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Veröffentlicht am 12.05.2026

Facettenreich

Vier Minuten Stille - Und dann kam der Sturm
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Es ist ein eisig kalter Wintertag, Neuschnee ist gefallen und eine tote Frau liegt in ihrem Garten. Fast unbekleidet wurde sie auf einem Liegestuhl abgelegt. Das LKA nimmt die Ermittlungen auf, denn Rahel ...

Es ist ein eisig kalter Wintertag, Neuschnee ist gefallen und eine tote Frau liegt in ihrem Garten. Fast unbekleidet wurde sie auf einem Liegestuhl abgelegt. Das LKA nimmt die Ermittlungen auf, denn Rahel Keller wurde ermordet.

16 Jahre zuvor lernt Rahel an einem Sommerfestival einen jungen Mann kennen und ist bezaubert von ihm.

Doch das Festival verwandelt sich für sie in einen Albtraum, denn sie wird von ihm getrennt und von einem anderen Festivalbesucher bedroht.


Nach "Fünfzehn Sekunden" ist dieses Buch der zweite Band der Wase Rahini Reihe. Rahini ist der zuständige Ermittler des LKA in diesem neuen Fall und hat auch schon im ersten Band sein Können gezeigt. Vorwissen ist meiner Meinung nach unbedingt nötig. Erstens, da ab und zu Vergangenes erwähnt wird und zweitens die Beziehung zwischen Wase und Bär, einer Figur aus dem vorderen Band, wichtig wird. So kann man vor allem die Sicht von Lennart Bär besser verstehen.

Ich fand dieses zweite Buch zuerst weniger in die Tiefe gehend als sein Vorgänger. Es kommen viele Informationen zu den einzelnen Figuren, dabei gehen die Ermittlungen zeitweise etwas vergessen. Immer wieder tritt die Handlung auf der Stelle.

Passagen, wie zum Beispiel die Untersuchung des Tatorts oder die Autopsie der Toten, bremsen diese für etliche Seiten komplett aus. Dadurch musste ich mich zu Beginn schon sehr durchkämpfen. Mit der Figur Louca, der sechzehnjährigen Tochter der Toten, nimmt die Geschichte jedoch bald an Fahrt auf und wird facettenreicher. Plötzlich geht es nämlich nicht mehr nur um den Mord, dort im Garten des Opfers, sondern wird mit einem zweiten Mord und einem Cold Case ergänzt.

Die Autorin schreibt in einem eher unruhigen Schreibstil, der mir jedoch grundsätzlich gefallen hat. Unruhig, da der Stil eine Mischung von stakkatoartig und detailreich ist. Manchmal kommen verspielt ausgeschmückte Sätze dazu.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Freundschaft und Loyalität

Was wir verschweigen
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Eine Gruppe Randständiger feiert in einem Wochenendhaus. Es geht hoch zu und her und plötzlich ersticht ein Mann einen anderen mit einem Brotmesser.

Der Täter flüchtet und wird noch am selben Abend von ...

Eine Gruppe Randständiger feiert in einem Wochenendhaus. Es geht hoch zu und her und plötzlich ersticht ein Mann einen anderen mit einem Brotmesser.

Der Täter flüchtet und wird noch am selben Abend von der Kripo Pori festgenommen. Der Fall scheint gelöst.

Doch Kommissar Jori Paloviita ist von der Unschuld des Festgenommenen überzeugt. Er kennt den vermeintlichen Täter nämlich gut, schliesslich war er in der Schule sein bester Freund. Mit ihm ist er durch dick und dünn gegangen und verdankt ihm sein Leben.


Dieses Buch ist einer dieser Krimis, in dem der Gedanke aufkommt, dass das Opfer seinen Tod herausgefordert hat. Ja, ein Stück weit verdient hat. Mein Mitleid für den Ermordeten hielt sich in Grenzen, wenn ich ehrlich bin. Regelmässig werden nämlich Kapitel seiner Jugendzeit gewidmet und da geht es rund. Das spätere Opfer war im Jahr 1991 ein Jugendlicher, der mobbt, quält und kriminell ist. Bekommt er nun als Erwachsener die Quittung für sein Verhalten?

Ungewöhnlich und spannend ist, dass auch der ermittelnde Kommissar zu Schulzeiten unter ihm gelitten hat. Die Mischung zwischen professioneller Objektivität und Gefühlen wie Abneigung, Wut und nachtragend sein, ist sehr berührend in der Figur Jori Paloviita vereint.

Berührend ist auch seine Freundschaft zu einer Schlüsselfigur in der Mordermittlung. Zwei Freunde, die 1991 als 13-Jährige durch dick und dünn gehen, anschliessend aus den Augen verlieren und sich plötzlich zwischen Loyalität und Freundschaft entscheiden müssen. Das ist die starke Seite der Geschichte. Etwas weniger stark und langatmig empfand ich die Einführung in die Figuren. Arttu Tuominen liess sich zu Beginn des Buches viel Zeit damit und es dauert etwas, bis Spannung aufkommt.

Dieses Buch ist der erste Fall einer Reihe und im Mittelpunkt steht Jori Paloviita. Seine Kollegen Linda Toivonen und Henrik Oksman werden eingeführt, haben jedoch eher eine Nebenrolle. Die beiden werden in den nächsten Bänden wohl ihre Hauptrolle bekommen und darauf freue ich mich sehr. Auftakt gelungen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sachlicher Schreibstil

Schlaf
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Margaret lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern Helen und Jo in New York. Sie ist geprägt von ihrer Kindheit mit einer narzisstischen Mutter, die nun im Sterben liegt.

Margaret kehrt nun ...

Margaret lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern Helen und Jo in New York. Sie ist geprägt von ihrer Kindheit mit einer narzisstischen Mutter, die nun im Sterben liegt.

Margaret kehrt nun ins Elternhaus in New Jersey und zu der sterbenden Elisabeth zurück.

Sie muss Abschied nehmen, aber auch Ungesagtes aus der Kindheit bereinigen und sich ihren Erinnerungen stellen.




Honor Jones hat ihrem Debütroman den Titel "Schlaf" gegeben und tatsächlich ist der Zustand des Schlafes ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Protagonistin Margaret erfährt nämlich nachts, als Zehnjährige, Übergriffe durch ihren älteren Bruder. Diese werden jedoch äusserst sachlich und unaufgeregt erzählt.

Die Kindheit Margarets, in einer eher toxischen Familie, dient als Einstieg in das Buch. Sie wächst mit Bruder Neil, Vater Hugh und Mutter Elisabeth auf und zumindest zwei der vier Familienmitglieder sind psychisch seltsam. Bruder Neil ist nicht nur seltsam, sondern auch übergriffig. Mutter Elisabeth ist immer bereit ihre Tochter zu piesacken und den Sohn vorzuziehen. Mir hat das kleine Mädchen, deren Stütze und Halt nicht etwa Vater Hugh, sondern ihre beste Freundin Biddy ist, leid getan. Es gibt da ein paar Passagen, da lief es mir trotz aller Sachlichkeit kalt den Rücken hinunter.

Abrupt wechselt die Geschichte nach einem Drittel und Margaret ist 35 Jahre alt, geschieden, Mutter von zwei kleinen Töchtern und geprägt von der schwierigen Kindheit und der Beziehung zu ihrer Mutter. Sie hat sich zu einer überbehütenden Mutter entwickelt und muss sich nun mit dem baldigen Tod ihrer Mutter auseinandersetzen. Margaret denkt oft zurück an ihre Kindheit und kurze Einspieler davon wurden in die Handlung in der Gegenwart eingesetzt.

Horor Jones schreibt in einem leicht holperigen Schreibstil. Zum grössten Teil ist der Stil sachlich, was einerseits bei oben erwähnten Passagen erleichternd ist und andererseits halt auch automatisch zu den Figuren eine Distanz erzeugt.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Finnland-Krimi-Fieber

Was wir ihnen antun
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Laura Törmänen ist 13 Jahre alt als sie verschwindet. Ihre Mutter Eveliina meldet sie bei der Polizei als vermisst. Hauptkommissarin Linda Toivonen muss zwei Tage später den Vermisstenfall als Mordfall ...

Laura Törmänen ist 13 Jahre alt als sie verschwindet. Ihre Mutter Eveliina meldet sie bei der Polizei als vermisst. Hauptkommissarin Linda Toivonen muss zwei Tage später den Vermisstenfall als Mordfall einordnen.

Laura wurde ermordet und ihr Chatverlauf zeigt, dass sie intensiv Nachrichten mit einem User, der sich Peter Pan nennt, ausgetauscht hat.

Die Kripo in Pori entdeckt, dass weitere vermisste Kinder wohl auf dieselbe Masche hereingefallen sind und decken auf, dass auch sie mit Peter Pan geschrieben hatten.


Obwohl dieses Buch hier der vierte Band der Reihe ist, hatte ich keinerlei Verständigungsschwierigkeiten. Die kriminalistische Seite ist in sich abgeschlossen und im Privatleben der Ermittler wird Wichtiges kurz erklärt. Dieser Band hat mir nun definitiv Lust auf mehr gemacht und ich habe mir direkt den ersten Band bestellt. Man kann also sagen, dass Finnland-Krimi-Fieber hat mich gepackt.

Zentrales Thema sind Jugendliche, auf der Suche nach ihrer Identität, die im Internet in diversen Foren herumstreifen. Dabei geraten sie in ein Haifischbecken der Kriminalität und skrupellosen Männern, die Schlechtes im Sinn haben. Topaktuell beschreibt Arttu Tuominen über die Gefahren der heutigen Kinder, auf der Schwelle zum Erwachsen werden. Mir ist diese Serie an Vermissten und Toten sehr eingefahren, handelt es sich doch hauptsächlich um 12- bis 14-Jährige. Andererseits haben diese Gräueltaten leider einen Bezug zur Realität.

Protagonistin Linda Toivonen ist selbst Mutter einer Tochter in dem Alter der vermissten Mädchen. Ihre Angst, dass ihr Kind auch in die Fänge von Peter Pan gerät, konnte ich nachvollziehen. Ihre Reaktionen sind teilweise grenzwertig, aber auch dieser alles einnehmenden Angst geschuldet.

Ebenfalls nachvollziehbar ist, dass sie alkoholabhängig wurde. Dies, obwohl sie mit einer alkoholabhängigen Mutter aufwuchs und genau dieselben Muster zeigt, wie diese. Kursiv geschriebene Kapitel zeigen zudem Sequenzen aus der Jugendzeit Lindas, in der ein zusätzlicher Grundstein für ihre Sucht gelegt wird. Der Autor hat die Protagonistin durch und durch labil und überzeugend charakterisiert und es mir oft nicht leichtgemacht, sie zu mögen oder zu akzeptieren. Allerdings hatte ich auch Mitleid mit ihr und sie hat mich berührt.

Viele verschiedene Spuren, denen die Ermittler nachgehen, lassen rätseln und machen die Geschichte vielseitig und lebendig. Ich habe mich bestens unterhalten und wurde überrascht von der Auflösung.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Unglücklicher Aufbau

Home Before Dark
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Zehn Jahre nach dem Verschwinden ihrer älteren Schwester kehrt Marsibil Karvelsdottir in das Dorf, in dem sie aufwuchs, zurück. Die junge Frau lebt heute in Reykjavik und hat immer wieder wirre Träume, ...

Zehn Jahre nach dem Verschwinden ihrer älteren Schwester kehrt Marsibil Karvelsdottir in das Dorf, in dem sie aufwuchs, zurück. Die junge Frau lebt heute in Reykjavik und hat immer wieder wirre Träume, die mit dem Verschwinden von Stina zusammenhängen könnten.

Stina verschwand damals genau an dem Ort, an dem eigentlich Marsi hätte sein sollen. Die damals 15-jährige Marsi hatte an der Brücke mit einem heimlichen Brieffreund abgemacht, das Treffen jedoch aus Nervosität platzen lassen. Und genau dort bei der Brücke wurde Stunden später Stinas blutverschmierte Jacke gefunden.

Nun in der Gegenwart bekommt Marsi einen Brief und macht sich auf die Suche nach ihrer Schwester. Sie will nach all den Jahren endlich wissen, was mit Stina geschah.


Das ist das fünfte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe und das bisher weitaus schlechteste. Was gleich bleibt, ist die düstere Atmosphäre in diesem Island Krimi. Man spürt die Kälte, die karge Landschaft und vor allem die mystische Stimmung regelrecht.

Was neu ist, ist die absolut spannungslose Handlung, die vielen, endlosen Wiederholungen und die Ahnung, worauf es hinauslaufen könnte. Das kenne ich von der Autorin anders. Irgendwie zerredet die Autorin das bisschen Spannung, die zu Beginn mitläuft. So habe ich mich gefragt, ob Stina noch am Leben ist oder tatsächlich ermordet wurde. Um das herauszufinden, dreht Marsi fast jeden Stein um und das wortwörtlich.

Viele Figuren mischen mit, immer neue Bekannte tauchen auf und das in grosser Zahl. Da die Geschichte zudem auf zwei Zeitebenen und in zwei Ich Perspektiven geführt wird, wird sie sehr komplex. Eine Komplexität, die zu Lasten der Spannung geht. Denn ständig musste ich überlegen, wer denn nun schon wieder wer ist und wo die Erzählung anknüpft. Da die beiden Ich Perspektiven aus der Sicht einer Jugendlichen (Stina) und einer jungen Erwachsenen (Marsi) sind, wird es oft pubertär. Liebeleien, Flirts, Alkohol und Partys spielen eine Rolle in diesen Perspektiven.

Dabei ist der Schreibstil nicht per se schlecht und ich weiss, dass die Autorin schreiben kann. Unglücklich empfand ich den Aufbau und die Realisierung des Plots.

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