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Veröffentlicht am 23.07.2019

Abseits aller Zivilisation

Der Gesang der Flusskrebse
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"Der Gesang der Flusskrebse" ist ein wunderschöner Titel für ein Buch, das man nur schwer einem Genre zuordnen kann. Am ehesten trifft wohl eine Mischung aus Coming-of-Age Roman und anspruchsvollerem Krimi. ...

"Der Gesang der Flusskrebse" ist ein wunderschöner Titel für ein Buch, das man nur schwer einem Genre zuordnen kann. Am ehesten trifft wohl eine Mischung aus Coming-of-Age Roman und anspruchsvollerem Krimi.
Der Handlungsort ist ein einsames Marschland in der Nähe des Städtchens Barkley Cove in North Carolina.
Die Erzählung beginnt in zwei Zeitsträngen: Ende der 60er Jahre finden zwei Jungen eine Leiche in der Marsch. Anfang der 50er Jahre lebt das Mädchen Kya dort. Die Mutter verlässt die Familie und ihren gewalttätigen Ehemann. Ihre Kinder lässt sie mit ihm im Marschland zurück.
Kya wächst völlig isoliert auf, die Bewohner des nahegelegenen Küstenstädtchens reden über sie, denn auch die Schule besucht Kya nicht. Lesen lernt sie über einen Schulfreund ihres Bruders. Mit Menschen hat sie nur wenig Kontakt, die Natur ist ihr Freund.
Als sie älter wird ranken sich allerlei Gerüchte um die schöne Wilde und beflügeln die Fantasie der jungen Männer des Dorfes.
Kya öffnet sich dem Leben der Kleinstadt, lernt einen Jungen Mann kennen ... mit fatalen Folgen.
Der Erzählstil ist ausschweifend, aber mir gefallen vor allem die atemberaubenden Naturbeobachtungen, die uns bildlich ins Marschland mit seiner Flora und Fauna.
"Es mochte ein hartes Land sein, aber es war keineswegs karg. Vielschichtiges Leben - wuselige Strandkrabben, schlammstakende Sumpfkrebse, Wasservögel, Fische, Garnelen, Austern, fette Hirsche und dicke Gänse - tummelte sich an Land oder im Wasser." Zitat Seite 17.
Die Autorin ist Zoologin und hat bisher Fachbücher geschrieben. "Der Gesang der Flusskrebse" ist ihr Romandebut und es ist gelungen.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Grandioser Debutroman zwischen Prosa und Poesie

Auf Erden sind wir kurz grandios
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Der Ich-Erzähler Little Dog schreibt einen Brief an seine Mutter Rose, die nicht lesen kann und allein der Umstand, dass die Mutter Analphabetin ist und sie das Geschriebene wohl nie lesen wird, macht ...

Der Ich-Erzähler Little Dog schreibt einen Brief an seine Mutter Rose, die nicht lesen kann und allein der Umstand, dass die Mutter Analphabetin ist und sie das Geschriebene wohl nie lesen wird, macht es ihm möglich so direkt und offen zu sein.
Er erzählt von der alten Heimat Vietnam, vom Krieg. Zusammen mit Little Dogs Grossmutter Lan hat die kleine Familie Vietnam verlassen um in den USA ein neues besseres Leben zu beginnen. Zu dritt leben sie in einer winzigen Wohnung in einem Randgebiet von Hartford in Connecticut. Rose arbeitet im Nagelstudio, von ihrem Einkommen lebt die Familie eher von der Hand in den Mund.
Little Dog wird von seinen Mitschülern und den Kindern in seiner Strasse gemobbt und geschlagen. Aber auch zuhause geht es Little Dog nicht gut, Rose rutscht immer wieder die Hand und bald auch die Faust aus. Seine Grossmutter kann Little Dog vor den Gewaltausbrüchen Roses nicht schützen, aber sie spendet ihm mit kleinen Geschichten Trost. Sie erzählt aus Vietnam, wie sie als junges Mädchen aus einer Zwangsehe flüchtete, wie sie mit amerikanischen Soldaten mitging, wie sie verachtet wurde, weil sie ein weisses Kind bekam Rose, das "Geistermädchen".
Weder Lan noch Rose haben die Geschehnisse des Krieges verarbeitet und leiden beide unter posttraumatischen Störungen. Wie sie letztendlich in die USA kamen bleibt im Dunkel, jedoch gibt es einen "Grossvater", der zwar nicht der biologische Vater von Rose ist, sich aber offenbar Lans damals angenommen hat.
Doch Little Dog hat nicht nur mit dem schwierigen Verhältnis zu seiner Mutter und rassistischer Ausgrenzung zu kämpfen.
Als er im Sommer auf einer Plantage könnt, verliebt er sich in einen amerikanischen Jungen, Trevor. Eine Liebe, die zwar mehr oder weniger erwidert wird, aber unter keinem guten Stern steht, denn Trevor ist schwer drogenabhängig.
Little Dog macht an dieser Stelle seines Lebens einen Cut, zieht nach New York und versucht sich als Schriftsteller.
Was mich an dem Buch fasziniert, ist nicht unbedingt die Handlung, die an ein Memoir erinnert, sondern die wunderschöne, fast poetische und doch kraftvolle Sprache, die mich tief emotional berührt hat.
Mich erinnert diese Art des Schreibens an den autobiographischen Debutroman von Yrsa Daley-Ward "Alles, was passiert ist", denn auch hier verschwimmen Prosa und Poesie, um trotzdem knallharte Realität zu erzählen. Inwiefern auch Ocean Voungs Roman autobiographisch ist, weiss ich allerdings nicht, aber eine klare Leseempfehlung möchte ich abgeben.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Lesenswerter Roman über eine starke Frau

Die Malerin des Nordlichts
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Da ich mich sehr für Kunst interessiere, habe ich bei vorablesen so sehr auf das Buch gehofft. Leider hat es nicht geklappt mit dem Gewinn,so dass ich es mir leihen musste.
Ganz im Stil der Buchserie ...

Da ich mich sehr für Kunst interessiere, habe ich bei vorablesen so sehr auf das Buch gehofft. Leider hat es nicht geklappt mit dem Gewinn,so dass ich es mir leihen musste.
Ganz im Stil der Buchserie über grosse und starke Frauen der Geschichte wird hier das Leben der Expressionistin Signe Munch, der Nichte des grossen Edvard Munch erzählt.

Inhalt:Norwegen 1922: Signe ist talentiert, ambitioniert und vor allem eins: frei! Endlich hat sie sich aus ihrer unglücklichen Ehe gelöst, und damit von einem Mann, der für ihre große Leidenschaft, die Malerei kein Verständnis hat. In ihrer Jugend lernte sie, an der Seite ihres Onkels, dem Genie Edvard Munch, die schillernde Osloer Bohème kennen. Nun nimmt Signe Unterricht beim Sohn von Paul Gauguin, sie hat sich geschworen, ihr Leben ausschließlich der Kunst zu widmen. Sie will ein Werk hinterlassen, das – ebenso wie die Bilder ihres Onkels – die Menschen bewegt und aufrüttelt. Dann lernt sie Einar kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Als er sich dem Widerstand anschließt, begreift Signe, dass man manchmal alles wagen muss – in der Liebe und in der Kunst.

Eindruck:
Signe wird als starke und unabhängige Frau beschrieben, die sich im frühen 20. Jahrhundert beweisen muss. Die Handlungsstränge - in Rückblenden erzählt - bewegen sich zwischen 1922 und 1945.
Der künstlerische Werdegang von Signe Munch wird bildhaft und leicht verständlich dargelegt. Dabei werden auch die Bilder Signes so detailgetreu beschrieben, dass man sie vor dem inneren Auge sehen kann. ( leider ist es real, dass keines ihrer Bilder vor den Nazischergen gerettet werde könnte).
Auch über das Privatleben der Ausnahmekünstlerin erfahren wir viel, erst spät findet sie die Liebe ihres Lebens.
Ein lesenswerter, gut recherchierter Roman über eine starke und mutige Frau, die weiß, was ihr wichtig ist im Leben und selbst in schweren Zeiten ihren Weg geht.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Drei Schwestern halten zusammen

Eine eigene Zukunft
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Inhalt: Der Spanische Einwanderer Emilio Arenas hat sich bereits in diversen Berufen versucht bevor er 1936 in New York sein Restaurant eröffnet. Jetzt kann er seine Familie aus Andalusien in die USA nachholen. ...

Inhalt: Der Spanische Einwanderer Emilio Arenas hat sich bereits in diversen Berufen versucht bevor er 1936 in New York sein Restaurant eröffnet. Jetzt kann er seine Familie aus Andalusien in die USA nachholen. Das sind Remedios, seine Frau und die drei Töchter Victoria, Mona und Luz.
Kurz nach deren Ankunft in Nee York kommt der Vater bei einem tragischen Unglücksfall ums Leben. Die Mutter und Töchter bleiben mittellos ohne Geld und ohne die Sprache sprechen zu können zurück. Doch dann nehmen Victoria, Mona und Luz ihr Schicksal schliesslich selbst in die Hand.
Sie beschließen, das Restaurant in einen Nachtclub zu verändern.
Mit der Zeit wachsen die drei ungleichen Schwester an und mit ihren Aufgaben und jede schafft es, sich eine Zukunft in der neuen Heimat aufzubauen.
Mein Fazit: Ein gelungener Frauenroman um drei mutige Schwestern, die dem Schicksal trotzen und Stärke beweisen. Ein Roman über den Zusammenhalt in der Familie, aber auch innerhalb der spanischen Gemeinde im fremden New York.
Der Schreibstil der Autorin Maria Duenas gefällt mir sehr gut. Der Anfang hat mich mitgerissen und war ungeheuer spannend, dann gab es einige Längen, denn die Autorin hat eine sehr ausführliche Erzählweise. Ab und an hätte man etwas kürzen können.
Ich habe das Buch gerne gelesen und empfehle es weiter.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Solider Serienauftakt

Die Stille des Todes
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Inhalt:

Es sterben immer zwei. Sie sind immer gleich alt. Und sie kennen sich nicht.

Der erste Fall für Inspector Ayala, genannt Kraken

Eine Stadt ist in Angst. In der Kathedrale von Vitoria liegt ...

Inhalt:

Es sterben immer zwei. Sie sind immer gleich alt. Und sie kennen sich nicht.

Der erste Fall für Inspector Ayala, genannt Kraken

Eine Stadt ist in Angst. In der Kathedrale von Vitoria liegt ein totes Paar, völlig nackt, die Hände auf der Wange des anderen. Das alles gleicht exakt einer Serie von Verbrechen vor zwanzig Jahren, die die Stadt in Atem hielt. Doch der Fall gilt als gelöst, der Täter sitzt in strenger Einzelhaft. Hat man damals einen Unschuldigen verurteilt?

Meine Meinung

Interessant war für mich der Schauplatz Spanien. Ich habe vor kurzem einige neuere spanische Kriminalfilme für mich entdeckt und war sicher, dass es auch neue Autoren meines Lieblingsgenres aus diesem Land gibt, die mir gefallen.
Zur besseren Übersicht über die Örtlichkeiten des Geschehens sind vorne und hinten Karten im Buch abgedruckt. Ein Personenverzeichnis ganz hinten im Buch ist auch hilfreich.
Ein Glossar und Personenverzeichnis im hinteren Teil des Buches ist auch sehr praktisch. Dieses Buch ist der Auftakt zu einer Krimiserie. Der erste Fall des Inspectors Ayala ist sehr mysteriös und stellt ihn sowie seine Kollegin Gauna vor viele Rätsel.
Die Geschichte kann mit einigen gelungenden Twists überraschen und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Die Örtlichkeiten in Spanien sind gut beschrieben.
Einerseits ein gelungenes Seriendebüt, es hebt sich aber leider nicht direkt von der Masse ab, so dass man sagen könnte, der Roman habe etwas "typisch spanisches". Man kann den Krimi aber durchaus als solide bezeichnen und wird nicht enttäuscht. Die Thematik des Kriminalfalls ist leider auch nichts wirklich Neues. Dennoch bin ich sehr auf den zweiten Band des Schriftstellers gespannt.