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Veröffentlicht am 29.03.2021

Wie weit würdest Du gehen, um Dein Glück zu schützen?

Die Frau vom Strand
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Nachdem sie einen schweren Schicksalsschlag überwunden hat, geht es Rebecca endlich richtig gut. Sie führt mit ihrer Frau Lucy eine glückliche Beziehung und lebt mit ihrer fünf Monate alten Tochter Greta ...

Nachdem sie einen schweren Schicksalsschlag überwunden hat, geht es Rebecca endlich richtig gut. Sie führt mit ihrer Frau Lucy eine glückliche Beziehung und lebt mit ihrer fünf Monate alten Tochter Greta in Rerik an der Ostsee. Eines Tag erlebt sie bei einem Strandspaziergang eine merkwürdige Begegnung. Eine junge Urlauberin, Julia, steht splitterfasernackt vor Rebecca und bittet sie um Hilfe, ihr wurden die Kleider gestohlen. Rebecca befreit Julia aus dieser misslichen Lage, leiht ihr Kleidung und lädt sie daraufhin zum Kaffee ein. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb, werden rasch zu Freundinnen. Als Rebecca Julia zu einem Abendessen einlädt, erscheint diese ohne Erklärung nicht, obwohl sie fest zugesagt hatte. Rebecca sucht daraufhin überall nach Julia, doch diese bleibt spurlos verschwunden. Und dann kommt es zu einem weiteren tragischen Unglück.

Dank Petra Johanns angenehmen, flüssigen und lebendigen Schreibstils fiel es mir sehr leicht, mich auf die Geschichte einzulassen. Die Autorin erzählt anfangs aus Rebeccas Perspektive in Ich-Form, später schildert sie den Fall aus Sicht der Polizei, in Person der ermittelnden Kommissarin Edda Timm.

Autorin Petra Johann hat zweifelsohne interessante, reizvolle Figuren gezeichnet. Zunächst fühlte ich mich der Protagonistin Rebecca ziemlich nahe. Ihre Schilderung, wie sie Julia kennenlernt, ihre Gefühle dabei, fand ich gut verständlich und plausibel. Rebecca spricht die Leser direkt an, nimmt sie durch ihre sehr persönliche Darstellung der Vorkommnisse für sich ein. Doch ab dem zweiten Teil erfahren die Leser die Handlung nicht mehr aus Rebeccas Sicht, sondern aus der der Polizei. Dabei wird ein ganz anderes Licht auf Rebecca geworfen, verschiedene Zeugen betrachten und beurteilen sie von außen, dadurch wird das Bild der Person Rebecca immer verschwommener, zwiespältiger und unklarer.
Auch den Charakter von Rebeccas Freundin Lucy bekommen die Leser nicht aus ersten Hand mit, sie müssen sich erneut auf die Aussagen von anderen verlassen. Das macht diese Figuren für die Leser natürlich sehr spannend und rätselhaft.
Kommissarin Edda Timm ist ebenso eine Person mit Ecken und Kanten. Sie hat kaum Privatleben, lebt für die Arbeit, aber vielleicht trübt gerade das fast besessene Fokussiertsein auf den Fall ihre Sinne?

Was für ein packender, kurzweiliger Krimi! Nichts ist hier klar, immer wieder werden falsche Fährten gelegt und am Ende kommt doch alles wieder ganz anders und vieles ziemlich unerwartet. Obwohl der Roman weitgehend ohne Blut und Gewalt auskommt, ließ er mich des Öfteren richtig schaudern. Denn auch eiskalte Berechnung und Skrupellosigkeit kann Gänsehaut verursachen.
„Die Frau vom Strand“ ist für mich ein gut konstruierter, komplexer, aber dennoch klar nachvollziehbarer Krimi mit überzeugender, überraschender Auflösung. Ein Thriller, der einmal mehr zeigt, dass so mancher Unschuldiger ganz schnell zum Kriminellen werden kann, wenn das bedroht ist, was er liebt. Fesselnde Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 25.03.2021

Grellbuntes, spaßiges und spannendes Hexenabenteuer

Edgar, Ellen & Poe
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Ellen steht kurz vor der Aufnahme in die Hexengemeinschaft. Doch ausgerechnet vor ihrer allerletzten Prüfung beim Hexenfest auf dem Blocksberg in der Walpurgisnacht tauchen die Krawallhexen auf ihren fliegenden ...

Ellen steht kurz vor der Aufnahme in die Hexengemeinschaft. Doch ausgerechnet vor ihrer allerletzten Prüfung beim Hexenfest auf dem Blocksberg in der Walpurgisnacht tauchen die Krawallhexen auf ihren fliegenden Laubbläsern auf, ruinieren die Feier und legen alles in Schutt und Asche. Das will die Oberhexe der Besenhexen Hortensia-Emilia nicht auf sich sitzen lassen und schwört Rache. Dummerweise soll ausgerechnet Ellen zwischen den Hexen vermitteln, gemeinsam mit dem Raben der Oberhexe Edgar, mit dem sie gut befreundet ist. Doch dann kommt noch eine viel größere Gefahr auf die Hexen zu, ein gestrandeter Sturmriese. Und der ist gar nicht zimperlich und hat außerdem ziemlich viel Kraft.

Antje Leser schreibt kindgemäß, gut verständlich, klar und unheimlich witzig. Die einfallsreiche Namensgebung der verschiedenen Hexen beispielsweise ist ein echtes Vergnügen. Es finden sich Felgen-Helge, Touren-Tina oder die Frisöse genauso wie Erika oder eben Ellen unter dem Hexenvolk. Das Buch lässt sich flüssig vorlesen und an so manchen dezenten Anspielungen haben auch die Erwachsenen ihre Freude. Hier liest jede Altersklasse gerne mit, Kinder ab acht Jahren können die Geschichte sicher schon selbständig bewältigen. Alexander von Knorre liefert zur Handlung perfekt passende, amüsante Illustrationen. An seiner Darstellung vom Dönerhexenstand beispielsweise konnten wir uns gar nicht sattsehen.

Ellen ist eine gutherzige, sehr liebe, aber auch sehr pfiffige und überaus begabte Hexe. Sie hat meine kleinen Mitleser und mich sofort für sich eingenommen. Und auch die Raben Edgar und Poe mochten wir auf Anhieb. Ganz anders erging es uns da mit der Oberhexe Hortensia-Emilia. Die präsentiert sich ziemlich stur, sehr dominant, ist oft ungerecht zu anderen und würde nie über ihren Schatten springen. Und ihren eigenen Raben und Ellen behandelt sie auch nicht gerade freundlich. Im Streit mit den Krawallhexen offenbart sie ihre allerschlechteste Seite. Aber auch die Krawallhexen benehmen sich nicht wirklich vorbildlich. Dafür sind sie aber herrlich originell. Von currywurstmampfenden Hexen, die mit ordentlichen Getöse auf Laubbläsern fliegen, haben wir vorher jedenfalls noch nie gehört.
Insgesamt eine sehr gelungene und phantasievolle Figurenkonstellation. Und manche Charaktere sind trotz der starken Überzeichnung erstaunlich realistisch. Die eine oder andere Hortensia-Emilia, in abgeschwächter Form natürlich, ist mir auch schon begegnet.

Ob es Ellen und ihren Freunden gelingt, Frieden zu schaffen?
Ein wirklich spannendes, turbulentes und irre komisches Hexenabenteuer mit Riesen, Raben, strikten Veganern, Feministinnen, Umweltsauereien im großen Stil, politischen Erlassen und allerhand anderen Überraschungen. Auch wenn es schräg und lustig zugeht, erinnert das Buch doch ganz unaufdringlich daran, dass es immer gut ist, Kompromisse einzugehen, Toleranz zu üben- nicht nur gegenüber der eigenen Meinung- und einander zu unterstützen. So einfach ist ist das und so schwer. Aber zweifelsohne lebt es sich dadurch deutlich leichter und entspannter. Ein Riesenspaß für alle, die an Hexen, Riesen und Laubbläser glauben.

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Veröffentlicht am 25.03.2021

Von Schnudeln und merkwürdigen Geheimnissen aus der Nachbarschaft: rätselhaft und fast ein Krimi

Kiwi, Kalle und das Stadtgeflüster
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„Ein Leben ohne Schnudel ist möglich, aber sinnlos.“

Pelle ist ein Schnudel, eine Mischung aus Schnauzer und Pudel, er gehört Oma Matz. Da die nicht mehr so gut zu Fuß ist, geht Kalle jeden Tag mit Pelle ...

„Ein Leben ohne Schnudel ist möglich, aber sinnlos.“

Pelle ist ein Schnudel, eine Mischung aus Schnauzer und Pudel, er gehört Oma Matz. Da die nicht mehr so gut zu Fuß ist, geht Kalle jeden Tag mit Pelle Gassi. Die beiden sind beste Freunde und lernen eines Nachmittags Kirsten kennen, die für Oma Matz Einkäufe erledigt. Anfangs glaubt Kalle, dass sie eine typische, eingebildete Ballett-Prinzessin ist, doch das stimmt gar nicht. Als in der Nachbarschaft lauter seltsame Dinge passieren -die Frau vom Luftballonladen verschwindet, schwarze Ballons mit kleinen Döschen schweben herum und ein Fremder möchte Omas Matz Wohnung kaufen- ist Kirsten, die Kalle jetzt Kiwi nennt, mindestens genauso neugierig wie Kalle selbst. Die zwei versuchen gemeinsam mit Pelle, herauszufinden, was hinter den Vorkommnissen steckt. Dabei taucht immer wieder der gruselige Bestatter auf, der ständig vor seinem Geschäft Ausschau hält. Ob der mit all den Merkwürdigkeiten zu tun hat?

Susanne Weber schreibt kindgemäß und gut verständlich im Präsens, abwechselnd aus der Sicht von Kalle und Kiwi. Vor jedem Abschnitt ist jeweils der Schatten des entsprechenden Kindes abgedruckt, das aus seiner Perspektive erzählt, wie sich die Geschichte aktuell weiterentwickelt.
Mädchen und Jungen ab acht Jahren können das Buch sicher schon selber lesen. Motiviert werden sie dabei von den amüsanten, treffenden Illustrationen der Zeichnerin Julia Dürr. Die Lagepläne der Nachbarschaft bspw. helfen den Vorstellungen der Leser vom Schauplatz der Geschichte anschaulich auf die Sprünge.

Die witzigste Figur ist natürlich Pelle, der Schnudel. Ein Schnudel muss dem Namen nach schon einfach ein lieber, gemütlicher Zeitgenosse sein. Das ist bei Pelle, der nicht mehr der jüngste ist, definitiv der Fall. Aber auch die beiden menschlichen Hauptcharaktere Kalle und Kiwi sind nette, unkomplizierte, patente Kinder mit viel Phantasie. Mit ihnen werden sich die Leser leicht identifizieren. Die beiden beobachten sehr genau, ihre Neugier ist ansteckend. Schön auch, hautnah mitzuerleben, wie die noch junge Freundschaft von Kiwi und Kalle jeden Tag mehr wächst und sich die beiden immer besser verstehen und ergänzen.

Geschehen im Viertel wirklich Verbrechen?
Der Enthusiasmus der beiden Kinder bei ihren Ermittlung lässt sicher kaum einen Leser kalt, die Geheimnisse des Viertels entwickeln sich fast zum Krimi, Kalle und Kiwi werden beinahe zu Detektiven. Auch der Alltag gibt manchmal ganz unverhofft viele spannende Rätsel auf, wenn man sich nur richtig umguckt, das zeigen die drei Freunde eindrücklich. Und manche Leute sind ganz anders als sie wirken, man muss ihnen nur eine Chance geben. Eine sehr unterhaltsame Geschichte über eine neue Freundschaft und besondere Nachbarn. Es hat immer was für sich, sich für andere zu interessieren und auf sie zuzugehen. Eigentlich kann man dabei nur gewinnen. Und auch dieses Buch ist ein Gewinn für alle, die was für Rätsel übrig haben.

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Veröffentlicht am 18.03.2021

Wundervoller Abschluss einer wundervollen Reihe

Die Unausstehlichen & ich (Band 3) - Die Welt ist voller Wunder
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„Ich glaub, deshalb hab ich angefangen rotzusehen. Weil immer andere entschieden haben, was mit mir passieren soll. Jetzt also die größte Frage von allen: Warum fühlt es sich so schrecklich xxxxxx an, ...

„Ich glaub, deshalb hab ich angefangen rotzusehen. Weil immer andere entschieden haben, was mit mir passieren soll. Jetzt also die größte Frage von allen: Warum fühlt es sich so schrecklich xxxxxx an, dass ich auf einmal die Wahl habe, was mit mir passiert?“

Enni steht vor einer schweren Entscheidung. Aber vorher will sie den Saakser Geheimnissen endlich auf den Grund gehen. Warum darf ausgerechnet sie das Luxusinternat in den Bergen besuchen, auf dem abgesehen von Dante und ihr nur Kinder reicher Eltern gehen? Und weshalb existiert die Schule offiziell nicht? Um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten, möchte sie in München die Stiftung aufsuchen, die ihr Schulgeld bezahlt. Einen Ausflug nach München würde Schulleiterin Halbach nie erlauben. Also beschließen Enni und ihre Freunde an einem Theaterwettbewerb teilzunehmen. Die Gewinner dürfen ihr Stück in München aufführen. Ob Ennis Plan aufgeht?

Vanessa Walder schreibt aus Ennis Sicht in Ich-Perspektive. Und das tut sie auf unnachahmliche Enni-Art, mit messerscharfen Analysen, perfekt passenden Vergleichen und Bildern, frech und erfrischend mit Witz und Humor und natürlich mit geschwärzten Flüchen. Ein typischer Enni-Satz: „Wenn die Augen das Fenster zu Seele sind, dann hat Viola Dahlem keine Vorhänge.“
Ihre Geschichte erzählt Enni diesmal ihrem Vater im Gefängnis, den sie um Rat fragt. Sie schildert ihm das aktuelle Geschehen in einem Brief.
Besonderes Gespür hat die Autorin für ihre hintergründigen Kapitelüberschriften, die gleichzeitig so viel und nichts aussagen.
Auch den letzten Band um Enni hat Barbara Korthues wieder sehr passend und prägnant illustriert, oft genügt ein kurzer Blick auf das Bild und es ist sofort klar, wie sich die Figuren gerade fühlen.
Die Reihe richtet sich an Leser ab neun/zehn Jahren.

Enni ist einfach Enni. Sie ist hochintelligent und klug, abgeklärt, hat viel mehr erlebt als sie sollte, anstatt einfach nur Kind sein zu dürfen. Sie weiß, wie das Leben funktioniert, beobachtet ihre Umwelt genau, ist Expertin in Sachen Gefühle anderer. Nur was die eigenen Gefühle betrifft, damit hat sie Probleme. Die kann sie nicht so klar analysieren, wie sie das sonst tut, die kann sie nicht einschätzen. Ihre eigenen Gefühle hat sie nicht im Griff. Daher sieht sie immer wieder rot. Aber Enni entwickelt sich weiter, in diesem Band ganz besonders und nicht nur, weil sie den Mut hat, Sachen von sich preiszugeben, die bisher niemand wusste. Enni steht jetzt vor einer nie dagewesenen Herausforderung. Sie darf selbst für sich entscheiden, was ihr mehr als schwer fällt.
Auch die anderen Charaktere sind einzigartig: die blinde „Eisprinzessin“ Lillith, die bisher durch besondere Härte und Unberechenbarkeit hervorstach, Dante, der im Rollstuhl sitzt, sich davon aber nicht abhalten lässt, an Gerüsten zu klettern, Karan mit seinem Riesen-Körper, der „falsch verpackt“ ist, Lucky, bei dem der Name Programm ist und Mattis, der nichts so sehr hasst, wie als schwach angesehen zu werden. Sie alle sind für Enni mehr als Freunde geworden. Selbstverständlich tauchen auch wieder einige alte Bekannte auf, manche davon ziemlich überraschend.

Was hat es nun mit dem Saakser Internat genau auf sich? Wer ist Dantes Vater? Wer zahlt Ennis Schulgeld? Und wie wird es für Enni weitergehen?
Was die bisherigen Bücher auszeichnet, wird auch in „Die Welt ist voller Wunder.“ fortgesetzt. Der neue Band ist derart spannend und voller mysteriöser Geheimnisse, dass es unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen. Wie ein Krimi ohne Mordfall, aber mit extra vielen ungelösten Rätseln und dazu ganz vielen Wundern, allen voran dem Wunder von der Kraft und der Macht außergewöhnlicher Freundschaft. Selten hat mich ein Buch, das Schicksal einer Figur so mitgerissen und so berührt. Die Gefühle fuhren beim Lesen Achterbahn, sogar das ein oder andere Tränchen habe ich verdrückt. Für Enni und all die anderen Kinder, die ohne eigene Schuld in kaum erträgliche, ausweglose Situationen geraten, die nie eine Wahl hatten und sich dennoch pausenlos fragen, was sie falsch gemacht haben.
„Die Unausstehlichen und ich“ ist eine wirklich besondere Reihe. Ihr Abschluss lässt mich und meine Tochter traurig und glücklich zugleich zurück. Traurig, dass wir Abschied von den liebgewonnenen Figuren nehmen müssen, dass Ennis Geschichte nun zu Ende ist und glücklich, dass sie genau so zu Ende erzählt wurde. Wir können die Reihe jedem nur ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Vielversprechender Auftakt: ein bisschen Harry Potter, noch mehr Magie und ganz viel Spannung

Akademie Fortuna - Wenn Wahrsagen so einfach wäre
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Annivarsary Fortune, genannt Sorry, ist aufgeregt. Endlich wird sie die Akademie Fortuna, die Schule für Wahrsagerei, besuchen. Als Tochter der Schulleiterin steht sie unter besonderer Beobachtung und ...

Annivarsary Fortune, genannt Sorry, ist aufgeregt. Endlich wird sie die Akademie Fortuna, die Schule für Wahrsagerei, besuchen. Als Tochter der Schulleiterin steht sie unter besonderer Beobachtung und unter großem Druck. Von ihr werden selbstverständlich gute Leistungen erwartet. Leider hatte Sorry bisher noch nie eine „große Vision“, sie kann nur voraussehen, was sich in ein paar Sekunden ereignen wird, kleinere Unfälle im Alltag, aber keine wegweisenden Voraussagen. Das darf aber niemand wissen. Wie soll sie da an der Schule bestehen können? Die Sterndeuterfamilie Astra wittert ihre Chance, endlich die Schulleitung übernehmen zu können. Und dann taucht auch noch unvermittelt ein neuer Schüler auf, Ben Dulum, ein Nekromant. Seit Jahren gab es keinen Nekromanten mehr an der Schule, denn Nekromanten gelten als geächtet, nachdem ihr Oberhaupt vor Jahren versuchte, alle anderen Wahrsager gegeneinander aufzubringen und die Herrschaft zu übernehmen. Sorry sollte Ben eigentlich meiden, doch der lässt sich davon nicht beirren. Auch Hausmeistertochter Missy Harp, eine Nichtseherin, schließt bald Freundschaft mit Sorry.

Sarah M. Kempten schreibt humorvoll, unkompliziert und recht verständlich. Für ihre Figuren hat sie sich besonders originelle Namen ausgedacht wie Euphoria Fortune, Crystal Glass oder Estrella Taurus, die oft voller Anspielungen stecken. Die Namen machen Spaß, verwirren aber jüngere Leser, die kein Englisch können, sicher ein wenig. Daher ist das Buch frühestens für Leser ab zehn Jahren zu empfehlen.
Die Aufmachung des Buch ist sehr ansprechend. Das Cover mit den Hauptfiguren in der Mitte ist ein Hingucker, wirkt sowohl düster und geheimnisvoll, hat aber auch helle, freundliche Aspekte. Alicia Räths Illustrationen sind sehr individuell. Sie geben die Grundstimmung und die Emotionen der Figuren treffend wieder. Es macht Spaß, sie genauer zu betrachten.

Sorry kann einem anfangs nur leid tun, meine Mitleser und ich konnten uns rasch mit ihr identifizieren. Sie hat eine für den Alltag äußerst praktische Fähigkeit. Ihre Visionen kleiner Alltagsunfälle kann verhindern, dass sich Leute verletzen. Aber diese Gabe gilt in der Akademie nichts. Sie soll sie gar verstecken. Klar, dass sie da über kein Selbstbewusstsein verfügt und in ständiger Angst lebt, entlarvt zu werden. An ihren Vater erinnert sich Sorry gern: „Jede Vorhersage ist ein Wunder“, hatte er Sorry getröstet, wenn sie es wieder einmal nicht geschafft hatte, eine große Vision heraufzubeschwören. „Jede deiner Vision wichtig: egal wie klein. Und wer weiß: Vielleicht bist du ja die Begabteste von allen.“ Doch leider ist ihr Vater tot und nun hat Sorry niemanden mehr, der an sie glaubt. Die Bekanntschaft zu Hausmeistertochter Missy Harp kommt gerade recht. Missy, die ziemlich tollpatschig ist, der ein Missgeschick nach dem anderen passiert und die lieber in der Akademie herumstreunt, anstatt in die Schule zu gehen, erkennt sofort, dass Sorrys Talent besonders ist und Unglück verhindern kann. Sie bestärkt Sorry. Und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Ben, der Außenseiter mit dem Pendel, den Sorry mehr mag als sie dürfte.
Mitschülerin Estrella Taurus erweist sich bald als Sorrys Feindin. Sie sieht wie ihre gesamte Familie auf Sorry herab und lässt keine Gelegenheit aus, Sorry zu demütigen.

Ein wirklich interessantes Setting mit originellen Personen hat Autorin Sarah M. Kempen da konstruiert. Ähnlichkeiten mit Harry Potter sind unverkennbar. Hier gibt es keine verschiedenen Häuser wie Gryffindor oder Slytherin, dafür treten aber Vertreter der verschiedene Wahrsagedisziplinen wie Visionismus, Astrologie oder Chiromantie in Konkurrenz zueinander. Und Estrella Taurus erinnert mit ihrer unangenehmen Arroganz stark an Draco Malfoy, der ebenso stark unter dem Einfluss seines dominanten Vaters steht wie Estrella.
Ganz schön aufregend geht es in Sorrys Leben zu. Wird jemand hinter Sorrys Geheimnis kommen? Schaffen es die Taurus mit ihren Intrigen, an die Schulleiterstelle zu kommen? Und wer ist Ben Dulum wirklich und was hat er vor?
„Akademie Fortuna- Wenn Wahrsagen so einfach wäre“ ist eine packende Geschichte über eine starke Freundschaft, die nicht sein soll, mit viel Magie und Figuren, die mitreißen. Kein neuer Harry Potter, aber der gelungene, unterhaltsame Auftakt einer vielversprechende Reihe. Das Buch endet mit einem extremen Cliffhanger, der es mir und meinen Kindern ganz und unmöglich macht, die Fortsetzung nicht zu lesen.

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