdem finden?

Autor Rüdiger Bertram schreibt klar, gut verständlich und mit viel Humor in der Gegenwart. Die Leser werden direkt angesprochen und fühlen sich so schnell „mittendrin“ in der Geschichte. Sonja Kurzbachs bunte Gute-Laune-Bilder passen perfekt zur Handlung. Aussagekräftig und echt komisch erzählen sie den Lesern, was gerade geschieht. Die äußere Gestaltung ist ungewöhnlich, fordert die Leser heraus und motiviert sie. Manchmal muss das Buch gedreht werden, um den Text lesen zu können, manchmal ringelt sich die Schrift spiralförmig. Die Schrift ist nicht besonders groß, durch den etwas breiteren Zeilenabstand und die kleine Textmenge pro Seite allerdings gut lesbar. Die Überschriften haben eine andere Schriftart, manche Buchstaben wie das r sind bei dieser Schriftart für Leseanfänger etwas schwer zu entziffern, daran müssen sie sich vermutlich erst gewöhnen.
Die Geschichte richtet sich an Erstleser ab sechs, sieben Jahren. Zum Vorlesen ist sie auch schon für jüngere Kinder ab vier Jahren geeignet.

Einhorn und Co mal anders. Die Glitzerbande lebt auf einem Regenbogen, allerdings nicht immer in trauter Harmonie. Einhorn Ella ist ziemlich eingebildet, Faultier Franz macht seinem Namen alle Ehre und schläft ständig, Lama Luna bewegt sich gerne und viel und Flamingo Felix ist recht überzeugt von sich und seinen Fähigkeiten.
Gemeinsam haben alle Mitglieder der Glitzerbande, dass bei ihnen nichts läuft wie geplant und sie groß darin sind, Chaos zu verbreiten. Diese schräge, verplante und witzige Antihelden-Bande ist einfach zum Totlachen.

Schaffen es die Vier dennoch Kais Eltern zu finden?
Was sie auf dem Weg zum Kaufhaus und im Kaufhaus selbst alles erleben, ist herrlich überdreht, wenig superheldenhaft, aber vor allem irre komisch und verrückt. Sie verwechseln z.B. Kai oder verwandeln die Sportabteilung in ein riesiges Bällebad, kurzum sie richten ein heilloses Durcheinander an.
Ein absolut gelungenes, tierisches, phantasievolles, originelles und lustiges Vor- und Erstleseabenteuer, so macht Lesenlernen richtig Spaß.

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Veröffentlicht am 23.03.2022

Wenn kleine Katzen wütend werden - toll illustriertes Bilderbuch über eines der normalsten Gefühl der Welt

Heute hab ich Wut im Bauch!
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Es könnte so ein schöner Tag werden. Die Sonne scheint, Nora freut sich darauf, im Garten zu spielen und zu schaukeln. Doch niemand hat Zeit für sie. Zuerst wird Nora nur ein bisschen ärgerlich und dann ...

Es könnte so ein schöner Tag werden. Die Sonne scheint, Nora freut sich darauf, im Garten zu spielen und zu schaukeln. Doch niemand hat Zeit für sie. Zuerst wird Nora nur ein bisschen ärgerlich und dann richtig dolle wütend. Zum Glück gibt es Lollo, der Nora hilft, die Wut im Bauch loszuwerden. Zumindest bei Nora selbst. Aber es wohnen ja auch noch andere Tiere im Haus und auch bei denen läuft es nicht immer ganz glatt…

Anna Böhm schreibt sehr klar, kindgemäß und gut verständlich. Durch die viele wörtliche Rede wirkt die Geschichte sehr lebendig. Sie lässt sich prima vorlesen, weil sie in der Sprache der Kinder verfasst ist und genau auf die Zielgruppe und ihre Gefühle und Bedürfnisse eingeht.
Die aussagekräftigen, niedlichen, liebevoll gestalteten Bilder in Collagentechnik sind absolut perfekt gelungen. Noras Gefühle sind darauf klar zu erkennen, schon aus dem Titelbild sieht man, wie die Wut regelrecht aus der kleinen Katze herausschießt.
Das Buch richtet sich an Kinder ab vier Jahren.

Mit Katze Nora leben Maus Pauli, Esel Eddi, Schaf Schäfli und Hund Lollo im Haus. Alle Tiere reagieren unterschiedlich auf Nora. Das wird im Buch wunderbar dargestellt. Pauli ist hilflos und weint, Eddi kriegt Angst und versteckt sich, Schäfli trägt Nora weg, nur der kluge, gelassene Lollo hört Nora zu, regt sie an, die Wut rauszulassen. Wie Menschen sind eben auch Tiere unterschiedlich. Aber eines haben alle gemeinsam, sie werden auch mal wütend.

Manchmal ist sie plötzlich da die Wut. Das kennen wir wohl alle. Anna Böhm zeigt mit ihrer lebensnahen Geschichte, dass Wut etwas Normales ist und zum Leben dazugehört. Selbst Erwachsene können sich manchmal nicht beherrschen und werden wütend. Wenn man die Wut rauslässt, geht es einem danach besser und dann schmeckt auch der Kuchen fantastisch, der äußerlich gar nicht so schön aussieht.
Ein ausgesprochen hübsch gestaltetes Bilderbuch in der Sprache der Kinder über ein völlig normales Gefühl, empfehlenswert für alle, die manchmal wütend werden.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Ein neues Leben bei Black Swan - gelungene Fortsetzung mit fulminantem Cliffhanger

Keeper of the Lost Cities – Der Verrat (Keeper of the Lost Cities 4)
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„Manchmal ist Rebellion der einzige Weg der Weisheit.“

Nachdem der Hohe Rat Sophie, Biana, Fitz, Dexter und Keefe für ihre Gesetzesbrüche verurteilt und bestraft, entscheiden diese, ihre Familien zu ...

„Manchmal ist Rebellion der einzige Weg der Weisheit.“

Nachdem der Hohe Rat Sophie, Biana, Fitz, Dexter und Keefe für ihre Gesetzesbrüche verurteilt und bestraft, entscheiden diese, ihre Familien zu verlassen und sich Black Swan anzuschließen, die bei den Elfen immer noch als Rebellen gelten. Die geheime Organisation unterstützt die Freunde dabei, ihre magischen Fähigkeiten zu trainieren und zu verbessern. Doch alle Mitglieder von Black Swan verstecken sich hinter Masken. Ob man ihnen wirklich trauen kann? Sophie hofft, endlich mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Doch dafür bleibt kaum Zeit. Die echten Rebellen und Feinde, die Neverseen, versuchen ihren Einfluss zu vergrößern und sind den Freunden gefährlich dicht auf den Fersen. Als auch noch eine Seuche die befreundeten Gnome bedroht, wird es richtig dramatisch….

Shannon Messenger schreibt flüssig und klar. Es ist wichtig, konzentriert zu lesen, da es in der Elfenwelt viele Begriffe gibt, die man erst kennenlernen und sich erschließen muss. Die eigenen originellen Wortschöpfungen der Autorin wie das Wort „flüsterbrüllen“ machen mir Spaß.
Das Cover mit den makellosen Elfen darauf wirkt auf mich zwar ein wenig kitschig, passt aber perfekt zur Reihe.
Das Buch richtet sich an ausdauernde Leser ab zwölf Jahren, aber auch an fantasybegeisterte Erwachsene.

Die Figuren entwickeln sich weiter und kommen einander immer näher, Beziehungen verändern und vertiefen sich. Als Leser ist man hautnah dabei, das gefällt mir. Sophie ruht noch immer nicht in sich, versucht weiterhin herauszufinden, wer sie wirklich ist. Auch Keefe kämpft mit sich, er ist für mich die interessanteste Figur, weil er die Dämonen seiner Familie nicht hinter sich lassen kann. Statt Sandor bekommt Sophie diesmal eine andere unterstützende Figur an ihre Seite, die sie nicht körperlich verteidigt, sie aber auf andere Weise stärkt. Der Freundeskreis vergrößert sich auch in anderer Hinsicht.
Neben den bekannten Figuren treten diesmal viele rätselhafte Identitäten auf. Die Fragen, wer sich hinter den Masken von Black Swan verbirgt und wer weitere spezielle Rollen annimmt und annahm, verfolgt die Leserschaft durchgehend. Für Konflikte sorgen nach wie vor die Neverseen und das Volk der Oger.
Angesichts der Menge an mitwirkenden Figuren würde ich mir eine Personenübersicht wünschen.

Eine gefährliche Begegnung jagt die nächste, Sophies Leben ist ein einziges Abenteuer. Sie wird permanent herausgefordert. Die zahlreichen Gefahren waren mir mitunter etwas zu viel, auch deren Auflösungen gingen mir dann oft zu schnell.
Ständige Schauplatzwechsel prägen die Geschichte. Zunächst geht es nach Florenz, dann zu den Gnomen oder nach Exilium. Sophies Kosmos erweitert sich auch in diesem Band. Vor allem Exilium, die Schule der Ausgestoßenen, kennenzulernen, fand ich interessant, darauf hatte ich schon lange gewartet.
Wem kann Sophie trauen? Wer steckt hinter welcher Identität? Und wo lauert der Verrat?
Ich habe etwas Zeit gebraucht, um in die Handlung hineinzufinden, aber spätestens ab der Hälfte war ich gepackt. Vor allem das Finale entwickelt sich rasant und temporeich. Eine fulminantes Feuerwerk der Überraschungen. Und gerade als es am spannendsten wird, ist Schluss. Angesichts dieses Cliffhangers ist es für mich unmöglich, nicht weiterzulesen.
Gänzlich klischeefrei ist auch die Elfenwelt nicht. Aber darüber lässt sich ebenso wie über die fast kindische Prüderie leicht hinweglesen. Die Handlung besticht einfach. Immer mehr Verwicklungen werden aufgedeckt, die Fassade der achso makellosen Elfenwelt bekommt zunehmend Risse. Ich habe auch den vierten Band sehr gerne gelesen und freue mich schon auf den nächsten. Wer die Vorgänger mochte, wird auch von diesem Band gepackt werden. Eine spannende, actionreiche Fantasyreihe, die langsam, aber sicher süchtig macht.

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Veröffentlicht am 19.03.2022

Sprechende Katzen und abenteuerliche Streifzüge durchs nächtliche London - tierisch spannend und geheimnisvoll

Mitternachtskatzen, Band 1 - Die Schule der Felidix
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Nova und Henry besuchen eine ganz besondere Schule im Londoner Tower. In ihre Klasse gehen nur vier weitere Schüler, im Haus wimmelt es von Katzen, Lehrer Horatio unterrichtet bisher alle Fächer und manche ...

Nova und Henry besuchen eine ganz besondere Schule im Londoner Tower. In ihre Klasse gehen nur vier weitere Schüler, im Haus wimmelt es von Katzen, Lehrer Horatio unterrichtet bisher alle Fächer und manche davon scheinbar recht unmotiviert. Eines Tages erleben die beiden sehr Merkwürdiges: Der Kater Edison spricht sie direkt an und erklärt ihnen, was es mit ihrer Schule auf sich hat. Alle Schüler sind Felidix, sie verstehen die Sprache der Katzen und sollen zu Katzenbeschützern ausgebildet werden. Doch es bleibt nicht viel Zeit, sich an die Neuigkeiten zu gewöhnen. Der erste Auftrag wartet bereits. Die schreckliche Katze Penelope hat die wahre Katzenkönigin Quinn gefangen genommen und möchte sich selbst zur Königin krönen. Die Kinder sollen dabei helfen, die echte Königin zu befreien. Ob der Auftrag nicht eine Nummer zu groß für sie ist?

Autorin Barbara Laban schreibt kindgemäß, gut verständlich und lebendig in der dritten Person in Vergangenheit. Die hübsche äußere Gestaltung fällt sofort ins Auge. Alle Seiten sind mit filigranen Ornamenten dekorativ eingerahmt, auf der ersten Seite jedes Kapitels ist in einer Vignette eine Katze zu sehen. Es finden sich einige wenige ganzseitige, abwechslungsreiche Schwarzweißillustrationen im Buch, die detailliert und aussagekräftig gezeichnet sind und bei den Lesern garantiert gut ankommen werden. Die besonderen Bilder auf dem Vorsatzpapier sind dagegen farbig und zweiseitig. Das recht umfangreiche Buch richtet sich an Mädchen und Jungen ab zehn Jahren, zum Vorlesen ist es schon für jüngere Kinder geeignet.

Die Figurenkonstellation ist sehr vielfältig. Da sind zunächst die Kinder Nova und Henry. Henrys Eltern sind als Forscher in der Weltgeschichte unterwegs. Novas Vater ist aktuell Verdächtiger bei einem Raubüberfall und wird deshalb polizeilich gesucht. Er ist es gewohnt, sich möglichst unauffällig zu verhalten, Schlösser zu knacken, sich geschickt und unbemerkt zu bewegen. In dieser Hinsicht hat er seiner Tochter Nova einiges beigebracht. Nova ist abenteuerlustig, scheut keine Gefahr und tut, was getan werden muss. Die Freundschaft zwischen Nova und Henry ist bedingungslos, die Zwei können einander vertrauen. Es spielt überhaupt keine Rolle, dass sie Junge und Mädchen sind.
Lehrer Horatio lebt zurückgezogen, wirkt ein wenig bequem und passiv, ist aber um das Wohlergehen seiner Schüler und katzischen Gäste durchaus besorgt.
Die allermeisten Charaktere sind natürlich Katzen. Da gibt es den rebellischen Edison, der sich mutig für Gerechtigkeit einsetzt, Hektor, der Nova und Henry zu ignorieren scheint, die pfiffigen, aufgeweckten Straßenkatzen Pablo und Lilia und natürlich die tapferen Mitternachtskatzen wie Shayan oder Fox, die ihrer Königin Quinn treu ergeben sind. Eine besonders böse Gegenspielerin stellt die machthungrige, niederträchtig Penelope dar, die es auszuschalten gilt. Bei der Menge an Charakteren war es mitunter schwer, die einzelnen Katzen voneinander zu unterschieden. Eine Übersicht mit Bild am Anfang des Buchs hätte uns die Unterscheidung erleichtert.

Nova und Henry erleben ein unvergleichliches Abenteuer. Für die menschlichen Hauptfiguren und ihre tierischen neuen Bekannten geht es quer durch Englands Hauptstadt, sogar in den geheimnisvollen, sagenumwobenen Untergrund. Das mysteriöse London mit seinen weltbekannten Sehenswürdigkeiten macht als Schauplatz richtig was her. Da möchte man der Stadt unbedingt einen Besuch abstatten, um die Fährten der Felidix selbst zu verfolgen. Auch die Eigenarten dieser ungewöhnlichen Katzen wollen sicher viele Leser gerne selbst erleben. Was für eine actionreiche, gefährliche, ja atemberaubende Mission! Gegen Ende wurde es so fesselnd, dass meine Mitleser keine Lesepause mehr einlegen wollten.
„Mitternachtskatzen - Die Schule der Felidix“ ist eine phantastische, originelle, packende Geschichte, die wir allen Katzenfreunden und Fans von spannenden Geschichten nur empfehlen können.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Vom Verschwinden einer Frau - stimmig konstruierte Geschichte zwischen Fiktion und Biographie

Mrs Agatha Christie
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Die berühmte Krimiautorin Agatha Christie verschwindet im Dezember 1926 spurlos für ganze elf Tage. Ihr Wagen wird am Ufer eines Teichs gefunden. Die aufwendige Suchaktion hält nicht nur ihren Ehemann ...

Die berühmte Krimiautorin Agatha Christie verschwindet im Dezember 1926 spurlos für ganze elf Tage. Ihr Wagen wird am Ufer eines Teichs gefunden. Die aufwendige Suchaktion hält nicht nur ihren Ehemann und ihre Tochter, sondern auch ganz England in Atem. Schließlich taucht Agatha wieder auf - unter ähnlich mysteriösen Umständen wie sie verschwand. Nur Agatha Christie selbst weiß, was damals wirklich geschah.

Autorin Marie Benedict erzählt flüssig und klar in zwei Handlungssträngen. Zunächst schildert sie aus Agathas Sicht in der ersten Person, wie diese ihren späteren Ehemann Archibald Christie kennenlernt und wie sich ihre Ehe, ihr Alltag, ihr Leben danach entwickeln. Parallel dazu erfahren die Leser aber auch, was sich später während Agathas Verschwinden bei ihrem Ehemann und ihrer Familie abspielt. Es werden sukzessive die Gründe offenbart, die zu Agathas Verschwinden führen. Der Einstieg in die Geschichte erfolgt recht unvermittelt, erst nach und nach fügen sich die einzelnen Puzzleteile der Handlung zusammen und alles wird durchschaubarer.

Agatha Christie ist die Hauptfigur des Romans, auch wenn sie mitunter nicht selbst in Aktion tritt, sondern nur Gesprächsthema ist. Durchaus interessant, Agatha noch vor ihrer Schriftstellerkarriere als junge Frau mit Träumen und Hoffnungen zu erleben. Als Agatha ihrer Schwester Madge davon erzählt, dass sie gerne einmal eine Detektivgeschichte schreiben möchte und diese daraufhin antwortet: „Ich glaube nicht, dass du das kannst, Agatha. Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Ich hatte auch schon mal selbst überlegt, es mal zu versuchen, es ist einfach zu knifflig.“, konnte ich nicht anders, als wissend schmunzeln. Mit ihrer dominanten, wichtigtuerischen Schwester Madge hat es Agatha nun wirklich nicht leicht. Für Agatha sehr befriedigend und absolut verdient, dass sie letztendlich ihrer Schwester und allen sonst beweist, was sie für ein großes Talent hat. An dieser Stelle habe ich mit Agatha mitgefiebert, wünschte ihr, dass sie groß rauskommen würde und ihre überhebliche Schwester in die Schranken weist. Solche Gefühle blieben aber leider die Ausnahme. Als großer Fan der Christie-Romane war für mich die Darstellung der Hauptfigur nicht hundertprozentig gelungen. Ich hätte mir mehr Passagen gewünscht, in denen ich Agatha inbrünstig verteidigen wollte, intensiver mit ihr gefühlt hätte. Stattdessen habe ich leider selten Bezug zu ihr gefunden, sie blieb mir zu blass, zeigte als Charakter für mich zu wenig Tiefe und Stärke, agierte zu passiv. Etwas enttäuscht hat mich zudem, dass Agathas Werk selbst keine größere Rolle in dem Roman einnimmt. Nicht nur Schwester Madge, auch ihr oft selbstsüchtiger, unsensibler Ehemann unterstützen Agatha nicht so, wie Agatha das gebraucht hätte. So nimmt Agatha dann der Tod ihrer überaus geliebten Mutter auch sehr mit.


Ob Marie Benedicts Version der Geschichte die wahre ist?
Das Buch selbst ist zwar kein klassischer Krimi, kommt es doch ohne echten Mord und Blutvergießen aus, ist aber trotzdem krimiartig aufgebaut. Es wird zunehmend enthüllt, was hinter Agathas Verschwinden steckt. Agatha, die sonst in ihren Romanen ihre Figuren verschwinden lässt, wird zur Hauptfigur in ihrer eigenen Geschichte. Die Handlung ist schlüssig, intelligent und nachvollziehbar konstruiert, vielleicht nicht ganz so genial wie Agatha Christie es selbst geschrieben hätte. Nicht nervenaufreibend spannend, anfangs eher gemächlich und ruhig, aber gegen Ende durchaus packend. Ich hätte mir dennoch gewünscht, emotional mehr eingebunden, mehr gefesselt zu werden, Agatha blieb für mich trotz der Offenbarung ihres Innersten auf Distanz. Vielleicht störte mich auch, dass am Ende die Ursachen für ihr Verschwinden zu direkt und wiederholt von ihr selbst erläutert werden. Das alles hätte man als Leser auch ohne dezidierte Erläuterungen selbst herausfinden können. Manchmal braucht eine Geschichte auch Unausgesprochenes, muss die Leser mehr fordern, nicht alles erklären. Dennoch ein stimmig aufgebauter Roman mit spannender Grundidee, einer „mit angezogener Handbremse“ zwar, den ich aber gerne gelesen habe und Fans der Autorin mit Abstrichen empfehlen kann.

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