Profilbild von Igela

Igela

Lesejury Star
offline

Igela ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Igela über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2025

Auffällig unauffällig.

Die Tochter des Serienkillers
0

Eine Frau wird nach einem Pub-Besuch auf offener Strasse verschleppt. Die Einwohner von Coleton Combe sind entsetzt. Eine Einwohnerin ist mehr als entsetzt, denn gleich nach der Tat tauchen vor ihrer Haustüre ...

Eine Frau wird nach einem Pub-Besuch auf offener Strasse verschleppt. Die Einwohner von Coleton Combe sind entsetzt. Eine Einwohnerin ist mehr als entsetzt, denn gleich nach der Tat tauchen vor ihrer Haustüre Päckchen mit grausigem Inhalt auf. Jenny Johnson, die mit ihrem Mann Mark und den beiden Kindern in dem Ort lebt, wollte eigentlich ihre Vergangenheit vergessen. Nun gerät sie in einen Strudel widersprüchlicher Gefühle und Verdächtigungen. Jenny, die vor Jahren ihren Namen und Wohnort geändert und vor elf Jahren Mark geheiratet hat, ist die Tochter eines verurteilten Serienmörders und einer kranken und manipulativen Mutter.


Nach "Die Frau des Serienkillers" habe ich mit diesem Buch den zweiten Band der Serienkiller-Reihe gelesen. Beide Bücher haben nur durch einen Teil des Titels Verbindung miteinander und sind völlig eigenständige Geschichten mit unterschiedlichen Figuren. Dieses zweite Buch stellt wiederum nähere Familienmitglieder eines Killers ins Zentrum. Diesmal dreht sich alles um die Tochter, ihren Mann und ihre Kinder. Ich empfand "Die Tochter des Serienkillers" als schwächer als das erste Buch, in der die Frau eines Killers im Mittelpunkt steht. Ein Grund dafür war sicher, dass mir die Zusammenhänge gegen Mitte Buch schon ziemlich klar waren. Obwohl die Autorin falsche Fährten gelegt hat, war die Figur mit der kriminellen Energie auffällig unauffällig charakterisiert und ich habe schnell eins und eins zusammengezählt. Spannung kam da sehr dosiert auf. Allerdings war die Identität und der Bezug zu Jenny eine überraschende Komponente.

Wiederum liegt der Fokus nicht auf den Ermittlungen, sondern auf dem Blickwinkel und den Gefühlen eine Angehörige eines verurteilten Serienkillers zu sein. Nicht nachvollziehen konnte ich, dass Jenny elf Jahre lang ihrem Mann Mark kein Sterbenswörtchen gesagt hat, dass ihr Vater ein verurteilter Serientäter ist und sie keinen Kontakt mit ihrer Mutter pflegt, da diese sehr manipulativ ist. Warum muss sie daraus so ein grossen, streng gehütetes Geheimnis daraus machen? Dass sie es nicht gleich ihren Angestellten oder den Müttern aus der Schule ihrer Kinder auf die Nase bindet, geht ja noch an. Aber ihrem Ehemann? Da Mark und Jenny in abwechselnden Kapiteln erzählen, wird sehr oft ihre Beziehung durchgekaut, was etliche Male langatmig ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein kind, das anders ist...

Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning
0

Alice Whitley sagt sofort zu, als Verlagsleiter Isaac Vargas sie bittet einen Job in Los Angeles zu übernehmen. Alice, die eigentlich ausgebildete Lehrerin ist, soll den Sohn der bekannten Autorin Mimi ...

Alice Whitley sagt sofort zu, als Verlagsleiter Isaac Vargas sie bittet einen Job in Los Angeles zu übernehmen. Alice, die eigentlich ausgebildete Lehrerin ist, soll den Sohn der bekannten Autorin Mimi Banning betreuen.

Nebenbei soll ein Auge darauf haben, dass Mimi ihre Schreibblockade überwindet. Der Traumjob stellt sich jedoch als sehr kniffelig dar, denn der 9-jährige Frank ist anders als andere Kinder und lebt sein Leben nach eigenen Regeln.




Frank ist anders als andere Kinder und meiner Meinung nach lebt er mit ASS, einer Autismusspektrum-Störung. Er erträgt fast keine Berührungen, schläft unruhig oder überhaupt nicht und nimmt jeden noch so banalen Witz wörtlich. Frank reisst sich entweder die Haare aus oder legt sich schreiend hin, wenn die Welt aus seiner Sicht drunter und drüber geht. Zudem hat Frank grosse Schwierigkeiten sich in der Schule zu integrieren. (Seite 55: Die Kinder in der Schule sagen ich sei verrückt) Frank ist ein Filmfan und kann Zitate aus Filmen auswendig aufsagen, was ab und zu beim Lesen etwas ermüdend war. Ich bin kein Filmfan und so waren die Zitate eins wie das andere für mich.

Zudem ist Frank äusserst altklug und spricht wie ein Professor. Er sagt Dinge wie "präfrontaler Kortex oder "Filmconnaisseure". Der Neunjährige kleidet sich wie ein Adeliger aus den 40er Jahren und was Aussenstehende von seinem Kleiderstil halten, ist ihm egal. Da ich beruflich mit Menschen im Autismusspektrums Bereich zu tun habe, kann ich es nicht ausstehen, wenn Menschen mit ASS in Büchern und Filmen mit dem Jöh Effekt charakterisiert werden. Dieses Buch geht zum Glück nicht in diese Richtung. Denn es zeigt zum Beispiel, wie schwer es Frank in der Schule hat, wo Flexibilität gefragt ist und sich viele Menschen in einem Raum aufhalten.

Ich fand Frank einer ermüdende und aufreibende Figur und damit authentisch. Alice hingegen empfand ich als sehr naiv, jedoch sympathisch. Alice nimmt Frank, wie er ist und versucht nicht, ihn in die Schablone "normal" zu pressen. Es dauert etwas, bis sie die Eigenheiten ihres Schützlings verstanden hat. Da Alice ein grosses Herz hat, versucht sie dem Jungen Stabilität zu geben. Sehr gelungen ist Mimi, die Mutter von Frank. Man spürt förmlich, wie sie mit ihrem Sohn an die Grenzen kommt und einen Kampf austrägt zwischen Verantwortung für ihr Kind und Normalität für ihr eigenes Leben.

Die Idee ist gut und die Umsetzung manchmal anstrengend zu lesen. Gar nicht gefallen hat mir der Schluss, denn dieser ist eher offen gehalten. Da haben mir eindeutig noch ein paar Seiten gefehlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2025

Blindflug!

Vorsehung
0

Ein Flugzeug startet seine Reise in Hobart, Ziel ist Sydney. Unruhe kommt an Bord auf. Die ältere Dame von Sitz 4D geht durch das Flugzeug und sagt ihren Mitpassagieren das voraussichtliche Todesjahr, ...

Ein Flugzeug startet seine Reise in Hobart, Ziel ist Sydney. Unruhe kommt an Bord auf. Die ältere Dame von Sitz 4D geht durch das Flugzeug und sagt ihren Mitpassagieren das voraussichtliche Todesjahr, sowie den Grund des Todes voraus. Viele sind entsetzt und geschockt, einige sehen der Vorhersage gelassen entgegen.

Kaum gelandet, gehen diese Prophezeiungen den Menschen nicht mehr aus dem Kopf. Sie versuchen ihr Schicksal zu beeinflussen und dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.




"Vorhersehung": ein mehr als passender Titel, der hervorragend zu der Geschichte passt. Wie sehr beeinflusst eine Prognose, die den Todeszeitpunkt, sowie die Art und Weise des Sterbens voraussagt, das Leben? Wie lebt man weiter mit dem Wissen rund um den eigenen Todeszeitpunkt? Eine tiefsinnige Frage, die die Autorin anhand von verschiedenen Figuren wunderbar in die Story hat einfliessen lassen.

Da ist die junge Mutter, der gesagt wird, dass ihr Baby mit 7 Jahren ertrinken wird. Sie setzt alles daran, dass ihr Kind früh schwimmen lernt und wird mit dem Kleinen drei verschiedene Schwimmkurse besuchen. Dann ist da der Familienvater, der mit 43 Jahren, das heisst in weniger als einem Jahr, bei einem Arbeitsunfall sterben soll. Wird er die Kündigung einreichen und dafür finanzielle Engpässe für seine Familie in Kauf nehmen? Nützt es Sue, die an Krebs sterben soll, möglichst viele medizinischen Voruntersuchungen zu absolvieren? Oder der Flugbegleiterin Allegra ab sofort Sport zu treiben, damit sie einer allfälligen Depression zuvorkommt. Können sie damit ihrem Schicksal zuvorkommen?

In abwechselnden Kapiteln erfährt man, was eine Handvoll Figuren aus der Prognose der älteren Dame macht. Eingefügt sind aber auch Kapitel, in denen man das Leben der "Todesdame", wie sie genannt wird, verfolgen kann. Ist Cherry eine Wahrsagerin oder einfach eine verrückte alte Frau?

Mir hat eindeutig die Kennzeichnung der Kapitel gefehlt. Meist musste ich ein paar Abschnitte lesen um einordnen zu können, welche Figur denn nun gerade im Mittelpunkt steht. So fühlte ich mich öfters im Blindflug, um es inhaltlich kompatibel zu sagen. Auch Cherry wird dem Leser blind hingeworfen. In ihren Kapiteln wurden auch die Zeitebenen bunt durcheinander gemixt. Das fand ich öfters als sehr verwirrend und störend im Lesefluss.

Der Start in die Geschichte hat mich sehr begeistert, denn ich empfand den Satzaufbau als neuartig und faszinierend. Ich mag den Schreibstil von Liane Moriarty und ihre Figuren sind lebensecht charakterisiert. Jede Figur könnte nebenan wohnen und das ist das, was die Geschichte dann auch authentisch macht. Zum Schluss gibt es gar viele Verbindungen unter den Figuren, das hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2025

Auflösung unbefriedigend!

Die Villa
0

Eine Villa in Marbella ist das Ziel für Aoife und ihre vier Freundinnen. Die fünf Frauen wollen über das Wochenende den Junggesellinnenabschied von der zukünftigen Braut feiern. Aoife wird ihren Verlobten ...

Eine Villa in Marbella ist das Ziel für Aoife und ihre vier Freundinnen. Die fünf Frauen wollen über das Wochenende den Junggesellinnenabschied von der zukünftigen Braut feiern. Aoife wird ihren Verlobten Nathan heiraten und die Freundinnen wollen noch einmal richtig Party machen. Das Wochenende endet jedoch tödlich und Aoife stirbt.

Drei Jahre nach ihrem Tod kehren Dani, Tiffany, Beth und Celine noch einmal in die Villa zurück. Sie hoffen damit Licht ins Dunkel rund um Aoifes Tod bringen zu können.




Die Autorin hat das Geschehen aus der Sicht jeder der fünf Frauen drei Jahre zuvor und aus der Sicht der vier verbliebenen Freundinnen in der Gegenwart beschrieben. Wobei der Ausdruck Freundinnen nicht ganz richtig ist. Bindeglied der Zwangsgemeinschaft am Junggesellinnen - Wochenende ist Aoife, die mit den anderen vier befreundet ist. Tiffany und Beth kennt sie von Kindesbeinen an, Dani aus dem Studium und mit Celine arbeitet sie. Untereinander kennen sich die vier nur flüchtig und hegen ihre Sympathien und Antipathien.

Zickereien, Eifersuchtsszenen und ab und zu etliches an Drama inklusive. Vor allem Tiffany und Dani buhlen um die Gunst von Aoife. Es gibt Passagen, die hätten gekürzt werden dürfen, denn die Handlung tritt auf der Stelle. Es gibt einige Bar und Clubbesuche, Flirten mit geeigneten oder ungeeigneten Kandidaten, Alkoholexzesse und Sommerfeeling. Aoife fand ich überzeugend charakterisiert. Sie ist sich gewohnt im Mittelpunkt zu stehen, wirkt verwöhnt und sehr von sich eingenommen. Wenn man eine solche Freundin hat, braucht man keine Feinde mehr.

Der Plot des Thrillers ist sicher nicht neu, jedoch nach wie vor unterhaltsam und auch spannend. Denn der Tod der Braut ist ja von Beginn weg bekannt und ich habe mich schon gefragt, wie und vor allem weshalb Aoife gestorben ist. Irgendwann hatte ich vier potenzielle Mörderinnen zur Hand und ich wollte wissen, wer denn getötet hat? Allen vier Frauen ist Aoife irgendwann einmal auf den Schlips getreten. Die Frage drängt sich auf, welches dieser Vergehen einschneidend genug war, um zu morden? Oder war es etwa eine Nebenfigur, die wichtig für die Handlung ist, jedoch unauffällig ihren Weg geht und eigene Ziele verfolgt?

Die Auflösung lässt mich bedauerlicherweise einen Stern abziehen. Wenn ich Thriller lese und eine Figur hat plötzlich eine Eingebung oder erinnert sich wieder, was lange Zeit zuvor geschehen ist, ist das nie befriedigend. Zu diesem Weg für die Auflösung hat leider auch Jess Ryder gegriffen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2025

Ein Familienfest mit Folgen....

Verlassen
0

Zu Ehren des Familienoberhauptes trifft sich seine Familie zu einem verlängerten Wochenende in einem abgelegenen Hotel. Der Familienpatriarch wäre hundert Jahre alt geworden und seine Nachkommen verdanken ...

Zu Ehren des Familienoberhauptes trifft sich seine Familie zu einem verlängerten Wochenende in einem abgelegenen Hotel. Der Familienpatriarch wäre hundert Jahre alt geworden und seine Nachkommen verdanken ihm viel. Die Snaebergs gelten als eine der einflussreichsten und wohlhabendsten Clans Islands.

In dem bekannten Smarthotel in den Lavafeldern Westislands treffen sich seine Kinder und deren Familien nach Jahren wieder. Die Hotelangestellte Irma ist beeindruckt, denn die Familie Snaeberg ist in ganz Island bekannt. Als ein Opfer entdeckt wird, stellt sich heraus, dass in der Familie doch seit Jahren einige Unstimmigkeiten mitschwingen.


Der vierte Band der Islandkrimis der Autorin dreht sich dieses Mal um eine begüterte Familie. Einer Familie, die mit einer beträchtlichen Anzahl Mitglieder das Hotel für ein Wochenende bezieht. Um nicht durcheinander zu geraten, wurde auf der ersten Seite ein Stammbaum eingefügt. Den ich, ehrlich gesagt, nur ein oder zweimal zu Rate ziehen musste. Denn die Figuren trumpfen mit sehr unterschiedlichen Attributen auf und ich konnte sie dadurch gut auseinanderhalten. Das spricht schon einmal für die Autorin.

In den ersten Kapiteln wird ein Opfer tot aufgefunden. Doch lange Zeit weiss man nicht, wer dieses Opfer ist. Und damit zieht die Spannung ein. Nicht wie sonst in Krimis habe ich gerätselt, wer der Mörder ist, sondern erst einmal, wer sterben musste. Nach einem Drittel der Handlung meinte ich ja, nun diese Identität zu erfahren...doch nein, die Autorin hatte anderes im Sinn und weiter zieht sich diese Frage.

Man muss sich durch allerhand Familieninterna lesen. Beziehungen zwischen Eltern und ihren teilweise pubertierenden Kindern, Ehepartnern, die teilweise nah an der Trennung sind und unter Cousins und Cousinen, sowie Geschwistern machen einen Grossteil der Handlung aus. Dazu kommen Missbrauch, Alkoholabhängigkeit und immer wieder lassen ein paar eingeworfene Drogen das Familienfest in erträglichem Licht erscheinen. Hier gibt es einige Längen und die Polizei ermittelt sehr zurückhaltend bis schleppend. Aber die Frage nach der Identität des Opfers hielt mich bei der Stange.

Die Auflösung und schlussendlich der clever konstruierte Plot haben mir gefallen. Einfallsreich und schlüssig geht die Geschichte rund um die Familie Snaeberg zu Ende. Die Geschichte rund um die Ermittler in Arkanes geht im nächsten Band weiter. Denn es wird angedeutet, dass eine neue Ermittlerin zum Team stösst. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere