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Veröffentlicht am 13.09.2021

Erneutes Highlight der Reihe - interessanter Aufbau und sehr fesselnde Handlung

Das Grab in den Schären
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„Das ist das letzte Mal, wiederholte sie für sich. Morgen würde sie keinen Tropfen anrühren. Aber heute Abend brauchte sie das.“

Während der Bauarbeiten für neue Sommerhäuser werden auf der Schäreninsel ...

„Das ist das letzte Mal, wiederholte sie für sich. Morgen würde sie keinen Tropfen anrühren. Aber heute Abend brauchte sie das.“

Während der Bauarbeiten für neue Sommerhäuser werden auf der Schäreninsel Telegrafholmen menschliche Überreste gefunden. Thomas Andreasson und sein Team übernehmen die Ermittlungen. Vor zehn Jahren wurden gleich zwei Personen aus Sandhamn, der nächstgelegenen bewohnten Insel, als vermisst gemeldet: die siebzehnjährige Astrid und die 35-jährige Gemeindesekretärin Siri. Doch welche der beiden Frauen ist die Leiche?
Thomas beste Freundin Staatsanwältin Nora Linde, seit ihrem letzten Fall krankgeschrieben, macht sich selbst für das Verschwinden einer jungen Mutter und ihres Sohns verantwortlich. Als sie erfährt, dass ihre frühere Babysitterin Astrid möglicherweise die unbekannte Tote sein könnte, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln und bringt sich und Thomas damit gewaltig in die Bredouille.

Viveca Sten schreibt wie gewohnt leicht verständlich und unkompliziert, ihr Sprachstil ist angenehm flüssig zu lesen. Die Autorin erzählt aus verschiedenen Perspektiven, arbeitet Rückblenden in ihre Geschichte mit ein. So schildert sie die aktuellen Ermittlungen, nimmt aber auch die Sichtweise der potentiellen Mordopfer Siri und Astrid kurz vor ihrem Verschwinden ein und macht dabei deutlich, welche Entwicklungen zum Verschwinden der Frauen beigetragen haben. Bis zum Ende ist nicht klar, welche Aspekte tatsächlich relevant für den Fall sind und wer die Leiche wirklich ist. Die Kapitel sind sehr kurz, die Erzählstränge werden immer wieder unterbrochen, was die Geschichte noch spannender macht.

Dies ist der zehnte Fall von Thomas Andreasson und Nora Linde. Die Figuren sind mir mittlerweile so vertraut, als kenne ich sie persönlich. Daher hat mich Noras Verhalten in diesem Band nicht kaltgelassen. Nora Linde ist bekannt für ihre Neugier und ihre Hartnäckigkeit. Sie mischt sich in Dinge ein, die sie nichts angehen, bringt sich dabei immer wieder in Gefahr. Am Ende hat sie aber oft den richtigen Riecher. Im neuesten Band ist sie von zurückliegenden Erfahrungen traumatisiert, wirkt „getrieben“. Sie macht sich gar strafbar, weil sie ihre eigenen Schuldgefühle nicht loswird: „Keiner mochte sie mehr, nicht einmal sie selbst. Was hatte sie nur angerichtet?“ Auch wenn Nora nicht zurechnungsfähig scheint - sie sucht immer wieder Trost im Alkohol - hatte ich häufig den Impuls, sie zu „schütteln“, ihr Grenzen zu setzen, ihr ins Gewissen zu reden. Ein eindeutiger Beweis dafür, wie mitreißend und lebendig Sten ihre Charaktere gestaltet. Thomas, der schon immer zurückhaltender und rationaler agiert als Nora, hat diesmal alle Hände voll zu tun, Noras Fehltritte zu verwischen. Auch er hat nach der Trennung von Pernilla mit privaten Herausforderungen zu kämpfen und eigentlich auch ohne Noras Verfehlungen genug zu tun.

Ich gestehe, ich bin süchtig nach dieser Krimi-Serie. Und nachdem ich „Das Grab in den Schären“ gelesen habe, weiß ich wieder genau warum. Auch wenn es sonst auf Sandham eher beschaulich, und recht ruhig zugeht, ist dieser Fall dermaßen spannend aufgebaut, dass ich sofort von der Geschichte gefesselt war, den Dingen unbedingt auf den Grund gehen und erfahren wollte, wie alles zusammenhängt. Das „Puzzle“ musste einfach zu Ende gepuzzelt werden, damit letztendlich alles einen Sinn ergibt. Zudem habe ich die Figuren mittlerweile so lange begleitet, dass ich mehr als neugierig bin, wie es mit ihnen weitergeht, wie sie sich beruflich und vor allem privat entwickeln. Natürlich spricht mich als Skandinavienfan auch der besondere, idyllische Schauplatz der Reihe an. „Das Grab in den Schären“ ist für mich eine perfekt gelungene Fortsetzung, ein sehr stimmig und interessant konstruierter klassischer Krimi, der von Anfang an packt. Ein weiteres Highlight einer uneingeschränkt lesenswerten Reihe.

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Leichte Romanze voller wunderbarer kleiner Gesten - ein „Hach-Buch“ zum Seufzen schön

Dein Herz in tausend Worten.
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„Es gibt keine Alternative zur Liebe. Das müsstest du doch wissen, so viel, wie du liest.“

Die extrem schüchterne Millie arbeitet als Bürohilfe bei einem kleinen Verlag. Zu ihren Aufgaben gehört es unter ...

„Es gibt keine Alternative zur Liebe. Das müsstest du doch wissen, so viel, wie du liest.“

Die extrem schüchterne Millie arbeitet als Bürohilfe bei einem kleinen Verlag. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, den Speicher aufzuräumen. Für Millie ist der Dachboden, in dem abgelehnte Manuskripte gelagert werden, nicht nur ein Dachboden, sondern ein magischer Ort, „der Raum des Vergessens“ voller Schätze. Millie liest leidenschaftlich gerne heimlich in den Manuskripten und schmuggelt die unveröffentlichten Bücher, die ihr gefallen, nach Hause. „Dein Herz in tausend Worten“ ist eine Geschichte, die es ihr besonders angetan hat. Millie versteckt in ihrem Stadtviertel Notting Hill Sätze aus dem Buch, um Menschen aufzuheitern. Zufällig entdeckt Bestsellerautor William Winter im Café eines der Zitate. Er ist der Verfasser des Buchs und möchte unbedingt herausfinden, wer seine Worte verteilt und aus welchem Grund. Das erste Treffen zwischen Millie und William passiert allerdings unwissentlich und verläuft ganz anders als erwartet….

Judith Pinnow schreibt gut verständlich und flüssig, teils in Ich-Form im Präsens aus Millies Sicht, teils schildert sie auch Williams Situation in der dritten Person. Mir fiel es nicht schwer, mich in die Geschichte hineinzuversetzen.

Millie ist eine sensible Frau, die große Schwierigkeiten hat, mit anderen in Kontakt zu treten. Sie lebt im Hintergrund wie in einem Schneckenhaus, erinnert mich ein wenig an Hauptfigur Lucy aus „Während du schliefst“. Eigentlich wäre Millie gerne Lektorin, hegt sie doch für Bücher eine große Leidenschaft. Doch sie ist davon überzeugt, dass sie dafür nicht geeignet wäre: „Ich bin nicht besonders gut im Verhandeln oder überhaupt im Sprechen. Ich sage lieber nichts und beobachte“. Schräge, ungeschickte, rührselige Geschichten „rettet“ sie besonders gerne vor der Vernichtung, weil sie sie an sie selbst erinnern.
Krimiautor William Winter präsentiert in der Öffentlichkeit ein Bild von sich, das nicht seiner wahren Persönlichkeit entspricht. Von seinen Verletzungen, Träumen und Wünschen weiß niemand, davon erzählt sein Roman „Mein Herz in tausend Worten“.
Gut gefallen hat mir die Figur Mrs. Cramer, die so streng und kontrolliert wirkt, stets beschäftigt am Empfang sitzt und in jeder Hinsicht den Überblick behält, sie ist für Überraschungen gut. Sympathisch war mir auch Millies Bruder Felix, der immer für seine Schwester da ist und sie kennt wie kein anderer.

Hach! Judith Pinnow hat wieder das getan, was sie einfach sehr gut kann, sie hat eine leichten, süßen, mitreißenden Liebesroman mit viel Zuckerguss verfasst. Eine Geschichte wie das Drehbuch zu einer Hollywoodromanze. Kitschig ohne Zweifel, aber eine gefühlvolle Figur wie Millie braucht eben einfach eine Portion Kitsch zum Glück, nicht im Großen mit viel lautem Bämm, sondern im Kleinen und wohldosierter. Die sanfte Millie liebt es kleiner und bescheidener.
Judith Pinnows Roman überzeugt mit einigen wirklich schöne Ideen. Dass Millie es sich zur Aufgabe gemacht hat, abgelehnte Manuskripte zu retten, gefällt mir sehr. Denn hinter jedem Text steckt ein Mensch, der durchaus etwas zu sagen hat und der andere Menschen mit Worten berührt. Millie bringt den Personen hinter den Manuskripten Wertschätzung entgegen.
Lektor David zitiert im Buch Heinrich Heine: „Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die gewaltigste.“ Wie mächtig Bücher sind, ist immer wieder Thema im Roman. Bücher verleihen Flügel. „Wenn du schreibst, kannst du fliegen“, erklärt William, denn in ihrer Phantasie sind Menschen zu allem fähig. „Ich kann auch fliegen, wenn ich lese.“ entgegnet Millie. Recht hat sie.
Mich hat die nette, leichte Geschichte oft zum Lächeln gebracht. Ein „Hach-Buch“ zum Seufzen schön. Manchmal brauche ich unbedingt solche Bücher, sie machen die Welt ein bisschen heller.

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Veröffentlicht am 09.09.2021

Taschenriese in Not - genial komisch, magisch turbulent und sehr spannend

Luis und Lena - Der Zwerg des Zorns
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Nachdem Lena und Luis ihre letzte magische Herausforderung erfolgreich bewältigt haben und die Zahnfee des Grauens in ihre Heimat zurückschicken konnten, wartet schon der nächste magische Notfall. Luis ...

Nachdem Lena und Luis ihre letzte magische Herausforderung erfolgreich bewältigt haben und die Zahnfee des Grauens in ihre Heimat zurückschicken konnten, wartet schon der nächste magische Notfall. Luis findet einen Taschenriesen. Und der ist alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse. Trotz seiner geringen Größe, verfügt er über ein enormes, ja riesenhaftes Selbstbewusstsein, hat den Drang, ständig Feuer zu legen und ist mit seiner unzugänglichen, harschen Art und seinen Wutausbrüchen ein wahrer „Zwerg des Zorns“ Er lehnt sowohl Lena als auch Luis als Gesprächspartner ab und so wissen die zwei gar nicht, wie sie dem magischen Geschöpf helfen können. Das scheint eine unlösbare Aufgabe für die „Gesellschaft der magischen Katastrophen“. Doch da erhalten sie von unerwarteter Seite Hilfe.

Autor Thomas Winkler schreibt als Luis in der ersten Person und das tut er so unterhaltsam, direkt und genial komisch wie schon im ersten Band. Luis spricht seine Leserschaft immer wieder persönlich an, bezieht sie mit in die Geschichte ein, erlaubt sich schon mal den ein oder anderen Scherz mit ihnen oder fordert sie gar auf, mitten im Buch einfach mit dem Lesen aufzuhören. Luis Listen und Aufzählungen bringen immer wieder zum Schmunzeln. Ziemlich originell auch Luis Wortschöpfungen, sein persönlicher Fluch „Schnacke“ ist schon aus dem ersten Buch bekannt, diesmal hat er sich den Ausdruck „slein“ für sehr, sehr, sehr, sehr klein ausgedacht und wendet diesen auch konsequent an. Diese spritzige, freche Erzählweise macht einfach Spaß. Genau wie Daniel Stieglitz comicartige Illustrationen. Die sind sehr individuell, frech, lustig und gleichzeitig erstaunlich ausdrucksstark. Die Bilder motivieren und gestalten das Buch abwechslungsreich.
Die Schrift des Buches ist etwas größer gedruckt, der Zeilenabstand etwas breiter gehalten.
Mädchen und Jungen ab neun Jahren können das Buch schon eigenständig lesen, zum Vorlesen eignet es sich auch schon für jüngere Kinder.

Alle wichtigen mitwirkenden Figuren sind auf dem Vorsatz- und Nachsatzpapier abgebildet, vorne fehlt allerdings Lena.
Luis ist ein Nerd wie aus dem Buche: er ist einfallsreich, sehr an wissenschaftlichen Zusammenhängen interessiert, vergeistigt, ganz schön clever, mag es ironisch und tappt immer wieder unfreiwillig in völlig abstruse magische Fettnäpfchen. Trotz seiner ausgeprägten Unsportlichkeit trifft er sich regelmäßig mit den Wildschweinen zum Trainieren.
Luis Freundin Lena glaubt fest an jede Art von Magie, ist ein wandelndes „Lexikon der magischen Wesen“ und übertreibt es mit ihren spinnösen Aktionen schon mal ein wenig.
Die „Wildschweine“, eine Freizeitsportmannschaft, präsentieren sich - Nomen est Omen- ganz schön ruppig und wild, teilen einen recht derben Humor und nehmen kein Blatt vor den Mund, haben aber wie Lena das Herz am rechten Fleck und wissen, was wahre Freundschaft bedeutet. Die originellste Figur ist der drei Zentimeter große Taschenriese „Herbert“. Er fordert Lena und Luis ganz schön heraus, gönnt ihnen keine Ruhe, weigert sich aber beharrlich, mit ihnen zu sprechen und Auskunft über sich zu erteilen.
Diese ganz besondere Figurentruppe ist in jeder Hinsicht phantastisch.

Werden Luis und Lena herausfinden, wie sie dem Taschenriesen helfen können?
Ihre neueste magische Mission bringt sie nicht nur gehörig ins Grübeln, sondern entwickelt sich auch turbulent und ziemlich gefährlich, am Ende geht es regelrecht dramatisch zu.
Immer wieder ausgesprochen lustig, in welche absurden Situationen Herbert Luis bringt und dabei ist Luis vielfältige Gedankenwelt alleine schon unbeschreiblich witzig. Sehr gut gefallen hat mir, welche große Bedeutung die Freundschaft in diesem Buch einnimmt. Nicht nur Luis und Lena sind zu echten Freunden geworden, auch die eher „rustikalen“ Wildschweine zeigen, dass man sich immer auf sie verlassen kann.
„Der Zwerg des Zorns“ ist eine absolut gelungene Fortsetzung, ein urkomisches Lesevergnügen.
Von meinen Mitlesern (fünf, sieben und zehn Jahre alt) und mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung. Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Abenteuer der „Gesellschaft für magische Katastrophen“.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Gelungene Fortsetzung: genauso phantasievoll, spannend und temporeich wie der Vorgänger

Flüsterwald - Der verschollene Professor (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 2)
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„Drei Teile, um das Verborgene zu enthüllen, das Vergessene zu sehen. Wo Erde, Feuer, Luft auf Wasser trifft. Im Mondschein zeigt sich vor den Augen dunkler Schwingen der Weg zur Unterwelt. Doch Suchender ...

„Drei Teile, um das Verborgene zu enthüllen, das Vergessene zu sehen. Wo Erde, Feuer, Luft auf Wasser trifft. Im Mondschein zeigt sich vor den Augen dunkler Schwingen der Weg zur Unterwelt. Doch Suchender gib acht, nur ein Weg führt zum Ziel. Steig die Stufen empor und bringe, was beständig vergeht vom Gestern ins Heute. In schwarzer Asche wartet, was nicht für dich bestimmt.“

Lukas hat ein spannendes Geheimnis. Nur er kennt den Weg in die magische Welt des Flüsterwalds, wo er seine neuen Freunde treffen kann. Doch in letzter Zeit wird er ständig verfolgt, von Ella. Ihr Großvater, der Professor, wohnte früher in der alten Villa, in der Lukas jetzt mit seiner Familie lebt und gilt als verschollen, seit er sich auf die Suche nach „dem Herz des Waldes“ gemacht hat. Als Spur zu ihm bleibt lediglich der Inhalt eines rätselhaften Pergaments, das Ella auswendig gelernt hat. Ella überredet Lukas und seine Freunde, ihr bei der Suche nach ihrem Großvater zu helfen. Doch sie alle ahnen nicht, wie aufregend und gefährlich das Abenteuer für sie noch werden wird.

Autor Andreas Suchanek schildert das Geschehen kindgemäß, gut verständlich und lebendig in der dritten Person. Stellenweise lässt er Rani die Geschichte aus seiner Perspektive erzählen und es sind Auszüge seines „Buchs der Heldentaten“ abgedruckt. Ranis alternative Sichtweise der Handlung, in der Rani wesentlich besser und heldenhafter dasteht als in Wirklichkeit, sorgt für besondere Unterhaltung und einige Schmunzler.
Die Kapitel sind recht übersichtlich gehalten, haben eine „lesefreundliche Länge“.
Sehr gelungen sind die Illustrationen, vor jedem Kapitel findet sich eine Abbildung vom dem, was einen im Kapitel erwartet. Diese Bilder sind schön detailliert und aussagekräftig, sie motivieren und machen neugierig.
Geübte Leser ab neun Jahre dürften sich die Geschichte ohne größere Schwierigkeiten selbst erschließen können. Zum Vorlesen ist sie schon für etwas jüngere Kinder geeignet, allerdings ist die Handlung recht komplex.

Ich habe mich sehr gefreut, die originellen Figuren aus dem ersten Band wieder zu treffen. Am Anfang werden die Figuren mit Bild und kurzer Beschreibung vorgestellt. Da ist Hauptfigur Lukas, der vor kurzem umgezogen ist und es an der neuen Schule nicht leicht hat, denn sein Vater ist dort Lehrer. Mit Ella bekommt er es mit einer sehr hartnäckigen, ganz schön durchtriebenen Verfolgerin zu tun. Natürlich sind auch die neugierige, herzensgute, manchmal verschusselte Elfe Felicitas und der eigenwillige, sehr von sich selbst überzeugte Menok Rani sowie die unerschrockene Katze Punchy erneut mit von der Partie. Vor allem die ständigen Streitereien und Schlagabtausche zwischen Rani und Felicitas machen immer wieder großen Spaß.

Die Handlung ist mindestens so temporeich und aufregend wie eine Fahrt in der Blinzelbahn. „Der verschollene Professor“ ist ein ausgesprochen phantasievolles, magisches, hochspannendes, gefährliches und mitunter ganz schön gruseliges Leseabenteuer. Die vier Elemente, mit denen sich Lukas und Co intensiv auseinandersetzen müssen, haben alle ihre unangenehmen Tücken, wie die Freunde sehr bald feststellen, ob es nun um den freien Fall oder Atemnot unter Wasser geht. Am Ende gibt es einen Cliffhanger: Lukas erfährt ein besonderes Geheimnis und die Freunde entscheiden sich dafür, eine neue Mission zu bestreiten. Da kann man eigentlich nicht anders, als sich sofort der Fortsetzung zu widmen. Ich rechne fest damit, dass die genauso gelungen und lesenswert ist wie dieser Band.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Charmante, nette Grundidee, aber sehr unglaubwürdige Handlung

Bis ans Ende aller Fragen
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„Es ist nie zu spät so zu sein, wie man gern gewesen wäre“

Maxi hat sich als Kind ihre Zukunft genau ausgemalt: Sie wollte Ärztin werden, ihren heimlichen Schwarm Rafael heiraten und mit ihm eine Familie ...

„Es ist nie zu spät so zu sein, wie man gern gewesen wäre“

Maxi hat sich als Kind ihre Zukunft genau ausgemalt: Sie wollte Ärztin werden, ihren heimlichen Schwarm Rafael heiraten und mit ihm eine Familie gründen. Doch die Realität sieht anders aus: Jetzt ist sie 44, Inhaberin eines Cafés in Hamburg und allein. Ihr langjähriger Freund Thomas hat sie wegen einer anderen verlassen und ist nun Vater. Als Maxi in ihrem Café eine Trauerfeier für einen sympathischen Witwer mit zwei Kindern ausrichtet, kommt Maxis Nichte Summer, die als Aushilfe im Café arbeitet, eine Idee. Maxi soll eine Trauergruppe besuchen und behaupten, ihren Mann verloren zu haben. Auf diesem Weg lässt sich doch bestimmt ein Witwer mit Kindern kennenlernen und Maxi kommt doch noch zu einer Familie. Dass Maxi sich tatsächlich überreden lässt, diese abstruse Idee in die Realität umzusetzen, macht Maxis Situation nicht besser und bringt eine gigantische Liebeskatastrophe ins Rollen.

Anne Hertz schreibt flüssig, lebendig und leicht verständlich in der ersten Person Präsens. Zwischen den Passagen, die die aktuelle Handlung erzählen, sind dreißig Jahre alte Tagebucheinträge von Maxi abgedruckt, deren P.S. oft mit Fragen enden, was mir gut gefallen hat. Man lernt Maxi, ihr Leben, ihre Träume und Vorstellungen also sowohl als Kind als auch als Frau in den Vierzigern kennen.
Die Gestaltung des Covers finde ich sehr ansprechend und gelungen, in dekorativer Drucktechnik sind auf dem Titel gelbe, dunkelrosa, schwarze und dunkelblaue Motive wie Blätter, eine Tasse, Blüten oder ein Teebeutel zu sehen.

In Protagonistin Maxi konnte ich mich zunächst gut hineinversetzen. Sie wirkt ein bisschen verplant, hadert damit, dass sich ihr Leben anders entwickelt hat, als sie wollte, ist aber eigentlich nicht unglücklich mit ihrer beruflichen Situation. Maxi kümmert sich rührend um ihre Kaninchen, liebt Kinder und geht einfühlsam auf sie ein. Auch ihr früheres Ich aus dem Tagebuch wirkt zwar sehr naiv und unbedarft, aber irgendwie liebenswert. Ganz anders präsentiert sich Maxi gegen Ende des Buchs. Ihre genervten und unsensiblen Reaktionen zum Schluss hin schreckten ab, Maxi wurde mir immer unsympathischer. Für mich war mich da nicht mehr nachvollziehbar, warum Maxi angesichts ihres unangenehmen Verhaltens so gut bei ihren Mitmenschen ankommt.
Maxis Nichte Summer mit ihren spontanen, verrückten Ideen bringt frischen Wind in die Handlung. Sie kommt allerdings für eine Studentin recht unreif und kindisch rüber, benimmt sich eher wie ein Teenager.

Einige Romane des Autorenduos habe ich wirklich gerne gelesen, „Glückskekse“ oder „Die Sache mit meiner Schwester“ haben mich überzeugt und zum Nachdenken gebracht haben. Dementsprechend neugierig war ich auf das neue Buch der Schwestern Frauke Scheunemann und Wiebke Lorentz. Der Roman vermittelt, dass es nie zu spät fürs Glück ist. Eine schöne Vorstellung, die zuversichtlich stimmt. Auch die Idee, die Liebe in einer Trauergruppe zu suchen und immer wieder amüsante, naive Tagebucheinträge mit originellen Fragen am Ende einzuschieben, die Maxis früheres Ich beschreiben, finde ich nett und charmant. Daraus hätte man viel machen können. Die Klärung der Fragen, wieviel Kind noch in Maxi steckt und wie weit man für seine Träume gehen darf, hätte mich wirklich interessiert. Leider ging es darum nur am Rande. Die Autorinnen lassen meiner Meinung nach ihren Figuren und deren Beziehungen keinen Raum, sich zu entwickeln. Alles geht viel zu schnell: Kinder, Männer und Frauen sind sofort verliebt, neue Möglichkeiten fallen einem einfach in den Schoß, die unwahrscheinlichsten Zufälle reihen sich aneinander, Erkenntnisse kommen aus dem Nichts, alles fügt sich wie von Geisterhand. Intensive Momente mit romantischer Stimmung sind hier Fehlanzeige, stattdessen empfand ich die Handlung oft als unrealistisch, an den Haaren herbeigezogen und leider irgendwie plump.
Ja, ich habe den Roman stellenweise genossen, so wie einen Fernsehabend, bei dem man sich aber permanent wundern muss, weil das, was da auf dem Schirm geboten wird, zwar unterhält, aber so gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und man sich irgendwie ein ganz kleines bisschen für dumm verkauft vorkommt. Für mich ist die übertriebene Handlung einfach zuviel des Guten, weniger wäre da mehr gewesen. Ich hätte mir weniger, dafür mehr tiefgründigere Figuren gewünscht, weniger übertriebene, dafür mehr nachvollziehbare Entwicklungen, weniger absurde Zufälle und dafür mehr Glaubwürdigkeit, weniger belanglose Plattitüden, dafür mehr nachvollziehbare Gefühle. Für mich leider kein Glanzstück, mit ihren anderen Romanen haben die Verfasserinnen bewiesen, dass sie durchaus mehr können.

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