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Veröffentlicht am 27.05.2021

Packendes Fantasy-Märchen - eine aufregende Reise in eine andere faszinierende Welt

Das Geheimnis der Sternenuhr
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„Lofkinje entfaltete ihre Geschichte im Dunkeln. Den ersten Teil trug sie schon seit ihrer Kindheit mit sich herum. Manchmal spürte sie das Gewicht in der Tasche, als wäre die Geschichte ein Stein, der ...

„Lofkinje entfaltete ihre Geschichte im Dunkeln. Den ersten Teil trug sie schon seit ihrer Kindheit mit sich herum. Manchmal spürte sie das Gewicht in der Tasche, als wäre die Geschichte ein Stein, der von den Berührungen ihrer Finger ganz glatt geworden war. Es war lange her, dass jemand sie gebeten hatte, ihn aus der Tasche zu nehmen.“

Imogen und ihre jüngere Schwester Marie streiten viel. Als Imogen sich beim Kuchenessen mit ihrer Großmutter in einem Café mal wieder besonders über Marie ärgert, braucht sie dringend frische Luft und unternimmt einen Spaziergang. Im Park entdeckt sie einen seltsamen Falter, der sie zu einer Tür in einem Baum führt. Imogen geht durch die Tür und landet in einer unglaublichen Welt: in der Stadt Jaroslaw, in der es noch Könige, Prinzen, Burgen, Schätze, Monster und dunkle Mächte gibt. Unbemerkt ist ihr auch Marie gefolgt. Die beiden Mädchen müssen nun gemeinsam ein ganz besonderes, überaus herausforderndes Abenteuer bestehen.

Francesca Gibbons Sprache ist gut verständlich und passt zur Geschichte. Gerade der Part in der phantastischen Welt liest sich mitunter wie ein Märchen, das wirkt sehr stimmig. Das Buch lässt sich recht flüssig vorlesen.
Kinder ab zehn Jahre können das Buch sicher schon eigenständig lesen. Inhaltlich geht es oft recht grausam und brutal zu. Für sensiblere Kinder ist die Geschichte daher möglicherweise nur bedingt zu empfehlen. Das Buch ist zwar recht umfangreich und die Schrift ist normal groß gedruckt, die Kapitel sind aber oft angenehm kurz und daher sehr „lesefreundlich“. Das Buch hat abgesehen vom vielversprechenden Cover keine Illustrationen.

Imogen und Marie sind zwei Schwestern, die durchaus realistisch beschrieben werden. Ihre ständigen Streitereien mögen oft recht anstrengend und nervend sein, aber durchaus glaubwürdig. So gehen manche Geschwister auch im echten Leben miteinander um. Gerade Marie entwickelt sich in Jaroslaw aber in erstaunlichem Maße und wächst über sich hinaus. Das muss auch Imogen anerkennen und die Beziehung der beiden wird durch die gemeinsamen Erlebnisse verstärkt und intensiviert.
Viele Charaktere haben etwas Märchenhaftes. Da gibt es einen einsamen, weltfremden Prinzen, eine Doppelgängerin von Schneewittchens Stiefmutter, einen hünen- und heldenhaften Jäger, der sich ganz anders präsentiert als erwartet, eine tapfere Frau aus den Wäldern, einen nicht ganz koscheren König und gruselige monsterhafte Kreaturen. Eine ausgesprochen vielfältige Figurenkonstellation mit einigen sehr speziellen Charakteren.

Spannungsmangel findet sich hier nicht, im Gegenteil „Das Geheimnis der „Sternenuhr“ besticht durch einen atemberaubenden, extrem fesselnden Plot. Zimperlich dürfen die Leser dabei nicht sein, manche unangenehmen Figuren schrecken nämlich auch vor körperlichen Grausamkeiten nicht zurück. Auch wenn man als Erwachsene möglicherweise erstmal schlucken muss, nehmen die Kinder die Geschichte vermutlich als das, was sie ist, als spannendes Fantasy-Märchen. Und da geht es manchmal wie in klassischen Märchen eben auch recht rau und grob zu. Meine knapp zehnjährige Tochter meinte sogar, sie findet es besonders gut, dass endlich mal etwas „Richtiges“ passiert und nicht immer nur eitel Sonnenschein herrscht.
Am Ende bleibt so Einiges noch offen und der eigenen Vorstellung überlassen...
Für uns dennoch ein tolles Fantasy-Abenteuer mit einer sehr besonderen, ambivalenten, oft düsteren Schauplatz, faszinierenden Figuren, einer packenden Handlung und einer starkem Freundschaft, das uns nach kurzer Zeit gefangen und gebannt hat. Eine aufregende Reise in eine vollkommen andere Welt. Fantasyfreunde werden garantiert auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 27.05.2021

Vom abenteuerlichen Leben im Wald, alten und neuen Freundschaften und Pfannkuchen - wunderbare Gute-Laune-Geschichten

Der kleine Troll Tojok
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Der kleine Troll Tojok lebt mit seinen Eltern in einem kleinen, gemütlichen Steinhaus im tiefen dunklen Wald. Mit seinem besten Freund, dem Wildkater Mommo erlebt Tojok viele Abenteuer. Ob er er auf der ...

Der kleine Troll Tojok lebt mit seinen Eltern in einem kleinen, gemütlichen Steinhaus im tiefen dunklen Wald. Mit seinem besten Freund, dem Wildkater Mommo erlebt Tojok viele Abenteuer. Ob er er auf der Suche nach dem passenden Abendessen ist, einen Ausflug unternimmt, um neue Freunde kennenzulernen oder einen Dieb auf frischer Tat zu ertappen versucht, jeder Tag ist für Tojok ein aufregendes Abenteuer. Mit den verschiedenen Bewohnern des Waldes, Kater, Bär, Biber oder Rabe wird es eben nie langweilig.

Paul Maar schreibt gewohnt natürlich, flüssig, sehr gut verständlich und kindgemäß. Wie auch im Sams beweist er nicht nur Erzähl-, sondern auch Dichtkunst und präsentiert immer wieder unterhaltsame und witzige Reime und Gedichte. Man merkt beim Lesen, dass Maar selbst großen Spaß an seinen Sprachspielen hat. Die lebendige Fröhlichkeit, mit der der Autor erzählt, ist in jedem Satz spürbar.
Das Buch ist etwas größer als DIN A 5-Format und daher recht handlich, aber dennoch groß genug, dass die Bilder richtig zur Geltung kommen. Die Illustrationen liefert der Autor übrigens selbst: witzige, bunte und ausdrucksstarke Bilder. Das Papier ist nicht rein weiß, sondern meliert, was sehr gut zum Inhalt der Geschichte und dem natürlichen Leben im Wald passt. Zum Vorlesen eignet sich der Band für Kinder ab fünf Jahren. Kinder ab sieben Jahren können sich die Geschichten schon eigenständig erlesen.

Tojok ist eine ausgesprochen nette und sympathische Figur. Den kleinen, fröhlichen, freundlichen und neugierigen Trolljungen, der stets offen auf andere zugeht, muss man einfach mögen. Tojok sagt, was er denkt. Man weiß immer, woran man bei ihm ist. Kater Momo ist da etwas komplizierter und verhält sich nicht immer ganz so umgänglich wie sein bester Freund der Trolljunge. Aber so sind Kater nun mal, sie fahren manchmal die Krallen aus, obwohl sie vielleicht lieber schmusen wollen. Viel Unterhaltungswert hat auch der käsesüchtige Rabe und der etwas verpeilte Bär Bobo, der immer neue Varianten für Tojoks Namen auf Lager hat. Die Waldbewohner sind allesamt drollige Figuren.

„Der kleine Troll Tojok“ sprudelt vor Lebenslust und Fröhlichkeit. Dieses Buch macht einfach gute Laune. Das Haus der Trollfamilie wird so idyllisch, anschaulich und lebendig beschrieben, dass man am liebsten selbst darin wohnen möchten, abseits der normalen, technische Welt. Wer sehnt sich nicht nach Entschleunigung, Leben im Einklang mit der Natur? Tojoks märchenhafte Welt lädt dazu ein, sich für einen Moment wegzuträumen. Freilich gibts auch Probleme, so wird Tierquälerei thematisiert oder Mommo gerät in Streit mit einer Katze, aber Tojok weiß auch damit umzugehen.

Eindrücklich stellt Paul Maar in diesem Buch dar, was Sprache alles kann. Sie vermag so viel auszudrücken, kann genauso schön wie witzig sein, hat großen Unterhaltungswert - ob als Sprachverwirrung, als Reim oder Gedicht oder als besondere eigens entwickelte Sprache, die einer bestimmten Figur zugeordnet wird. Die Geschichten zeigen die bemerkenswerte Vielfältigkeit der Sprache. Als Lehrerin könnte ich mir gut vorstellen, es in ersten Klassen vorzulesen, um zu verdeutlichen, wie viel Spaß Sprache machen kann, wie spannend es sein kann, ihr auf den Grund zu gehen. Ein besonderes Highlight ist Tojoks Trolllied das zu Beginn abgedruckt ist.
Tojoks Abenteuer machen große Lust darauf, die Natur und ihre Wunder zu entdecken, mit Freunden zu spielen, zu dichten, Lust auf Sommer und Pfannkuchen. Eine wunderbare Gute-Laune-Freundschaftsgeschichte und eine Bereicherung für jedes Kinderbuchregal.

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Veröffentlicht am 18.05.2021

Kaum bekannt und doch bedeutend- lesenswerte Romanbiographie über Clementine Churchill

Lady Churchill
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„Besonders fügsam ist sie ja nicht gerade, oder?“

1908 heiratet Clementine Winston Churchill. Fortan steht sie als seine Ehefrau immer an seiner Seite, bekommt mit ihm fünf Kinder. Das Paar verbringt ...

„Besonders fügsam ist sie ja nicht gerade, oder?“

1908 heiratet Clementine Winston Churchill. Fortan steht sie als seine Ehefrau immer an seiner Seite, bekommt mit ihm fünf Kinder. Das Paar verbringt miteinander viele aufregende, glückliche und schwere Zeiten. Nicht nur privat, auch als Staatsmann unterstützt Clementine Winston stets loyal und zuverlässig. Sie erlebt und gestaltet auch mit ihm gemeinsam während seiner politischen Karriere die Weltgeschichte direkt mit.

Marie Benedict erzählt in Ich-Form aus Clementines Sicht, in der Regel chronologisch. Ihr Schreibstil liest sich recht leicht und flüssig, ich empfinde ihn als authentisch. Mich in Clementines Leben hineinzuversetzen, fiel mir daher nicht schwer.

Clementine Churchill, genannt Clemmie, stellt eine sehr faszinierende Protagonistin dar. Sie erlebt als Tochter einer eher unkonventionellen, lieblosen Mutter keine einfache Kindheit.
Diese Erfahrung, „das Gefühl, in dieser Welt alleine zu sein“, verbindet sie mit Winston und prägt ebenso entscheidend die Beziehung zu ihren eigenen Kindern. Auch Clementine hadert mit dem Muttersein. Sie ist in jeder Hinsicht sehr ehrgeizig und streng mit sich und hat überzogene Ansprüche an sich selbst, die sie kaum erfüllen kann. Zu ihren Kindern pflegt sie ein nicht ganz unbelastetes, teils distanziertes Verhältnis, was auch in der ausgesprochen engen Bindung zu ihrem Mann begründet ist, das wenig Raum für die Kinder lässt. Clemmies Leben dreht sich um Winston, sie ist von ihm abhängig, er von ihr. Winston nennt Clementine seine „Geheimwaffe“. Clementine zeigt sich klug, loyal, kühn, aber auch manchmal recht „kompliziert“ und streitlustig. Sie engagiert sich für andere und wichtige Themen, wie veränderte Frauenrollen und -rechte oder eine Verbesserung der Bedingungen in den Luftschutzräumen, tut dies aber immer auch für ihr eigenes Selbstwertgefühl, was ihr selbst deutlich bewusst ist. Sie hat große Angst davor, „marginalisiert“ zu werden.
Auch wenn Clementine mir mit ihren hohen Ansprüchen, ihrer Strenge, ihrem Ehrgeiz nicht immer sympathisch war, hat sie mich doch mehr als beeindruckt. Ihre Persönlichkeit wird nachvollziehbar, überzeugend und stimmig dargestellt.
Winston Churchill, den bedeutenden Staatsmann der Weltgeschichte geschrieben hat, aus der Sicht seiner Frau, die ihn besser kennt als niemand sonst, zu erleben, war für mich mehr als interessant und aufschlussreich.

„Lady Churchill“ erzählt von einer wahrhaft außergewöhnlichen Frau, die entscheidend an wichtigen historischen Entwicklungen beteiligt war, sei es als anonyme Verfasserin eines Leserbriefs, als selbstbewusste Frau, die Charles De Gaulle sehr direkt und unverblümt die Meinung sagt oder als Vertraute Eleanor Roosevelts, die ihre persönlichen Verbindungen geschickt einzusetzen versucht. Clementine findet wiederholt ganz verschiedene Mittel und Wege, um ihre und Winstons Vorstellungen durchzusetzen. Doch so einflussreich sie auch war, bekannt ist davon wenig. Diese Romanbiographie setzt der faszinierenden, bemerkenswerten, selbstbewussten, manchmal „unbequemen“ Frau, die eben nicht nur Mutter und Ehefrau, sondern auch wichtige politische Akteurin war, ein literarisches Denkmal.
Mitunter hatte der Roman seine Längen, stellenweise hätte nach meinem Geschmack etwas gestraffter und lebendiger erzählt werden können. Dann wurde ich zwar nicht mitgerissen, aber im Großen und Ganzen dennoch gut und solide unterhalten. Clementine Churchill ist ein weiteres beeindruckendes Beispiel dafür, dass manchmal auch aus dem Hintergrund agierend und ohne lauten Krawall die Welt verändert werden kann.

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Veröffentlicht am 12.05.2021

Unterhaltsames Hörspielabenteuer mit spannendem Krimirätsel und viel Witz

Die Schule der magischen Tiere ermittelt - Hörspiele 3: Der Kokosnuss-Klau
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Es tropft durchs Dach in Eddies Zimmer. Eddies Eltern brauchen daher dringend Geld für eine Hausrenovierung und hoffen, dass sie bei einer Ausstellung das teure Gemälde „Die Kokosnuss“ verkaufen können. ...

Es tropft durchs Dach in Eddies Zimmer. Eddies Eltern brauchen daher dringend Geld für eine Hausrenovierung und hoffen, dass sie bei einer Ausstellung das teure Gemälde „Die Kokosnuss“ verkaufen können. Doch dann wird ausgerechnet dieses Gemälde gestohlen. Zum Glück hat Eisbär Murphy als Detektiv schon Erfahrung und nimmt sich des Falls an. Ob er zusammen mit den magischen Tieren und ihren menschlichen Gefährten das Bild wiederfindet?

Die Geschichte ist als Hörspiel mit ganz vielen unterschiedlichen Stimmen und Geräuschen abwechslungsreich und lebendig umgesetzt. Eine Erzählerin fasst für die Hörer präzise zusammen, was alles passiert. Dank der kindgemäßen, unkomplizierten Sprache ist das Ganze für Kinder ab vier Jahren problemlos zu verstehen.

Wie die „große Schwester“ „Die Schule der magischen Tiere“ besticht diese Reihe ebenso durch die herrlich liebenswerten Figuren. Ein Eisbär, der ermittelt, wo gibts denn sowas? Die magischen tierischen Freunde sind wirklich einzigartig. Schildkröte Henrietta zum Beispiel, die gerade erst lesen lernt, ist immer für einen Lacher gut. Beharrlich verwechselt sie Kokosnuss mit Schokokuss. Ein neues Abenteuer mit der bunten Tier- und Kindertruppe ist für meine Kinder fast wie Freunde treffen, so vertraut sind ihnen die Figuren schon.

Mein Sohn besucht die erste Klasse und ist ein großer Fan der Erstlese-Reihe „Die Schule der magischen Tiere ermittelt“. Die Geschichten sind für Erstleser sehr motivierend, mit rätselhaften Detektivfällen und tierischen Ermittlern. Rätsel und Tiere, das spricht Kinder grundsätzlich an.
Da war ich natürlich gespannt, ob das als Hörbuch ohne die typischen ausdrucksstarken Bilder der Bücher auch funktionieren kann. Und das tut es erstaunlich gut. Ein sehr unterhaltsames, lustiges, spannendes Hörspiel mit vielen Stimmen, Geräuschen und motivierender Musik. Die Zuhörer lernen ganz nebenbei beispielsweise verschiedenen Ausdrücke für Geld kennen oder erfahren, dass es ein berühmtes Bild mit Regenschirm im Zimmer gibt, „Der arme Poet“, das ein bisschen an Eddies tropfendes Zimmer erinnert. Am Ende gibts noch ein kniffliges Geräuscherätsel, da können die Hörer gleich überprüfen, ob sie selbst gut aufgepasst haben und gute, aufmerksame Detektive abgeben würden.
Dieses Hörbuch macht bei den Zuhörern garantiert Lust darauf, noch mehr Geschichten rund um die Reihe kennenzulernen. Der fetzige Titelsong kam bei meiner fünfjährigen Tochter besonders gut an, da musste sie gleich mitsingen. Wir können die Reihe auch als Hörbuch uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 11.05.2021

Ruhiger cosy Krimi mit angenehmer Nordsee-Atmosphäre

Nordwesttod
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Anna Wagner hat bisher bei der Polizei in München gearbeitet. Nun soll sie in Sankt Peter Ording im Fall einer vermissten jungen Frau ermitteln. Nina Brechtmann, die aus einer Hoteliersfamilie stammt, ...

Anna Wagner hat bisher bei der Polizei in München gearbeitet. Nun soll sie in Sankt Peter Ording im Fall einer vermissten jungen Frau ermitteln. Nina Brechtmann, die aus einer Hoteliersfamilie stammt, sich aber in letzter Zeit für den Umweltschutz stark gemacht hat und sich von ihrer Familie entfremdet hat, ist spurlos verschwunden. Gemeinsam mit Hendrik Norberg, dem neuen Leiter der Polizeidienststelle Sankt Peter Ording versucht Anna Wagner herauszufinden, was mit Nina geschah.

Der Schreibstil der Autorin Svea Jenssen ist gut verständlich, recht flüssig und leicht lesbar. Jenssen erzählt abwechselnd in der dritten Person aus der Sicht von Anna Wagner, Hendrik Norberg und weiterer vom Fall betroffener Personen. Es geht sowohl um das Berufs- als auch um das Privatleben der beiden Polizisten.

Die Hauptpersonen Hendrik Norberg und Anna Wagner orientieren sich gerade beruflich neu. Norberg hat vor kurzem seine Frau Kathrin verloren und seine Tätigkeit bei der Mordkommission in Itzehoe aufgegeben, um bei der Schutzpolizei in Sankt Peter Ording zu arbeiten. Er hofft, sich so mehr um seine beiden Söhne Lasse und Finn kümmern zu können. Norberg und sein Sohn Lasse leiden sehr unter dem Verlust von Kathrin und kommen aktuell nicht gut miteinander aus, was Hendrik natürlich schwer zu schaffen macht.
Auch Anna Wagners Leben hat sich nach der Scheidung von ihrem Mann grundlegend verändert. Der neue Job soll für sie einen Neuanfang bringen.
Hendrik Norberg wirkt zunächst auf andere recht unterkühlt, Anna Wagner macht es ihren Mitmenschen mit ihrer offenen Art da deutlich leichter. Sie gibt sich unkompliziert und pragmatisch, nimmt die Dinge wie sie sind, hadert nicht mit ihrem Schicksal. Hendrik schon. So unterschiedlich sie sind, wirken doch beide auf ihre Art sympathisch. Ganz zögerlich lässt sich Hendrik auf die neue Kollegin ein und die beiden beginnen, gemeinsam zu ermitteln und aufeinander einzugehen. Auch wenn sie noch nicht viel Zeit miteinander verbringen, passen sie irgendwie zusammen. Diese sanfte Entwicklung einer Beziehung zwischen den Figuren, die ganz eigene Dynamik zwischen beiden, wird einfühlsam und nachvollziehbar geschildert. Dass die beiden auch in ihrem Privatleben dargestellt werden, das macht sie für mich „plastischer“.

Atemberaubend spannend und blutrünstig geht es in diesem cosy Krimi nicht zu. Das Erzähltempo ist sehr ruhig, fast gemütlich. Das Rätsel des Falls umfasst die Person Nina. Wo steckt Nina bloß? Gleichzeitig möchte man als Leser mehr von dieser jungen Frau wissen. Die Fragen, wer sie genau war, was sie tat und wie sie sich verhielt, führen näher zu ihrem Verbleib. Die Zahl der Personen, die in den Fall verwickelt ist, ist angenehm überschaubar und überfordert nicht.
Am Rande werden zudem aktuelle Probleme bei der Bebauung von Tourismusgebieten thematisiert, dieser Bezug zur Realität gefiel mir.
Ein wenig mehr Action hätte dem Plot nicht geschadet. Die Handlung hält zudem wenige Überraschungen bereit, die Aufklärung ließ sich schon recht früh erahnen. Dennoch habe ich den langsamen, leisen und stimmigen Krimi recht gerne gelesen. Er spiegelt für mich passend die unaufgeregte, ruhige Atmosphäre im hohen Norden wider. Hier dauert es manchmal einfach, bis sich die Leidenschaft zeigt, aber sie ist bei den Protagonisten schon zu spüren. Kein raffinierter packender Psychothriller mit Krawall, aber ein solider, nachvollziehbarer Krimi vor ansprechender Kulisse mit Figuren, die durchaus Potential haben. Ich bin sehr neugierig, wie sich die Zusammenarbeit der beiden Ermittler noch weiterhin gestalten wird.

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