Profilbild von Igela

Igela

Lesejury Star
offline

Igela ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Igela über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Überraschend

Geliebte Schwester
0

Tasha und Aaron Harper fahren für eine Woche nach Venedig, in das Appartement von Tashas Schwester Alice. Sie und ihr Mann Kyle kommen dafür nach Bristol. Das kinderlose Paar passt in der Zeit auf die ...

Tasha und Aaron Harper fahren für eine Woche nach Venedig, in das Appartement von Tashas Schwester Alice. Sie und ihr Mann Kyle kommen dafür nach Bristol. Das kinderlose Paar passt in der Zeit auf die dreijährigen Zwillingstöchter der Harpers auf.

Am zweiten Abend des Haustausches wird in das Haus der Harpers eingebrochen und Schreckliches geschieht. Tasha und Aaron fliegen sofort nach Hause nach Chew Norton und sind in erster Linie zwar froh, dass die Zwillinge alles unbeschadet überstanden haben.

Gleichzeitig fühlen sie sich schuldig an Alices Schicksal, denn der Überfall geschah ja in ihrem Haus. Tasha ist überzeugt davon, dass der Anschlag ihr gegolten hat und fühlt sich in dem Haus nicht mehr sicher. Doch wer hat es auf sie abgesehen und weshalb?


Einmal mehr hat mich die Autorin mit ihrer Art von Spannungsgeschichten überzeugt. Sie mischt Familienleben mit kriminalistischen Elementen und das Resultat ist ein fesselndes, jedoch durch und durch unblutiges Drama. Eine Prise Familiengeheimnis würzt das ganze zusätzlich. Thriller würde ich die Geschichte wohl nicht nennen. Denn dazu gibt es zu wenige Elemente, die einen Thriller ausmachen. Spannend ist es allemal, denn mehrere Fragen und Identitäten müssen geklärt werden. Etliche Wendungen machen die Geschichte unvorhersehbar und das ist das, was die Autorin hervorragend kann: Überraschungen einstreuen, die logisch sind und Sinn ergeben.

Was erst subtil angedeutet wird, ein einschneidendes Erlebnis in Tashas Kindheit, bekommt mehr und mehr Bedeutung. Im Oktober 1989 ist nämlich etwas geschehen, das nicht nur Tashas Leben, sondern auch das ihrer älteren Schwester Alice und ihrer Mutter Jeanette geprägt hat. Ich habe mich das ganze Buch über gefragt, ob dieses Ereignis mit den Überfällen in der Gegenwart verknüpft ist. Nicht nur Alice und Kyle werden nämlich überfallen, auch die Harpers werden in Venedig von einem Mann bedroht.

Claire Douglas konnte mich auch mit ihrem neusten Buch, das die Schwestern Harper vor verschiedene Herausforderungen stellt und die Gegenwart eng mit Geschehnissen der Vergangenheit verknüpft, abholen und begeistern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Horror-Thriller

Komm spielen
0

Autorin Annie Blunt, die mit ihren Kinderbüchern bekannt geworden ist, benötigt dringend ein Tapetenwechsel. Nach dem Tod ihres Mannes John ist sie alleinerziehend und möchte mit ihrem Sohn Charlie eine ...

Autorin Annie Blunt, die mit ihren Kinderbüchern bekannt geworden ist, benötigt dringend ein Tapetenwechsel. Nach dem Tod ihres Mannes John ist sie alleinerziehend und möchte mit ihrem Sohn Charlie eine Weile weg aus New York.

Ihr Lektor mietet für Mutter und Sohn ein Haus in Castle Creek, einem Städtchen auf dem Land. Kaum angekommen, gehen merkwürdige Dinge in dem Haus vor. Zudem wird ein toter Mann in einem Strassengraben in Lucknow, unweit von Annies neuem Zuhause, gefunden. Als sich noch ein weiterer Unfall ereignet, weiss Annie nur eines: Sie muss so schnell wie möglich mit Charlie weg ...


Die Geschichte beginnt 2011 aus der Sicht von einem kleinen Jungen, der eine elektrische Eisenbahn bekommt. Er ist mit einer bösartigen, älteren Schwester geschlagen. Die drei Jahre ältere Glynis quält ihren kleinen Bruder Jeremy, wo sie kann und ich hatte Mitleid mit ihm.

Das Leben der Familie verwandelt sich schon bald zur Katastrophe und ist federführend für die folgende Handlung, die sich in der Gegenwart abspielt. Hier benötigte ich erst einmal Durchhaltewillen. Denn scheinbar endlos lange führt der Autor seine Leser in das Leben von Annie Blunt und ihrem Sohn Charlie ein. Es geht oft um die Annies Arbeit an ihren Kinderbüchern mit einem Pinguin als Protagonisten, der Arbeit von Annies verstorbenem Mann und dem Plot gebenden Thema Modelleisenbahnen und rund um deren Bau und Faszination.

Es dauert und dauert bis wieder Thrill in die Story fliesst. Das geschieht ab der Ankunft von Mutter und Sohn in dem seltsamen Haus, das sie gemietet haben. Ab da geht es Richtung Horror und spielt mit übernatürlichen Elementen. Splitterwelten lassen grüssen. Eine Richtung, die ich nicht erwartet habe und bei der ich zweigeteilt bin. Einerseits hat mir die unterschwellige gruselige Atmosphäre dort in dem Spukhaus gefallen. Andererseits ahnte ich, dass der Grund dafür mystische, übernatürliche Energien sind. Ich habe es nicht so mit Geschichten, die einen Fantasy ähnlichen Touch haben. "Komm spielen" gehört bedauerlicherweise dazu, auch wenn man das aus dem Klappentext nicht heraus lesen konnte.

Linwood Barclay hat einen Horror-Fantasy-Thriller geschrieben, der mich leider aus den obengenannten Gründen nicht ganz erreichen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Persona nun grata!

Sharing – Willst du wirklich alles teilen?
0

Ihr Sharing Unternehmen läuft gut, Markus und Bettina Kern sind zufrieden. Ihre Idee, dass teilen ökologischer ist als besitzen, bekommt bei vielen Zuspruch. Doch genau dieses Motto wird dem Paar zum Verhängnis. ...

Ihr Sharing Unternehmen läuft gut, Markus und Bettina Kern sind zufrieden. Ihre Idee, dass teilen ökologischer ist als besitzen, bekommt bei vielen Zuspruch. Doch genau dieses Motto wird dem Paar zum Verhängnis. Denn Bettina wird entführt und festgehalten.

Die Folgen dieser Entführung werden im Darknet geteilt und Markus wird erpresst. Wenn er seine Frau lebend wiedersehen will, muss er tun, was von ihm verlangt wird. Als Tochter Leonie auch in diese Erpressung hineingezogen wird, sieht Markus sich vor den Trümmern seines Lebens. Ein Wettlauf gegen die Zeit und die Entführer beginnt.


Was Arno Strobel hier geschrieben hat, ist harte Kost und ganz sicher nichts für sensible Leser. Roh, brutal und ein Psychoschocker par excellence.

Markus Frau und die 15-jährige Tochter Leonie werden entführt. Wie diese Entführungen ausgehen, verrate ich hier nicht. Man sollte sich aber auf einiges gefasst machen betreffend Gewalt, Erpressung und grauenhaften Situationen.

Der Carsharingbesitzer sieht sich mit einer abscheulichen Form des "Teilens" konfrontiert. Er wird aus perfiden Gründen zu einer "Persona non grata". Markus Verzweiflung, seine Ohnmacht und die Versuche seine Familie zu retten, haben etwas, was mich im Innersten getroffen hat. Kaum auszudenken, was er durchmachen muss. Dazu kommt, dass sich der Protagonist(und wir Leser) immerzu fragen muss, wem er trauen kann und wer ein falsches Spiel mit ihm spielt. Sind die Ermittler wirklich echt? Kann er seinen Schwiegereltern, einem befreundeten Paar oder der besten Freundin seiner Frau trauen? Wer verrät ihn an die Polizei, die Markus verbissen sucht?

Betroffen haben mich auch die kursiv geschriebenen Kapitel aus der Sicht der Opfer gemacht. In denen wird detailliert beschrieben, was sie erleben.

Gleichzeitig hat mich die Frage nach dem Grund des Ganzen durch das Buch getrieben. Sehr kreativ die Auflösung, die sich Herr Strobel da ausgedacht hat. Das meine ich weder ironisch noch abwertend, sondern anerkennend.

Ein Psychothriller, der mit Recht seinen Namen trägt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
0

Drei Nachbarsjungen spielen im Wald, direkt neben ihrem Zuhause in Trelleborg, Südschweden. Zwei kehren zurück, der achtjährige Robin verschwindet spurlos.

Polizeimeisterin Gunni Hilding, die sich in ...

Drei Nachbarsjungen spielen im Wald, direkt neben ihrem Zuhause in Trelleborg, Südschweden. Zwei kehren zurück, der achtjährige Robin verschwindet spurlos.

Polizeimeisterin Gunni Hilding, die sich in der Gegend bestens auskennt, wird überraschend in das Dezernat für Gewaltverbrechen integriert. Nicht einfach für die junge Polizistin, denn sie kennt viele der involvierten Personen von früher.

Fünf Jahre später wird wieder ein Kind vermisst und nur Gunni stellt die Parallelen zu dem Fall rund um den achtjährigen Robin her.



Dies ist der äusserst gelungene Auftakt in eine neue Thrillerreihe, die in der südlichsten Provinz von Schweden handelt. Es geht zur Sache. Skandi - Crime vom Feinsten ist nicht nur ein Werbeslogan, sondern genau das, was ich mit diesem Buch bekommen habe.

Viele falsche Spuren, die der Autor gelegt hat, haben mich durch das Buch getrieben. Wer ist für die Tat an den kleinen Jungen verantwortlich? Ist es einer der Spielkameraden oder der im Dorf bekannte Einsiedler, genannt Ekel-Bengt? Oder hat etwa der Stiefvater seine Hände im Spiel? Auch zwei junge Männer, die in der Nähe wohnen, sind äusserst verdächtig. Ebenso wie der kinderlose Mann aus der Nachbarschaft. Es ist und bleibt bis zum Schluss spannend, denn die Auflösung erfährt man erst auf den allerletzten Seiten des Buches.

Wir erleben hier, in diesem ersten Band, die Einführung in eine äusserst interessante Ermittlerin. Gunni Hilding, die sich aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas loseisen konnte, wirkt unsicher und leicht gehemmt. Damit ist sie sehr überzeugend. Denn die junge Polizeimeisterin sieht sich plötzlich mit Idolen aus ihrer Jugendzeit konfrontiert, mit denen sie nun zusammenarbeiten soll. Sie verfügt über ein unheimlich gutes Gespür für Zeugen, Verdächtige und Teammitglieder. Jetzt muss sie nur noch lernen, sich durchzusetzen und nicht vor Ehrfurcht zu erstarren. Aber das wird schon. Denn schliesslich ist das hier ja der Auftakt. Das offene Ende in ihrem Privatleben bereitet den Übergang zu Band zwei vor.

Wohltuend empfand ich den Aufbau der Geschichte. Mattias Edvardsson erzählt chronologisch und ohne komplizierte Perspektiven und Ortswechsel. Tatsächlich gibt es auch nur zwei Zeitebenen. Ein Teil handelt 1989 und der zweite Teil 1994, mit fast denselben Figuren wie zuvor. Mit dieser Einfachheit im Aufbau kann man sich völlig auf den Inhalt konzentrieren, was ich sehr geschätzt habe.

Für mich ist dieses Buch ein Highlight und ich werde mir weiter Bände vormerken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2026

Cleverer Plot

Nebelbeute
0

Die Jagd beginnt!

Vor allem, wenn es nach Mila Weiss von der Sonderermittlungsgruppe vier geht. Sie fährt in die Berge, denn der gesuchte Johannes Toblach soll sich in einem abgelegenen Dorf aufhalten. ...

Die Jagd beginnt!

Vor allem, wenn es nach Mila Weiss von der Sonderermittlungsgruppe vier geht. Sie fährt in die Berge, denn der gesuchte Johannes Toblach soll sich in einem abgelegenen Dorf aufhalten. Mila will ihn endlich stellen und erfahren, wo die beiden entführten Mädchen Romy und Mathilda sind.

Als sich die junge Kommissarin nicht mehr meldet, ist die Gruppe vier zutiefst beunruhigt. Ihr Leiter, Jakob Krogh, ordnet an, dass nach Mila gesucht wird. Da in dem Dorf Menschen ermordet werden, befürchten die Ermittler, dass der Serienmörder auch ihre Kollegin in seiner Gewalt hat.


Anders als bei seinem Vorgänger "Aschesommer" hatte ich Anpassungsschwierigkeiten mit diesem dritten Band. Ich habe befürchtet, dass sich die ganze Story um den altbekannten und perfiden Täter Johannes Toblach und Mila Weiss dreht. Also eine Ausweitung von Band zwei ist. Bis dann ein toter Mann, aufgehängt und grausig inszeniert, entdeckt wird. Es geht danach Schlag auf Schlag, denn schon bald wird ein Mann in der örtlichen Sägerei ermordet aufgefunden. Auch damit ist es nicht vorbei mit gruseligen Passagen, denn eine besondere Überraschung wird aus dem See gehoben.

Genau hier hat Benjamin Cors draufgesetzt an Spannung, Nervenkitzel und Wendungen. Ich habe zeitweise atemlos die Seiten umgeblättert.

Ich denke anders als beim zweiten Teil sollte man hier, bei Teil drei, Vorwissen haben. So, dass man einordnen kann, weshalb Mila so verbissen nach Toblach sucht.

Das Setting ist sehr gelungen. Ein kleines Dorf mit einer Kneipe, in der sich das soziale Leben abspielt. Die Einheimischen sind teilweise sehr zugeknöpft und misstrauisch gegenüber Fremden. Unter diesen Bedingungen sind die Ermittlungen weder einfach noch fruchtbar. Für logisch aufgebaute Ermittlungsergebnisse ist mir Benjamin Cors bekannt. In "Nebelbeute" ist ihm das auch wieder hervorragend gelungen. Was zu Beginn einseitig erschien, entpuppt sich schlussendlich zu einem abwechslungsreichen, überraschenden Thriller mit einem cleveren Plot!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere