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Veröffentlicht am 31.07.2020

Sag mir, welches Eis Du liebst und ich sage Dir, wer Du bist!

Immer mehr im Sommer
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Menschen, die Zitroneneis mögen, sind oft klar und strukturiert, sie polarisieren, und das bewusst – und es ist ihnen herrlich egal, ob sie gemocht werden oder nicht.
Denn fest steht: Wer Zitroneneis mag, ...

Menschen, die Zitroneneis mögen, sind oft klar und strukturiert, sie polarisieren, und das bewusst – und es ist ihnen herrlich egal, ob sie gemocht werden oder nicht.
Denn fest steht: Wer Zitroneneis mag, mag Auseinandersetzung.“

Lis ist gerade zwanzig und studiert in München. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Anna und Josy erlebt sie das, was Studentinnen typischerweise so erleben: Öde Vorlesungen, lustige Partys mit viel Alkohol, interessante Männerbekanntschaften und die Liebe. Für das Studium bringt Lis nicht so viel Leidenschaft auf wie für Eiscreme. Sie ist überzeugt, dass die Lieblingseissorte eines Menschen sehr viel über seinen Charakter verrät. Daher ist ihr Nebenjob, Eisverkäuferin bei einem Konditor, geradezu ideal für sie. Sie sammelt beim Eisverkauf interessante Erfahrungen und lernt dabei einiges über Menschen und das Leben.

„Immer mehr im Sommer“ liest sich spritzig, erfrischend wie Zitroneneis. Franziska Langhammers lockerer Erzählstil - der Roman ist aus Lis Sicht in Ich-Perspektive verfasst- brachte mir die Studentin recht schnell nahe.

Lis ist der klassische Stracciatella-Typ, sie weiß nicht genau, was sie will, also will sie am besten alles. „Das Bedürfnis nach einem sicheren Genuss ist größer als die Risikobereitschaft, und doch will man sich nicht mit etwas Herkömmlichen zufriedengeben“. Lis Umherirren, ihre Suche nach einem Ziel, in der Liebe wie im Leben oder im Beruf fand ich plausibel dargestellt. Nicht alle ihrer Entscheidungen waren für mich vernünftig und nachvollziehbar, aber angesichts ihres jungen Alters durchaus glaubwürdig. Auch Lis Freundin, die Medizinstudentin und Zitroneneisesserin Anna und die Überraschungswaffelliebhaberin Josy sind authentische Figuren. Josy ging mir allerdings mit ihrer überdrehten, penetranten Art manchmal auf die Nerven. Die Charakterisierung der Männer in Lis Leben, z.B. Jakob, der bodenständig und traditionell, einen Faible für Vanilleeis hat, empfand ich als passend und gelungen.

Was für eine originelle Idee, Menschen in Gruppen von „Eissortengenießern einzuteilen“! Knapp und übersichtlich zusammengefasst wird Lis Theorie übrigens noch einmal in einem Glossar als Anhang. Wer hätte gedacht, dass einem Eis und die Personen, die es mögen, so viel über das Leben erzählen können?! Dieser immer wieder auftauchende Gedanke, die „Typisierung der Eissortenliebhaber“, machte die nette Sommergeschichte für mich interessant und unterhaltsam. In der Mitte entwickelt das Ganze ein paar Längen, doch mit dem Wechsel des Schauplatzes kommt wieder Bewegung in die Handlung.
Insgesamt ein locker-leichter Roman, der in die oft sorglose Studentenwelt entführt, Lust auf Eis und Sommer macht und einen regelrecht dazu zwingt, sich mit seinen Eisvorlieben auseinanderzusetzen. Vielleicht erfährt man dabei ja wirklich etwas über sich selbst?

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Veröffentlicht am 31.07.2020

Das Sams bleibt sich treu: Grandiose Geschichte mit genial gereimten Gedichten

Das Sams 10. Das Sams und der blaue Drache
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Jetzt besitzt Herr Taschenbier zwar seine gewünschte Wunschmaschine, aber so richtig gut können er und das Sams nicht damit umgehen. Immer wieder drücken sie sich ungenau aus und beim Wünschen geht deswegen ...


Jetzt besitzt Herr Taschenbier zwar seine gewünschte Wunschmaschine, aber so richtig gut können er und das Sams nicht damit umgehen. Immer wieder drücken sie sich ungenau aus und beim Wünschen geht deswegen irgendwas schief. Als das Sams in Herrn Taschenbiers Abwesenheit die Maschine ohne dessen Erlaubnis missbraucht und dadurch ein ziemliches Chaos veranstaltet, stellt Herr Taschenbier die Wunschmaschine auf den Schrank und verbietet dem Sams, sie zu benutzen. Doch das Sams hätte sooo gerne einen blauen Flugdrachen. Und der Besitzer des Drachenladens ist gerade im Urlaub. Und seit wann hält sich das Sams überhaupt an Regeln?!

Paul Maar kann es noch. Er weiß, wie Kinder ticken und schreibt gut verständlich, kindgerecht und irre lustig wie zu seinen besten Zeiten. Auch hier unübertroffen wieder die genialen, famosen, einfach oberwitzigen Reime des Sams. Sogar die Kapitelüberschriften sind diesmal in Gedichtform formuliert. Das hat uns mindestens genauso gut gefallen wie die fabelhaften Illustrationen des Autors.

Wer das Sams nicht mag, ist wirklich selber schuld. Meine Kinder und ich sind die größten Fans, des liebenswerten frechen originellen Wesens, das jedes Wort auf die Goldwaage legt, zu jeder Gelegenheit einen passenden oder unpassenden Reim parat hat, aber es doch eigentlich nie böse meint. Uns scheint es in dieser Geschichte sogar ein klitzekleines bisschen vernünftiger als bisher. Papa Taschenbier verhält sich stets nett und verständnisvoll wie immer. Mit Frau Rotkohl lässt sich auch in diesem Band nicht gut Kirschen essen. Trotzdem sorgen die Vermieterin, die in diesem Buch stellenweise Herrn Lürchers Rolle aus den früheren Abenteuern einnimmt, und der sympathische Herr Mon mit seiner besonderen Redeweise für sehr amüsante Szenen.

„Das Sams und der blaue Drache“ ist eine Was-wäre-wenn-Geschichte. Was wäre, wenn die Wunschmaschine im zweiten Band nicht kaputt gegangen wäre? Vieles im Buch ist der heutigen Zeit angepasst, es geht etwas moderner zu als im zweiten Band. Der Spannungsbogen wird dauerhaft durch die Frage, wie es mit dem neuen geheimnisvollen Freund des Samses weitergeht, hochgehalten. „Langeweile muss nicht sein, immer wieder fällt dem Sams was ein.“ Auch wenn das Buch nicht ganz an die Originalität der ersten Bände herankommt, hatten wir auch diesmal wieder riesengroßen Spaß mit dem rothaarigen Kerl im Taucheranzug und haben dabei so manches fürs Leben gelernt, wie z.B. Samsregel 297 „Steht man vor dem Tisch zu zweien, muss man gar nicht heftig schreien, weil es auch viel leiser geht, wenn man dicht zusammensteht.“ Zum Vorlesen für alle Kinder ab fünf, sechs Jahre, die gerne lachen. Und wer tut das nicht?

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Veröffentlicht am 29.07.2020

Ruhiger, aber fesselnder cosy Krimi, der dänische Gemütlichkeit vermittelt

Dänische Schuld (Ein Gitte-Madsen-Krimi 2)
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Gitte Madsen ist in den dänischen Ferienort Marielyst gezogen, um herauszufinden, was genau mit ihrem Vater Mads passiert ist, der vor langer Zeit spurlos verschwand. Sie arbeitet als Bestatterin, doch ...

Gitte Madsen ist in den dänischen Ferienort Marielyst gezogen, um herauszufinden, was genau mit ihrem Vater Mads passiert ist, der vor langer Zeit spurlos verschwand. Sie arbeitet als Bestatterin, doch auch privat zieht sie den Tod fast magnetisch an. Als sie mit einem Freund im Restaurant Schou‘s zu Abend isst, bricht plötzlich neben ihr ein Mann, Lars Andresen, leblos zusammen. Hinterher stellt sich heraus, dass er keines natürlichen Todes gestorben ist, er wurde vergiftet. Gitte und ihr Chef Paul werden mit der Abwicklung der Beerdigung beauftragt. Der Sohn des Opfers, Björn, bittet Gitte, mit ihm gemeinsam auf eigene Faust zu ermitteln und den Mörder zu überführen. Bald schon merkt Gitte, dass sie verfolgt wird.

Frida Gonover hat einen angenehm natürlichen Schreibstil. Ohne Mühe konnte ich dem Geschehen folgen und fühlte mich rasch in Marielyst wohl.

Hauptfigur Gitte Madsen macht es einem sehr leicht, sie zu mögen. Sie ist neugierig, offen, natürlich, direkt, einfach sympathisch. Auch die anderen Figuren, die sich wie in Dänemark üblich alle duzen, wirken authentisch, zugänglich und bodenständig. Polizist Ole Ansgaard nennt einige von Gittes „halbseidenen“ Bekannten zwar „skurril“, aber sie sorgen alle dafür, dass das allseits bekannte Hyyge in diesem Roman deutlich zu spüren ist. Trotz des Mordes geht es in Marielyst beschaulich und gemütlich zu.

Bei „Dänische Schuld“ handelt es sich um den zweiten Band einer Reihe. Er ist auch ohne den ersten Teil „Ein dänisches Verbrechen“ gut zu verstehen. Hätte ich allerdings vorher gewusst, dass Gitte Madsen schon einmal ermittelt hat, hätte ich den ersten Band der Ordnung halber zuerst gelesen.
Nicht nur der Mordfall macht „Dänische Schuld“ so spannend. Auch Gittes Nachforschungen zu ihrem Vater und ihr Liebesleben weckten durchgehend meine Neugier. Üblicherweise fahre ich fast jedes Jahr nach Dänemark in den Sommerurlaub. Dieses Jahr hat es mit einem Dänemarkaufenthalt leider nicht geklappt. Trotzdem erlebte ich dank Frida Gonovers „cosy“ Krimi ein wenig Urlaubsgefühl, wohnt Gitte doch sogar mitten in einer Ferienhaussiedlung. Für alle, die ruhige Krimis und Dänemark schätzen, eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.07.2020

Vom Träumen, Fallen und Fliegen

Wo die Sterne tanzen
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„Nur wer nach den Sternen greift, lernt zu fliegen“
Musicaldarstellerin Nele, die in New York lebt, kehrt mit ihrer Tochter Annika auf die Insel Juist zurück, um das „Deichschlösschen“, das Haus ihrer ...

„Nur wer nach den Sternen greift, lernt zu fliegen“
Musicaldarstellerin Nele, die in New York lebt, kehrt mit ihrer Tochter Annika auf die Insel Juist zurück, um das „Deichschlösschen“, das Haus ihrer verstorbenen Oma Lotte zu verkaufen. Danach hofft sie mit Juist und ihrer Vergangenheit dort endgültig abschließen zu können. Zu viele Erinnerungen, schöne, aber auch schmerzhafte, verbindet sie mit der Insel, hat sie doch in ihrer Kindheit jeden Sommer bei Oma Lotte verbracht. Doch ihr Aufenthalt im Deichschlösschen und auf der Insel entwickelt sich schließlich ganz anders als erwartet...

Katharina Herzogs flüssiger, klarer Schreibstil sorgte dafür, dass ich sofort ohne Anlaufschwierigkeiten in der Geschichte „ankam“. Die Autorin erzählt nicht chronologisch, sondern schildert -scheinbar ungeordnet- verschiedene Situationen aus Neles Leben, Wendepunkte, entscheidende Begegnungen, die sich auf Juist aber auch in New York ereignen. Immer wieder webt Herzog kleine feine Lebensweisheiten in Gespräche ein, die Mut machen, Zuversicht ausdrücken und nur ganz selten etwas übertrieben ins Kitschige abdriften. Gut gefallen hat mir auch, dass manchen Kapitel Auszüge von Liedtexten aus Musicalsongs vorangestellt werden.

Ganz schön viele Personen haben in „Wo die Sterne tanzen“ wichtige Auftritte. Um nicht die Übersicht zu verlieren, findet man eine Beschreibung der wichtigsten Figuren auf der hinteren Umschlaginnenseite, für mich war diese sehr hilfreich. Mit Nele konnte ich mich sofort identifizieren. Ich verstehe ihre Gefühle gut, ebenso die Zwickmühle, in der sie sich befindet. Auch viele der anderen Figuren schienen mir plausibel, stimmig und sympathisch: die lebensfrohe Tochter Annika, Tanzschulbesitzerin Emily mit ihrer Weisheit und großen Lebenserfahrung, Neles Freund Jens, der trotz aller Widerstände seine Träume verwirklicht und eine tolle Beziehung mit Adam führt, oder auch Henry mit dem „Bad Guy Image“ und seinen Ecken und Kanten, der schon sehr viel Leid erleben und Abstürze am eigenen Leib erfahren musste. Lediglich Ben empfand ich als zu glatt, zu „gut“ und dadurch ein wenig unglaubwürdig.

Wie wird es mit Neles Karriere weitergehen? Wer ist ihr Mann fürs Leben? Um diese beiden Fragen dreht sich Herzogs Roman. Durchgehend wird dabei die Spannung aufrechterhalten. Nach und nach enthüllt sich Neles ganze Geschichte und wird kontinuierlich um spannende Details aus dem bewegten Leben der Protagonistin erweitert. „Wo die Sterne tanzen“ erzählt von ganz unterschiedlichen Beziehungen und ihren Rissen, „durch die das Licht kommt“, von Wendepunkten, Entscheidungen, von Träumen, Abschied und Neubeginn und natürlich von der Liebe. Hier herrscht nicht immer eitel Sonnenschein, Probleme der Einheimischen der Insel Juist, die sich das Leben heute dort oft nicht mehr leisten können, werden genauso angesprochen wie solche von Flüchtlingen oder die sozial schwacher Kindern aus der Bronx. Diese Vielfältigkeit an Themen macht Herzogs Roman zusätzlich reizvoll, interessant, unterhaltsam und einfach lesenswert.
„Heimat ist da, wo das Herz ist“. Neles Herz hängt sowohl an Juist als auch an New York, zwei Orten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein kleines bisschen verliebt war ich nach der Lektüre in beide Orte.
„Jeder Stern ist ein Traum, der nur darauf wartet, dass jemand mutig genug ist, nach ihm zu greifen“. Warum nicht gleich damit anfangen? Denn „es ist immer später, als man denkt.“

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Veröffentlicht am 26.07.2020

Bilderbuch für die Kleinsten, das durch seine außergewöhnliche graphische Gestaltung bezaubert

Lotta entdeckt die Welt: Im Wald
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Lotta, Opa und Hund Zottel gehen gemeinsam im Wald spazieren. Erstaunlich, was sie da alles entdecken! Bäume, Eichhörnchen, Rehe, Igel...Wie weich sich die Blätter anfühlen, wie rauh die Rinde! Im magischen ...

Lotta, Opa und Hund Zottel gehen gemeinsam im Wald spazieren. Erstaunlich, was sie da alles entdecken! Bäume, Eichhörnchen, Rehe, Igel...Wie weich sich die Blätter anfühlen, wie rauh die Rinde! Im magischen Wald gibt es für die drei sehr viel zu erleben.

„Lotta entdeckt die Welt im Wald“ aus der Ravensburger Edition „Mein Naturstart“ besticht durch eine ganz besondere graphische Gestaltung. Lotta, Opa, die Tiere und manche Pflanzen sind gezeichnet, der Wald ist allerdings „echt“, also fotografiert. Das macht das kleine Buch zum echten Hingucker. Die Idee, Fotos mit Illustrationen zu verbinden, gefällt mir sehr gut, Lotta und Hund Zottel sind niedlich gemalt.
Autorin Sandra Grimm formuliert ihren Text einfach und kindgemäß. Manche Wörter, die betont werden sollen, wie ein lautes Fettes „KNACK“ oder ein großes „Groß“ und ein kleines „Klein“ sind auf besondere Art gedruckt, das wird aber nicht konsequent bei allen lautmalerischen Begriffen oder Eigenschaften durchgehalten. Das Buch ist für Kinder ab 18 Monaten empfohlen, ich würde es allerdings eher mit Zweijährigen lesen, sie verstehen den Inhalt sicherlich noch besser und genauer.

Viel passiert nicht in der Geschichte, es geht hauptsächlich darum, die Magie und den Zauber des Waldes einzufangen und den kleinen Lesern zu vermitteln. Und das ist der erfolgreichen Autorin Sandra Grimm und der Illustratorin und Fotografin Katja Senner durchaus gelungen. Ein interessantes, „zauberhaftes“ Buch für kleine Waldentdecker, das sich Kinder aufgrund der besonderen Bildgestaltung sicher immer wieder gerne anschauen werden.

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